{"id":4655,"date":"2022-10-24T20:51:59","date_gmt":"2022-10-24T18:51:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4655"},"modified":"2022-10-24T20:51:59","modified_gmt":"2022-10-24T18:51:59","slug":"primus-conspiranoid-prawn-songs-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/primus-conspiranoid-prawn-songs-2022\/","title":{"rendered":"Primus \u2013 Conspiranoid \u2013 Prawn Songs 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Primus-Conspiranoid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Primus-Conspiranoid.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4656\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (24.10.2022)<br><br>Wenn intelligente Menschen sich mit der Pandemie auseinandersetzen und sich mit Verschw\u00f6rungstheorien befassen, kommen auch intelligente Erkenntnisse zutage, die Verschw\u00f6rungstheorien als das behandeln, was sie sind: durchgeknallte Paranoia. Entsprechend betiteln die drei ausschlie\u00dflich musikalisch Durchgeknallten von Primus ihre themenbezogene EP mit dem treffenden Kofferwort \u201eConspiranoid\u201c und erf\u00fcllen damit gleich zwei wesentliche Aspekte: Sie positionieren sich in Zeiten des rechtsbefeuerten Dummheitswahns auf der Seite der Nichtdummen \u2013 und machen grandiose Musik. Die drei Songs auf \u201eConspiranoid\u201c sind so Primus, wie man sie vor \u00fcber 30 Jahren zu lieben lernte: frickelig, progressiv, eigensinnig, trotzdem eing\u00e4ngig und nat\u00fcrlich basslastig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ach, ist das sch\u00f6n, Primus solche Sachen machen zu h\u00f6ren! Der Bass, das bundlose Instrument des Wahnsinns, steht im Zentrum des Get\u00f6ses, Les Claypool kann auf dem Ding mehr als nur Achtel spielen und \u00fcbt seine F\u00e4higkeiten sachdienlich aus, indem er Rhythmus, Melodien und Spezialeffekte gleichzeitig bedient. Das geht, muss man nur wollen, und das ist seit Ende der Achtziger das Markenzeichen von Primus. Bei ihm sind hier Gitarrist Larry LaLonde und Schlagzeuger Tim \u201eHerb\u201c Alexander, also die beiden Musiker der klassischen (nicht der Gr\u00fcndungs-!) Primus-Besetzung von 1989 bis 1996 sowie mit einer Unterbrechung seit 20 Jahren wieder. Sie wissen, wie das Vehikel gesteuert wird.<br><br>Hei\u00dft: Die Musik von Primus ist von einer polkahaften Zackigkeit gepr\u00e4gt, die man auch als Funk auffassen kann; seinerzeit nannte man so etwas auch Funky Metal, bevor der Begriff Corssover aufkam. Die Art der Rockmusik, die Primus spielen, kann man indes nicht mit herk\u00f6mmlicher Rockmusik vergleichen, auch nicht mit Crossover: Da der Bass das tragende Instrument ist, ist alles auf Rhythmus ausgelegt, nicht wie bei anderen Rockbands auf die Gitarre, also nicht auf Rock\u2019n\u2019Roll, H\u00e4rte, Riffs. Das k\u00f6nnen Primus zwar auch, aber darin liegt nicht ihr Schwerpunkt, daf\u00fcr ist der experimentierfreudige Bandkopf einfach zu dominant. Ihm zur Seite steht daher vorrangig das Schlagzeug, das die zickige Zackigkeit des Basses und des Gesangs mehr als kunstvoll tapeziert, w\u00e4hrend die Gitarre drumherum opulent freie Figuren gniedelt. Die Primus-Musik funktioniert mithin trotz verschobener Schwerpunkte nur im Verbund, niemand ist unwichtig.<br><br>So entstehen Perlen, die musikhistorisch einzigartig sind; es gibt auf diesem Planeten keine zweite Band, die wie Primus klingt. Und nach einigen Loopings und Umwegen klingen auch Primus 2022 wieder wie Primus. Das elfmin\u00fctige \u201eConspiranoia\u201c ist verschachtelt und bedient die Merkmale des Progrock noch am ehesten, die sich Claypool gern bei seinen Helden Rush, Pink Floyd und King Crimson abguckt. Auf der B-Seite geht es komprimierter zu, \u201eFollow The Fool\u201c und \u201eErin On The Side Of Caution\u201c sind nur knapp l\u00e4nger als das durchschnittliche Radioformat und damit weniger verspielt als die A-Seite, zudem druck- und temporeicher. Man h\u00f6rt dem Trio an, dass es etwas zu sagen hat \u2013 und dass es angepisst ist von den ganzen Leuten, die hierzulande unter Querdenker zusammenfassbar sind, die ihre pers\u00f6nlichen Defizite nicht anders verarbeitet bekommen, als rechtspopulistischen Schwachsinn zu verbreiten. Im Titeltrack verarbeitet Claypool den ganzen rechten Schei\u00df von QAnon und Trump-Anh\u00e4ngerschaften \u00fcber Chemtrails, Corona-L\u00fcgen und Flacherde-Glauben bis hin zu Antisemitismus.<br><br>Da Claypool nicht nur intellektuell und politisch auf der Habenseite steht, sondern auch k\u00fcnstlerisch, ist nicht nur die Musik gut, sondern auch das Cover, das ein thematisch passendes Gem\u00e4lde des Bassisten zeigt. Der Mann kann. Und er hat Humor, er motzt nicht einfach, er macht sich lustig, Ironie als Waffe. Das Vinyl der EP ist wei\u00df, die Musik ist geil, das Anliegen mehr als begr\u00fc\u00dfenswert angesichts der ganzen Flachpfeifen, die im Angesicht der Pandemie den Weg des geringsten Widerstands gegen\u00fcber menschenverachtender Dummheit einschlagen. Und: Primus geh\u00f6ren zu den Neunziger-Indie-Hit-Bands, die auch 2022 noch relevante Musik machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (24.10.2022) Wenn intelligente Menschen sich mit der Pandemie auseinandersetzen und sich mit Verschw\u00f6rungstheorien befassen, kommen auch intelligente Erkenntnisse zutage, die Verschw\u00f6rungstheorien als das behandeln, was sie sind: durchgeknallte Paranoia. 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