{"id":4592,"date":"2022-10-11T19:58:17","date_gmt":"2022-10-11T17:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4592"},"modified":"2022-10-11T19:58:17","modified_gmt":"2022-10-11T17:58:17","slug":"pixies-doggerel-infectious-music-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/pixies-doggerel-infectious-music-2022\/","title":{"rendered":"Pixies \u2013 Doggerel \u2013 Infectious Music 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Pixies-Doggerel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Pixies-Doggerel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4593\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (10.10.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist ein Lied \u00fcber etwas dort. Da ist etwas dort \u00fcber dieses Lied. Subbachultcha. H\u00e4tte mir jemand sammama 2014, als das erste Pixies-Reunion-Album \u201eIndie Cindy\u201c erschien, gesagt, dass ich dereinst im Zusammenhang mit einem neuen Werk der legend\u00e4ren Pixies auf die Gro\u00dftaten des 1991er-Abschiedsalbums \u201eTrompe le monde\u201c referenzieren w\u00fcrde, ohne mich dabei schlecht zu f\u00fchlen, ich h\u00e4tte ihn oder sie a) mit der sprichw\u00f6rtlichen rhetorischen Wasserwaage vom Hofe gejagt, b) ihn\/sie mit derselben im Anschlag noch um einige H\u00e4userblocks gejagt und c) gesagt: \u201eH\u00f6mma\u201c, und gemeint: \u201eH\u00f6mma auf. Die Pixies sind Geschichte und h\u00e4tten sich nimmermehr reunifizieren d\u00fcrfen. Wenn wir die Stimme von Black Francis h\u00f6ren wollen, k\u00f6nnen wir die Alben von Frank Black erwerben und nebenbei Morrissey h\u00f6ren, die Smiths werden sich ja auch nicht mehr wieder neu zusammentun.\u201c Nun ist 2022, besagte Wasserwaage ist Geschichte, die Smiths gibt es gl\u00fccklicherweise immer noch nicht wieder, Frank Blacks Soloalben langweilen und die Pixies haben eine neue Langrille am Start. Kann ja nur wieder nichts werden. Und der \u00fcberaus gestrenge Herausgeber erwartet einen Verriss \u2013 oisdann, gemmas o!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>History Lesson, pt. 1: Irgendwann in den fr\u00fchen 90ern erkl\u00e4rte der damalige Black Francis nach vier \u00fcberaus geschichtstr\u00e4chtigen, bedeutenden und bis heute fast alles andere \u00fcberstrahlenden Albumver\u00f6ffentlichungen wahlweise per Fax an seine Bandkolleg:innen oder per Interview gegen\u00fcber der Welt\u00f6ffentlichkeit \u2013 die Legendenschreibenden sind sich in diesem Punkt anscheinend nicht einig \u2013 das Ende der Pixies und machte unter dem Namen Frank Black eine Solokarriere, die nicht arm an Albenver\u00f6ffentlichungen und guter Musik war, aber irgendwann anfing, mich langzuweilen. Francis\u2018 Stimme hatte die Schr\u00e4gheit der Pixies-\u00c4ra verloren, die Musik wandelte sich vom Indie-Sound der fr\u00fchen Tage immer mehr hin zu Americana \u2013 alles wirklich sehr gut, aber der Zauber der Pixies-Jahre war leider weg.<br><br>History Lesson, pt. 2: Umso mehr freute ich mich, als sich Anfang der 2010er-Jahre eine Pixies-Reunion abzeichnete, die 2014 in der Ver\u00f6ffentlichung des ersten Post-Reunion-Albums \u201eIndie Cindy\u201c m\u00fcndete. 2016 und 2019 folgten \u201eHead Carrier\u201c und \u201eBeneath The Eyrie\u201c. Und \u2013 eventuell mit Ausnahme des letztgenannten, das mir ein wenig frischer und origineller vorkam als die beiden Alben davor \u2013 h\u00e4tte Black Francis alle Alben auch unter dem Namen Frank Black herausbringen k\u00f6nnen. Ja klar, Joey Santiagos klirrende Gitarre hatte immer noch Wiedererkennungswert, David Loverings Schlagzeug erzeugte immer noch dieses charakteristische Pixies-Gepolter, das ich auf den Frank-Black-Soloalben vermisste, auch Paz Lenchantin, die nach \u201eIndie Cindy\u201c als Bassistin und teilweise S\u00e4ngerin einstieg, machte einen guten Job und tr\u00f6stete \u00fcber den endg\u00fcltigen Ausstieg der wunderbaren Kim Deal, die bei der Reunion wieder mit an Bord war und bereits vor \u201eIndie Cindy\u201c endg\u00fcltig das Weite suchte, hinweg, aber der Zauber vergangener Gro\u00dftaten wollte sich, trotz teilweise wohlwollender Kritikerstimmen, nicht wieder einstellen.<br><br>Kann \u201eDoggerel\u201c (was soviel hei\u00dft wie \u201eKnittelvers\u201c, wieder einmal mehr h\u00e4lt die englische Sprache das wohlklingendere Wort bereit als die deutsche) daran was \u00e4ndern? Verdammt, ja! Schon der erste Song, \u201eNomatterday\u201c beginnt mehr als vielversprechend: Ein entfernt \u201eSubbachultcha\u201c-m\u00e4\u00dfiges Rumpeln empf\u00e4ngt den mit gemischten Gef\u00fchlen an \u201eDoggerel\u201c herangehenden H\u00f6renden, Black Francis leitet den Song gesprochen ein und beendet die erste Strophe mit \u201eDon\u2018t waste your time on me\u201c und die zweite mit \u201eDon\u2018t waste my time on you\u201c. Dazu spielt Santiago seine typischen hohen, immer leicht klirrenden und quietschenden Riffs, Lovering poltert Pixies-m\u00e4\u00dfig vor sich hin und \u2013 Moment, was ist das? Mit dem Refrain trabt der Song los, entwickelt eine die H\u00f6renden mitrei\u00dfende Melodie, Santiagos Gitarre schrillt im Hintergrund munter vor sich hin, Lovering poltert und Paz Lenchantin sorgt mit ihrem Bass daf\u00fcr, dass das Ding m\u00e4chtig vorangeht. Und sp\u00e4testens ab den Zeilen \u201eI said hey-ey-ey-ey, Don&#8217;t piss in the fountain, I said whoa-whoa-whoa-whoa, Don&#8217;t piss in the fountain\u201c haben die Pixies mich vorerst auf ihrer Seite. Hea hoa hoa hoa hea hoa hea.<br><br>Ein erster Song auf einem Album \u2013 und zwar irgendeinem Album \u2013 sollte entweder ein mit Geigen und\/Slash\/oder Synthesizern instrumentiertes, an absolute Stille grenzendes Instrumentalintro sein, oder die H\u00f6renden gleich komplett maximalballernd f\u00fcr sich einnehmen, und mit \u201e Nomatterday\u201c entscheiden sich die Pixies f\u00fcr Zweiteres. Und \u00fcberzeugen damit.<br><br>Mit \u201eVault Of Heaven\u201c wird es dann tats\u00e4chlich gleich wieder Americana-m\u00e4\u00dfig, und das, ohne auch nur ann\u00e4hernd zu nerven oder zu langweilen. Oder beides. Der Song macht Laune und rei\u00dft mit. \u201eDregs Of The Wine\u201c ist dann wieder krachiger und startet gleich textlich absolut klasse: \u201eWhile I prefer the original version of \u201aYou Really Got Me\u2018 she will defer to the Van Halen version\u201c. Es gemahnt nicht Wunder, dass die in dem Song bezogene Beziehung das Ende desselben nicht \u00fcberlebt.<br><br>Auf \u201eHaunted House\u201c kriegt Black Francis auch mal wieder den Pixies-typischen hohen Gesang hin, und das klingt nicht nach \u201eIch muss unbedingt mal wieder den Pixies-typischen hohen Gesang hinkriegen\u201c, sondern nach gerne gemacht und ungezwungen, und dazu spielt Paz eine wirklich tolle Bassbegleitung und Joey Santiago l\u00e4sst zwischendurch mal ein halbes Solo anklingen, das begeistert. Was er einige Male auf dem Album macht und was wirklich sehr gut klingt.<br><br>Der Hammer an \u201eDoggerel\u201c ist, dass die alten sch\u00f6nen Pixies-Sound-Momente nicht nur mal ab und zu als Pflicht\u00fcbung auftauchen, sondern eher das R\u00fcckgrat des Albums bilden. Ich werde hier jetzt nicht jedes einzelne Lied behandeln, aber das f\u00e4llt schwer, da ich auf \u201eDoggerel\u201c keine nennenswerten Ausf\u00e4lle, F\u00fcller-Songs oder sonstige Halbgarheiten ausmachen konnte: \u201eThere\u2018s A Moon On\u201c wartet beispielsweise mit von den Pixies ungewohnter Rock\u2018n\u2018Roll-Attit\u00fcde auf, und im Hintergrund wummert der Bass, als w\u00e4re es 1989. Auf \u201ePagan Man\u201c treibt Black Francis der\/dem H\u00f6renden Tr\u00e4nen der R\u00fchrung ob seines Gesangs in die Augen \u2013 drau\u00dfen wartet ein G\u00fcterwaggon.<br><br>So \u2013 nun aber mal Schluss hier, das Album l\u00e4sst auch zum Schluss nicht nach, sondern bereitet Freude noch und n\u00f6cher. Da ist wahrlich nicht nur etwas dort \u00fcber dieses Lied, sondern \u00fcber das ganze Album in seiner Gesamtheit.<br><br>Ich habe von den Pixies nicht erwartet, wahlweise das Fahrrad oder den Rock\u2018n\u2018Roll neu zu erfinden oder ein neues \u201eDoolittle\u201c abzuliefern. F\u00fcr eine Band, die Ende der 80er-Jahre wiederholt beides getan hat und obendrein f\u00fcr das 1989er-\u00dcber-Meisterwerk \u201eDoolittle\u201c verantwortlich zeichnet, ist es \u00fcberaus gen\u00fcgend, dass ein neues Album wie, \u00e4hem, ein neues Pixies-Album klingt, das nicht nur unterh\u00e4lt, sondern auch Spielfreude und gute (und vor allem gut umgesetzte) Song-Ideen deutlich macht, und f\u00fcrwahr \u2013 das gelingt den Pixies mit \u201eDoggerel\u201c auf das Vortrefflichste. Verglichen mit ihrem j\u00fcngsten Streich stehen die \u00fcbrigen drei Post-Reunion-Alben wie Pflicht\u00fcbungen einer Band, die gerne wieder unter ihrem alten Namen touren will, aber k\u00fcnstlerisch den f\u00fcr sie geeigneten Pfad noch nicht gefunden hat, da. Was sie jetzt endlich ge\u00e4ndert haben. So was Sch\u00f6nes!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (10.10.2022) Dies ist ein Lied \u00fcber etwas dort. Da ist etwas dort \u00fcber dieses Lied. 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