{"id":4564,"date":"2022-10-04T18:01:35","date_gmt":"2022-10-04T16:01:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4564"},"modified":"2022-10-04T18:01:35","modified_gmt":"2022-10-04T16:01:35","slug":"spezial-sireena-records-shack-media-aus-ostenholz-scharmbeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-sireena-records-shack-media-aus-ostenholz-scharmbeck\/","title":{"rendered":"Spezial: Sireena Records\/Shack Media aus Ostenholz-Scharmbeck"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Sireena-Logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"112\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Sireena-Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4565\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (04.10.2022)<br><br>F\u00fcnf Alben aus dem Hause Sireena Records und Shack Media landeten innerhalb k\u00fcrzester Zeit im Briefkasten: \u201eA Floating City\u201c von Nautilus, \u201eLive in Haldern 1985 &amp; 1986\u201c von The Radio, \u201eWaiting For The Daylight\u201c von Erja Lyytinen, \u201eThe Universe By Ear III\u201c von The Universe By Ear und \u201eSaba\u201c von The Electric Family. Also Ambient, Achtzigerrock, Bluesrock, Progrock und Indie.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Nautilus-A-Floating-City.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"123\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Nautilus-A-Floating-City.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4566\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Nautilus \u2013 A Floating City \u2013 Sireena 2022<\/strong><br><br>Die Zutaten bleiben auf Nautilus-Album Nummer acht erhalten: Jules Verne, Pink Floyd, Tangerine Dream. Dieses Mal nehmen sich die Ruhrpottler den Roman \u201eUne ville flottante\u201c von Jules Verne vor und begleiten diese schwimmende Stadt namens \u201eGreat Eastern\u201c von Liverpool aus in Richtung Amerika. Dabei bedienen sie sich der Mittel von Progrock und Berliner Schule, hei\u00dft: Pink Floyd um \u201eDark Side Of The Moon\u201c herum, als sie die psychedelisch-experimentelle Rock-Phase zugunsten weicher epischer Zug\u00e4nglichkeit abgelegt hatten, sowie elektronisch erzeugter Ambientfl\u00e4chen. Es dauert zwei Drittel des viertelst\u00fcndigen dritten Tracks, bis sich aus der \u201eComfortably Numb\u201c-Szenerie die Gniedelgitarren heraussch\u00e4len und dem vertr\u00e4umten Schlagzeug und den fl\u00e4chigen Synthies Konturen verleihen. Dann geht\u2018s aber auch zur Sache, zumindest im Rahmen von Nautilus, deren Sache beinharter Rock\u2018n\u2018Roll nicht ist. Die Band steigert sich richtig rein und entwickelt einen Sog, dem auch der zaghaft kopfnickende H\u00f6rer nicht entgehen kann.<br><br>Erstaunlich ist ja, dass Nautilus zu ihrer Gr\u00fcndung ein Elektronik-Duo waren, das Unterst\u00fctzung von einem Blues-Gitarristen erhielt. Der Blues erf\u00e4hrt hier indes keinen Nachhall mehr, die Gitarren bedienen sich klar im Prog, und die elektronische Seite bleibt im Ambient nach Berliner Vorbild verhaftet. An manchen Stellen duckt man sich beim H\u00f6ren etwas, wenn die Arrangements und Kompositionen ins Schlagereske kippen, etwa in \u201eUnguilty\u201c mit seinen cheesy Keyboard-Melodien. Und pl\u00f6tzlich wird\u2018s wieder so \u00fcberraschend technoid und clubby wie auf dem Vorg\u00e4nger \u201eThe Mystery Of Waterfalls\u201c, dem Comeback-Album, wenn die Band pl\u00f6tzlich fabelhafte Beats zaubert, dazu unerwartete Effekte generiert und \u00fcber all dem dann die elektrischen Gitarren wimmern, wie im \u201eMoondance\u201c \u2013 dann wird\u2018s einzigartig, dann finden Nautilus ihre eigene Sprache.<br><br>Danach f\u00e4llt die Band zur\u00fcck ins Bet\u00e4ubte. Darauf muss man sich einlassen, hier werden keine \u2013 um beim maritimen Thema zu bleiben \u2013 Tsunamis ausgehalten, Meeresungeheuer bek\u00e4mpft oder Klippen umschifft, das Album gleitet sanft und einlullend vor sich hin, dabei indes musikalisch immer bemerkenswert, das muss man schon wahrnehmen. Und doch: alles so sch\u00f6n chillig hier. Zwischen zwei Ambient-Trips, der letzte k\u00f6nnte auch von den Dire Straits sein, ungef\u00e4hr \u201eBrothers In Arms\u201c, wird\u2018s nochmal zur Akustikgitarre plus Gegniedel etwas flotter, aber Rock\u2018n\u2018Roll geht definitiv anders. Einmal mehr erhielt die Band Hilfe von Grobschnitt-Eroc, der den Sound verfeinerte. Was auch ihm nicht gelang, war, das Englisch von Meiko Richert und Katja Weigel zu entteutonisieren, aber sei\u2018s drum, das hat ja auch was.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Radio-Live-in-Haldern.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Radio-Live-in-Haldern.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4567\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>The Radio \u2013 Live in Haldern 1985 &amp; 1986 \u2013 Sireena 2022<\/strong><br><br>Rockmusik mit zeitgem\u00e4\u00dfen Keyboardeins\u00e4tzen: R\u00fcckblickend ist der Sound der Achtziger-Band The Radio nicht auf eine Art gealtert, der man sich heute ohne einen Anflug von Scham hingeben mag. Die Songs gehen dem Ehepaar Jennifer und Winfried \u201eWin\u201c Kowa zwingend von der Hand, gerade der Gesang erinnert an Inga Rumpf von Frumpy und hebt sich von anderen Rockbands jener Zeit ab, die vorrangig von M\u00e4nnern angef\u00fchrt waren. Manche Gitarreneffekte sind wunderbar psychedelisch oder wavig, manche Lieder schieben flott nach vorn, die E-Drums kann man gut verkraften, nur das Keyboard nervt ungemein, mit ausgesprochen cheesigen Fl\u00e4chen und Melodien oder angedeuteten Fanfaren. Live funktionieren die Songs indes ganz gut, die Stimmung kocht auf den beiden Gigs in Haldern, und aus heutiger Sicht kann man sich das bestens auf einem Altstadtfest zur Primetime vorstellen. Wer damals noch nicht dabei war, d\u00fcrfte heute jedoch seine Schwierigkeiten damit haben, The Radio zu Hause auf Tontr\u00e4ger zu genie\u00dfen.<br><br>F\u00fcr das Label Sireena ist es in jedem Fall eine Ehre, dieses Zeitdokument ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen. Tontr\u00e4ger gibt es von The Radio n\u00e4mlich bislang nur einen: Die EP \u201eThe Radio-Active\u201c erschien 1982 auf Jennifers eigenem Label RougeRecords. Als Kuriosum gibt\u2018s die EP bei Bandcamp mit einem Bonus-Track, der 1988 entstand, als die Produzenten der Doku \u201eWerner \u2013 Das Rennen\u201c, ja: echt, die Band fragten, ob sie nicht einen \u00e4lteren Song daf\u00fcr einspielen wollten; sie entschieden sich f\u00fcr eine Neukomposition. Erstaunlich genug also, dass The Radio ein Jahrzehnt lang \u2013 in wechselnder Besetzung \u2013 die B\u00fchnen der Republik bereisten und haufenweise Fans generierten, ohne denen Futter f\u00fcr zu Hause anbieten zu k\u00f6nnen. Ebenso erstaunlich ist, dass der Keyboarder stets ein S\u00f6ldner war \u2013 und doch so dominant. Man m\u00f6chte sich die Songs nochmal ohne ihn anh\u00f6ren, das k\u00f6nnte was werden. Weitere Studioaufnahmen gab es \u00fcberdies trotzdem noch, drei davon aus dem Jahre 1985 sind diesem Zusammenschnitt zweier Haldern-Gigs angef\u00fcgt.<br><br>Die Eheleute Kowa aus Frankfurt am Main (Jennifer) und D\u00fcsseldorf (Win) hatten \u00fcberdies eine Musikbiografie vor ihrer schwer googelbaren Band. Jennifer erklomm schon als Teenager B\u00fchnen, unter anderem singend bei Excursion, The Brood, Zoores, Tatzelwurm, Octopus, und auch Win gr\u00fcndete als Teenie seine erste Band Zoom, stieg tempor\u00e4r bei Straight Shooter ein, um bei Streetmark weiterzumachen und sich seiner sp\u00e4teren Frau Jennifer bei Octopus anzuschlie\u00dfen. Beide stiegen dort 1980 aus und ver\u00f6ffentlichten 1981 unter dem Namen Jennifer Capell die Single \u201eI Hate Snobs\u201c, bevor es mit The Radio richtig losging. Und 2022 mit dieser Live-CD eine R\u00fcckschau bekommt. Dazwischen produzierte das Paar als Win Kowa acht chillige Alben, mit denen sie sich f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Musikern und Werbeagenturen weltweit qualifizieren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Erja-Lyytinen-Waiting-For-The-Daylight.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Erja-Lyytinen-Waiting-For-The-Daylight.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4568\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Erja Lyytinen \u2013 Waiting For The Daylight \u2013 Tuohi Records 2022<\/strong><br><br>Flinke Finger hat Erja Lyytinen, mit denen sie den Bluesrock darbietet, das stellt man staunend fest, wenn man \u201eWaiting For The Daylight\u201c h\u00f6rt, ihr Album, auf dem sie sich angeregt durch die Coronapandemie eine Erdschwere aneignet, die den inhaltlich schweren Themen entspricht. Lyytinen rockt, was das Zeug h\u00e4lt, sie kann Riffs, Melodien, Fingerfertigkeiten und vor allem Slides, ihre Spezialit\u00e4t. Mit Bass, Schlagzeug und nicht selten als Orgel eingesetzten Keyboard verdichtet sie ihren Bluesrock zu fetten Songs, schichtet Overdubs \u00fcbereinander und generiert damit Dichte und Wumms. In ihren zarten Momenten treten die musikalischen Qualit\u00e4ten der Mitwirkenden umso h\u00f6rbarer Zutage. Die Songs sind in sich zwar zumeist recht konventionell, eher im angebluesten Hardrock als im Deltablues verankert, aber durchsetzt mit technischen Raffinessen und dank angenehmer Melodien auch immer im Ohr haftend. Und frei von Kitsch.<br><br>Einen Kontrast gibt es zur rockigen Rockmusik: Lyytinens Stimme ist klar und hell, man w\u00fcrde hier eher etwas Kehliges, Rauhes erwarten. Eine Alannah Myles etwa. Das ist Lyytinens Anliegen nicht, und das passt letztlich auch ganz gut, dass sie hier in diesem dichten Rockgewand klar erklingt. Und dann wieder an ihrer elektrischen Gitarre soliert \u2013 auch gern mit sich selbst im Duett \u2013 und ihre Slides per Flaschenhals \u00fcber das Griffbrett wandern l\u00e4sst. Sie sch\u00fcttelt den Blues aus dem Handgelenkt, bei ihr scheint jeder Schuss aus der H\u00fcfte zu kommen und ins Ziel zu treffen. Ziemlich cool, wie es sich f\u00fcr den Blues geh\u00f6rt. Und sie hat eine gute Band dabei.<br><br>Vermutlich geht es vielen so, dass sie von Lyytinen au\u00dferhalb eingeschworener Blues-Kreise noch nie geh\u00f6rt haben. Dabei ist die Finnin keine Newcomerin: 1976 geboren, hat sie in den zur\u00fcckliegenden 20 Jahren bereits ein Dutzend Studioalben auf dem Zettel, dazu einiges an Livedokumenten, darunter zuletzt \u201eLockdown Live\u201c. Zudem brachte sie Handb\u00fccher heraus zum Gitarrenlernen \u2013 und etablierte eine Tee-Marke, reichlich selbstreferenziell \u201eThe Blues Queen Tea\u201c getauft. Indes, eine Blues Queen ist sie, und ihr neues Album strotzt nur so vor Energie.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Universe-By-Ear-III.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Universe-By-Ear-III.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4569\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>The Universe By Ear \u2013 The Universe By Ear (aka III) \u2013 On Stage Records 2021<\/strong><br><br>Noch solche Scherzbolde, die einfach mal alle Alben nach sich selbst benennen und lediglich unter dem transparenten Plastiktr\u00e4ger des Digipaks den Vermerk verstecken, \u201eThis is album III\u201c. Und verdammt, was f\u00fcr ein Album das ist! Das Trio aus Basel macht Sachen, die man in drei Karrieren nicht zusammenbekommt, geschweige denn auf nur einem Album. Man ahnt die Dimensionen, wenn man erfasst, dass sich die Dreiviertelstunde Musik auf nur f\u00fcnf Tracks erstreckt, von denen der erste gleich mal zw\u00f6lf Minuten dauert. Progressiv bedeutet hier nicht episch gniedelnd, sondern verschachtelt, vertrackt, komplex, repetetiv, und bei allem auch noch groovend wie Sau. Hier trifft Indierock auf Jazz, Prog auf Klassik (sowieso, schon klar), Pink Floyd (Epik) auf die Beatles (Harmonien).<br><br>Mal wieder untermauert ein Trio die These, dass drei Leute die beste Besetzung f\u00fcr Rockmusik sind (die der Autor dieser Zeilen nicht teilt, als These aber interessant findet). Zumindest hier kommt man nicht auf die Idee, dass diese \u00fcppige Musik wirklich nur auf drei Schulterpaaren ruht. Die drei Musiker errichten Fundamente, auf denen sie ihre Tracks geschehen lassen, auf denen sie ihre stabilen St\u00fccke auft\u00fcrmen, mit Erkern, Verliesen, Rundb\u00f6gen, dunklen Nischen und sperrigen Schie\u00dfscharten. Der harmonische Gesang steht dabei im h\u00fcbschen Kontrast zur oftmals \u00fcberraschend heavy rockenden Musik, ohne Metal zu sein. Motorpsycho k\u00f6nnten hier Paten stehen, dezent eingesetzt auch mit deren Psychedelik.<br><br>F\u00fcnf Jahre, drei Alben, keine schlechte Bilanz trotz Pandemie. Aber auch wenn The Universe By Ear ein junges Projekt ist, haben die drei Musiker bereits lange Biografien: Bassist Pascal Gr\u00fcnenfeld und Gitarrist Stef Strittmatter kennen sich von der Band Fido Plays Zappa, was auch das Verschachtelte und das Verspielte in der Musik erkl\u00e4rt. Eine lange Liste an anderen kurzlebigen Bands hat Schlagzeuger Benni B\u00fcrgin auf dem Zettel, Dead Lilies, Scorpio Electric, The Jimi Miller Incident, Schmalhans, Bon\u2018s Angels und das Marcel L\u00fcscher Quartett etwa. Haufenweise Einfl\u00fcsse also, die das Trio in The Universe By Ear zusammenf\u00fchrt, und das mehr als schl\u00fcssig. Da verzeiht man auch die Titelwahl f\u00fcr das Album, die an die von The House Of Love angelehnt ist und eine genaue Zuordnung erschwert.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Electric-Family-Saba.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/The-Electric-Family-Saba.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4570\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>The Electric Family \u2013 Saba \u2013 Sireena 2022<\/strong><br><br>Was f\u00fcr eine Wundert\u00fcte! Tom \u201eThe Perc\u201c Redecker und sein sehr \u00fcppiges Team erweitern auf \u201eSaba\u201c ihren eh schon nicht gerade eng gesteckten musikalischen Horizont und pr\u00e4sentieren ein Album, das in seinem Stilmix bald wie ein Sampler anmutet, und bei dem trotzdem alle Songs zusammengeh\u00f6ren. Die Basis ist wie immer der gut abgehangene Indierock Redeckers, den er gern angebummelt einsetzt, dabei verspielt und catchy. Auf dem sitzt eine wahre Flut von Genres, die die Family schwindelerregend leichtf\u00fc\u00dfig miteinander verbindet und die harten Br\u00fcche zwischen den \u00dcberg\u00e4ngen wie Wegmarken erscheinen l\u00e4sst, nicht wie Stilbl\u00fcten.<br><br>Die ersten zwei St\u00fccke sind noch recht chillig, zart gegniedelte Preziosen, dem Folk nahe, elegisch, medidativ. Die rauhe, verzerrte Stimme setzt einen Kontrast in \u201eGull Sweat\u201c, der das wohlige Gef\u00fchl, das die Musik erzeugt, konterkariert und sie dazu zwingt, sich in einen psychedelischen Rausch zu spielen. In \u201eReptile\u201c zieht das Tempo an, die Sitar kommt erstmals zum Einsatz, das St\u00fcck erinnert an eine aus den Fugen geratene Rockabilly-Nummer. Und pl\u00f6tzlich bricht mit \u201eMr. Megalomaniac\u201c die Katastrophe herein: Das St\u00fcck ist ein brutale Industrial-Variante von Indierock, mit treibendem Beat, flirrenden Gitarren, Keyboards, Shouts statt Gesang, Tempo, Druck, Power \u2013 und verspielten Unterbrechungen, die der Wiederaufnahme des Terrors nur die Kraft vorbereiten.<br><br>Diesem Krawallbrocken kann man nur mit etwas komplett Anderem begegnen: Das tr\u00f6delige \u201eAlan The Arab\u201c ist Residents mit Sitar, Helge Schneider, Mike Patton, The Doors und Frank Zappa, also so versponnen, dass es nur lustig sein kann, ohne platt lustig zu klingen. \u201eNews From The Echo Room\u201c muss dann zwangsl\u00e4ufig wieder vergleichsweise normale Musik sein, also streckenweise discoid tanzbarer Indierock mit verzerrt gebellter Stimme, der das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eEchoes Don\u2018t Lie\u201c zitiert und ein wenig an Phillip Boa erinnert, also die Art Indierock, die man aus Deutschland in den Achtzigern und Neunzigern zu sch\u00e4tzen lernte, eben auch von The Perc Meets The Hidden Gentleman.<br><br>Als n\u00e4chstes kommt ein Bluesst\u00fcck, ein psychedelisches verbratztes indes, bei dem es sich auch noch urspr\u00fcnglich um einen franz\u00f6sischen Chanson handelt, \u201eLa fille de P\u00e8re No\u00ebl\u201c von Jacques Dutronc n\u00e4mlich. \u201eWho\u2018s Your Dream Girl\u201c d\u00fcrfte mit seinem entspannten Habitus, dem Midtempogroove und der schmeichelnden Sitar der poppigste Song auf dem Album sein, dann bricht die Family mit \u201eI Love Your Lighthouse\u201c abschlie\u00dfend nochmal f\u00fcr zehn Minuten live \u00fcber die H\u00f6renden herein. Aus dem bummeligen Redecker-Song wird bald ein wild galoppierendes Psychedelik-St\u00fcck, in dem sich die Family nochmal austoben darf.<br><br>Und diese Family ist wie immer prominent besetzt: Bremens Sitar-Spieler Harry Payuta ist dabei, Rolf Kirschbaum, Burghard Rausch, Marlon Klein, Jochen Schoberth, Achim F\u00e4rber, Peter Apel und Anders Becker. Leute aus Indie und Gruft, Krautrock und Avantgarde also, und so verwundert der Stilmix auf \u201eSaba\u201c nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.10.2022) F\u00fcnf Alben aus dem Hause Sireena Records und Shack Media landeten innerhalb k\u00fcrzester Zeit im Briefkasten: \u201eA Floating City\u201c von Nautilus, \u201eLive in Haldern 1985 &amp; 1986\u201c von The Radio, \u201eWaiting For The Daylight\u201c von Erja &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-sireena-records-shack-media-aus-ostenholz-scharmbeck\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15],"tags":[],"class_list":["post-4564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-besonderes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4564"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4571,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4564\/revisions\/4571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}