{"id":4530,"date":"2022-09-08T21:37:43","date_gmt":"2022-09-08T19:37:43","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4530"},"modified":"2022-09-08T21:37:43","modified_gmt":"2022-09-08T19:37:43","slug":"erasure-day-glo-based-on-a-true-story-mute-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/erasure-day-glo-based-on-a-true-story-mute-2022\/","title":{"rendered":"Erasure \u2013 Day-Glo (Based On A True Story) \u2013 Mute 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Erasure-Day-Glo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Erasure-Day-Glo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4531\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.09.2022)<br><br>Erasure haben \u2018nen Lauf, hm? Die Qualit\u00e4t ihres Post-Achtziger-Synthiepops steigert sich seit ungef\u00e4hr \u201eThe Violet Flame\u201c 2014, sp\u00e4testens seit \u201eWorld Be Gone\u201c 2017. \u201eDay-Glo (Based On A True Story)\u201c dauert l\u00e4nger zu lesen als zu h\u00f6ren und besteht aus Skizzenresten, die Andy Bell und Vince Clarke zum 2020er-Vorg\u00e4ngeralbum \u201eThe Neon\u201c anfertigten. Das Album ist ungef\u00e4hr so experimentell wie das selbstbetitelte Meisterwerk aus dem Jahr 1995 und birgt trotz aller Miniaturen und Petitessen sogar einige Popsongs, manche davon sogar mit Discofoxtauglichkeit. Lediglich nach den Achtzigern klingt bei dem Duo l\u00e4ngst nix mehr, ansonsten ist dieses halbst\u00fcndige Album ein mutiges und gelungenes Statement von zwei Leuten, die sich und anderen nix mehr zu beweisen haben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eDay-Glo\u201c (den Rest in Klammern schenken wir uns f\u00fcrderhin, das ist nebenbei der Titel des zweiten Liedes auf dem Album) ist ganze 32 Minuten lang mit zehn unter dreieinhalb Minuten langen St\u00fccken. Klingt voll nach Radioformat, nech, doch d\u00fcrften Radiostationen dieser Zeit nur wenig an dieser Musik interessiert sein. Clarke und Bell verzichten darauf, zeitgen\u00f6ssischen Str\u00f6mungen zu folgen, sie sind vielmehr bei sich selbst verankert, allerdings bei einem Selbst, das erst nach 1991 ansetzt, so sp\u00e4testens ab der Hitsingle \u201eAlways\u201c, und unter Auslassung der eher cheesigen Sachen der sp\u00e4teren Neunziger und Nuller. Ja, das Cheesige fehlt hier, das sie ansonsten schon mal recht gern in ihre Musik einbauten, leider. Nicht jedes Album von Erasure aus der genannten Zeit ist daher bedenkenlos empfehlenswert.<br><br>Dieses sehr wohl. Clarke t\u00fcftelt an seinen Synthesizern herum, entlockt ihnen Sounds, die man zum Teil schon von ihm kennt und die er neu zusammensetzt, zu komplexen Ambient-Tracks wie seinerzeit auf \u201eErasure\u201c oder mit The Clarke &amp; Ware Experiment. Mit diesen Nummern erzeugt Clarke sch\u00f6ne Hinh\u00f6rmomente, die sehr effektvoll nicht auf Effekte abzielen. Dazwischen streut er vereinzelte Popsongs, die im oberen Midtempo bis unteren Uptempo zum Wippen und Schwofen einladen.<br><br>Und er hat ja noch den S\u00e4nger dabei. Bells Stimme ist hier nicht immer als Liedgesang eingesetzt, meistens lediglich als weiterer Sample, der die Tracks anreichert, collagenartig oft, etwa in \u201eBop Beat\u201c, das fr\u00f6hlich mit Neunziger-Sounds den Discofox feiert und in dem Bell lediglich den Titel melodi\u00f6s wiederholt, oder im nicht nur leicht clubbigen und mit industrialartigen Sounds versehenen \u201eInside Out\u201c, in dem gesamplete Bell-Phrasen den Floorfiller garnieren, oder in \u201ePin-Prick\u201c, in dem Bell lediglich atmosph\u00e4risch seine Stimme erschallen l\u00e4sst. Auch das kennt und liebt man bereits von \u201eErasure\u201c. Die Ambient-Ballade \u201eThe Conman\u201c hat eine Art Text, d\u00fcrfte also als erstes richtiges Lied des Albums gelten, das n\u00e4chste ist dann erst \u201eHarbour Of My Heart\u201c, ebenfalls ein chilliges, ansatzweise sogar d\u00fcster-bedrohliches Lied. So richtig Text mit Strophen und Refrain hat eigentlich erst \u201e3 Strikes And You\u2019re Out\u201c, kaum flotter temperiert als die Balladen zuvor, aber dennoch am ehesten ein klassischer Popsong von Erasure, der 1991 auf \u201eChorus\u201c oder 1994 auf \u201eI Say I Say I Say\u201c nicht als Anachronismus aufgefallen w\u00e4re.<br><br>Damit unterscheidet sich \u201eDay-Glo\u201c sogar erheblich von der \u201eNe:EP\u201c, die vor einem Jahr herauskam und auf der sich vier waschechte Neo-Synthiepopsongs finden, die ebenfalls als Folge von \u201eThe Neon\u201c entstanden. Das Duo empfindet n\u00e4mlich \u201eDay-Glo\u201c als Abschluss einer Art Wievielauchimmerologie, angefangen mit \u201eThe Neon\u201c \u00fcber das nicht so gute \u201eThe Neon Remixed\u201c, dann \u201eThe Neon Live\u201c und die ausgezeichnete \u201eNe:EP\u201c bis hin zu eben dem neuen Album. Das definitiv einen kr\u00f6nenden Abschluss bildet.<br><br>Was Erasure leider definitiv nicht mehr hinbekommen: die Synthies so zu programmieren, dass so effektvolle, atmosph\u00e4rische, im Sound abwechslungsreiche und besondere Songs entstehen wie in den Achtzigern. Das schafft leider keiner der fr\u00fcheren Synthiepophelden mehr, und die, die es versuchen, scheitern. Die Neunziger sind f\u00fcr sie im Sound offenkundig einfacher zu rekonstruieren, dabei scheint es, dass es vielmehr am kompositorischen Geschick mangelt. Die Anlagen m\u00fcssen doch da sein, schlie\u00dflich gibt es die alten Songs ja bereits. Ein R\u00e4tsel!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.09.2022) Erasure haben \u2018nen Lauf, hm? 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