{"id":4516,"date":"2022-09-04T21:32:55","date_gmt":"2022-09-04T19:32:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4516"},"modified":"2022-09-04T21:32:55","modified_gmt":"2022-09-04T19:32:55","slug":"sharon-van-etten-weve-been-going-about-this-all-wrong-jagjaguwar-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sharon-van-etten-weve-been-going-about-this-all-wrong-jagjaguwar-2022\/","title":{"rendered":"Sharon van Etten \u2013 We\u2018ve Been Going About This All Wrong \u2013 Jagjaguwar 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Sharon-van-Etten-Weve-Been-Going-About-This-All-Wrong.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Sharon-van-Etten-Weve-Been-Going-About-This-All-Wrong.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4517\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.09.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>So \u2013 bevor der Herausgeber dieses Blogs wieder fragt: \u201eWas ist mit SVE?!\u201c \u2013 hier jetzt die Antwort: Der Artikel \u00fcber das aktuelle Album von Sharon van Etten ist endlich fertig. Hier ein kleiner Vorgeschmack, der auch wieder nicht ohne geschichtlichen Exkurs auskommt: Sharon van Etten aus aus Clinton, New Jersey (upps \u2013 das klingt wie \u201eSchr\u00f6der, Ostwestfalen\u201c) macht Alben seit 2008 und Musik schon viel l\u00e4nger. Ihr erstes Album \u201eSharon van Etten\u201c, ver\u00f6ffentlicht 2008, enth\u00e4lt absoluten Depri-Singer-Songwriter-Folk, zu dem selbst Nick Drake die Tr\u00e4nen in den Augen gestanden h\u00e4tten. Das zweite Album \u201eBecause I Was In Love\u201c aus dem Jahr 2009 wiederholt dasselbe Trauerspiel. Wundersch\u00f6n, aber nur heulend zu ertragen. Liebe muss schlimm sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit dem dritten Album \u201eEpic\u201c kam dann etwas Schmackes in den Sound von Sharon van Etten. Vor allem Schlagzeug kam dazu. Im vergangenen Jahr hat van Etten das Album neu rewiederver\u00f6ffentlicht und eine Bonus-CD dazugepackt, auf der sich gro\u00dfe Namen wie Big Red Machine (das sind Justin Vernon von Bon Iver \u2013 gleichzeitig Chef von van Ettens aktueller Plattenfirma Jagjaguwar, auf der neben Bon Iver auch Kurt Vile und die noch in diesem Satz ebenfalls genannt werdende Courtney Barnett ein epochales Meisterwerk nach dem anderen ver\u00f6ffentlichen, und Aaron Dessner von The National \u2013 einer der kreativen K\u00f6pfe hinter Taylor Swifts wundervollen beiden Folk-Alben), Idles, Lucinda Williams (die gr\u00f6\u00dfte noch lebende Singer-Songwriterin aller Zeiten und eines der Vorbilder van Ettens), Courtney Barnett und Fiona Apple (!) daran austoben, van Ettens Album in voller L\u00e4nge zu covern.<br><br>Seit dem 2014er-Album \u201eAre We There\u201c h\u00f6rt sich SVE eigentlich so an wie heute. Und seit 2019 (\u201eRemind Me Tomorrow\u201c) bin ich Fan \u2013 bei diesem \u201eWe held hands as we parted\u201c im ersten St\u00fcck \u201eI Told You Everything\u201c nicht zu heulen, kriege ich nicht hin \u2013 kriegt niemand, denke ich. Jetzt hat SVE schon seit Anfang Mai ein neues Album in den Auslagen gut sortierter Schallplattenfachgesch\u00e4fte zu liegen und die Messlatte liegt mit dem 2019er-Vorg\u00e4nger hoch. Sehr hoch\u2026 und van Etten entt\u00e4uscht nicht.<br><br>Das Album ist insgesamt melancholisch, manchmal d\u00fcster, was mit van Ettens klarer, mit viel Hall unterlegter Stimme wunderbar harmoniert. Mit \u201eDarkness Fades\u201c beginnt das Album sehr ruhig, \u00fcberhaupt ist es insgesamt von der ruhigen, langsamen Sorte, steigert sich aber immer wieder zu einer ordentlichen Lautst\u00e4rke. So bereits im Er\u00f6ffnungsst\u00fcck: Nicht das Tempo wird angezogen, aber gegen Ende wird es immer lauter, teilweise ein ganz klein wenig bedrohlich.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eHome To Me\u201c kommt eine langsame Schlagzeugmaschine dazu und im Refrain dann wieder dieses Bedrohlichkeits-Ding: Bei dem langgezogenen und von Zeile zu Zeile mit immer mehr Inbrunst gewehklagten \u201eYoooouuuuuuuu come home to me\u201c bin ich nicht sicher, ob sich die Erz\u00e4hlerin \u00fcber jemanden, der\/die heimkommt, freut, oder eher \u201ekomm Du mir nach Hause\u201c meint oder gar \u201eKomm jetzt endlich nach Hause, Duuuuu!\u201c Zusammen mit den restlichen Textzeilen vermute ich eine schmerzliche Besch\u00e4ftigung mit Verlust\u00e4ngsten.<br><br>\u201eI&#8217;ll Try\u201c zieht dann vom Tempo ein wenig an, aber \u201eMidtempo\u201c ist noch nicht erreicht, wie ich finde. Der Gesang klingt weniger klagend, beil\u00e4ufiger und auf jeden Fall sehr sehr sch\u00f6n. Der Text klingt wieder d\u00fcster, und ich gebe zu, er ist f\u00fcr mich zu kryptisch, um ihn zu verstehen. Nicht nur, weil keine Pferde darin vorkommen. Im folgenden \u201eAnything\u201c liegt SVE die ganze Nacht wach, kann nicht aufh\u00f6ren, \u00fcber Frieden und Krieg nachzudenken, f\u00fchlt letzten Endes dennoch nichts und kommt zu dem Schluss, dass Kette rauchen nicht richtig und das Nachmittagsbier untersch\u00e4tzt ist. Nun ja. \u201eBorn\u201c ist dann wieder ganz d\u00fcster und das Klavier und van Ettens Stimme erg\u00e4nzen sich auf das Wundersch\u00f6nste.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Dann geben sich die dunkelsten Seiten der 80er Jahre die Ehre \u2013 \u201eHeadspace\u201c startet mit einer ganz dunkel hingehauchten Schlagzeugmaschine, die von ebenso dunkel wabernden Synths begleitet wird, und im Refrain nutzt SVE wieder ein Stilmittel, das sie beherrscht wie kaum jemand sonst: Die Kunst der Wiederholung einer einzigen Zeile, die einen fortan nicht mehr losl\u00e4sst. \u201eBaby, don\u2018t turn your back to me\u201c lautet sie in diesem Fall und man m\u00f6chte ihr immerfort versichern \u201eIch bin doch da, allet wird jut!\u201c Wobei man sich nicht wirklich sicher ist, dass es das wird. \u201eCome Back\u201c beginnt mit einer ruhigen Akustikgitarre und synthetischen Streichern, w\u00e4hrend sich an Ettens Stimme sehr hoch hinauf windet und irgendjemanden beschw\u00f6rt, doch nun um Himmels Willen endlich mal zur\u00fcckzukommen. Vor der H\u00e4lfte des St\u00fcckes kommt das Schlagzeug dazu und versucht, Trost zu spenden, aber van Ettens immer wieder wiederholtes \u201eCome back\u201c klingt nicht danach, als ob das gel\u00e4nge. \u201eDarkish\u201c er\u00f6ffnet wieder mit einer leisen Akustikgitarre und der verloren klingenden Stimme der K\u00fcnstlerin, die sich gegen Ende zu einem \u201eAkropolis Adieu\u201c-m\u00e4\u00dfigen Tremolo aufschwingt \u2013 ganz gro\u00dfer G\u00e4nsehautmoment.<br><br>Dann endlich \u201eMistakes\u201c: Wummernder Beat, Buckets full of Spades of Synths \u2013 Rock\u2018n\u2018Roll!!! W\u00e4re da nicht der Text: Auch, wenn die Ich-Erz\u00e4hlerin einen Fehler macht, ist es viel besser \u201eals das hier.\u201c Und vorher singt sie \u00fcber irgendwas, was eine ihr vermeintlich nahestehende Person macht, die in der Gesamtbetrachtung nicht so gut wegkommt. Boom boom. Und dabei lullt die Musik die H\u00f6renden monoton vor sich hinwummernd ein und diese w\u00fcnschen sich, dass sich die K\u00fcnstlerin doch nun endlich mal besser f\u00fchlen k\u00f6nnen sollte. Das passiert nat\u00fcrlich nicht: Der finale Song \u201eFar Away\u201c baut auf vor sich hinpluckerndem 80er-Jahre-Schlagzeugcomputer und mehreren Schichten Synths auf und gibt van Ettens klagendem und dabei immer sch\u00f6n hoch- und runtermodulierender Stimme jede Menge Raum, die sich mit einem schier endlos wiederholten \u201eLong gone, I&#8217;ll see you far away\u201c verbschiedet. Das Album l\u00e4sst die\/den H\u00f6renden nicht gerade in Hochstimmung, daf\u00fcr aber umso mehr beeindruckt von dem, wie SVE als Multiinstrumentalistin (Gesang, Gitarre, Schlagzeugmaschine, Synths, Klavier, Orgel) ein wahres Feuerwerk an schlechter Laune, die bisweilen f\u00fcr absolute Hochstimmung sorgt, abzubrennen imstande ist.<br><br>Und anstelle des kleinen Vorgeschmacks ist es jetzt doch ein ganzer Artikel geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.09.2022) So \u2013 bevor der Herausgeber dieses Blogs wieder fragt: \u201eWas ist mit SVE?!\u201c \u2013 hier jetzt die Antwort: Der Artikel \u00fcber das aktuelle Album von Sharon van Etten ist endlich fertig. 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