{"id":4513,"date":"2022-09-04T21:31:49","date_gmt":"2022-09-04T19:31:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4513"},"modified":"2022-09-04T21:31:49","modified_gmt":"2022-09-04T19:31:49","slug":"wilco-cruel-country-dbpm-records-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wilco-cruel-country-dbpm-records-2022\/","title":{"rendered":"Wilco \u2013 Cruel Country \u2013 dBpm Records 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Wilco-Cruel-Country.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Wilco-Cruel-Country.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4514\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (02.09.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>Wo soll ich anfangen, wenn es um das neue Monumental-Doppel-CD-Epos \u201eCruel Country\u201c von Wilco geht? Schwierige Aufgabe angesichts der Geschichte und des Oeuvres dieser wunderbaren Band aus Chicago, Illinois, aber wie immer ist es gut, wenn man Unterst\u00fctzer und gute Kumpels hat, die einem in Zeiten der Not und der Verwirrung zur Seite stehen. An meiner Seite steht mein N\u00e4hk\u00e4stchen, und anstelle einer guten Einleitung zu \u201eCruel Country\u201c lasse ich dieses einfach mal quasi aus sich selbst heraus plaudern:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am Anfang, also von 1989 bis 1993, war Uncle Tupelo aus Belleville, Illinois \u2013 eine Band, mit der Jeff Tweedy, Jay Farrar und Mike Heidorn das Genre des Alternative Country quasi begr\u00fcndeten und deren Alben immer noch die Herzen der Country-, Alternative-Rock-, Alternative-Country-Fans und des Rezensenten h\u00f6her schlagen lassen. Als sich die Wege der Band trennten, gr\u00fcndete Jay Farrar die Band Son Volt und Jeff Tweedy die hier besprochenen Wilco. Der Begriff \u201ewilco\u201c wird im Flugfunkverkehr verwendet und bedeutet \u201eI will comply\u201c \u2013 also sinngem\u00e4\u00df \u201eich habe verstanden, was Sie meinen, und werde tun, was Sie sagen\u201c und wurde von Jeff Tweedy als hinreichend ironischer Name f\u00fcr eine Rockkapelle befunden. Nach drei wunderbaren Alben sowie den beiden gemeinsam mit Billy Bragg eingespielten \u201eMermaid Avenue\u201c und \u201eMermaid Avenue II\u201c, die unver\u00f6ffentlichte Songs von Woodie Guthrie enthielten, die aufzunehmen Bragg von Guthries Witwe autorisiert worden war, was er dann mit Unterst\u00fctzung von Wilco auch tat, ver\u00f6ffentlichten Wilco im Jahr 2001 mit \u201eYankee Hotel Foxtrot\u201c (ob hier ebenfalls wieder die Luftfahrt in Gestalt des Flughafens Hearst in Ontario als Namensgeber hergehalten hat, konnte ich auch mit Hilfe von Dr. Google nicht herausbekommen) ein absolutes Jahrhundertmeisterwerk, das weniger f\u00fcr Alternative Country, sondern eher f\u00fcr reinen Alternative Rock steht und an dem man sich auch nach der 200. Wiederholung nicht \u00fcberh\u00f6ren kann. Seitdem ver\u00f6ffentlichen Wilco im Zwei-, Drei- oder ganz selten im Vier-Jahres-Rhythmus neue Alben, die \u2013 obwohl \u201eYHF\u201c kaum zu toppen ist \u2013 niemals entt\u00e4uscht haben. Allen Alben ist gemein, dass sie sowohl die Country-\/Folk-\/Americana- als auch die Freunde des alternativen Rocks bedient haben. Das letzte Album vor dem Aktuellen \u2013 \u201eOde To Joy\u201c \u2013 machte da keine Ausnahme, geriet aber eher zu einer Ode an die Freude an vorwiegend d\u00fcsteren und melancholischen Songs als die vorherigen Alben.<\/p>\n\n\n\n<p>So \u2013 nun wird das weiter munter vor sich hinplappernde K\u00e4stchen aber wieder zur\u00fcck an seinen Platz unter meiner reparaturbe- und notd\u00fcrftig blutrot angepinselten K\u00fcchenwand geschoben und ich wende mich Wilcos aktuellem Album zu:<br><br>W\u00e4hrend sowohl bei Uncle Tupelo als auch auf Wilcos erw\u00e4hnten fr\u00fcheren Gro\u00dftaten nicht nur der Country-, Folk- und Americana-Musik, sondern auch dem Alternative Rock ausreichend Raum gew\u00e4hrt wurde, findet \u201eCruel Country\u201c ausschlie\u00dflich auf dem Terrain der drei erstgenannten Musikrichtungen statt und f\u00e4llt ausgesprochen ruhig und wenig rockig aus. Stimmungsm\u00e4\u00dfig setzt es die Melancholie und D\u00fcsternis des Vorg\u00e4ngers fort, nur mit anderen musikalischen Mitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eI Am My Mother\u201c beginnt es ruhig im langsamen Walzertakt nebst Steelguitar und Jeff Tweedys getragenem, leicht wehklagenden Gesang. Anschlie\u00dfend folgt mit dem Titelst\u00fcck ein fr\u00fcher H\u00f6hepunkt des Albums, zu dem auch Neil Youngs Stimme vortrefflich gepasst h\u00e4tte. Tweedy macht seinen Job aber auch unglaublich gut und arbeitet sich am Amerika der Neuzeit ab, wenn er singt: \u201eI love my country like a little boy. Red, white, and blue. I love my country stupid and cruel. Red, white, and blue.\u201c Das klingt sch\u00f6n, und das klingt traurig. Sch\u00f6n traurig kann Tweedy richtig gut. Und die auf den das St\u00fcck er\u00f6ffnenden Refrain folgende erste Strophe geht richtig unter die Haut: \u201eAll you have to do is sing in the choir, kill yourself every once in a while and sing in the choir with me.\u201c<br><br>\u201eHints\u201c besch\u00e4ftigt sich mit der ferneren Vergangenheit des Landes der Freien, Heimat der Mutigen: \u201eThere is no middle when the other side would rather kill than compromise.\u201c \u00dcberhaupt l\u00e4dt Tweedys Lyrik bei jedem Song zum Entdecken schaurig sch\u00f6ner Bilder ein: In \u201eAmbulance\u201c schlie\u00dft er, w\u00e4hrend er flei\u00dfig mit dem Sterben besch\u00e4ftigt ist, innige Freundschaft mit der seine Hand haltenden Not\u00e4rztin \u2013 so meine Schnellinterpretation, ob die Dame die Freundschaft erwiderte, ist nicht \u00fcberliefert. Den Wortbeitrag einer nicht n\u00e4her vorgestellten Frau namens Patty aus \u201eTonight\u2018s The Day\u201c muss ich mir unbedingt f\u00fcr den n\u00e4chsten Restaurantbesuch merken: \u201ePatty whispered across the table \u201aI think we&#8217;re being watched. You said we were invisible. Tell the waiter the sun&#8217;s in my soup. And sooner or later my face will be, too.\u2018&#8220; Und \u2013 das ist doch auch irgendwie das Tolle am Country \u2013 klingt die Musik dazu zwar melancholisch, aber dennoch leicht und beschwingt. Zeilen wie \u201eWhen my heart began to bleed was death and death indeed\u201c (\u201eBird Without A Tail \/ Base Of My Skull\u201c) lassen sich mit solch wundersch\u00f6ner Musik gut verkraften. Auf \u201eTired Of Taking It Out On You\u201c geht Tweedy streng mit sich selbst ins Gericht, wenn es darum geht, wie er Leute behandelt, wenn er sich nicht gut f\u00fchlt. Oha \u2013 der Typ ist selbstreflektiert, denke ich. Und keine Angst, ich handele hier jetzt nicht jeden Text einzeln ab \u2013 mein Ratschlag lautet aber auf jeden Fall: \u201eNimm Dir beim H\u00f6ren das Textbuch vor\u201c. Einzig die Er\u00f6ffnungssequenz von \u201eStory To Tell\u201c will ich Ihnen, liebe Lesende, noch um die Ohren schlagen: \u201eI&#8217;ve been through hell on my way to hell\u201c, das haut rein. Anschlie\u00dfend hat sich der allwissende, aber m.E. nicht allzu schlaue Ich-Erz\u00e4hler noch den Arm abgeschnitten und dann so falsch wieder angen\u00e4ht, dass er sich nicht b\u00fccken muss, um auf der Suche nach einer guten Geschichte zum Erz\u00e4hlen in die unterste Schublade zu greifen. Na, sind das herrliche Bilder? Suchte ich daf\u00fcr einen Video-Regisseur, meine Wahl fiele auf Peter Jackson.<br><br>Die 21 St\u00fccke auf dem knapp 80min\u00fctigen Album f\u00fcgen sich perfekt aneinander, weilen zu keinem Zeitpunkt lang, enthalten keine \u00dcberfl\u00fcssigkeiten und machen \u201eCruel Country\u201c zu einem wundervollen kleinen Meisterwerk. Am Ende noch ein ungefragter Ratschlag des Schreibenden \u2013 werten Sie ihn sozusagen als Serviervorschlag f\u00fcr \u201eCruel Country\u201c: Ich bereiste j\u00fcngst mit dem Fahrzeug die staubige Postkutschenstra\u00dfe, die von der gesichtslosen Kreisstadt bei Neudorf-Platendorf, in der ich einen Besuch zu erledigen hatte, quer durch die Pampa von Norden aus in die von mir bewohnte Metropole hineinf\u00fchrt, und spielte auf dem Schallplattenabspielger\u00e4t die Schallplatte von Wilco ab; der Mond stand als goldene Sichel \u00fcber der Pr\u00e4rie und sah dabei sehr souver\u00e4n aus. Das, verehrte Lesende, ist ein nahezu perfektes Ambiente f\u00fcr \u201eCruel Country\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (02.09.2022) Wo soll ich anfangen, wenn es um das neue Monumental-Doppel-CD-Epos \u201eCruel Country\u201c von Wilco geht? 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