{"id":4504,"date":"2022-08-31T21:17:36","date_gmt":"2022-08-31T19:17:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4504"},"modified":"2022-08-31T21:17:36","modified_gmt":"2022-08-31T19:17:36","slug":"flix-das-humboldt-tier-carlsen-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/flix-das-humboldt-tier-carlsen-2022\/","title":{"rendered":"Flix \u2013 Das Humboldt-Tier \u2013 Carlsen 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Flix-Das-Humboldt-Tier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"147\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Flix-Das-Humboldt-Tier.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4505\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.08.2022)<br><br>Flix alias Felix G\u00f6rmann ist ja nun echt mal ein ausgezeichneter Zeichner. Was er indes nicht immer ist, ist ein ansprechender Erz\u00e4hler. Das gilt f\u00fcr seine Adaption \u201eSpirou in Berlin\u201c ebenso wie f\u00fcr sein neues Marsupilami-Abenteuer \u201eDas Humboldt-Tier\u201c. Das dicke und teure Buch ist umwerfend sch\u00f6n anzusehen, familiengerecht niedlich und auch mal zum Schmunzeln, aber inhaltlich eine Entt\u00e4uschung. Nur ein Jahr nach dem vergleichbar entt\u00e4uschenden, noch dickeren und noch teureren \u201eDie Bestie\u201c von P\u00e9 und Zidrou ersinnt der Berliner eine weitere M\u00e4r rund um die Erst-Entdeckung des schwarzgelben Wundertiers aus dem Palumbianischen Dschungel, die Andr\u00e9 Franquin 1952 noch seinen Serienhelden Spirou und Fantasio andichtete. Die Grundideen bei Flix sind ja nicht schlecht, nur leider verliert sich diese Berlin-in-der-Weimarer-Republik-Geschichte vornehmlich in s\u00fc\u00dflich-braver Gl\u00fcckskindgerechtheit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst l\u00e4sst Flix den Forscher Alexander von Humboldt im S\u00fcdamerika des Jahres 1801 nach Art von Indiana Goof durch den Urwald stolpern, ignorant und selbstgerecht, also sch\u00f6n kritisch aus heutiger Sicht, und dabei versehentlich das laut Franquin unfangbare Marsupilami einfangen, in eine Kiste stecken und nach Europa verschiffen. Wie so viele weitere Kisten, die 1931 noch immer unausgepackt im Berliner Naturkundemuseum vor sich hin schimmeln. Was wohl tats\u00e4chlich zutrifft.<br><br>Leider h\u00e4ngt Flix den Hauptteil der Geschichte dann an einem kleinen M\u00e4dchen auf. Mimmi ist eine Art \u201eGl\u00fcckskind\u201c einer alleinerziehenden Mutter, was im Berlin zwischen zwei Kriegen noch ein Skandal war; an dieser Stelle gleichen sich \u201eDas Humboldt-Tier\u201c und \u201eDie Bestie\u201c frappierend, nur dass jene im tats\u00e4chlichen Geburtsjahr des Marsupilamis spielt, also 1952. Ein Kumpel der Mutter arbeitet im Naturkundemuseum, und versehentlich kracht genau die Kiste mit dem im nicht n\u00e4her spezifizierten gr\u00fcnlichen Rauch einer Andenmumie narkotisierten Marsupilami auf den Boden. Mimmi nimmt das wiedererwachte Tier heimlich mit nach Hause, und wie in \u201eDie Bestie\u201c \u2013 n\u00e4chste viel zu deutliche Analogie \u2013 geht es fortan haupts\u00e4chlich darum, es zu verbergen, nicht nur vor dem n\u00e4heren Umfeld, sondern auch vor \u00fcblen Gestalten, die aus dem fremden Wesen Kapital schlagen wollen.<br><br>Genau: Darin steckt keine stringente Handlung, sondern lediglich Material f\u00fcr kleine Episoden und einige Gags. Das ist bedauerlich, und da man dies \u00e4hnlich bereits von \u201eSpirou in Berlin\u201c kannte, war eine gesunde Vorsicht vor dem \u201eHumboldt-Tier\u201c nicht nur angeraten, sondern berechtigt. Was sehr wundert, schlie\u00dflich gelangen Flix nicht zuletzt mit \u201eDon Quijote\u201c und \u201eM\u00fcnchhausen\u201c umwerfend gut erz\u00e4hlte Geschichten. Auch hier nimmt er sich fremden Materials an, gestaltet aber weitaus freier eine eigene Tragik um die vertrauten Plots herum.<br><br>Auch die eingebauten Gags sind nicht wirklich z\u00fcndend. Wahlweise treffen sie niedlich einen kindgerechten Slapstick-Humor oder zitieren Zeitgem\u00e4\u00dfes von damals und Zeitgen\u00f6ssisches von heute f\u00fcr die erwachsenen Lesenden mit einem erweiterten Popkulturhorizont. Diese erscheinen jedoch meistens kontextfrei und damit willk\u00fcrlich und grenzen nicht selten ans Alberne \u2013 oder ans Anbiedernde. Es ist ja ganz sch\u00f6n, dass das Marsupilami im Vorbeih\u00fcpfen einigen Nazis mit dem Keulenschwanz aufs Maul haut, aber selbst dieses gut gemeinte Zeichen erscheint im Sinne der Geschichte sinnfrei, weil die Nazis sonst keine Rolle spielen.<br><br>Daf\u00fcr sind die Zeichnungen einmal mehr exorbitant herausragend. Das kennt man von Flix, daf\u00fcr liest man seine B\u00fccher gern, und so frei, wie er etwa in \u201eSch\u00f6ne T\u00f6chter\u201c mit den Panels umgeht, verf\u00e4hrt er gelegentlich auch hier im \u201eHumboldt-Tier\u201c. Sein namentlich \u00fcbrigens aus historischen Gr\u00fcnden nicht genanntes Marsupilami \u2013 diese Bezeichnung bekommt es ja erst 21 Jahre sp\u00e4ter \u2013 lehnt er deutlich an das des Erfinders Franquin an, da verf\u00e4hrt Flix anders als seine Kollegen P\u00e9 und Zidrou in \u201eDie Bestie\u201c. Zudem gestaltet er das Museum enorm detailreich, laut Internet sogar authentisch, das ist sehr zu loben, ein Fest f\u00fcrs Auge und allein schon die Anschaffung wert. Die allerdings weit \u00fcber regul\u00e4ren Comic-Preisen liegt, da schl\u00e4gt Carlsen einmal mehr aus der Ber\u00fchmtheit von Zeichner und Figur Extrakapital.<br><br>Wie \u00fcberhaupt Spirou nach einer Durststrecke vor rund 30 Jahren mittlerweile \u00fcberraschend ein goldenes Kalb geworden ist, das man schier unendlich melken kann. Nun verbieten es Franquins Erben zwar offenbar, das Marsupilami nach der Ausnahme \u201eDer Zorn des Marsupilamis\u201c von Vehlmann und Yoann 2016 im Kontext mit Spirou wieder auftreten zu lassen, doch geh\u00f6rt es selbstredend in dieses Universum. In jenem erschien zuletzt mit \u201eDer Triumph des Zyklotrop\u201c von Brice Cossu, Alexis Sentenac und Olivier Bocquet ein weiteres One-Off der Spezial-Reihe, das bereits 2018 parallel zum Echt-Film \u201eDie Abenteuer von Spirou &amp; Fantasio\u201c entstand und eine Geschichte quasi zu den Dreharbeiten ersinnt, somit nicht wirklich das klassische Buch zum Film darstellt. Sch\u00f6ne Idee, die sich jedoch \u00e4hnlich wie \u201eDas Humboldt-Tier\u201c eher in Episoden verliert, als eine durchgehend spannende Geschichte zu erz\u00e4hlen. Zudem offenbart Carlsen hier, dass die Sprechblasen nicht mehr handgelettert sind, auch wenn sie so aussehen \u2013 mit typischen Tippfehlern, die jedem unterlaufen, etwa auf Seite 19, Spirou: \u201eIch muss zugeben, das ist schon gabz lustig!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Als n\u00e4chstes Spezial-Buch erscheint schon im Oktober mit \u201eDer Wolfsmensch\u201c der dritte Teil der zuvor von Charel Cambr\u00e9 und Marc Legendre nur in Belgien ver\u00f6ffentlichten Robbedoes-Trilogie, die mit \u201eHappy Family\u201c und \u201eZantafios Plan\u201c ihren Anfang nahm und die etwas an die Zeit erinnert, in der Nic und Cauvin f\u00fcr die Serie verantwortlich zeichneten. In jeder Hinsicht. Und Flix verr\u00e4t, dass er Lust h\u00e4tte, auch die dritte wichtige Franquin-Figur zu neuem Leben zu erwecken: Ein Gaston-Abenteuer liegt ihm auf der Zunge, doch schieben auch diesem die Erben Franquins einen Riegel vor. Angesichts der d\u00fcnnen Geschichten um Spirou und das Marsupilami darf man da wohl aufatmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.08.2022) Flix alias Felix G\u00f6rmann ist ja nun echt mal ein ausgezeichneter Zeichner. Was er indes nicht immer ist, ist ein ansprechender Erz\u00e4hler. 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