{"id":4435,"date":"2022-08-10T21:51:20","date_gmt":"2022-08-10T19:51:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4435"},"modified":"2022-08-10T21:51:20","modified_gmt":"2022-08-10T19:51:20","slug":"la-muerte-headhunter-cop-international-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/la-muerte-headhunter-cop-international-2022\/","title":{"rendered":"La Muerte \u2013 Headhunter \u2013 COP International 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/La-Muerte-Headhunter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/La-Muerte-Headhunter.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4436\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2022)<br><br>Was ist der Remix einer Coverversion? Und dann noch: das Industrial-Rock-Cover eines EBM-Klassikers, das die Remixer wieder zur\u00fcck ins Elektronische mixen? H\u00e4tten sie da nicht gleich das 1988er-Original remixen k\u00f6nnen? Vielleicht ja auch nicht d\u00fcrfen \u2013 wer wei\u00df? La Muerte, brachiales belgisches Underground-Rock-Urgestein, brachten 2017 zum Record Store Day ihre Version des Front-242-Floorfillers \u201eHeadhunter\u201c auf blutrotem Vinyl heraus \u2013 und jetzt neu als Quasi-Album mit eigenen Bonustracks und eben Remixen sowie mit nur einer Auslassung zur Tracklist der Original-12\u201c. So heavy angerockt \u00fcberzeugt der Hit sehr, kann man bringen, und auch die Eigenkompositionen von La Muerte machen neugierig auf den Rest des seit fast 30 Jahren angeh\u00e4uften Opus\u2018. Remixe von Headhunter indes gibt es bereits unz\u00e4hlige, das nutzt sich etwas ab, wenngleich die Vorlage dieses Mal f\u00fcr andere Basissounds und unerwartete Ergebnisse sorgt. Front 242 selbst sind \u00fcbrigens partiell und anteilig ebenfalls beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Struktur des Originals bleibt weitgehend erhalten, inklusive Gesangperformance und eingestreuten Shouts. Bei Lichte betrachtet muss man zugeben, dass bei Front 242 ausgerechnet mit \u201eHeadhunter\u201c eines ihrer langweiligsten St\u00fccke zum Gassenhauer avancierte. K\u00f6nnen sie ja nix f\u00fcr, aber die Br\u00fcsseler sind abseits davon um L\u00e4ngen besser als das. Gem\u00e4chlicher Beat, ziemlich stumpf auf Dauer, und bis auf die vier st\u00e4ndig wiederholten Zeilen aus dem Refrain keine nennenswerten H\u00f6hepunkte, die sich wiederum aufgrund der unendlichen Wiederholung ebenfalls abnutzen. Und trotzdem kommt man an diesem Track nicht vorbei. Wenn nun also La Muerte diesen Brocken mit Gitarre, Bass und Schlagzeug nachspielen, tief verzerrt, heavy angerauht, rifflastig, elektronisch brutal unterf\u00fcttert, dann funktioniert \u201eHeadhunter\u201c pl\u00f6tzlich wieder neu. Ein anderer Kontext, ein anderes Kleid, \u201eHeadhunter\u201c ist so f\u00fcr sich betrachtet ein geiler, oldschooliger US-Industrial-Smasher geworden. Und das, obwohl Richard 23 und Patrick Codenys von Front 242 an dieser Bearbeitung sogar beteiligt sind \u2013 so weit ist deren Horizont, m\u00f6gen manche EBM-Puristen nicht wahrhaben wollen.<br><br>Die Remixer behandeln \u201eHeadhunter\u201c unterschiedlich: Der englische Produzent John Fryer (This Mortal Coil) betont das elektronische Original und macht La Muertes Vorlage technoid (diese partytaugliche Version h\u00e4tte auch 1998 auf \u201eHeadhunter 2000\u201c erschienen sein k\u00f6nnen), die Belgier Sick Jones nehmen partiell das Tempo raus und betonen gleichzeitig die Doublebass und die Aggression im Gesang, das internationale und mit \u00fcber 40 Musikern besetzte Indie-Industrial-Punk-Projekt The Joy Thieves (erinnert an Pigface, nicht?) betont ganz \u00fcberraschend den dreivierteltaktigen Glam-Faktor des St\u00fccks und das ebenfalls seit den Achtzigern aktive belgische EBM-Duo The Weathermen, deren Jean-Marc Lederman unl\u00e4ngst mit Front-242-S\u00e4nger Jean-Luc de Meyer das Album \u201eEleven Grinding Songs\u201c herausbrachte, nehmen den Beat des Originals komplett heraus und machen daraus einen aggressiven Ambient-Track, den sie langsam beschleunigen und auf dem vermeintlichen H\u00f6hepunkt einfach ausbremsen.<br><br>Die Eigenkompositionen von La Muerte sind h\u00e4rter, als es der Zeitgeist erlaubt. Dabei moshen sie nicht einfach vor plump sich hin, sondern kreieren r\u00e4udige, rauhe und brutale Songs mit unerwarteten Breaks und dem Zeug zum gebrochenen Nacken; \u201eWhack This Guy\u201c etwa hat ordentlich Speed, Most und Punkrock. Und wenn dann pl\u00f6tzlich Richard 23 und Patrick Codenys einen solchen Track remixen und man mit dem Wissen um die musikalische Entwicklung der Jungs elektronische Glitch-Sounds im Stile von \u201eP.U.L.S.E.\u201c erwartet \u2013 und man dann einen Siebenmin\u00fcter mit schleppendem Beat, auf Industrial geb\u00fcrsteten Sounds und einer Stimme wie in \u201eWhy Can The Bodies Fly\u201c von Warning bekommt, dann m\u00f6chte man alle auslachen, die sich ein neues Album von Front 242 w\u00fcnschen: Ihr w\u00fcrdet es nicht m\u00f6gen, weil es nicht so klingt wie \u201eHeadhunter\u201c. Sondern eigenst\u00e4ndig, nach vorn blickend, weiterentwickelt, losgel\u00f6st von Erwartungen. Fachleute wissen nat\u00fcrlich, dass dieser Track nicht zuf\u00e4llig an \u201eFree Tyson Free\u201c von Holy Gang erinnert \u2013 daran waren damals, 1994, Richard 23 und Marc Desmare beteiligt, und letzterer ist Musiker bei La Muerte. Ja, im Grunde w\u00e4re angesichts der j\u00fcngeren Nebenbet\u00e4tigungen der vier Mitglieder ein neues Front-242-Album spannend, aber gewiss nicht f\u00fcr die Massen.<br><br>Von der 2017er-Vinyl-Version fehlt hier \u201eKustom Kar Kompetition\u201c im Scarab\u00e9e-Remix (wer auch immer Scarab\u00e9e ist; dessen \u201eEcoute cette pri\u00e8re\u201c-Version ist zumindest extrem EU-industriallastig), die anderen vier plus das unbearbeitete Cover sind enthalten, dazu acht weitere Tracks, teilweise Studiosongs von La Muerte, teilweise Remixe des Titelst\u00fccks oder anderer La-Muerte-Songs, unter anderem von JP Everaerts von Mussolini Headkick; die \u201eGet Whipped\u201c-Bearbeitung der Front-242-T\u00fcftler war damals Teil des Download-Bonus\u2018 der 12\u201c. H\u00f6rt man hier \u00fcberdies die eigenen Tracks, zum Teil bereits bekannt vom 2018er-Album \u201eLa Muerte\u201c, muss man anerkennen, wie viel Kraft in diesen alten Herren noch steckt. Respekt! Aber das kann nat\u00fcrlich auch daran liegen, dass sich das Lineup der Band nach dem Split 1994 und der Reuinon 2015 einmal runderneuerte. Wie auch immer: Catch the man!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2022) Was ist der Remix einer Coverversion? Und dann noch: das Industrial-Rock-Cover eines EBM-Klassikers, das die Remixer wieder zur\u00fcck ins Elektronische mixen? H\u00e4tten sie da nicht gleich das 1988er-Original remixen k\u00f6nnen? 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