{"id":4331,"date":"2022-06-28T22:02:24","date_gmt":"2022-06-28T20:02:24","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4331"},"modified":"2022-06-28T22:02:24","modified_gmt":"2022-06-28T20:02:24","slug":"ben-aaronovitch-die-silberkammer-in-der-chancery-lane-amongst-our-weapons-dtv-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ben-aaronovitch-die-silberkammer-in-der-chancery-lane-amongst-our-weapons-dtv-2022\/","title":{"rendered":"Ben Aaronovitch \u2013 Die Silberkammer in der Chancery Lane (Amongst Our Weapons) \u2013 dtv 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Ben-Aaronovitch-Amongst-Our-Weapons.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"173\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Ben-Aaronovitch-Amongst-Our-Weapons.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4332\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (27.06.2022)<br><br>Was macht man, wenn eine Buchreihe erfolgreich ist und man gesichert wei\u00df, dass Neuerscheinungen von fanatischen Fantasy-Fans sofort erworben werden? Klar: die B\u00fccher teurer. Hei\u00dft zum zweiten Mal in der \u201eDie Fl\u00fcsse von London\u201c-Reihe von Ben Aaronovitch, dass der deutsche Verlag dtv das Format sinnlos aufbl\u00e4ht und dieses Mal daf\u00fcr sogar satte sechs Euro mehr pro Buch einstreicht. Genau so sinnfrei ist der Versuch, die deutschen Titel einer Corporate Identity zu unterwerfen, die sie im Original nicht haben \u2013 offenbar traut man seiner Leserschaft nicht den popkulturellen Horizont zu, den der Autor hat, denn \u201eAmongst Our Weapons\u201c spielt, wie so viele Stellen im Buch, allen voran die Zwischen\u00fcberschriften, auf Monty Pythons Flying Circus an: \u201eNobody expects the Spanish Inquisition!\u201c, mit direktem Bezug zum Inhalt dieser neunten Geschichte der Urban-Fantasy-Reihe um Zauberpolizist Peter Grant. Aaronovitch schreibt hier wieder ausufernd, und doch konzentrierter, spannend, humorvoll, sprachlich gewandt und einfallsreich \u00fcber einen Racheengel, der direkt aus der Epoche der Spanischen Inquisition stammt. Und im Buch werden Monty Python nicht einmal \u00fcberhaupt erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Popkultur findet sich bei Aaronovitch, dem \u201eDoctor Who\u201c-Skriptautoren, in so gro\u00dfer Zahl, dass es bestimmt nicht nur hilfreich ist, Brite zu sein, um sie alle \u00fcberhaupt zu erkennen, sondern auch, den ganzen Tag B\u00fccher, TV, Kino und Radio zu konsumieren. Wer zum Henker etwa ist Frank Muir? Spielt die Szene mit dem Chaos denn \u00fcberhaupt auf seine \u201eWhat-a-mess\u201c-B\u00fccher an oder ist das nur das erstbeste Googleergebnis f\u00fcr den ratlosen Leser? Wer ist die Souls\u00e4ngerin, nach der Tochter Beatrice benannt wird? Und von welchen Passagen wissen wir gar nicht, dass es \u00fcberhaupt Anspielungen sind? Michelle Yeoh l\u00e4sst sich leicht auf \u201eTiger &amp; Dragon\u201c zur\u00fcckf\u00fchren, ein Strampelanzug mit Tardis-Motiv auf \u201eDoctor Who\u201c, aber wenn so etwas schon so beil\u00e4ufig auftritt, was entgeht einem denn dann wohl alles? Da w\u00e4re ein Glossar freundlich, aber angesichts des bekloppten deutschen Titels steht leider zu bef\u00fcrchten, dass \u00dcbersetzerin Christine Blum und der Verlag selbst keine Ahnung von den ganzen Querverweisen haben.<br><br>Welche Links auch immer man versteht, man f\u00fchlt sich verstanden, wenn man selbst in der Popkultur unterwegs ist und sich \u00fcber einen Autoren mit einem gro\u00dfen Horizont freut. Nicht minder weit l\u00e4sst Aaronovitch den Horizont seiner Hauptfigur Peter Grant sein, der sich dann neben der Polizeiarbeit auch noch in Architektur, Geschichte und Biologie auskennt. Und der Autor in lokalen Gegebenheiten rund um die Welt, was er, wie man als Twitter-Nutzer wei\u00df, seiner dortigen Gefolgschaft zu verdanken hat, mit Tweets wie: \u201eWie sagt man zu [beliebiger Sachverhalt] in [beliebiger Ort auf der Erde]?\u201c, was selbst nicht selten zu interessanten Diskussionen f\u00fchrt. Und es macht Aaronovitchs Geschichten noch lebendiger, weil die Details vielf\u00e4ltig sind und auch zu stimmen scheinen. Nicht zuletzt vertritt der Autor eine vorbildliche Diversit\u00e4t; Peter Grants Mutter kommt aus Sierra Leone, viele seiner Kollegen sind weiblich, ohne selbst religi\u00f6s zu sein ist er umgeben von Anh\u00e4ngern so gut wie s\u00e4mtlicher Religionen, zudem von Menschen diverser sexueller Ausrichtungen, mit k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigungen sowie aus allen Weltengegenden mit allen \u00e4u\u00dferen Merkmalen, und all das ist in den B\u00fcchern nicht Gegenstand von Diskussionen, sondern beil\u00e4ufiger Alltag, eben wie es in einer offenen Gesellschaft auch sein sollte.<br><br>Und was die Lekt\u00fcre au\u00dferdem so erbaulich macht, ist Aaronovitchs Sprache. Nat\u00fcrlich kann er mit der T\u00fcr ins Haus fallen und seine Figuren in Stra\u00dfenslang parlieren lassen, gleichzeitig beherrscht er die feine englische Art, Sachverhalte indirekt auszudr\u00fccken, was sehr unterhaltsam ist; beispielsweise l\u00e4sst er wissen, dass Peters neugeborene Zwillinge nach Kr\u00e4ften daf\u00fcr sorgen, dass sich das lesbische Paar doch lieber davon \u00fcberzeugen l\u00e4sst, \u00e4ltere Kinder zu adoptieren. Ironie, Sarkasmus, Aaronovitch spielt s\u00e4mtliche rhetorischen Tr\u00fcmpfe aus. Was er dieses Mal, um endlich aufs vorliegende Buch zu kommen, au\u00dferdem besser hinbekommt, ist, die Geschehnisse plastisch darzustellen; es gab einige Folgen, in denen man M\u00fche hatte, sich bildhaft vorzustellen, was denn da gerade passierte, aber dieses Mal funktioniert alles ganz gut. Das \u00fcppige Personal ist hier wiederum Segen und Pferdefu\u00df zugleich: Einerseits l\u00e4sst Aaronovitch seinen in Romanen, Novellen und Comics angewachsenen Personalstamm gef\u00fchlt vollst\u00e4ndig antreten, und sei es nur in einer Erw\u00e4hnung, Hauptsache, der Leser wei\u00df, dass der Autor niemanden vergisst, nur andererseits hat man etwas M\u00fche, die Biografien und Charaktere der mindestens sieben neuen Figuren auseinanderzuhalten und zuzuordnen.<br><br>Diese sieben Figuren sind, da kommt wieder eine Popkulturanspielung, Ringtr\u00e4ger, und es scheint, als habe es ein einer Lampe entstiegener Racheengel auf ihr Leben angesehen. Peter muss nun die verbliebenen Mitglieder dieses religi\u00f6s motivierten Zirkels ausfindig machen und deren Leben sch\u00fctzen sowie parallel den Engel und, selbstredend, seine Ex-Kollegin Lesley aufhalten. Recherche, Netzwerken, Action, Magie, alles ist drin, und zeitgleich wird er auch noch Vater. Und m\u00f6glicherweise bef\u00f6rdert, wenngleich es eine sch\u00f6ne Eigenschaft Peters ist, eben nicht so allm\u00e4chtig zu sein wie sein Ziehvater Thomas Nightingale: Auch mit besonderen F\u00e4higkeiten ist er im Grunde einer von uns.<br><br>So ist nun also \u201eAmongst Our Weapons\u201c ein flott zu lesender Krimi-Zauber-Thriller-Spa\u00df mit einer so breiten Personaldecke, dass die Geschichte selbst darunter etwas verschwindet. So viel Substanz hatten Aaronovitchs B\u00fccher zuletzt ohnehin nicht mehr, da waren die Novellen besser, da gab er eine opulente Handlung schon platzbedingt wenigstens nicht vor und kam besser auf den Punkt. Dennoch, Peter Grant zu lesen bereitet wieder Vergn\u00fcgen, und das z\u00e4hlt. I didn\u2019t expect the Spanish Inquisition!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.06.2022) Was macht man, wenn eine Buchreihe erfolgreich ist und man gesichert wei\u00df, dass Neuerscheinungen von fanatischen Fantasy-Fans sofort erworben werden? Klar: die B\u00fccher teurer. 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