{"id":4276,"date":"2022-05-18T20:51:33","date_gmt":"2022-05-18T18:51:33","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4276"},"modified":"2022-10-04T17:56:18","modified_gmt":"2022-10-04T15:56:18","slug":"everything-everywhere-at-once-daniel-scheinert-daniel-kwan-usa-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/everything-everywhere-at-once-daniel-scheinert-daniel-kwan-usa-2022\/","title":{"rendered":"Everything Everywhere All At Once \u2013 Daniel Scheinert &#038; Daniel Kwan \u2013 USA 2022"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.05.2022)<br><br>Zweieinhalb Stunden opulentes und technisch \u00fcberbordendes Kreativit\u00e4tsgeballer! Dabei l\u00e4sst sich die Handlung in einem Satz zusammenfassen: Mutter vers\u00f6hnt sich mit Tochter. Daf\u00fcr muss sie nur in unendlichen Parallelwelten gegen eine b\u00f6se Widersacherin und eine kaum weniger b\u00f6se Steuerbeamtin k\u00e4mpfen, den wahlweise weisen und uneingeweihten Ratschl\u00e4gen ihres die Scheidung ins Auge fassenden Gatten folgen, die heile Welt ihres in die Jahre gekommenen Vaters bewahren und alles in Allem einfach nur endlich als Mensch reifen. In Sekundenbruchteilen flackernde Alternativuniversen, Martial-Arts-K\u00e4mpfe, Drama, Humor, Warmherzigkeit, innere und \u00e4u\u00dfere Querverweise, grandiose Schauspielende und eine soghaft erz\u00e4hlte komplexe Geschichte lassen diese zweieinhalb Stunden im Rausch vergehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Gute ist: Der Film ist zwar au\u00dferordentlich komplex, aber wenn man das Ende kennt, wei\u00df man, dass man die zwei Stunden dazwischen gar nicht zwingend bis ins Detail verstehen muss, sondern ihnen lediglich halbwegs stolperfrei folgen und an den wahnwitzigen Ideen seine Freude haben. Das in den USA einen Waschsalon betreibende chinesische Ehepaar Evelyn und Waymond sieht sich bei einer Steuerpr\u00fcfung mit einem Abrechnungsfehler konfrontiert. W\u00e4hrend die Pr\u00fcferin Deirdre Evelyn auseinandernimmt, \u00fcbernimmt pl\u00f6tzlich parallel ein alternativer Waymond die Kontrolle und bereitet Evelyn auf ihre Mission vor \u2013 die Universen vor der b\u00f6sen Jobu Tupaki zu retten.<br><br>Evelyn muss diese Jobu Tupaki einmal b\u00f6se vor den Kopf gesto\u00dfen haben, denn sie hat sich zum Ziel gesetzt, alle Evelyns auszul\u00f6schen. Um dies zu verhindern, mobilisiert ein Team um einen Alternativ-Waymond alle verf\u00fcgbaren Alternativ-Evelyns, um die eine zu finden, die Jobu Tupaki in ihre Schranken weisen kann. Nach diversen Pr\u00fcgeleien und Weltwechseln erkennt Evelyn, dass es sich bei der Endgegnerin um ihre Tochter Joy handelt, die sich von Evelyn am Anfang des Films zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlte, weil sie Joys Partnerin nicht akzeptierte und sogar vor ihrem Vater Gong Gong leugnete. Eine Rettung aller Welten ist m\u00f6glich, und im Sinne des Films sogar schl\u00fcssig, und wenn dies geschieht, ist klar, dass man in diesem cineastischen Chaos im Grunde nur Evelyns kraftaufw\u00e4ndigen Reifeprozess verfolgte. Und der hat es sowas von in sich, wie im echten Leben. Unterteilt ist der Film in drei Abschnitte: In \u201eEverything\u201c muss Evelyn erkennen, worum es geht, das Problem in \u201eEverywhere\u201c l\u00f6sen und in \u201eAll At Once\u201c unter neuen Vorzeichen weitermachen.<br><br>Die Daniels legen unendliche Spuren aus, auf die sie fortw\u00e4hrend zur\u00fcckgreifen; man hat so viele Aha-Momente, dass man bezweifelt, wirklich jeden internen und externen Code geknackt haben zu k\u00f6nnen. Nebens\u00e4chlichkeiten erfahren sp\u00e4ter enorme Relevanz; wenn Waschsalonkundinnen pl\u00f6tzlich zu mit Hunden bewaffneten K\u00e4mpferinnen werden, wenn Bagels zentrale Bedeutungen erfahren, wenn aufklebbare Augen \u00fcberall in Erscheinung treten, sogar in einem Paralleluniversum, in dem Evelyn und Joy mental kommunizierende Felsen sind, wenn Hotdogh\u00e4nde bei der Liebesbeziehung von Evelyn und Deirdre zum Einsatz kommen, wenn man sich eben gar nicht alles merken kann, was man da zu sehen bekommt. Evelyn erf\u00e4hrt n\u00e4mlich, dass sie \u00fcberall auf ihre in Paralleluniversen erlernten F\u00e4higkeiten zur\u00fcckgreifen kann \u2013 und dass diese Universen im Grunde auf Entscheidungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, die sie selbst vornahm. So kommen diese F\u00e4higkeiten nach und nach zum Einsatz, Kampfkunst, Gesang, Kochen, Schauspielerei \u2013 und Liebe f\u00fcr Leute, die sie als Gegner auffasst.<br><br>Die internen Links sind ja schon immens genug, da bringen die Daniels auch noch unz\u00e4hlbare externe Links unter. Klar, Jackie Chan und Martial-Arts-Kino \u00fcberhaupt erkennt man, ebenso Flugtricks wie aus \u201eMatrix\u201c und \u201eTiger And Dragon\u201c. \u201e2001: Odyssee im Weltall\u201c gibt\u2019s mit Wurstfingern nacherz\u00e4hlt, Evelyn nennt ihre Widersacherin einmal \u201eJobu Chewbacca\u201c, der nach Art von \u201eRatatouille\u201c unter einer Kochm\u00fctze versteckte Waschb\u00e4r referiert eindeutig an Rocket Raccoon von den \u201eAvengers\u201c. Die Daniels kennen die Popkultur und bringen sie humorvoll unter.<br><br>Und dann der Stil: Nun sollte man nicht erwarten, dass der komplette Film eine Strobowelle ist; die Daniels lassen sich und ihren Figuren Zeit, sobald sie vonn\u00f6ten ist, insbesondere zum Finale hin. Doch diese Stroboszenen knallen in Netzhaut und Hirnrinde, weil sie so hirnrissig \u00fcberdreht sind. Da sieht man Evelyns Gesicht, w\u00e4hrend sie in Sekundenbruchteilen durch die Universen flackert, und jeder Bruchteil ist mit einer anderen Atmosph\u00e4re, Identit\u00e4t, Welt hinterlegt. Auch wenn so eine Sequenz nur wenige Sekunden dauert: Was f\u00fcr ein Aufwand! Diese Spezialeffekte, inklusive animierter Passagen. Und dann noch diese Kampfchoreografien, herrlich, mit einer G\u00fcrteltasche und einem Hund!<br><br>Nicht zuletzt die Schauspielerriege \u00fcberzeugt dann, weil da auch Leute mitmachen, mit denen man gar nicht rechnet. Michelle Yeoh als Evelyn ist perfekt besetzt, ihr nimmt man die unwirsche Managerin-Mutter ab, die von ihrem eigenen Leben zerbrochen und neu zusammengesetzt wird. Jamie Lee Curtis als Deirdre ist kaum wiederzuerkennen, die rasende Gro\u00dfraumb\u00fcro-Furie steht ihr ausgezeichnet. Der paddelig-sympathische Wayne wird gespielt von Jonathan Ke Quan \u2013 und der war 1985 der Data in \u201eThe Goonies\u201c und spielte 1984 in \u201eIndiana Jones und der Tempel des Todes\u201c mit. James Hong alias Gong Gong war schon in \u201eChinatown\u201c und \u201eBig Trouble In Little China\u201c zu sehen.<br><br>Und am Ende siegt die Liebe. Mag man f\u00fcr profan halten, weil sie als Thema so ausgelutscht und plakativ ist, aber genau das ist sie in diesem Film mitnichten. Die Daniels arbeiten sich an ihr subtil ab, und es ist mehr als nur erforderlich, dieses Krawallfeuerwerk anzuz\u00fcnden, um Evelyn zu ihren lebenswichtigen Erkenntnissen zu f\u00fchren. So geht man komplett beschallert und emotional ber\u00fchrt aus dem Kino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.05.2022) Zweieinhalb Stunden opulentes und technisch \u00fcberbordendes Kreativit\u00e4tsgeballer! Dabei l\u00e4sst sich die Handlung in einem Satz zusammenfassen: Mutter vers\u00f6hnt sich mit Tochter. 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