{"id":4270,"date":"2022-05-16T20:33:23","date_gmt":"2022-05-16T18:33:23","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4270"},"modified":"2022-05-16T20:33:23","modified_gmt":"2022-05-16T18:33:23","slug":"ocean-child-the-songs-of-yoko-ono-canvasback-atlantic-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ocean-child-the-songs-of-yoko-ono-canvasback-atlantic-2022\/","title":{"rendered":"Ocean Child: The Songs Of Yoko Ono \u2013 Canvasback\/Atlantic 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Ocean-Child-Songs-Of-Yoko-Ono.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Ocean-Child-Songs-Of-Yoko-Ono.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4271\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (16.05.2022)<br><br>Wenn man mit den Beatles \u00fcberwiegend nix anfangen kann, nimmt man Yoko Ono dann in Sippenhaft oder findet man die vermeintlich nervige John-Lennon-Witwe dann erstrecht gut? Auf \u201eOcean Child\u201c sammelt Kurator Benjamin Gibbard einen Haufen alter Helden und Jungspunde, die dem Oeuvre der Avantgardek\u00fcnstlerin anl\u00e4sslich ihres 89. Geburtstags Tribut zollen \u2013 und von der Avantgarde bleibt hier nicht allzuviel \u00fcbrig. Es ist nat\u00fcrlich schwierig, die aufgrund der Teilnahme von Yo La Tengo, David Byrne, Stephin Merritt und The Flaming Lips erworbenen Neubearbeitungen zu bewerten, wenn man die Originale nicht kennt, weil man f\u00fcr sich den Faktor Sippenhaft zur Anwendung bringt, aber f\u00fcr sich genommen sind die allermeisten der 14 Songs hier eher langweilig. Oder positiv ausgedr\u00fcckt: Man kann zu diesem Album prima chillen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Anhand dieser Bearbeitungen dr\u00e4ngt sich der Begriff \u201eAvantgarde\u201c jedenfalls nicht auf. Singer-Songwriter allenfalls, h\u00fcbsch Tralala und Klimperklimper. Das trifft sogar auf die mit Knalleffekt angelegte Ausgangslage-Kombination von den Rock\u2019n\u2019Roll-Zerst\u00f6rern Yo La Tengo und dem Kunstmusiker David Byrne zu: Deren harmonische Version von \u201eWho Has Seen The Wind?\u201c ist zwar wundersch\u00f6n, liegt aber weit unter den musikalischen Erwartungen. Wo ist das Sperrige, wo der Krach, wo das Unerwartete, wo das Schwerverdauliche? Spoiler: Nicht auf diesem Album.<br><br>Die (selbst bereits ab 1976 geborene) Jugend von heute hat einfach keinen L\u00e4rm mehr im Blut. Alles ist Wattewolke, alles ist R\u2019n\u2019B, alles ist Folkpop, alles ist weichgesp\u00fclt, alles ist Hauptsache h\u00fcbsch gesungen (mehrheitlich von Frauen, das immerhin; h\u00fcbsch gesungen au\u00dfer von Michelle Zauner alias Japanese Breakfast, deren kieksige Stimme nervt) und unaufdringlich instrumentiert. Was soll man von einem Nachwuchs erwarten, der nicht in die Fresse gehen will? Selbst Death Cab For Cutie, die Band des Initiators, die sich als Indie-Rock-Band vermarktet, tanzteet hier unaufgeregt vor sich hin. Als einzige den Geist der US-Japanerin trifft die Koreanerin auf diesem Album: Thao Nguyen stapelt auf \u201eYellow Girl (Stand By For Life)\u201c ihre Stimme \u00fcbereinander und klimpert zu reduziertem Schlagzeug wild auf einem Piano herum.<br><br>Stephin Merritt, bekannt mit den Magnetic Fields, f\u00fcgt sich da leider ein, aber er hat wenigstens eine kraftvolle und ausdrucksstarke Stimme, die er zu pulsierenden Synthiesounds beinahe sakral einsetzt. Das erste Mal laut wird es auf Track 9 von 14 mit Deerhoof, die \u201eNo, No, No\u201c zu einem schr\u00e4g-krachigen, \u00fcbersteuerten, partiell galoppierenden und geil gespielten Freakrockst\u00fcck umarbeiten. Das zweite und letzte Mal etwas agiler wird es nur zwei Tracks weiter mit den Flaming Lips und ihrer gewohnt spukig-verspulten Variante von \u201eMrs. Lennon\u201c; nicht besonders aufregend, weil klassisch Flaming Lips, aber geil genug, weil klassisch Flaming Lips. Der zweite Song von Yo La Tengo, \u201eThere\u2019s No Goodbye Between Us\u201c, h\u00e4tte auf einem Album von Yo La Tengo sicherlich gut funktioniert, weil das Trio gern mal softe Balladen zwischen seine L\u00e4rmbrocken setzt, aber hier setzt es lediglich den Schlafmodus fort.<br><br>Die Originale stammen schwerpunktm\u00e4\u00dfig von zwei Alben, \u201eSeason Of Glass\u201c und \u201eFeeling The Space\u201c, mit einigen Ausrei\u00dfern, an denen auch John Lenon beteiligt war. Wenn \u201eOcean Child\u201c nun aber tats\u00e4chlich repr\u00e4sentativ ist f\u00fcr den Sound von Yoko Ono, lohnt es sich jedenfalls nicht, sich mit ihrem Oeuvre zu befassen. Vielmehr mit dem von Deerhoof, die hier amtlich scheppern. H\u00f6chstens noch spannend liest sich \u201eYes, I\u2019m A Witch\u201c, ein Quasi-Tribut-Album, das Yoko Ono mit ihren Beeinflussten aufnahm, und da sind die Namen weit spannender als auf der vorliegenden Sammlung: Jason Pierce, Le Tigre, DJ Spooky, Peaches und abermals The Flaming Lips, die als einzige auch auf \u201eOcean Child\u201c vertreten sind. Man beherzige ansonsten, was Amber Coffman, Ex-Dirty Projectors, am Schluss pl\u00e4rrend empfiehlt: \u201eRun Run Run\u201c.<br><br>Die Songs und die Originale:<br><br>01 Sharon Van Etten \u2013 Toyboat (von \u201eSeason Of Glass\u201c, 1981)<br>02 David Byrne with Yo La Tengo \u2013 Who Has Seen The Wind? (von \u201eInstant Karma\u201c-7\u201c, 1970)<br>03 Sudan Archives \u2013 Dogtown (von \u201eSeason Of Glass\u201c, 1981)<br>04 Death Cab For Cutie \u2013 Waiting For The Sunrise (von \u201eApproximately Infinite Universe\u201c, 1973)<br>05 Thao \u2013 Yellow Girl (Stand By For Life) (von \u201eFeeling The Space\u201c, 1973)<br>06 U.S. Girls \u2013 Born In A Prison (von \u201eSome Time In New York City\u201c, 1972)<br>07 Jay Som \u2013 Growing Pain (von \u201eFeeling The Space\u201c, 1973)<br>08 Stephin Merritt \u2013 Listen, The Snow Is Falling (von \u201eHappy Xmas, War Is Over\u201c-7\u201c, 1971)<br>09 Deerhoof \u2013 No, No, No (von \u201eSeason Of Glass\u201c, 1981)<br>10 We Are King \u2013 Don&#8217;t Be Scared (von \u201eMilk And Honey\u201c, 1984)<br>11 The Flaming Lips \u2013 Mrs. Lennon (von \u201eFly\u201c, 1971)<br>12 Japanese Breakfast \u2013 Nobody Sees Me Like You Do (von \u201eSeason Of Glass\u201c, 1981)<br>13 Yo La Tengo \u2013 There&#8217;s No Goodbye Between Us (von \u201eTake Me To The Land Of Hell\u201c, 2013)<br>14 Amber Coffman \u2013 Run Run Run (von \u201eFeeling The Space\u201c, 1973)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.05.2022) Wenn man mit den Beatles \u00fcberwiegend nix anfangen kann, nimmt man Yoko Ono dann in Sippenhaft oder findet man die vermeintlich nervige John-Lennon-Witwe dann erstrecht gut? 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