{"id":4220,"date":"2022-04-24T22:06:34","date_gmt":"2022-04-24T20:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4220"},"modified":"2022-04-25T20:50:09","modified_gmt":"2022-04-25T18:50:09","slug":"udo-dirkschneider-may-way-atomic-fire-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/udo-dirkschneider-may-way-atomic-fire-2022\/","title":{"rendered":"Udo Dirkschneider \u2013 May Way \u2013 Atomic Fire 2022"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Udo-Dirkschneider-My-Way.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Udo-Dirkschneider-My-Way.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4221\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (23.04.2022)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Udo Dirkschneider \u2013 einer der Big Three unter den drei gro\u00dfen Udos der DACH-Region \u2013 hat jetzt auch seinen 70. Geburtstag feiern k\u00f6nnen. Genau einen Tag vor mir, nur dass ich noch nicht 70 Jahre alt geworden bin. Und er hat einen verdammt guten Lauf in den letzten Jahren. Nicht, dass er jemals irgend etwas Schlechtes ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte, aber in den 90er- und Nullerjahren war zumindest einiges dabei, das den Brodweg Richtung Messeweg, dann links auf die Berliner Stra\u00dfe, \u00fcber Hans-Sommer-Stra\u00dfe und Rebenring geradewegs in Richtung Mittelweg verlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Output als tarnanzugtragender, blonder Schreihals beim deutschen Metalvorreiteraush\u00e4ngeschild Accept dagegen ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben, und auch mit seiner nach der zun\u00e4chst widerwilligen und dann einvernehmlichen Trennung von Accept gegr\u00fcndeten Formation U.D.O. hat er so viele Hits und Klassiker herausgebracht, dass er Konzerte mit der L\u00e4nge einer Rede Fidel Castros (da w\u00e4ren wir wieder beim Tarnanzug) geben k\u00f6nnte, ohne dabei auf mittelwegm\u00e4\u00dfiges Material zur\u00fcckgreifen zu m\u00fcssen. Allein das 2021er Album \u201eGame Over\u201c machte deutlich, dass das Game f\u00fcr Udo wei\u00dfgott noch lange nicht over ist, \u201eWe Are One\u201c \u2013 aus 2020 \u2013 h\u00e4tte ich mir vielleicht noch lieber zusammen mit Cannibal Corpse als mit mit dem Musikkorps der Bundeswehr gew\u00fcnscht (hatte ich schon erw\u00e4hnt, dass ich f\u00fcr einen guten Sparwitz jederzeit bereit bin, diverse \u00e4ltere Verwandte bei Ebay Kleinanzeigen reinzusetzen? Nein? Gut.), aber ein Superteil war das schon, nicht zuletzt wegen dieser gro\u00dfartigen S\u00e4ngerin, Manuela Markewitz. Und dann hat Udo noch den Geniestreich gebracht, mit \u201eLive in Bulgaria 2020 \u2013 Pandemic Survival Show\u201c absolut erfolgreich das mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Live-Konzert der gesamten Corona-\u00c4ra zu veranstalten. So, da jetzt noch die ersten paar U.D.O.-Scheiben on top obendrauf \u2013 Animal House, Mean Machine, Timebomb \u2013 Oh Mann, der Mann hat mehr absolute Hammeralben rausgehauen als andere Bands \u00fcberhaupt Alben rausgehauen haben, in ihrer ganzen Karriere. Und ist dabei immer ein grundsympathischer Typ geblieben, der auch in Interviews immer eine gute Figur abgibt \u2013 quasi vom moralischen Standpunkt der Lemmy Kilmister des teutonischen Heavy Metal, wenn auch nicht mit dessen Charisma und Sex Appeal gesegnet.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Udo kann gesangsm\u00e4\u00dfig jetzt nicht so viel wie Devin Townsend, Mike Patton oder sagen wir mal dieser Typ zwei Etagen \u00fcber mir, der immer unter der Dusche das Oeuvre der Wise Guys zum besten gibt. Wobei ich mir letzteren zugegebenerma\u00dfen eben ausgedacht habe (Erw\u00e4hnte ich meine Sparwitz-Affinit\u00e4t? Nein? Gut.) Udo kann tief und rauh, und er kann kreischen, und in beiden Tonlagen klingt er immer 100% nach Udo, also authentisch, energiegeladen und jederzeit voll bei der Sache. Also ich hoffe mal, es liest sich jetzt hier schon mal heraus, dass \u201eMy Way\u201c musikalisch in keinster Weise entt\u00e4uscht, sondern in jeder Sekunde in jede nur denkbare Richtung losgeht \u2013 nach vorne.<br><br>Die Titelauswahl (auf die ich hier ob der sp\u00e4ten Stunde mal nicht komplett eingehe) ist mit viel Liebe getroffen \u2013 ich muss zugeben, mit \u201eFaith Healer\u201c h\u00e4tte ich nicht gerechnet. Der sensationelle Alex Harvey hat den Song eigentlich so in Szene gesetzt, dass es einer Coverversion nicht bedurft h\u00e4tte. Dennoch sind die Bollock Brothers beigegangen und haben es verdammt gut hinbekommen \u2013 und Udos Version steht dem in nichts nach \u2013 nur h\u00e4rter und rockiger \u2013 nichts anderes h\u00e4tten wir von ihm erwartet. \u201eFire\u201c (Arthur Brown), \u201eSympathy\u201c (Uriah Heep) \u2013 geschenkt \u2013 dann \u201eNutbush City Limits\u201c \u2013 Udo, hallo? Hammer! Getragen von einem wummernden Bass und sp\u00e4ter dann Bl\u00e4sern verleiht Udo dem Song mehr Blues, als man es vom Original gewohnt ist. Eingeleitet mit grunzendem Groove \u2013 hier k\u00f6nnte Udo jetzt auch mit ZZ Tops \u201eLa Grange\u201c weitermachen \u2013 kreischt er dann weiter, dass es der jungen Tina Turner alle Ehre macht, l\u00e4sst aber \u201eThey Call It Nutbush\u201c aber zu keiner Sekunde einen reinen Abklatsch des Originals sein. \u201eMan On The Silver Mountain\u201c war das n\u00e4chste St\u00fcck, das ich mit Spannung und in der Bef\u00fcrchtung eines Fremdsch\u00e4mmoments erwartete \u2013 immerhin nimmt es Dirkschneider hier mit niemand Geringerem als Ronnie James Dio auf, der damals bei Rainbow f\u00fcr den Gesang zust\u00e4ndig war. Der Welt gr\u00f6\u00dfter Metals\u00e4nger, so jemanden covert man nicht eben mal so nebenbei \u2013 und Udo kriegt es nicht nur hin, sondern integriert \u201eMan On The Silver Mountain\u201c mit einer Lockerheit in den U.D.O.-Kosmos, dass Ronnie von seiner pentagrammf\u00f6rmigen Wolke herab mit Sicherheit die eine oder andere Pommesgabelgeste herabschauen l\u00e4sst und sich bestens amis\u00fcrt.<br><br>Bei \u201eHell Raiser\u201c von The Sweet geht es weiter munter weiter nach vorne und Udo samt Band (hervorzuheben: der ballroomblitzende Backgroundgesang) lassen viel authentischen Sweet-Sound Paroli laufen. Dann \u201eNo Class\u201c von Mot\u00f6rhead \u2013 dazu brauche ich nichts zu sagen. Mot\u00f6rhead \u2013 England \/ Dirkschneider \u2013 Germany \u2013 paaaaasst! Dann \u2013 absolut passend zum Vorg\u00e4ngerst\u00fcck \u2013 \u201eRock\u2018n\u2018Roll\u201c von Led Zep \u2013 Udo und seine Band lassen die guten Zeiten nicht nur rollen, sondern auch krachen. Bei \u201eThe Stroke\u201c von Billy Squier wird es ein wenig ruhiger, was Udos Stimme mehr in den Vordergrund treten l\u00e4sst \u2013 und diese scheitert daran in keinster Weise.<br><br>\u201ePaint It, Black\u201c ist dann wieder eine Herausforderung, an der schon einige andere unsterbliche Rock\u2018n\u2018Roller wie z.B. Karel Gott beinahe gescheitert sind \u2013 aber Udo meistert auch diesen Stolperstein recht l\u00e4ssig \u2013 die Band sorgt f\u00fcr d\u00fcstere Stimmung, er schreit, alles passt. Dann \u201eHe\u2018s A Woman, She\u2018s A Man\u201c \u2013 kein Problem, wenn ich mich f\u00fcr die legend\u00e4re einsame Insel zwischen einem S\u00e4nger aus Niedersachsen und einem aus NRW entscheiden m\u00fcsste, w\u00fcrde ich Udo mitnehmen (sorry, Klaus). \u201eT.N.T.\u201c von AC\/DC ist ein Heimspiel \u2013 Udo war nicht einfach nur so aus Jux schon immer als das bessere Brian-Johnson-Substitut gesetzt als Axl Rose, und auch den Bon Scott kriegt er beachtlich gut hin. Auf \u201eJealousy\u201c von Frankie Miller liefert Udo nicht nur routiniert ab, sondern schreit sich bereits im ruhigen Intro die Seele aus dem Hals, dass es einem warm um Herz wird \u2013 aber danach fragte ich mich vor dem H\u00f6ren von \u201eHell Bent For Leather\u201c, wie Udo es schaffen w\u00fcrde, es mit Metal God Rob Halford aufzunehmen. Und wahrlich \u2013 eine gute Entscheidung, nicht gerade \u201ePainkiller\u201c auszuw\u00e4hlen \u2013 \u201eHell Bent For Leather\u201c meistern Band und S\u00e4nger absolut meisterhaft. Der Geist von Priest weht durchgehend her\u00fcber und es macht Laune, zu h\u00f6ren, wie viel Laune es Dirkschneider und seiner Band gemacht haben muss, das Ding zu covern.<br><br>Anschlie\u00dfend hatte ich \u2013 muss ich zugeben \u2013 die Buxe voll: Wie will \u00fcberhaupt jemand \u201eWe Will Rock You\u201c von Queen covern \u2013 und wie Dirkschneider? Hier jetzt Spoiler: Er hat es mit seiner Band f\u00fcrwahr hammerm\u00e4\u00dfig umgesetzt: Den Original-Gesang von Freddie Mercury verwandelt Udo in etwas Melodisches, das zielsicher irgendwo zwischen Accept, Priest und den Scorpions wandelt, und es wird auch nicht versucht, an Brian Mays ikonisches Original-Solo irgendwie heranzukommen, der Song wird einfach zuende gerockt, als geh\u00f6re sich das so. Und genau so geh\u00f6rt es sich. \u201eKein Zur\u00fcck\u201c von Wolfsheim skippe ich jetzt hier mal \u2013 weil ich Wolfsheim schei\u00dfe finde und es nicht beurteilen kann \u2013 was nicht an den wundervollen Wolfsheim liegt, sondern nur am Rezensenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem titelgebenden Abschlussst\u00fcck \u201eMy Way\u201c hatte ich zugegebenerma\u00dfen aufs Neue Angst \u2013 wird Udo es schaffen, zumindest zu Sid Vicious, dem wir die bislang gr\u00f6\u00dfte Coverversion des St\u00fccks \u2013 neben der von den Gipsy Kings \u2013 verdanken, aufzuschlie\u00dfen \u2013 und ja, zum Gl\u00fcck, auch hier liefert Udo wieder zuverl\u00e4ssig ab und hinterl\u00e4sst die\/den H\u00f6renden am Ende mit einer Tr\u00e4ne der R\u00fchrung. Irgendwie hat er es in den letzten Jahren geschafft, egal, was er macht, nichts Peinliches oder Mittelm\u00e4\u00dfiges mehr machen zu k\u00f6nnen. Irgendwo an der Kreuzung den Teufel getroffen? Der K\u00f6nig Midas des Rock\u2018n\u2018Roll? Man wei\u00df es nicht, nur hier kurz vor Schluss noch ein Wort zum Cover-Artwork: Mittlerweile reicht es vollkommen aus, eine zeitgen\u00f6ssische Aufnahme von Udos Gesicht in Schwarzwei\u00df vorne drauf zu packen, um anzuk\u00fcndigen: Hier kommt jetzt gut eine Stunde unverf\u00e4lschter, ehrlicher Rock\u2018n\u2018Roll und man kann die Party starten. Und hier: Ich habe jetzt einen Artikel \u00fcber das neue Album von Udo Dirkschneider verfasst, ohne auch nur ein einziges Mal von \u201eThe German Tank\u201c, \u201eSolingen\u201c oder \u201eReibeisenstimme\u201c zu schreiben. Geiel, oder? Selbstbeherrschung, Achtsamkeit, \u2026, ach was, Schei\u00dfe \u2013 Rock\u2018n\u2018Roll!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (23.04.2022) Udo Dirkschneider \u2013 einer der Big Three unter den drei gro\u00dfen Udos der DACH-Region \u2013 hat jetzt auch seinen 70. Geburtstag feiern k\u00f6nnen. 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