{"id":4168,"date":"2022-03-15T22:21:04","date_gmt":"2022-03-15T21:21:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4168"},"modified":"2022-03-15T22:21:04","modified_gmt":"2022-03-15T21:21:04","slug":"marc-domin-jonas-kolb-kollision-zweier-apostelschaedel-domin-kolb-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/marc-domin-jonas-kolb-kollision-zweier-apostelschaedel-domin-kolb-2021\/","title":{"rendered":"Marc Domin\/Jonas Kolb \u2013 Kollision zweier Apostelsch\u00e4del \u2013 Domin\/Kolb 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Marc-Domin-Jonas-Kolb-Kollision-zweier-Apostelschaedel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"116\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Marc-Domin-Jonas-Kolb-Kollision-zweier-Apostelschaedel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4169\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (15.03.2022)<br><br>Kein leichter Happen, den einem die beiden musizierenden Autoren oder schreibenden Musiker Marc Domin und Jonas Kolb da vorwerfen. Einmal formal: Reisebericht, Briefroman, Tagebuchroman, Gedicht und Collage bilden das Gesamtwerk \u201eKollision zweier Apostelsch\u00e4del\u201c. Und zweitens inhaltlich: Zwischen Horror, Blutbad und Porno siedeln sie die Geschichte von zwei Forschern an, die 1880 die titelgebenden Reliquien unsch\u00e4dlich (ha, ha) machen wollen \u2013 und nutzen dies selbstredend zur gepflegten Provokation. Letztlich ist klar: Mit der \u201eKollision zweier Apostelsch\u00e4del\u201c ist das Buch selbst gemeint, das aus dem n\u00e4mlichen Vorgang hervorging, denn bei diesen Dickk\u00f6pfen handelt es sich nat\u00fcrlich um die der Autoren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Fantasie haben sie ja, und diese gebiert Absurdes, in Bild und Ton, quasi, denn auch die Texte und Musik von Kolb und Domin sind ja stets gespickt mit Absurdit\u00e4ten. Da nimmt es nicht Wunder, dass sich dieses in dieser Gemeinschaftstat \u201eK2A\u201c fortsetzt: Brieflich tauschen sich hier die Herren Kolb und Domin, die kurioserweise hei\u00dfen wie die Autoren, zun\u00e4chst \u00fcber d\u00e4monische Beobachtungen und die aus diesen resultierende Gefahr f\u00fcr das christliche Abendland und den Rest der Welt aus. Sie beschlie\u00dfen, der Ursache auf den Grund zu gehen, wortw\u00f6rtlich, denn diese verorten sie im Hafenbecken der Stadt Danzig. Domin nimmt die Reise mit Gefolgschaft auf sich, davon ausgehend, Kolb habe sich in Abwehr des B\u00f6sen selbst verbrannt. Ein kopfloser Butler, eine zerst\u00fcckelte Frauenleiche, treulose Afrikaner, Geisterschiffe und l\u00fcsterne Nymphen spielen wichtige Rollen, bis der Versuch, das B\u00f6se zu besiegen, in der Gegenwart seine kaum weniger absurde Fortsetzung im Bau eines Puppengottes findet.<br><br>Der Auftakt gestaltet sich recht sperrig, mit den Briefen, die sich die beiden in ihren eigenen und eigensinnigen Stilen austauschen und die inhaltlich aufgrund der absichtlich gew\u00e4hlten Gedrechseltheit nur schwer nachzuvollziehen sind. Hier spielt jeder seine eigene Sprache aus; Domin geht schnodderig in die Breite und verkn\u00fcpft so viele Themen wie m\u00f6glich, Kolb geht gestelzt nach Innen und verdreht ein klaustrophobisch gestaltetes Ich. Beide lassen die Geschehnisse zwar aufeinander aufbauen, jedoch versetzt mit unverst\u00e4ndlichen Wendungen, weshalb der Lesefluss erst so richtig aufkommt, als jeder seine eigene Strecke bekommt und sich austobt. Domin fabuliert da von der Reise nach Danzig und Kolb hernach von der Jetztzeit. Alsbald verschwimmen die Schreibstile sogar und lassen sich nicht mehr eindeutig den Autoren zuordnen; da bekommt man am deutlichsten den Eindruck einer Gemeinschaftsarbeit, die dann in gemeinschaftlich erstellten digital verfremdeten Collagen endet.<br><br>Schwierig gestaltet sich der Zugang zur gew\u00e4hlten Sprache. Zwar siedeln Domin und Kolb die Geschichte zun\u00e4chst im Jahre 1880 an und versuchen auch, Inhalte und Zeitgeist zu imitieren, bleiben aber doch viel zu sehr bei sich, um \u00fcberzeugend den Sound der Zeit zu transportieren. Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Natur der Autoren, beinahe zwanghaft provozieren zu wollen. In einer Publikation in diesen Zeiten unbedingt mehrfach die W\u00f6rter \u201eNeger\u201c und \u201eMohr\u201c unterbringen zu m\u00fcssen, wirkt plakativ und distanzlos; das vom Lesenden mitgedachte Argument, in der gespielten Zeit sei dies wom\u00f6glich \u00fcblich gewesen, greift nicht, da sich eben die Sprache um diese W\u00f6rter herum nicht schl\u00fcssig an die Kolonialzeit anpasst. Vulg\u00e4re Pimmeleien und religi\u00f6se Sp\u00f6ttereien steckt man da im Vergleich leichter weg, auch wenn sie zum Teil wie mit dem Holzhammer in die Geschichte hineingeprengelt wirken.<br><br>Zwar garnieren die Autoren die grunds\u00e4tzlich sauspannenden Geschehnisse mit einem sp\u00f6ttischen und latent humoristischen Unterton, erschweren es damit jedoch, die Abl\u00e4ufe durchgehend als gruselig aufzufassen. Dabei setzen die Autoren lustige Pointen (die Hausbar Domins muss beachtlich sein) und bemerkenswerte Anker: Die \u201eKollision zweier Apostelsch\u00e4del\u201c ist eine Art Hub, von dem aus es Links in alle m\u00f6glichen Richtungen gibt. Die zerst\u00fcckelte Frau Marjorie etwa hei\u00dft wie eine Internetplattform, auf der Artikel erscheinen, die f\u00fcr Wikipedia nicht relevant genug sind, und dort findet sich auch ein Eintrag zu Domin. Der Titel des Buches ist einem Lied Kolbs entnommen, das er 2021 unter dem Alias Puppengott auf dem Album \u201ePapa ist zur\u00fcck\u201c herausbrachte. Zudem ver\u00f6ffentlichte Kolb bereits 2016 das Buch \u201eKollision zwier Apostelsch\u00e4del: Wie man einen Puppengott baut\u201c, damals unter dem Pseudonym Machyyre Ischarijott. Zum Finale hin gleiten die Autoren bei voranschreitender Handlung zusehends in die Metaebene, auf der sie von sich selbst schreiben und sogar die Lesenden ansprechen.<br><br>Eine harte Lekt\u00fcre, auch physisch: Das Buch ist so gro\u00df wie eine Single und wiegt so viel wie eine kleine Plattensammlung. Und doch eine mit Sogwirkung: Der kopflose Butler Wilcke verfolgt einen noch lang in den Alltag. Wom\u00f6glich sollte man schnellstm\u00f6glich zusehen, dass man einen Puppengott gebaut bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.03.2022) Kein leichter Happen, den einem die beiden musizierenden Autoren oder schreibenden Musiker Marc Domin und Jonas Kolb da vorwerfen. Einmal formal: Reisebericht, Briefroman, Tagebuchroman, Gedicht und Collage bilden das Gesamtwerk \u201eKollision zweier Apostelsch\u00e4del\u201c. 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