{"id":4165,"date":"2022-03-14T21:12:41","date_gmt":"2022-03-14T20:12:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4165"},"modified":"2022-03-14T21:12:41","modified_gmt":"2022-03-14T20:12:41","slug":"dave-gahan-soulsavers-imposter-columbia-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dave-gahan-soulsavers-imposter-columbia-2021\/","title":{"rendered":"Dave Gahan &#038; Soulsavers \u2013 Imposter \u2013 Columbia 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Dave-Gahan-Soulsavers-Imposter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Dave-Gahan-Soulsavers-Imposter.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4166\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.03.2022)<br><br>Dave Gahan hat keinen Bock mehr. Seine Stimme hat Startschwierigkeiten, er rollt seinen Gesang nur noch m\u00fchselig knarrend an, so richtig motiviert scheint er gar nicht zu sein, aber muss ja. Eigene Songs macht er auch nicht mehr, auf \u201eImposter\u201c covert er ausschlie\u00dflich andere Leute. Nicht mal auf seine Band Depeche Mode hat er mehr Bock, er l\u00e4sst sein als Soloarbeit deklariertes Album einmal mehr vom Gospel-Electro-Projekt Soulsavers begleiten. Das funktioniert nicht durchgehend gut, sein Vorg\u00e4nger Mark Lanegan hatte einfach die bessere Stimme f\u00fcr diesen Sound. Schlimme Nachricht: Mit dessen Tod wird das angek\u00fcndigte n\u00e4chste Album nicht mit ihm stattfinden. Nicht ganz so schlimme Nachricht: Ganz \u00fcbel ist \u201eImposter\u201c gottlob auch wieder nicht. Und als h\u00e4tte es Gahan geahnt, geh\u00f6rt Lanegan hier zu den Gecoverten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Erstaunlicherweise r\u00fccken Gahan und sie Soulsavers mit ihren Zusammenarbeiten leicht in die N\u00e4he des gegenw\u00e4rtigen Tom Jones, der seinerseits seine Vorliebe f\u00fcr Blues und Gospel entdeckte. Eigentlich sind die Soulsavers ja ein Electroduo, doch ist dies hier auf nur eine Person geschrumpft, die indes eine grandios besetzte Band verpflichtete, die die warme Musik einspielte. In der liegt der gr\u00f6\u00dfte Gewinn dieses Albums: Selbst wenn man die Originale kennen sollte, was nicht f\u00fcr jeden in jedem Fall zutreffen d\u00fcrfte, erweckt das Album einen Eindruck von musikalischer Geschlossenheit, von einer Einheit, als w\u00e4re alles doch aus einer Feder. Und trotzdem muss man sich daran gew\u00f6hnen, dass hier der alte, inzwischen stellenweise gek\u00fcnstelt knarzende Synthiepopheld Gahan singt und nicht etwa ein aus seiner privaten H\u00f6lle herausgrummelnder Lanegan. Oder auch ein Tom Jones, dessen Stimme zu einer solchen Musik deutlich besser passen mag; ein St\u00fcck wie \u201eI Held My Baby Last Night\u201c k\u00f6nnte glatt von ihm sein.<br><br>Am passendsten singt Gahan, wenn er nicht die gro\u00dfen Emotionen ausstrahlen will. \u201eA Man Needs A Maid\u201c ist eine sanfte Pianoballade mit Streichersynthies und Chor, die Gahan weitgehend klar begleitet und die deshalb als Gesamtes \u00fcberzeugender erscheint. Hier f\u00fchlt man mit, hier gelingt den Soulsavers auch wieder eine dunkle Stimmung, die man ihnen abnimmt, die nicht nach Laientheater klingt. Denn Gahan erscheint hier bisweilen in der Tat wie ein \u201eImposter\u201c, ein Hochstapler, wenn er versucht, in den viel zu gro\u00dfen Schuhen anderer Leute zu walken. Grunds\u00e4tzlich hat er ja ordentlich Ausdruck, und den nimmt man ihm umso mehr ab, je weniger er versucht, sein Terrain zu verlassen. Selbst, wenn er sich \u201eMetal Heart\u201c aneignet: Er singt es n\u00e4her bei sich, und die Band gniedelt wieder so rauh wie auf den alten Alben. Denen der Soulsavers, wohlgemerkt.<br><br>Sein knarziges Anknurren pflegt Gahan schon etwas l\u00e4nger, das h\u00f6rt man auch bei Depeche Mode, etwa in \u201eCover Me\u201c vom 2017er-Album \u201eSpirit\u201c. Denen wiederum stand der Blues deutlich besser, als Alan Wilder noch dabei war; naja, der Mann fehlt der Band ohnehin unersetzlich. Auch wegen der aus heutiger Sicht versierteren Komponisten ist \u201eImposter\u201c daher besser gelungen als das Meiste von Depeche Mode seit nach 1993. Zu den Originalen hier geh\u00f6rt \u00fcberraschenderweise niemand aus dem Bereich Synthiepop, wenngleich die Pet Shop Boys ihrerzeit ebenfalls \u201eAlways On My Mind\u201c von spielten, ber\u00fchmt geworden durch Elvis Presley, und abseits von Rowland S. Howard auch niemand aus der Gruftibranche, wenngleich viele der Songs hier weit dunkler sind als die der meisten Gothics. Leute wie Bob Dylan und Neil Young haben eben eine Menge Schei\u00df erlebt, auch PJ Harvey und Cat Power k\u00f6nnen Lieder davon singen, haha, und die St\u00fccke von diesen beiden sind sicherlich die gr\u00f6\u00dften \u00dcberraschungen in dieser Zusammenstellung. Was hier \u00fcberdies fehlt, ist Gahans Beitrag \u201eNothing Else Matters\u201c zum Metallica-Tribute; das h\u00e4tte zwar rein von der Atmosph\u00e4re her gepasst, wurde aber nicht von den Soulsavers begleitet.<br><br>Von den Soulsavers ist hier indes lediglich Rich Machin dabei, von Ian Glovers Verbleib ist keine Rede. Daf\u00fcr scharen Machin und Gahan \u2013 zum Teil erneut \u2013 einen Haufen geiler Musiker um sich: Schlagzeuger Kevin Bales spielte unter anderem mit den Psychedelikern Spiritualized, Bassist Martyn LeNoble hat unter anderem die Mark Lanegan Band, Jane\u2019s Addiction, Porno For Pyros und The Cult auf seinem Zettel stehen, James Walbourne ist Gitarrist der Pretenders, Gitarrist Tony Foster war unter anderem ebenfalls mehrfach bei J. Spaceman engagiert, Sean Read spielte sein Keyboard auch bei Dexys Midnight Runners, Pianist Ed Harcourt ist ansonsten solo unterwegs und selbst die Gospelsingenden Janet Rasmus, Tjae Cole und Wendi Rose haben bereits psychedelische Studioluft in den Lungen. Sie alle machen \u201eImposters\u201c zu einem Album, das aus musikalischer Sicht mehr ist als nur eine Begleitung des Depeche-Mode-S\u00e4ngers.<br><br>Dennoch, \u201eBroken\u201c aus dem Jahr 2009 bleibt unerreicht. Bei dem Album wundert es nicht, dass es Mike Patton auf seinem Label Ipecac herausbrachte. Und auch gleich mitsang. Dort sind die Soulsavers k\u00fcnstlerisch weit besser aufgehoben als im Depeche-Mode-Dunstkreis, aber ach!, Mark Lanegan starb am 22.2.22 in Irland. Das ist in vielerlei Hinsicht tragisch.<br><br>Die Songs und Originale:<br><br>01 The Dark End Of The Street (James Carr, 1967)<br>02 Strange Religion (Mark Lanegan, 2004)<br>03 Lilac Wine (Hope Foye, 1950)<br>04 I Held My Baby Last Night (Elmore James, 1952)<br>05 A Man Needs A Maid (Neil Young, 1972)<br>06 Metal Heart (Cat Power, 1998)<br>07 Shut Me Down (Rowland S. Howard, 2009)<br>08 Where My Love Lies Asleep (Gene Clark, 1971)<br>09 Smile (Charlie Chaplin, 1936)<br>10 The Desperate Kingdom Of Love (PJ Harvey, 2004)<br>11 Not Dark Yet (Bob Dylan, 1997)<br>12 Always On My Mind (Brenda Lee, Elvis Presley, 1972)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.03.2022) Dave Gahan hat keinen Bock mehr. Seine Stimme hat Startschwierigkeiten, er rollt seinen Gesang nur noch m\u00fchselig knarrend an, so richtig motiviert scheint er gar nicht zu sein, aber muss ja. 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