{"id":4055,"date":"2021-12-28T21:48:10","date_gmt":"2021-12-28T20:48:10","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4055"},"modified":"2021-12-28T21:48:10","modified_gmt":"2021-12-28T20:48:10","slug":"dont-look-up-adam-mckay-usa-netflix-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dont-look-up-adam-mckay-usa-netflix-2021\/","title":{"rendered":"Don\u2018t Look Up \u2013 Adam McKay \u2013 USA\/Netflix 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (28.12.2021)<br><br>\u201eJahaha, genau so ist es!\u201c \u2013 Der Film. Der verfilmte Politcartoon aus der Tageszeitung: Einfach mal abbilden, was sowieso klar ist, und \u201eHumor\u201c dr\u00fcberschreiben. Das verfilmte Twitter-Meme. Die erste H\u00e4lfte von \u201eDer wei\u00dfe Hai\u201c \u2013 2021. \u201eSo ist die westliche Gesellschaft der Gegenwart\u201c \u2013 f\u00fcr Dummies. N\u00e4mlich: Wissenschaftler finden heraus, dass die Erde in sechs Monaten von einem Meteoriten zerst\u00f6rt wird, und alles, was danach passiert, kann man sich so sehr selbst ausdenken, dass der Film \u00fcberfl\u00fcssig ist. Die Filmsequenzen mit \u00dcberraschung sind so gering, dass man \u201eDon\u2018t Look Up\u201c auch gut in einer Viertelstunde erz\u00e4hlt h\u00e4tte. Macht man aber zweieinhalb Stunden draus. Am Schluss denkt man wie beim Gucken von \u201eMelancholia\u201c: Endlich ist die Qual vorbei, da rei\u00dft auch der Dinosaurier nix mehr.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es geht schon damit los, dass Wissenschaftler den Kollisionskurs des Meteoriten an einem Whiteboard berechnen. Okay, so topmodern geht es auch an vielen Lehreinrichtungen in Deutschland zu, aber unglaubw\u00fcrdig ist das trotzdem. Wie so ziemlich alles, was von Seiten der Wissenschaft kommt, und sei da noch so oft \u201eSatire\u201c auf das Filmplakat gemalt: Man kann sich einfach nicht mit den Hauptfiguren identifizieren. Und \u00fcber sie lachen auch nicht, daf\u00fcr sind die Folgen aus Handeln und Nichthandeln jeglicher Beteiligter nicht absurd oder entlarvend genug, sondern schlichtweg exakt wie in der Realit\u00e4t, also jedem bekannt, der ab und zu Nachrichten guckt oder das Internet einschaltet, und au\u00dferdem baut Regisseur Adam McKay zu viel deplatziertes Beziehungsdrama mit ein, anstatt sich auf das Kerngesch\u00e4ft zu konzentrieren; wo sich der Astronom dann doch noch absurd verh\u00e4lt, passt es weder zu seinem Charakter noch zu seiner Mission.<br><br>Man hatte so viele Gelegenheiten, die reale Dummheit der Menschen nicht nur mit dem Finger auf sie deutend herauszustellen, sondern sie wahlweise konsequent mit Argumenten in die Irre zu f\u00fchren oder auf eine Weise zu erh\u00f6hen, dass sie grellbunt leuchtet. Stattdessen hangelt sich der Film an vergleichbaren realen Verhaltensweisen entlang, und das Schlimmste, was die br\u00fcskierten Wissenschaftler als Affront auffassen, ist ein General, der kostenlose Snacks aus dem Wei\u00dfen Haus teuer an sie weiterverkauft. Das setzt McKay dann auch noch als Running Gag ein. Wie lustig.<br><br>Was also w\u00fcrde man sich selbst ausdenken? Da es sich um US-Wissenschaftler handelt, wenden sie sich nat\u00fcrlich als erstes ans Wei\u00dfe Haus. Die von Meryl Streep gespielte Pr\u00e4sidentin Orlean, die nur unzureichend an Donald Trump erinnert, hat Wichtigeres zu tun, und weil sich die Akteure an die Medien wenden, geraten sie als Geheimnisverr\u00e4ter ins Visier des FBI. Bis ihre Daten best\u00e4tigt werden. Dann gibt\u2018s einen Erd-Rettungsversuch, aber ein spleeniger Apple-Microsoft-Mogul mit Mehrheit in der Regierung (Mehrheit an Geld, nat\u00fcrlich) wittert unendliche Rohstoffquellen in dem Himmelsk\u00f6rper und will ihn im All zerteilen und kontrolliert auf die Erde niederregnen lassen. Was folgt: Andere Nationen spielen kaum eine Rolle, au\u00dfer, dass sie in Russland eine vergleichbare Rettungsaktion wie in \u201eArmageddon\u201c starten wollen, die Gesellschaft l\u00e4sst sich in Neurechte und Aufrechte teilen und Social Media, Tr\u00e4llertusen und Deppen-Fernsehen sind wichtiger als der nahende Weltuntergang. So real, so traurig, so wenig \u00fcberraschend.<br><br>Was war dann aber doch gut an dem Film? Schwierig. Anfangs hofft man noch auf Satire und findet drei, vier Gr\u00fcnde f\u00fcr Gel\u00e4chter, aber sobald man feststellt, dass die Satire nicht durchh\u00e4lt, sinkt man fremdsch\u00e4mend in die Sofakissen. Der alte Haudegen Benedict Drask (Ron Perlman), der eigentlich den Rettungsflug auf den Asteroiden absolvieren sollte, feuert auf jenen mit seinem Maschinengewehr, das ist lustig. Die Kometen-Entdeckerin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) jobbt in einem Supermarkt, animiert drei Twentysomethings zum Ladendiebstahl und schlie\u00dft sich ihnen an, nach Feierabend, das ist unerwartet. Ach ja, der Sohn der Pr\u00e4sidentin spricht die optisch vom Mainstream abweichende Kate einmal mit \u201eLisbeth Salander\u201c an, das ist wenigstens einmal Popzitat. Mehr Gutes bleibt echt kaum h\u00e4ngen, au\u00dfer der Schluss, dass alle Guten gemeinsam chillig in den Tod zu Abend essen, sogar NASA-Experte Teddy Ogelthorpe, der einzig stringente Charakter des Films, der aber offenbar keine eigene Familie hat.<br><br>Es ist wie in \u201eDer wei\u00dfe Hai\u201c, dass ein Mahner aus Geldgr\u00fcnden von Machthabern mundtot gemacht werden soll. Es ist wie in \u201eDie Jagd\u201c, dass sich Leonardo Di Caprios Figur, der nerdige Dr. Randall Mindy, zun\u00e4chst mit Blabla von seiner Aufgabe als Mahner ablenken l\u00e4sst, nur dass Mindy kein orientierungsloses Opfer bleibt, sondern \u2013 und da psst kein Teil zum anderen \u2013 die Spielregeln der Medien aus dem Stand anwendet und sogar eine Aff\u00e4re mit der offensichtlich illoyalen und mit einem Alkoholproblem belasteten TV-Moderatorin Brie Evantee (Cate Blanchett) beginnt. Erst nach viel zu langer Zeit l\u00e4sst ihn das Drehbuch in seine eigentliche Position zur\u00fcckfallen und vor laufenden Kameras den Wutausbruch haben, den er am Anfang h\u00e4tte gehabt haben m\u00fcssen. Das ist die einzige Szene, in der die Figur \u00fcberzeugt und den Klimaleugnern, Querdenkern, Lobbyisten, Influencern sowie s\u00e4mtlichen von jenen eingelullten B\u00fcrgern etwas Handfestes entgegenschleudert. Ach, und einmal noch Kate, die ihren neuen Buddys die verschw\u00f6rerisch angehauchten Polit-Theorien zerst\u00f6rt, mit der plausiblen Info, die Machthaber seien nicht intelligent genug, um auf solche boshaften Ideen zu kommen. Okay, wenn \u201eDon\u2018t Look Up\u201c einige solcher Menschen tats\u00e4chlich aufr\u00fcttelt, ist ja etwas geholfen; dann ist er vielleicht gutes, aber stinklangweiliges Schulfernsehen, aber kein guter Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.12.2021) \u201eJahaha, genau so ist es!\u201c \u2013 Der Film. Der verfilmte Politcartoon aus der Tageszeitung: Einfach mal abbilden, was sowieso klar ist, und \u201eHumor\u201c dr\u00fcberschreiben. Das verfilmte Twitter-Meme. 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