{"id":4052,"date":"2021-12-23T20:48:53","date_gmt":"2021-12-23T19:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4052"},"modified":"2021-12-23T20:48:53","modified_gmt":"2021-12-23T19:48:53","slug":"der-weg-einer-freiheit-noktvrn-season-of-mist-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/der-weg-einer-freiheit-noktvrn-season-of-mist-2021\/","title":{"rendered":"Der Weg einer Freiheit \u2013 Noktvrn \u2013 Season Of Mist 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Der-Weg-einer-Freiheit-Noktvrn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Der-Weg-einer-Freiheit-Noktvrn.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4053\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.12.2021)<br><br>So geht Weiterentwicklung im Black Metal, blo\u00df kein Stillstand: Der Weg einer Freiheit aus W\u00fcrzburg k\u00f6nnen \u201eUnstille\u201c genau so gut wie \u201eStille\u201c, und letztere er\u00f6ffnet das neue Album, das dennoch trve mit \u201eNoktvrn\u201c betitelt ist. Das Stille an diesem Album ist dabei nicht so sehr am zeitgen\u00f6ssischen Post-Black-Metal orientiert, der sich wiederum bei opulenteren Spielarten wie Shoegaze und Postrock bedient, sondern tats\u00e4chlich filigran, zur\u00fcckhaltend, minimalistisch. Wenn dann die vertraute Energie losbricht, f\u00fcgt sich beides dennoch \u00fcberzeugend zusammen. Und wenn dann pl\u00f6tzlich Soul-Passagen erklingen, \u00e4h: Ja, man kann den Black Metal ausdehnen, ohne ihn zu verraten, das beweisen auch andere Bands und K\u00fcnstler ganz ausgezeichnet, Myrkur, Alcest, Solbrud oder eben Der Weg einer Freiheit. \u201eNoktvrn\u201c hat das Zeug f\u00fcr Jahresbestenlisten. Und das geilste Cover hat die Platte auch noch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Mit dem zerbrechlichen Opener \u201eFinisterre II\u201c kn\u00fcpft die Band namentlich an das Vorg\u00e4ngeralbum aus dem Jahr 2017 an, warum auch immer, mag man meinen: Ein stilles St\u00fcck Musik ist ein stilles St\u00fcck Musik. Das erste \u201eFinisterre\u201c hingegen ist alles andere als still, es groovt und mosht und endet mit Streichern. Mit Teil II schl\u00e4gt die Band mit der akustisch gespielten Version des urspr\u00fcnglichen Monolithen eine Br\u00fccke \u00fcber das Live-Album, das dazwischen erschien. Auch das folgende St\u00fcck \u201eMonument\u201c beginnt fragil, um im Verlauf loszubrechen, mit den beinahe klassischen Black-Metal-Blasts, mit Gekloppe, Geschrei und Geschrammel, wie man es in dem Genre erwartet, doch geben sich Der Weg einer Freiheit nicht mit Traditionen ab, sie brechen sie, sobald sie sie bedienen, und sp\u00e4testens in \u201eAm Rande der Dunkelheit\u201c klingt die Band kein Bisschen mehr nach dem Gepolter, sondern nach einer organischen Gemeinschaft, die dazu bereit und in der Lage ist, handfesten Rock\u2019n\u2019Roll zu spielen, nur eben einige Pfund schwerer; man h\u00f6rt hier deutlich heraus, dass die Band das Album live einspielte. Und immer wieder \u00fcberraschen Der Weg einer Freiheit mit Melodien.<br><br>Der herausragende H\u00f6hepunkt des Albums ist zweifellos \u201eImmortal\u201c, das Der Weg einer Freiheit mit The Devil\u2019s Trade aufnahmen. Hinter diesem Akustik-Projekt steckt D\u00e1vid M\u00e1ko, der ansonsten bei der ungarischen Doom-Metal-Band Stereochrist spielt. Hier singt er die Strophen klar, beinahe soulig, zu einem elektronisch anmutenden Basspulsieren, in das Nikita Kamprad im Refrain hereinschreit. Die Band t\u00fcrmt sich zu Hymnen auf und unterstreicht einmal mehr, dass Progressivit\u00e4t nicht allein aus verschachtelten Kompositionen besteht. Und progressiv sind Der Weg einer Freiheit seit jeher, das zeichnet sie aus und unterscheidet sie vom stumpfen Kirchenanz\u00fcnder-Black-Metal aus Norwegen. Nat\u00fcrlich beherrschen auch Der Weg einer Freiheit Blastbeats, Powerakkorde und irrsinniges Tempo, aber sie bauen nicht ihre Karriere darauf auf.<br><br>Auf \u201eMorgen\u201c f\u00e4llt die Band dann wieder zur\u00fcck in die L\u00e4rmstrukturen, die man vom Genre erwartet, nat\u00fcrlich nicht, ohne sie zu brechen, zu zerbrechen gar. Das k\u00f6nnen sie so gut wie etwa Solbrud, immer eine spielerisch sensationelle Idee im K\u00f6cher. Hier erinnern die W\u00fcrzburger bisweilen sogar an Gojira, und zwar an die aus der guten, alten Zeit, nicht an den poppigen Kram von heute, wenn der Gesang eher gebr\u00fcllt als gekeift die sich steigernde Energie der Musik aufgreift. \u201eGegen das Licht\u201c startet wieder ruhig, bis ein fuzzy Bass einsetzt und sich die Musik dann doch einmal vor\u00fcbergehend wundersch\u00f6n in Richtung Postrock \u00f6ffnet. Bis es wieder knallt. Und das St\u00fcck in einer Art Gothic Metal m\u00fcndet. Und sich die Band den Witz erlaubt, f\u00fcr exakt einen Akkord eine Kirchenorgel einzusetzen. Das ist Luxus!<br><br>Sollte es sich bei \u201eHaven\u201c \u00e4hnlich verhalten wie bei \u201eFinisterre\u201c, dann ist der Abschluss eine spannende Vorausschau auf ein potentiell folgendes Album: mehr Shoegaze als zuvor, hoher, beinahe sakraler Gesang, Introvertiertheit, sich ohne H\u00e4rte auft\u00fcrmende Musik, die pure Atmosph\u00e4re, und irgendwo in Frankreich zwinkert Neige, wenn er das h\u00f6rt. Aber man lernt ja aus \u201eNoktvrn\u201c, dass die Band mit Vorliebe Finten legt und dann doch wieder den Hammer auspackt. Zum Gl\u00fcck!<br><br>Mit \u201eNoktvrn\u201c bezieht sich die Band \u00fcberraschenderweise auf Fr\u00e9d\u00e9rik Chopin und seine \u201eNocturnes\u201c, es handelt sich also um ein Konzeptalbum, das die Nacht zum Thema hat, mit allen Aspekten zwischen Einschlafen und Aufwachen, mit dem D\u00e4mmerzustand dazwischen, mit Tr\u00e4umen und Alptr\u00e4umen und nat\u00fcrlich der Dunkelheit. Und dann dieses Cover, das rein grafisch ist, ein Farbverlauf von D\u00e4mmerviolett zu Schwarz mit einer klaren Linie als Grenze, die grob auf 1 Uhr verl\u00e4uft, also mitten in der Nacht, und von Weitem aussieht wie eine n\u00e4chtlich einen spaltweit ge\u00f6ffnete T\u00fcr. Grandios!<br><br>Die CD gibt\u2019s limitiert in einer Box mit einer Live-DVD al Bonus sowie einigen Goodies. Das gezeigte Konzert ist ein Mitschnitt des Auftritts bei der \u201eEuropean Metal Festival Alliance\u201c vor einem Jahr; f\u00fcr Bildfetischisten, die lieber eine BluRay gehabt h\u00e4tten, liegt ein Download-Code f\u00fcr eine 4K-Version des Films bei.<br><br>Die Tracklist der DVD:<br><br>01 Aufbruch (von \u201eFinisterre\u201c, 2017)<br>02 Der stille Fluss (von \u201eAgonie\u201c, 2011)<br>03 Lichtmensch (von \u201eUnstille\u201c, 2012)<br>04 Skepsis Part I (von \u201eFinisterre\u201c, 2017)<br>05 Skepsis Part II (von \u201eFinisterre\u201c, 2017)<br>06 Letzte Sonne (von \u201eStellar\u201c, 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.12.2021) So geht Weiterentwicklung im Black Metal, blo\u00df kein Stillstand: Der Weg einer Freiheit aus W\u00fcrzburg k\u00f6nnen \u201eUnstille\u201c genau so gut wie \u201eStille\u201c, und letztere er\u00f6ffnet das neue Album, das dennoch trve mit \u201eNoktvrn\u201c betitelt ist. 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