{"id":4035,"date":"2021-12-14T22:18:15","date_gmt":"2021-12-14T21:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4035"},"modified":"2021-12-14T22:18:15","modified_gmt":"2021-12-14T21:18:15","slug":"broesel-werner-extrawurst-2-haater-stoff-broeseline-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/broesel-werner-extrawurst-2-haater-stoff-broeseline-2021\/","title":{"rendered":"Br\u00f6sel \u2013 Werner Extrawurst 2: Haater Stoff! \u2013 Br\u00f6seline 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Broesel-Werner-Haater-Stoff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"158\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Broesel-Werner-Haater-Stoff.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4036\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.12.2021)<br><br>Wer in den Achtzigern mit \u201eWerner\u201c aufwuchs, wandte sich ab den Neunzigern von dieser Comicreihe ab, als der Erfolg einzog und sich die Witze und die Zeichnungen ver\u00e4nderten. Solche Altfans spricht Br\u00f6sel nun mit der zweiten Ausgabe seiner Reihe \u201eExtrawurst\u201c an, in der der Kieler Zeichner alte Strips aus der Zeit vor und kurz nach der Erfindung von Werner sammelt. \u201eHaater Stoff!\u201c bietet einen aufschlussreichen Einblick in Br\u00f6sels Fr\u00fchwerk, als er noch zwischen Anti-Establishment, Anti-Nazis und Anti-Berufst\u00e4tigkeit gespickt mit Selbstironie agierte. In dieser Zeit verbesserte der als R\u00f6tger Feldmann geborene Autor seine Zeichenfertigkeiten und verfeinerte seinen Humor. Manko: Quellenangaben fehlen, die \u00dcberarbeitungen sind nicht gekennzeichnet. Ansonsten ein zum Teil erschreckend aktuelles Zeitdokument.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Werner ist 40, Br\u00f6sel 30 Jahre \u00e4lter \u2013 der Zeichner war also schon was l\u00e4nger dabei, als er aus seiner selbstgew\u00e4hlten Arbeitslosigkeit in den Stand des Comiczeichners wechselte. Weitere zehn Jahre sp\u00e4ter konnte er davon so gut leben, dass sich das auch auf seine Comics niederschlug, die nicht mehr wie in der Kneipe, mit dem Motorrad auf Reisen oder sonstwie selbsterlebt wirkten, sondern wie im Ennui am Zeichentisch erdacht, wom\u00f6glich nicht einmal von ihm, sondern von angestellten Zeichnerteams. Fortan war der Zugang zu den Werner-Comics reichlich erschwert, wenn man seine Erwartungen aus der anarchischen Fr\u00fchphase mitbrachte.<br><br>Und wie anarchisch die war, unterstreicht dieses Buch. An vielen Stellen f\u00fchlt man sich an die etwa zeitgleich erschienenen Strips von Gerhard Seyfried erinnert, nur dass jener noch radikaler als Br\u00f6sel war und eher kiffte als soff. Dabei legt das Pseudonym Br\u00f6sel das Kiffen beinahe nahe, jedoch bezieht Feldmann es wahlweise auf seine zerbr\u00f6selnden Motorr\u00e4der oder die freie \u00dcbersetzung des Namens seines Idols Robert Crumb. Jedenfalls spricht sich Br\u00f6sel deutlich gegen Nazis aus und gegen einen Staat, der auf dem rechten Auge blind ist; \u00fcberraschend, wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass er auf der 2019er-Auflage seines Rennens ausgerechnet die B\u00f6hsen Onkelz auftreten lie\u00df.<br><br>Anarchisch waren zuvorderst die assoziative Erz\u00e4hlweise und die fragmentarischen Zeichnungen, Anarchie hingegen war f\u00fcr Br\u00f6sel eher der Widerstand gegen die von wem auch immer ausgehende Pflicht, arbeiten zu m\u00fcssen; der Staat als Kritikbild schl\u00e4gt sich bei ihm anders nieder, etwa in verst\u00f6renden Argumenten f\u00fcr eine bewaffnete Armee. Kritisch bildet Br\u00f6sel zudem den zunehmenden TV-Konsum als Alternative zum Selbsterleben, Immobilienhaie, Umweltzerst\u00f6rung, Atomkraft und die Macht der Mediziner ab; \u201eBullen\u201c kriegen bei ihm ohnehin stets ihr Fett weg. Gleichzeitig lacht er \u00fcber seine eigene Szene, nicht zuletzt in der Anarcho-Reihe \u201eDie Bakuninis\u201c, die Br\u00f6sel f\u00fcr das Satiremagazin \u201ePardon\u201c anfertigte.<br><br>All diese Fetzen, teilweise unver\u00f6ffentlicht, teilweise \u00fcberarbeitet und nachkoloriert, zeichnen den Fortschritt des Zeichners nach, der sein Handwerk wie nebenbei verfeinerte und seine Zeichnungen von sympathisch-dilettantischen Tr\u00e4gern des Spotts zu akribisch ausgearbeiteten Panels entwickelte. Und da steckt das Manko dieses Sammelsuriums: Br\u00f6sel vorwortet zwar davon, dass es sich hier um Archivmaterial handelt, l\u00e4sst aber Jahreszahlen, Erstver\u00f6ffentlichungen und Remasteranteile offen. Man muss wahlweise viel im Internet nachlesen, es bereits wissen (zum Beispiel \u201eNeue Pullover Comics\u201c) oder einfach ignorieren, dass das Buch diese L\u00fccken l\u00e4sst.<br><br>Ein Fest f\u00fcr die Alten ist es dennoch, auch wenn \u201eHaater Stoff!\u201c nat\u00fcrlich nicht so geschlossen ist wie der erste Werner-Band aus dem Jahr 1981, \u201eOder was?\u201c: Sujets und Zeichenstile wechseln, aber das macht ja gerade den Reiz dieses Blicks hinter die Kulissen aus. Insbesondere, da man ungef\u00e4hr ab dem von der Flensburger-Brauerei zensierten \u201eBesser is das\u201c 1989 und dem ersten Film 1990 \u2013 trotz erfreulicher Reunion von Trofrock \u2013 den Anschluss verlor. Die Comics wirkten wie vom Rei\u00dfbrett, sowohl, was die Geschichten betrifft, als auch die fein ziselierten Zeichnungen, die zwar optisch ansprechend waren, aber die flachen Gags und Geschichten nur kaschierten. Br\u00f6sel war etabliert und sch\u00f6pfte den Rahm seines Anarchohelden ab, indem er ihn massentauglich machte. Er bediente Klischees, \u00fcber die er vorher l\u00e4chelte, und lie\u00df seine alten Fans mit Schulterzucken zur\u00fcck. \u201eVolle Latte!\u201c, \u201eWer bremst hat Angst!\u201c, das war zum Fremdsch\u00e4men und dichter am breiten Proll als etwa der sympathische Cartoon \u201eDilettanten ol\u00ea\u201c, wie immer bei Br\u00f6sel von einem Lektorat unbeleckt.<br><br>Und so fiel es dem Altfan in all seiner Distanziertheit zu seinem Jugendhelden Werner gar nicht auf, dass dessen Hauptreihe ab 2004 brachlag und Br\u00f6sel sie erst 2018 mit \u201eWat nu?!\u201c reaktivierte, also mit fast 70 Jahren. M\u00fcsste man sich wohl mal angucken, ob sich die Zeit da in der Qualit\u00e4t niederschlug. Falls nicht, reicht auch \u201eHaater Stoff!\u201c, um seine private Nostalgie etwas aufzufrischen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.12.2021) Wer in den Achtzigern mit \u201eWerner\u201c aufwuchs, wandte sich ab den Neunzigern von dieser Comicreihe ab, als der Erfolg einzog und sich die Witze und die Zeichnungen ver\u00e4nderten. 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