{"id":4004,"date":"2021-11-15T22:18:41","date_gmt":"2021-11-15T21:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=4004"},"modified":"2021-11-15T22:18:41","modified_gmt":"2021-11-15T21:18:41","slug":"zidrou-frank-pe-marsupilami-die-bestie-teil-1-la-bete-carlsen-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/zidrou-frank-pe-marsupilami-die-bestie-teil-1-la-bete-carlsen-2021\/","title":{"rendered":"Zidrou\/Frank P\u00e9 \u2013 Marsupilami: Die Bestie (Teil 1) (La b\u00eate) \u2013 Carlsen 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zidrou-Frank-Pe-Die-Bestie-Teil-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"129\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zidrou-Frank-Pe-Die-Bestie-Teil-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4005\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2021)<br><br>Seit die Rechte an Andr\u00e9 Franquins fabelhaftem Comictier Marsupilami frei sind, taucht es auch wieder in seiner Heimserie auf, Spirou und Fantasio. Aber auch andere Aktivit\u00e4ten sind nun offenbar m\u00f6glich: Das Gespann Zidrou und Frank P\u00e9 ersinnt in offenbar mehreren dicken W\u00e4lzern die Geschichte davon, wie das schwarzgelbe Tier mit dem meterlangen Schwanz 1955 nach Belgien gelangte (also drei Jahre nach seinem ersten tats\u00e4chlichen Auftritt). Die Zeichnungen dazu sind wunderbar dunkel und bedr\u00fcckend. Im Zentrum der Geschichte stehen jedoch das Trauma der Deutschen Besatzung Belgiens in der Nachkriegszeit und das Au\u00dfenseitertum eines von einem Nazisoldaten gezeugten Antwerpener Jungen, das Tier selbst tritt erst sp\u00e4ter in Erscheinung und erregt nat\u00fcrlich die Aufmerksamkeit unterschiedlicher Interessengruppen. Damit verpassen Zidrou und Frank P\u00e9 die Chance, f\u00fcr diese Geschichte einen unerwarteten Rahmen zu w\u00e4hlen. Daf\u00fcr indes sind die Bilder einfach formidabel.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Wort Marsupilami f\u00e4llt hier nur einmal, weil der deutsche Verlag Carlsen es \u00fcberfl\u00fcssigerweise auf das Cover kritzelte (im Original fehlt es dort); in der Geschichte bleibt es aus, weil das Tier nur auf Menschen trifft, die nicht wissen, worum es sich handelt, und auch der Ort Palumbien als Herkunft wird nicht genannt. Vorwissen hilft bei der Wahl des Buches, kein Vorwissen zu haben schadet nicht. Der Auftakt ist so schwarz, wie es die Gedanken des Marsupilami-Erfinders Franquin bekanntlich waren: viele schwarze Fl\u00e4chen, ungew\u00f6hnliche Perspektiven, interessante Details im Hafen und an Bord des Frachters, auf dem eine Ladung Tiere aus S\u00fcdamerika als Folge einer tempor\u00e4ren Havarie auf See verreckte oder sich an den Kadavern labte. Als Beifang \u00fcberrumpelt das Marsupilami den raffgierigen Reeder und den Kapit\u00e4n und bricht aus.<br><br>Geiler Auftakt, brutal, b\u00f6se, zynisch, dunkel, blutig. Doch dann macht die Geschichte einen Schwenk: Fran\u00e7ois aka Franz, Sohn von Frau van den Bosche und einem Boche, wird von seinen Mitsch\u00fclern \u2013 einer sieht aus wie Philipp Amthor und ist auch ungef\u00e4hr so sympathisch \u2013 wegen seiner Naziabstammung gemobbt, w\u00e4hrend es seiner auf dem Markt mit Muscheln den Unterhalt zusammenkratzenden Mutter wegen der Liaison mit dem Uniformierten nicht besser geht. Allein der niedliche Grundschullehrer, der seinerseits wegen seiner unorthodoxen Unterrichtsmethoden einen schweren Stand beim Direktor hat, h\u00e4lt zu beiden. Fran\u00e7ois hat zudem ein gro\u00dfes Herz f\u00fcr aus der Art geschlagene Tiere und richtete so einen Minizoo im armutgeplagten Heim ein.<br><br>Ja, diese Themen dominieren die Geschichte. Erst sp\u00e4t geht es um die Bestie: Nat\u00fcrlich findet Fran\u00e7ois alsbald das heruntergekommene Marsupilami und peppelt es auf, nimmt es in die Schule und macht die falschen Leute darauf aufmerksam. Damit ist das Schicksal des Titelwesens auch schon abgesteckt, w\u00e4hrend das der Personen ausgiebig vertieft wird. Dramen \u00fcber Dramen, eines erdr\u00fcckender als das andere, Schuld und Elend, Trauma und Hoffnung. Diese Nachkriegsthemen besch\u00e4ftigen viele Autoren auch in den One-Shots der Spirou-Reihe, immer und immer wieder; f\u00fcr \u201eDie Bestie\u201c h\u00e4tte man sich daher einen anderen Rahmen gew\u00fcnscht, wer wei\u00df, mehr Action, mehr \u00dcberlebenskampf, mehr was auch immer, womit man einfach nicht rechnet. Einen solchen One-Shot \u00fcbrigens gibt es ebenfalls von Zidrou und Frank P\u00e9, \u201eDas Licht von Borneo\u201c, einer der besten der Reihe \u00fcberhaupt und erfreulicherweise zu einer anderen Zeit und mit anderen Themen stattfindend.<br><br>Und wenn man schon \u00fcber die Geschichte entt\u00e4uscht ist, f\u00e4llt einem umso mehr auf, wie uneins sich die Autoren in der Zielgruppe zu sein scheinen: Die Geschichte des Tiers so schwarz, die des Kindes so kindgerecht und die der Mutter und des Lehrers so schl\u00fcpfrig \u2013 eine befremdliche Mischung. Auch wenn die eingestreuten Gags auf den insofern brillant konstruierten Elementen fu\u00dfen und nicht zwingend vordergr\u00fcndig, daf\u00fcr in sich schl\u00fcssig sind. Daf\u00fcr eben sind die Zeichnungen geil. Und zwar sehr geil. Die Mimik, die Perspektiven, die K\u00f6rper von Mensch und Tier, keine Angst vor Nichthelden, keine Angst vor der Dunkelheit, gro\u00dfartig.<br><br>Tja, aber wenn man sich von Laien ausdenken lie\u00dfe, wie die Geschichte im n\u00e4chsten Band weitergeht, k\u00e4me vermutlich irgendwas mit einem durchgeknallten Wissenschaftler auf der Jagd nach Ruhm, dem Zoo in Antwerpen und dem Bengel, der seine Tiere wiederhaben will. Und genau danach sieht es am Ende von Teil 1 tats\u00e4chlich aus. Klingt also so, als ginge es die Handlung betreffend entt\u00e4uschend weiter. Ob einem die Zeichnungen jedes Mal 25 Euro wert sind, wird man beim \u00dcberfliegen des n\u00e4chsten Bandes wohl spontan entscheiden. Nach einer Neudeutung sieht es hier leider nicht aus, eher wie eine Interpretation der erz\u00e4hlerischen L\u00fccken, die Franquin andeutete. Mehr Mut zur Eigenleistung wie in \u201eDas Licht von Borneo\u201c w\u00e4re reizvoller gewesen. Und wenn die Geschichte schon drei Jahre sp\u00e4ter spielt als \u201eEine aufregende Erbschaft\u201c, ist fraglich, ob Spirou, Fantasio und der Graf von Rummelsdorf in einem der n\u00e4chsten Teile von \u201eDie Bestie\u201c auftreten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2021) Seit die Rechte an Andr\u00e9 Franquins fabelhaftem Comictier Marsupilami frei sind, taucht es auch wieder in seiner Heimserie auf, Spirou und Fantasio. 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