{"id":3999,"date":"2021-11-11T18:15:20","date_gmt":"2021-11-11T17:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3999"},"modified":"2021-11-11T18:15:20","modified_gmt":"2021-11-11T17:15:20","slug":"spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-10\/","title":{"rendered":"Spezial: addicted\/noname Label aus Moskau, Teil 10"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (11.11.2021)<br><br>Dieses Mal eine etwas k\u00fcrzere Auseinandersetzung \u2013 da kommt sp\u00e4ter im Leben noch mehr! Dabei sind: Pressor mit ihrer Stoner-Postrock-Version eines Synthiesongs, Megalith Levitation mit ihrem Heavy-Acid-Doom-Zweitling und MxAxMxA mit einem weirden, auf Hardcore basierenden 20-Minuten-Album.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Pressor-I-Glow.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Pressor-I-Glow.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4000\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Pressor \u2013 I Glow (2021)<\/strong><br><br>Nur ein Song, wieder, dieses Mal jedoch nicht ein weltweit popul\u00e4res Original im psychedelischen Stoner-Sound von Pressor (The Beatles, zur Erinnerung), sondern ein Song der Post-Electro-Band Antethic, ebenfalls aus St. Petersburg. F\u00fcr ihre Version schrauben Pressor ihre Sludge- und Doom-H\u00e4rte zugunsten eines atmosph\u00e4rischen Portrocks zur\u00fcck. Damit orientiert sich das Quartett eher am synthetischen Original, das, wie das Cover, rein instrumental gehalten ist; schlie\u00dflich handelt es sich bei Antethic um eine Instrumental-Band.<br><br>Daf\u00fcr verdichten Pressor den Song: Urspr\u00fcnglich der siebenmin\u00fctige Auftakt des Albums \u201eMythographer\u201c, verknappten Pressor das St\u00fcck um mehr als eine Minute \u2013 uns instrumentierten es anders. Antethic erarbeiten mit Synthesizern eine Musik, die man nicht mit Synthies assoziiert: kein Pop, kein Ambient, kein Techno, sondern \u2013 ja: progressive Musik mit Drama, Atmosph\u00e4re, unerwarteten Strukturen, weitgreifenden Melodien, Drones, Wumms, Fl\u00e4chen.<br><br>Und das spielen Pressor nun also als Rockband nach. Bei ihnen hat das Schlagzeug mehr Drive, steigt der Song direkter ein, nicht mit dem langen dr\u00f6hnenden Vorspiel, sondern gleich mit dem Thema, das auch Antethic ihrem St\u00fcck zugrundelegen, nur dass es bei Pressor offensichtlicher hervortritt. Und dass Gitarre und Bass die Anteile \u00fcbernehmen, die bei Antethic synthetisch erzeugt sind, zus\u00e4tzlich bei Pressor ebenfalls versetzt mit elektronisch erzeugten Effekten. Zudem wagen Pressor Abweichungen von der Originalstruktur, ver\u00e4ndern das Tempo, f\u00fcgen mehr Energie in das St\u00fcck, als ihm urspr\u00fcnglich zugewiesen ist, und transferieren es so in ihren eigenen Kosmos. Nur eben ohne die vertraute Heaviness.<br><br>Die Single ist au\u00dferdem erschienen auf der \u201eMythographer B-Seides\u201c-Compilation von Antethic. Man sollte sich wohl zwingend mal mit dem Oeuvre dieses Trios befassen!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Megalith-Levitation-Void-Psalms.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Megalith-Levitation-Void-Psalms.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4001\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Megalith Levitations \u2013 Void Psalms (2021)<\/strong><br><br>Vor zwei Jahren erst als Neuzugang bei addicted\/noname gelandet, sind Megalith Levitations schon mit dem zweiten Album und einer Splitsingle dabei. Vier Tracks hat \u201eVoid Psalms\u201c, also genau so viele wie das Deb\u00fct der Band aus Tscheljabinsk (\u0427\u0435\u043b\u044f\u0431\u0438\u043d\u0441\u043a\u0430\u044f). Trotzdem kommt es nur auf knapp 50 Minuten Spielzeit, etwas mehr als die H\u00e4lfte des Deb\u00fcts also. Nun, die Musik von Megalith Levitations ufert eben aus. Man erwarte nur nicht, dass sie hier schneller auf den Punkt kommen: Das sollen sie auch nicht, das w\u00e4re nicht im Sinne der Sache.<br><br>Acid Doom nennen Megalith Levitations ihre Musik sehr treffend. Das Trio bleibt ganz bei sich und dem Stil, schleppt die heavy Riffs gem\u00e4chlich \u00fcber die Ziellinie, die in weiter Ferne auf dem Boden aufgemalt ist und sich w\u00e4hrend des Voranschreitens auch noch nach hinten zu verschieben scheint. Schwere Riffs, monoton aneinandergereiht, dazu beschw\u00f6render Gesang und kaum hohe Tonlagen, abgesehen von dem unerwarteten Solo in dem Wahwah-unterlegten \u201eTemple Of Silence\/Pillars Of Creation\u201c. Man k\u00f6nnte fast von Stoner sprechen, doch ist die Grundlage f\u00fcr Megalith Levitation nicht pflanzlich, sondern chemisch, ansonsten l\u00e4sst sich das nicht letztg\u00fcltig unterscheiden. Vielleicht damit, dass Megalith Levitation bisweilen ungeahnte Agilit\u00e4t an den Tag legen.<br><br>Spannend wird es auch, sobald sich die drei Musiker in ihre uferlosen Tracks hineinsteigern. In \u201eDatura Revelations\/Lysergic Phantoms\u201c etwa stemmen sie sich in ihre Riffs, steigern den Nachdruck, mit dem sie sie spielen, heben sogar kurzzeitig die Tonh\u00f6he an, bis sie dann von sich selbst \u00fcberrumpelt feststellen, dass sie \u00fcbers Ziel l\u00e4ngst hinausgestolpert sind und das Tempo wieder zur\u00fccknehmen. Wenn dann abrupt der Schamanengesang einsetzt, ist der Geist l\u00e4ngst auf einer ganz anderen Reise. Wie monoton einem die Musik auch vorkommen mag: Megalith Levitation haben immer Mittel, sie mit etwas Unerwartetem anzureichern und die benebelte Aufmerksamkeit an die Tracks zu binden. Mit Recht! Die Zielgerade darf bei dieser Musik gern sonstwo liegen, es gibt immer einige gute Umwege. Ein an Morphine erinnerndes Bariton-Saxophon im finalen \u201eLast Vision\u201c, ohnehin der Ausrei\u00dfer auf dem Album, ist nur noch das Kr\u00f6nchen dazu.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/MxAxMxA-\u0414\u043e\u043b\u0433\u043e\u0436\u0434\u0430\u043d\u043d\u044b\u0439-\u043f\u0435\u0440\u0432\u0435\u043d\u0435\u0446.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/MxAxMxA-\u0414\u043e\u043b\u0433\u043e\u0436\u0434\u0430\u043d\u043d\u044b\u0439-\u043f\u0435\u0440\u0432\u0435\u043d\u0435\u0446.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4002\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>MxAxMxA \u2013 \u0414\u043e\u043b\u0433\u043e\u0436\u0434\u0430\u043d\u043d\u044b\u0439 \u043f\u0435\u0440\u0432\u0435\u043d\u0435\u0446 (2021)<\/strong><br><br>Der \u201eLang ersehnte Erstgeborene\u201c von Mama also, na, das mag ja ein Blag sein! Abgesehen davon, dass es gelogen ist, schlie\u00dflich ver\u00f6ffentlichen die bereits 2006 gegr\u00fcndeten Moskauer MxAxMxA seit 2017 best\u00e4ndig Musik, wenn auch zumeist als Split-Singles. Die Grundausrichtung hier ist offenbar Hardcore, was sich in Tempo und Geschrei niederschl\u00e4gt, aber l\u00e4ngst nicht alles abdeckt, was man geboten bekommt. \u00c4hnlich wie Frank Zappa, Mike Patton oder D\u00fcrefors\u00f6g fassen MxAxMxA eine an Stromgitarren orientierte harte Musik n\u00e4mlich nur als Spielwiese f\u00fcr das auf, was ihnen sonst noch so in den Kopf kommt, und das ist viel, in Samples, Rhythmusspr\u00fcngen, Tempowechseln und Stilbr\u00fcchen wie Folk, Polka, Punk, Metal, Doom.<br><br>Derer gibt es derartig viele, dass man kaum hinterherkommt. Hier ein Grunzen, dort ein Polka-Rhythmus, h\u00fcben ein Basssolo, dr\u00fcben ein Ska, Akustikgitarre, und war das gerade ernsthaft ein Saxophon? Und warum schreit der Mann eigentlich so, trotz aller Brutalit\u00e4t kann eine Musik dieser Art doch nur der puren Lebensfreude entsprungen sein. Zumindest macht es Spa\u00df, sich diesem Konvolut hinzugeben. Denn anders als im Mathcore erscheinen die Stilspr\u00fcnge hier nicht so willk\u00fcrlich, sondern zwar \u00fcberraschend, aber gerade noch nachvollziehbar und in sich schl\u00fcssig. Und bergen einen immensen Humor.<br><br>Von einem Album kann man hier auch nur sprechen, wenn man Grind- und Hardcore-Verh\u00e4ltnisse zugrundelegt: Die 13 Tracks absolviert das Quartett in rund 20 Minuten, die bei dem komplexen Spektrum aber l\u00e4nger wirken. Lob an die Mama, die diesen Brocken auf die Welt brachte! Dabei schl\u00fcsseln die vier ihren Bandnamen MxAxMxA ganz anders auf: \u201eMagic Attack My Ass\u201c n\u00e4mlich, was nicht wesentlich mehr Sinn ergibt, daf\u00fcr aber dem musikalischen Chaos eine verdiente Entsprechung. Live muss das sowas von abgehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik von addicted\/noname findet sich idealerweise auf <a href=\"https:\/\/noname666.bandcamp.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bandcamp<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.11.2021) Dieses Mal eine etwas k\u00fcrzere Auseinandersetzung \u2013 da kommt sp\u00e4ter im Leben noch mehr! 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