{"id":3990,"date":"2021-11-02T22:20:05","date_gmt":"2021-11-02T21:20:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3990"},"modified":"2021-11-02T22:20:05","modified_gmt":"2021-11-02T21:20:05","slug":"spezial-klangwirkstoff-records-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-klangwirkstoff-records-teil-2\/","title":{"rendered":"Spezial: Klangwirkstoff-Records, Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Klangwirkstoff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Klangwirkstoff.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3693\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2021)<br><br>Drei Ver\u00f6ffentlichungen, zwei davon auf dem Klangwirkstoff-Sublabel Separated Beats: Mit \u201eSolarium\u201c eine Single von Labelchef Bert Olke alias B. Ashra, die \u201eSecret Sessions\u201c \u2013 mit echten Glocken! \u2013 des Quintetts 70db, bei dem Olke ebenfalls mitmischt, sowie der Sampler \u201eDurchstr\u00f6mungen 1 \u2013 Glaswolken\u201c, alle drei im weitesten Sinne am Ambient angelehnt, mit Downbeat, Berliner Schule, Synthpop, Electro und sonstigen experimentellen elektronischen Spielarten. Nur als Download!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/B.-Ashra-Solarium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/B.-Ashra-Solarium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3991\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>B. Ashra \u2013 Solarium (Klangwirkstoff)<\/strong><br><br>In nur einem achtmin\u00fctigen Track komponiert Olke entlang der an einer Frequenz der Sonne ausgerichteten Kosmischen Oktave sein \u201eSolarium\u201c, und das ist ein angenehm warmer Downbeat-Track geworden, der beinahe wie ein organisch eingespielter epischer Postrock auftritt, nur eben von elektronischen Mitteln begleitet, nicht von Gitarren. Dieses Schlagzeug k\u00f6nnte ein echtes sein, im Sound wie in der Spielweise; es generiert auch ohne vordergr\u00fcndiges Tempo einen stattlichen Groove, der nicht zwingend auf Tanzfl\u00e4chen zielt, eher auf Trancefl\u00e4chen. Man mag beinahe an abwechslungsreiche Popmusik denken, nur ohne Songstrukturen. Mit den flirrenden Synthiel\u00e4ufen unterstreicht Olke zudem das Space-Thema, schlie\u00dflich steht hier die Sonne im Zentrum.<br><br>\u00dcberhaupt, die Sonne! Als Stimmung legt Olke folgende Werte zugrunde: A 449,80 Hz \u2013 38,2 Cent (-100\/+100 Cent), 118,2 Bpm, 126,22 Hz, Gelbgr\u00fcn. Physiker wissen damit sicherlich mehr anzufangen als reine Musikkonsumenten, aber eines ist gewiss: Die Dauer des Tracks entspricht der Zeit, die das Licht der Sonne bis zur Erde braucht. Das wird kein Zufall sein!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/70db-Secret-Sessions.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/70db-Secret-Sessions.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3992\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>70db \u2013 Secret Sessions (Separated Beats)<\/strong><br><br>Nicht \u201eHells Bells\u201c, sondern drei eigens auf die B\u00fchne des Sch\u00f6neberger Rathauses in Berlin geschaffte \u201etonnenschwere\u201c, so will es das Label wissen lassen, Kirchenglocken schwingen im H\u00f6hepunkt dieser Aufnahme. Die besteht aus dem Mitschnitt eines Auftrittes, der 2014 anl\u00e4sslich des 100. Geburtstags des Auftrittsortes stattfand und die Expertisen f\u00fcnf versierter vornehmlich elektronischer Musiker b\u00fcndelt, n\u00e4mlich Steve Schroyder (Ex-Tangerine Dream, diverse Solo-Projekte, Zusammenarbeiten mit unter anderem Anne Clark und Conrad Schnitzler), Wolfram Spyra (Documenta-Komponist, diverse Projekte), Rainer Von Vielen (Rainer Hartmann, auch Oriom oder Jacques Boom sowie Mitglied von Orange), Udo P. Leis (K\u00fcnstler aus Kassel, der hier die Glocken schl\u00e4gt) sowie Labelchef B. Ashra (Bert Olke).<br><br>Die vier Synthiemusiker vermeiden es, ihr Instrumentarium gleichzeitig losbollern zu lassen; der Sound dieser Performance ist klar, sanft, getragen, gleichzeitig warm (in der Basis) und kalt (in den spacigen Melodien), aber nie \u00fcberfrachtet. Abgesehen von den drei Kirchenglocken und den Friedensglocken des Rathauses, die inmitten des Konzertes um Punkt 22 Uhr losl\u00e4uteten, sind weitere Instrumente zu h\u00f6ren, wie das Theremin von Olke und ein Cello von Spyra, zudem l\u00e4sst Hartmann seinen Obertongesang vernehmen; nie kommt es zum Mischmasch, die Sounds bleiben bei sich und erg\u00e4nzen sich einnehmend.<br><br>So entstehen nicht nur spacige Trips, sondern auch viele spannende, unerwartete Momente, in denen die Musiker ihrem Instrumentarium Sounds entlocken, die den Tracks eine Popanmutung verleihen, mit sanften Hihats, unaufdringlichen melodischen Klickger\u00e4uschen und sogar vereinzelt eingesetzten Beats, die recht ordentlich grooven. Doch nicht nur das Sch\u00f6ne liegt dem Quintett, auch das spookige, wenn es etwa in \u201e\u00dcbernebel\u201c die Sounds zun\u00e4chst in Richtung Drones verschiebt und eine zum Titel passende Atmosph\u00e4re kreiert. Interessanterweise treten diese eher atonalen Passagen nicht als st\u00f6rend in Erscheinung, sondern als lediglich anders geartete entspannende Musik.<br><br>Highlight und Alleinstellungsmerkmal ist aber ganz klar der Einsatz der Glocken. In \u201eOrmolu\u201c, also erst gegen Ende, schlagen die hauseigenen Friedensglocken, zu denen Hartmann seinen Kehlkopfgesang anstimmt und die Leis mit leisem Anschlagen der drei Kirchenglocken begleitet. Sph\u00e4rische Synthiesounds untermalen das zur\u00fcckhaltende Spektakel. Etwas mehr zur Sache geht es anschlie\u00dfend in \u201enoTTon\u201c, da f\u00fchlt man sich wie sonntagmorgens auf dem Dorf, wenn im sonnigen Fr\u00fchjahr die Kirchen mit ihrem Gel\u00e4ut zum Gottesdienst einladen, die Insekten und V\u00f6gel in der Luft mit den T\u00f6nen um den Raum konkurrieren, wenn der Himmel pastellblau strahlt und man die Wahl hat, wie man diesen Tag am liebsten begehen m\u00f6chte, mit dem ersten Fr\u00fchst\u00fcck auf der Terrasse vielleicht, mit einem Spaziergang durch die frisch ergr\u00fcnende Landschaft, zwischen Feld, Wald und Wiesen, oder mit einem Buch in der Hand und dem Sound im Ohr den Tag noch etwas auf dem Bett hinausz\u00f6gern. Vielleicht geht man ja auch ins Caf\u00e9, lecker locker brunchen? Dazu passt der vorletzte Track \u201eTubular Operation\u201c, der mit seinem chilligen Downbeat genau danach klingt.<br><br>\u201eNo End In Sight\u201c, behauptet das letzte St\u00fcck, und l\u00fcgt doch. Ein gelungenes Experiment, diese f\u00fcnf Charaktermusiker f\u00fcr diesen Auftritt unter einen Hut zu bekommen. Liveatmosph\u00e4re bekommt man \u00fcbrigens gar nicht zu h\u00f6ren, abgesehen von einigen leisen Unterhaltungen auf der B\u00fchne; vielmehr verwundert es, dass die meisten Tracks sogar ausgefadet sind, obwohl sie logischerweise im Original ein gespieltes Ende haben m\u00fcssen. Ein sch\u00f6ner Soundtrack nicht nur f\u00fcr einen Rathausgeburtstag, der nun mit siebenj\u00e4hrigem Verzug zur allgemeinen Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Durchstroemungen-I-Glaswolken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Durchstroemungen-I-Glaswolken.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3993\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> <strong>Durchstr\u00f6mungen 1 \u2013 Glaswolken (Separated Beats)<\/strong><br><br>Den meisten Wumms hat die Ver\u00f6ffentlichung \u201eDurchstr\u00f6mungen 1 \u2013 Glaswolken\u201c; dabei geht es gar nicht um den Wumms einer Bassdrum, sondern um den Sound der Synthies und Samples. Bei dieser Sammlung handelt es sich nur oberfl\u00e4chlich um einen Sampler, schlie\u00dflich ist an allen Tracks Benjamin \u201eBen\u201c Bekeschus beteiligt. Jener stellt hier seine zwei neuen Projekte Aus.Gleich und Spiralectric vor und bekommt dabei Unterst\u00fctzung von anderen, darunter Knouchzone (das gemeinsame St\u00fcck \u201eReden ist Silber\u201c erinnert angenehm an \u201eExtremis\u201c von HAL und Gillian Anderson), jemandem namens Tobias Zimt (m\u00f6glicherweise Tobias Beyer) sowie Aerolyser, dem Projekt seines Bruders Sander Bekeschus.<br><br>Ben Bekeschus wildert in den Stilen, Downbeat-Ambient, Nu-Jazz, Trance, Synthiepop, Space, nur eines bleibt gleich: Er vermeidet straighte Clubbeats \u2013 und, trotz vieler sch\u00f6ner Melodien, klassische Songstrukturen. Manche St\u00fccke klingen wie die Intros zu Achtziger-Hits, nur dass sie in diesem Introstil bleiben und diesen vertiefen. Manche progressiven Ambienttracks k\u00f6nnten aus den Neunzigern stammen, manches erinnert an Weltmusik-Downbeat, manches an aggressiv vorgestragene H\u00f6rb\u00fccher. Der Sound bleibt dicht und fett, die Entspannung erreicht Bekeschus nicht \u00fcber Stille, sondern \u00fcber zur\u00fcckgenommenes Tempo. Mit diesen knackigen Sounds verweist Bekeschus auf fr\u00fchere Bet\u00e4tigungsfelder wie Techno und Goa, Acid und Dub, der etwa in \u201eTropfen in der D\u00e4mmerung\u201c durchschimmert. Interessanterweise sind f\u00fcnf Remixe nicht in jeder Fassung des Albums enthalten: Bekeschus bearbeitete St\u00fccke von Paul Kalkbrenner, Tomcraft vs. Sunbeam, Push, Kai Tracid und Resistance D, die zwar bei Spotify aufgef\u00fchrt sind, auf Bandcamp hingegen nicht.<br><br>Au\u00dferdem produziert Bekeschus \u00fcbrigens Steel Tongue Drums, Stahlzungentrommeln, die entlang der kosmischen Oktave analog zu den Planetenfrequenzen des erdenbezogenen Sonnensystems gestimmt sind. Da f\u00fcgt sich wieder alles.<br><br>Alle drei Ver\u00f6ffentlichungen gibt es ausschlie\u00dflich digital.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2021) Drei Ver\u00f6ffentlichungen, zwei davon auf dem Klangwirkstoff-Sublabel Separated Beats: Mit \u201eSolarium\u201c eine Single von Labelchef Bert Olke alias B. 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