{"id":3919,"date":"2021-08-10T22:11:25","date_gmt":"2021-08-10T20:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3919"},"modified":"2021-08-10T22:11:25","modified_gmt":"2021-08-10T20:11:25","slug":"valid-blu-wfyb-tv-hanna-music-calygram-records-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/valid-blu-wfyb-tv-hanna-music-calygram-records-2021\/","title":{"rendered":"Valid Blu \u2013 WFYB.TV \u2013 Hanna Music\/Calygram Records 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Valid-Blu-WFYB.TV_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"112\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Valid-Blu-WFYB.TV_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3920\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2021)<br><br>Hier ist einfach mal alles nicht so, wie es das Genre erwarten l\u00e4sst: Die Oebisfelder Valid Blu, Eigenschreibweise Valid blU, rechnen ihr Deb\u00fct \u201eWFYB.TV\u201c dem Art- und Progrock zu, machen aber alles anders. Zun\u00e4chst besteht das Quintett zu drei F\u00fcnfteln aus Frauen, von denen zwei den Gesang \u00fcbernehmen: schon mal deutlich ungew\u00f6hnlich. Dann nehmen sie ein Konzeptalbum auf, das zudem explizit f\u00fcr eine Doppel-LP-Ver\u00f6ffentlichung produziert ist. Musikalisch bedienen sich die f\u00fcnf bei den Achtzigern, streuen aber moderne Elektronik und unterschwelllige fette Riffs ein und erweitern ihr selbst genanntes Spektrum ohnehin angenehm grenz\u00fcberschreitend. \u201eWe Fuck Your Brain\u201c ist eine Wundert\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es dauert satte dreieinhalb Minuten, bis sich aus dem atmosph\u00e4risch pulsierenden Intro zum ersten St\u00fcck \u201eYou Are Not Alone\u201c \u00fcberhaupt ein Song heraussch\u00e4lt. Das ist mal ein Einstieg! Und ein sch\u00f6ner Vorausblick darauf, dass man sich in den \u00fcber 70 Minuten des Albums auf gar nichts verlassen kann, au\u00dfer darauf, st\u00e4ndig positiv \u00fcberrascht zu werden. Es geht schon damit los, dass Valid Blu ihren Artrock zwar mit Vorliebe in den Achtzigern verorten, sie die Pink Floyd jener Zeit durchschimmern lassen, ebenso Marillion oder die Genesis mit Phil Collins, aber mit den weiblichen Stimmen dazu wiederum mit diesen Assoziationen brechen. Ebenso verfahren sie mit der Elektronik, die unterschwellig die Songs tr\u00e4gt, aber nicht wie in den Achtzigern als Dudelteppich oder wie neuerdings symphonisch, sondern zeitgem\u00e4\u00df pluckernd. Manchmal slappt Lena Uhde ihren Bass funky, wie in \u201eTime Is Running Out\u201c, Dennis Wetzler spielt ein ausgesprochen variantenreiches Drumming und Peter M. Schmidt bratzt die Gitarre gelegentlich deutlich heavier als im Artrock, in \u201eNever Leave Your Home\u201c beinahe in bei Iron Maiden abgeh\u00f6rter NWoBHM-Manier, gelegentlich sind die Riffs mit Effektger\u00e4ten geil geshreddert, an anderen Stellen wiederum hymnisch gespielt wie bei U2.<br><br>Ebenfalls an U2 erinnert ein anderer Aspekt am heimlichen Hit des Albums, \u201eJetlag Hotel\u201c, in dem die S\u00e4ngerinnen Suzen Berlin und Anni Riemer die Strophen sprechen wie The Edge in \u201eNumb\u201c. \u00dcberhaupt liegt ihnen der Sprechgesang, und wenn sie mal den Melodien freien Lauf lassen, wird es zwar pomp\u00f6s, aber nicht so pathetisch wie etwa bei Nightwish. Vielmehr erinnern die zweistimmigen Passagen an Abba, was auch musikalisch nicht so abwegig ist; man f\u00fchre sich nur von deren erweitert ver\u00f6ffentlichtem \u201eLive\u201c-Album die zehn Minuten von \u201eEagle\u201c und \u201eName Of The Game\u201c vor Ohren. Pathos als solchen gibt es indes auch, etwa in Balladen wie \u201eDNA\u201c oder \u201eSometimes\u201c, die beinahe zum Mitschunkeln auffordern. Aber Schlager: nein. Wenn es mal sehr in Richtung Pop ausschl\u00e4gt, wie in \u201eFucking London\u201c, dr\u00fccken valid Blu dem Song sofort \u00fcberraschend unpoppige Anteile auf. Und auch wenn die Songs l\u00e4nger sind als das g\u00e4ngige Radioformat, gefallen sich die Musiker nicht im Schaugniedeln, sondern setzen die Musik zweckdienlich ein, zugunsten des Grooves, der Atmosph\u00e4re und der Vielfalt.<br><br>Strukturell beginnt und endet \u201eWFYB.TV\u201c eher balladesk, in der Mitte t\u00fcrmen sich die Experimente auf. Zentral gelegen ist nicht zuf\u00e4llig das Titelst\u00fcck, wahlweise \u201eWFYB!\u201c oder \u201eWe Fuck Your Brain!\u201c genannt, das deutlich mehr mostet als der Rest, dem Sprechgesang den Vortritt l\u00e4sst und mit Elektro und Riffs mehr H\u00e4rte einflie\u00dfen l\u00e4sst. Man h\u00f6rt, wie viel Bock die f\u00fcnf auf dieses St\u00fcck haben, und dass es ihnen Spa\u00df macht, \u201eWe fuck your brain\u201c zu skandieren.<br><br>Bei \u201eWFYB.TV\u201c nun handelt es sich um einen Multimediakonzern, der der Menschheit das gro\u00dfe Heil verspricht und der der Hauptfigur, nicht zuf\u00e4llig Suzen genannt, einen gro\u00dfartigen Job zusichert. Doch die Welt ger\u00e4t aus den Fugen, in jeder Hinsicht, sp\u00e4testens, wenn in London eine Atombombe explodiert. Ja, auch die Geschichte birgt \u00dcberraschungen, wie die Musik. Dabei ist diese Geschichte mit diesem Album noch nicht einmal komplett auserz\u00e4hlt: Drei weitere St\u00fccke sind noch in Planung, die irgendwo zwischen Seite eins und zwei geh\u00f6ren und Ende des Jahres als EP erscheinen sollen, nat\u00fcrlich auf Vinyl. Wie das Album, das es mit zum Inhalt passenden Artwork als Doppel-LP gibt und auch eigens daf\u00fcr produziert ist. Gemixt \u00fcbrigens von Hannes Jaeckl, und dessen Hand machte die Mucke noch fetter. Beeindruckender Einstand der fr\u00fcheren Musiker von Suzen\u2019s Garden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.08.2021) Hier ist einfach mal alles nicht so, wie es das Genre erwarten l\u00e4sst: Die Oebisfelder Valid Blu, Eigenschreibweise Valid blU, rechnen ihr Deb\u00fct \u201eWFYB.TV\u201c dem Art- und Progrock zu, machen aber alles anders. 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