{"id":3858,"date":"2021-07-08T18:47:07","date_gmt":"2021-07-08T16:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3858"},"modified":"2021-07-08T18:48:19","modified_gmt":"2021-07-08T16:48:19","slug":"spezial-jive-music-aus-wien-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-jive-music-aus-wien-teil-2\/","title":{"rendered":"Spezial: Jive-Music aus Wien, Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Jive-Music-Logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Jive-Music-Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3602\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2021)<br><br>Ein viertel Dutzend neue Alben vom Wiener Label Jive-Music trudelte ein: Labelchef Rens Newland ist selbst beteiligt am tanzbaren \u201eTrance Of Noiz\u201c des Ganzk\u00f6rperpercussionisten Andi Steirer. F\u00fcr das smoothe Jam-Album \u201eWhat Now My Love?\u201c fanden Christian Havel, Du\u0161an Novakov, Erwin Schmidt und Bernhard Wiesinger spontan zusammen. Und mitrei\u00dfend partytauglichen Swing-Pop macht Susan Blake mit der Miskolc Dixieland Band auf ihrem Album \u201eLove Won\u2019t Wait\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andi-Steirer-Trance-Of-Noiz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Andi-Steirer-Trance-Of-Noiz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3859\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Andi Steirer \u2013 Trance Of Noiz<\/strong><br><br>Weder Trance noch Noise macht Andi Steirer, Volksmusik indes, was der Name m\u00f6glicherweise nahelegen k\u00f6nnte, auch nicht: Der \u00d6sterreicher verlegt such auf Percussion, und zwar derart ausgepr\u00e4gt, dass die Musik auf seinem dritten Soloalbum zum gr\u00f6\u00dften Teil eben daraus besteht. Im Grunde entspricht sie dem Geist des EBM, ohne auch nur ansatzweise EBM zu sein: Steirer macht K\u00f6rpermusik, und das gleich im doppelten Sinne, n\u00e4mlich f\u00fcr den K\u00f6rper, indem man sich davon zur Bewegung aufgefordert f\u00fchlt, und mit dem K\u00f6rper, schlie\u00dflich gilt Steirer als der Erfinder des Body Drumming, also des Einbeziehens des eigenen K\u00f6rpers in die Percussion-Arbeit. So verf\u00e4hrt er auch auf \u201eTrance Of Noiz\u201c, hei\u00dft es; das herauszuh\u00f6ren erfordert aber einiges an Vorwissen, dem Laien erschlie\u00dft sich der K\u00f6rpersound nicht, ihm stellt sich diese Info eher als ein Gimmick dar.<br><br>Ebenfalls sieht Steirer sein Album im House verankert, aber Househ\u00f6rer w\u00fcrden ihm da doch widersprechen: Tanzbar ja, und zwar erheblich, aber komplett anders strukturiert und instrumentiert als House. Interessanterweise klingen viele der Tracks beinahe synthetisch (\u201eN.O.W.X \u2013 TranceNoiz\u201c), darin mag der Komponist den House erkennen. Dem Funk liegen seine St\u00fccke aber deutlich n\u00e4her, angereichert mit etwas Jazz, eingestreut von diversen G\u00e4sten, die Saxophon (Thomas Kugi), Trompete (Josef Buchartz) oder Altfl\u00f6te (Heiz von Hermann) spielen. Oder Gitarre, wie Steirers Ostinato-Kollege und Labelbetreiber Rens Newland. Dabei bel\u00e4sst es der Wiener Steirer aber nicht: Manche Tracks erinnern an polyrhythmische Weltmusik, manche an chillige Fieldmusic mit Vogelzwitschern und Grillenzirpen (\u201eAwake\u201c), andere wohl nicht besonders zuf\u00e4llig an den \u201eTrommeltanz\u201c genannten Hit \u201eDin Daa Daa\u201c von George Kranz (\u201eDo Da Doo\u201c). Seinen Hang zum Experimentieren lebt Steirer uneingeschr\u00e4nkt aus, was dazu f\u00fchrt, dass man sein Album eben nicht einem festen Genre zuordnen kann und dass er den Fluss der St\u00fccke immer wieder \u00fcberraschend unterbricht.<br><br>\u201eTrance Of Noiz\u201c gilt als Steirers erst drittes Soloalbum, und wenn man in seine Biografie schaut, ger\u00e4t man ins Staunen: Mit 15 war er Mitgr\u00fcnder von Ostinato, 1975. 1981 erfand er das Body Drumming. Ab 1986 war er festes Bandmitglied von Ludwig Hirsch und musizierte hernach unter anderem f\u00fcr und mit Leuten wie Georg Danzer, Erika Pluhar, Harold Faltermayer, Wolfgang Ambros, Falco, Reinhard Fendrich, Erste Allgemeine Verunsicherung, Ostbahn-Kurti, Reinhard Fendrich und zahllosen weiteren Musikern das Austropop-Who-Is-Who. Solo re\u00fcssierte er erst 2008, beteiligte sich aber weiterhin an diversen Projekten, darunter mit Stefan J\u00fcrgens. Auf \u201eTrance Of Noiz\u201c pluckert, kl\u00f6ppelt, klickert, groovt, paukt, rasselt und chillt sich Steirer durch satte 14 Tracks \u2013 eine abwechslungsreiche Reise, die in einer volumin\u00f6sen Siebziger-Fernsehshow-Opulenz gipfelt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Havel-Novakov-Schmidt-Wiesinger-What-Now-My-Love.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Havel-Novakov-Schmidt-Wiesinger-What-Now-My-Love.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3860\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Havel, Novakov, Schmidt, Wiesinger \u2013 What Now My Love?<\/strong><br><br>Der Sound auf diesem Album ist so zeitlos, dass er zwischen 1950 und heute jederzeit h\u00e4tte entstanden sein k\u00f6nnen. Was Wunder, st\u00fctzen sich doch die Protagonisten zu einem Drittel auf klassische Jazzkompositionen, die sie hier performen. Und das eher zuf\u00e4llig als Resultat der Coronapandemie: Schlagzeuger Du\u0161an Novakov lud in der Zwangspause drei Musiker in sein Studio, und zwar Hammond-Organist Erwin Schmidt, Gitarrist Christian Havel sowie Saxophonist und Fl\u00f6tist Bernhard Wiesinger. Gemeinsam jammten sie sich durch neun Fremd- und Eigenkompositionen, von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, Duke Ellington und Gilbert B\u00e9caud einerseits sowie Wiesinger, Schmidt und Havel andererseits. Das Quartett hielt sich nicht damit auf, f\u00fcr sich einen Namen zu finden, sondern konzentrierte sich voll auf die St\u00fccke, so muss das.<br><br>Dabei gelingt den vier Musikern die Kunst, Alt und Neu auf eine verbindende Weise zu spielen, die den Abstand der Jahre zwischen den Kompositionen nivelliert. Alles ist eins, entspannt, relaxt, smooth, es twangt die Gitarre, es w\u00e4rmt die Hammond, es swingt das Schlagzeug, es tirilieren die Blasinstrumente. Wie es sich f\u00fcr den Jazz geh\u00f6rt, hat jeder Musiker seine Anteile, seine Solozeiten, in denen die anderen zweckdienlich die Passagen mit Akzenten begleiten. Das Album h\u00e4tte irgendwann vor 50 Jahren bei schw\u00fclem Wetter nachts in einem kleinen US-Club aufgenommen worden sein k\u00f6nnen, ebensogut auch 2020 irgendwo in Wien.<br><br>Erstaunlich ist, wie unaufgeregt und geordnet diese improvisierte und gejammte Musik klingt. Nach einer zuf\u00e4lligen Zusammenkunft h\u00f6rt sich \u201eWhat Now My Love?\u201c keineswegs an, daf\u00fcr sind die vier Musiker viel zu versiert. Gern d\u00fcrfen die vier auf diese Weise weitermachen, vielleicht ergibt sich dann auch ein Name f\u00fcr das Projekt. Es h\u00e4tte einen verdient. Und die selbstgew\u00e4hlte Bezugsgr\u00f6\u00dfe Wes Montgomery Quartet hat es gar nicht n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Susan-Blake-Miskolc-Dixieland-Band-Love-Wont-Wait.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Susan-Blake-Miskolc-Dixieland-Band-Love-Wont-Wait.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3861\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Susan Blake &amp; Miskolc Dixieland Band \u2013 Love Won\u2019t Wait<\/strong><br><br>Da geht die Party, aber sowas von! Mit ihrer ungarischen Stammband, der Miskolc Dixieland Band, verwirklicht S\u00e4ngerin, Posaunistin und Pianistin Susan Blake ein Bund von 14 Eigenkompositionen. Ihr so genannter Dixie-Pop k\u00f6nnte stellenweise um die 100 Jahre alt sein, tr\u00e4gt Osteuropa in den S\u00fcden der USA, vermengt entfernte Traditionen, ohne Bruchstellen entstehen zu lassen. So richtig zum Reflektieren kommt man aber gar nicht, weil Blake die H\u00f6renden stante pede vom Sessel rei\u00dft und wild herumzappeln l\u00e4sst. Dazu singt sie von Liebe und Leben und bringt mit ihrer Spritzigkeit einen geh\u00f6rigen Schuss Jugendlichkeit in diese vermeintlich alte Musik.<br><br>Die Miskolc Dixieland Band besteht aus Chef und Saxophonist (nat\u00fcrlich nicht der Violinist) Tibor Varga, Gitarrist G\u00e1bor Orosz, Schlagzeuger G\u00e1bor Kasceny\u00e1k, Klarinettist Mikl\u00f3s Balla, Pianist Istv\u00e1n Bundzik, Trompeter Imre V\u00e1rkoly, Kontrabassist Dr. Zsolt Szeg\u00f6 sowie Posaunist D\u00e1niel N\u00e9gyesi. Auch Blake selbst verlegt sich nicht ausschlie\u00dflich aufs Singen, und trotz dieser opulenten Besetzung nehmen sich die Musiker keinen Raum weg. Nicht \u00fcberfrachtet ist die Musik und damit noch \u00fcberzeugender, ansteckender, mitrei\u00dfender, turbulenter, sprudelnder, furioser. Sogar diverse Solopassage sowie einige zur\u00fcckgelehnte Songs g\u00f6nnt sich die Band, quasi als Tanzpause, bis man sich wieder wild herumzappelt. Ein bisschen \u201eBei mir bistu shein\u201c von den Andrew Sisters dringt durch, an Imelda May k\u00f6nnte man sich ebenfalls erinnert f\u00fchlen, im Falle von \u201eOne Man Show\u201c latent an \u201eJust A Girl\u201c von No Doubt, kurios \u2013 also in der Tat ein Mix quer durch die Jahrhunderte.<br><br>Interessanterweise r\u00e4umte Blake in \u00d6sterreich k\u00fcrzlich diverse Preise ab \u2013 mit Country, was man dem Album gar nicht anh\u00f6rt. Gew\u00f6hnen muss man sich hier einzig an die in sehr hohen Lagen bisweilen ans Qu\u00e4kende grenzende Stimme der S\u00e4ngerin, ansonsten bekommt man ein ungest\u00fcm mitrei\u00dfendes Album, dessen Musik mit Dixie-Pop in der Tat trefflich beschrieben ist. Rettet jede Party!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2021) Ein viertel Dutzend neue Alben vom Wiener Label Jive-Music trudelte ein: Labelchef Rens Newland ist selbst beteiligt am tanzbaren \u201eTrance Of Noiz\u201c des Ganzk\u00f6rperpercussionisten Andi Steirer. 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