{"id":3844,"date":"2021-06-21T21:36:20","date_gmt":"2021-06-21T19:36:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3844"},"modified":"2021-06-30T21:37:23","modified_gmt":"2021-06-30T19:37:23","slug":"manuel-backert-moss-wanted-tuberecords-records4you-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/manuel-backert-moss-wanted-tuberecords-records4you-2021\/","title":{"rendered":"Manuel Backert \u2013 Moss Wanted \u2013 TubeRecords\/Records4you 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Manuel-Backert-Moss-Wanted.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Manuel-Backert-Moss-Wanted.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3845\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Matthias Bosenick (21.06.2021)<br><br>Abgang Bert Brac, Auftritt Phil Moss: Nach dem nicht eben harmonischen Rausschmiss Carsten Bohns als haupts\u00e4chlicher H\u00f6rspielmusikkomponist des Europa-Labels engagierte jenes unter anderem Manuel Backert als Nachfolger. Gegen die hochgradig guten Fusion-, Prog- und Artrockst\u00fccke Bohns konnte er nur verlieren, und Backert versuchte auch erst gar nicht, das Erbe anzutreten, sondern schlug neue Saiten an, n\u00e4mlich fast gar keine: Seine Tracks sind vornehmlich synthetisch und im Stil der Zeit, hei\u00dft f\u00fcr die zweite H\u00e4lfte der Achtziger: cheesy Gebrauchsmusik. Das leicht Trashige hatten auch die H\u00f6rspiele dieser Zeit, die man indes auch wegen Bohns unsch\u00f6nem Weggang und der deutlich schlechteren neuen Musik nicht mehr so feierte, insofern ist das ein konsequenter Schulterschluss, und dass man aus heutiger Sicht sogar diese H\u00f6rspiele eher goutiert als die aktuellen, beg\u00fcnstigt den Erwerb dieser 40 Tracks auf Schallplatte: Nostalgie schl\u00e4gt Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es ist ja nicht so, dass Backert nix kann, im Gegenteil. Man h\u00f6rt seinen Einmin\u00fctern seine kompositorischen F\u00e4higkeiten an, er wei\u00df um Arrangement und Harmonie, um musikalisch transportierte Emotionen, und er wei\u00df das Beste aus seinen Apparaturen herauszuholen. Und doch, die Trompetenfanfaren sind k\u00fcnstlich, die Streicher sind k\u00fcnstlich, das Glockenspiel ist so klassisch Achtziger wie die Begleitmusik auf einem progressiven Kirchentag, die E-Gitarre gniedelt zum Synthiesound, und bemerkenswert werden seine St\u00fccke wahlweise, wenn man sie mit konkreten H\u00f6rspielsituationen verbindet \u2013 oder sobald sie den ausgelatschten Pfad verlassen und zeitlich auch weniger einfach zuzuordnen sind. Interessanterweise schlie\u00dfen sich beide Kategorien aus.<br><br>Nat\u00fcrlich feiert man \u201ePiper Beta\u201c, das nach Bohns Weggang zum Titeltrack der Drei Fragezeichen wurde und somit automatisch die Verhei\u00dfung auf ein neues Abenteuer in sich tr\u00e4gt. Da nimmt man das Cheesige bereitwillig in Kauf, auch bei anderen Tracks aus der ???-Zeit. Angenehm sind auch die St\u00fccke, in denen Backert sich an Hollywood-Scores orientiert, solche gruseliger Art zumeist, aber auch mit California-Feeling, also ausreichend nah am Setting der Drei Fragezeichen. So richtig schlimm wiederum sind die an billige Popsongs angelehnten Lieder, die Ilka Antippa singt, insbesondere das \u201eBarbie, Thema 2, voc.\u201c.<br><br>Anders als Bohn komponierte Backert keine St\u00fccke, die \u00fcber l\u00e4ngere Spielzeit funktionieren; Bohns Tracks verloren selten an Intensit\u00e4t, wenn er sie l\u00e4nger spielte, weil er sie mit Tiefe versetzte, mit Ideen anreicherte. Backert wei\u00df um die reine Zweckm\u00e4\u00dfigkeit seiner Kompositionen und l\u00e4sst sie kaum l\u00e4nger als eine Minute, nie l\u00e4nger als 1:28 Minuten dauern. Sie begleiten zwar niedrigschwellig Emotionen, Atmosph\u00e4ren bauen sich so aber nicht auf, die erscheinen im Idealfalle allein im Kontext mit der Erinnerung an die Geschichten, w\u00e4hrend derer man die St\u00fccke h\u00f6rte. Das gelingt Bohn indes ebenfalls, aber zus\u00e4tzlich.<br><br>Anders als Bohn liegen Backert seine Originalspuren vor, die er f\u00fcr diese LP, MC oder den Download, also nicht f\u00fcr CD, restaurierte und aufpolierte (und nicht jedes Bandschwanken auszub\u00fcgeln in der Lage war, das ist sympathisch). Bei einigen Tracks mit solider Grundstruktur h\u00e4tte man sich eine Neuvertonung gew\u00fcnscht; indes nicht von ihm, die Neuversionen, die Backert auf anderen Soloalben unterbringt, sind wesentlich schlimmer als die Originale. Er spielt in einer Partykapelle, gibt er an, das hinterl\u00e4sst sicherlich so Spuren. Wenn schon Neubearbeitungen, dann sollte er es \u2013 wieder analog Bohn \u2013 beispielsweise von versierten Clubmusikproduzenten vornehmen lassen; das TapeDeckProject mit DJs wie Tomcraft, TobiTob, Phil Fuldner und Kid Alex leistete da grandiose Arbeit.<br><br>Um das Ganze kompliziert zu machen, ver\u00f6ffentlichte nicht nur Backert unter dem Alias Phil Moss bei Europa die Musik, ebensowenig war Bohn der alleinige Bert Brac. Und ebensowenig waren dies die einzigen Sammelpseudonyme f\u00fcr die Beitragenden. Parallel zu Backert bringt auch Detlef Kuntke seine Phil-Moss-St\u00fccke auf den Markt, allerdings ausschlie\u00dflich als unsortierten Download oder Stream. Am Track \u201eGothic Novel\u201c auf \u201eMoss Wanted\u201c ist er unter seinem b\u00fcrgerlichen Namen Detlef Oels beteiligt, puh. Und: Das Cover zum Album gestaltete Andreas Ruch, der wohl nicht zuf\u00e4llig die Initialen von Aiga Rasch tr\u00e4gt und neuerdings beim Kosmos-Verlag gemeinsam mit Sylvia Christoph Raschs Stil f\u00fcr die ikonischen Drei-Fragezeichen-Titelbilder kopiert.<br><br>Erst nach Phil Moss begann Europa \u00fcbrigens, die Komponisten klar zu nennen, darunter Jens-Peter Morgenstern und Jan-Friedrich Conrad. Trotz aller Qualit\u00e4t bleibt Bohn unerreicht, und das ist kein nostalgischer Blick. Leider. Die neu eingespielten \u201eBrandnew Oldies\u201c von Carsten Bohn\u2019s Bandstand sind bis auf den letzten Teil uneingeschr\u00e4nkt empfehlenswert, f\u00fcr \u201eMoss Wanted\u201c gilt die Empfehlung vorrangig aus nostalgischen Gr\u00fcnden. Und es gibt das Ger\u00fccht, Bohn habe seine Originalaufnahmen von Europa zur\u00fcckgekauft \u2013 dabei w\u00e4re es deutlich spannender, wenn die alten H\u00f6rspiele mit seiner Musik wieder zug\u00e4nglich gemacht w\u00fcrden, als lediglich seine Musik. Abwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>[30.06.2021] Edit: Aus der Leserschaft erreichten mich korrigierende Informationen, die ich hier aufliste:<br>&#8211; 13 von 40 St\u00fccke sind mit Gitarre versetzt, also ein Drittel, also nicht &#8222;fast gar keine&#8220;<br>&#8211; &#8222;Im Gegensatz zu Bohn hat Backert keinen Rechtsstreit mit MILLER, BMG und SONY gef\u00fchrt und kann seine Musik ohne Probleme ver\u00f6ffentlichen. Die B\u00e4nder liegen Bohn vor (sogar mehrspurig)&#8220;<br>&#8211; &#8222;Die B\u00e4nder musste Bohn auch nicht zur\u00fcckkaufen. Die hat er schon damals kopiert.&#8220;<br>&#8211; &#8222;Backert wie Kuntke hatten den Auftrag, Einmin\u00fcter zu produzieren, und genau das wurde abgeliefert.&#8220;<br>Danke den aufmerksamen Hinweisgebern!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Bosenick (21.06.2021) Abgang Bert Brac, Auftritt Phil Moss: Nach dem nicht eben harmonischen Rausschmiss Carsten Bohns als haupts\u00e4chlicher H\u00f6rspielmusikkomponist des Europa-Labels engagierte jenes unter anderem Manuel Backert als Nachfolger. 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