{"id":3806,"date":"2021-05-31T22:00:40","date_gmt":"2021-05-31T20:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3806"},"modified":"2021-05-31T22:00:40","modified_gmt":"2021-05-31T20:00:40","slug":"wolfskull-2-3-schneider-collaborations-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wolfskull-2-3-schneider-collaborations-2021\/","title":{"rendered":"Wolfskull \u2013 #2\/#3 \u2013 Schneider Collaborations 2021"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Wolfskull-Wolfskull-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"112\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Wolfskull-Wolfskull-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3807\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Wolfskull-Wolfskull-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Wolfskull-Wolfskull-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3808\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.05.2021)<br><br>Wie man komplett frei von Songstrukturen eine solche Sch\u00f6nheit generiert: Yvonne Nu\u00dfbaum und J\u00f6rg. A. Schneider demonstrieren zum zweiten und dritten Mal unter dem Projektnamen Wolfskull, wie das geht. Nu\u00dfbaum spielt Piano und Synthesizer warm und harmonisch, w\u00e4hrend Schneider mit elektronischen Mitteln und seinem zur\u00fcckhaltend klickernden Schlagzeug jede Ahnung von einem Rhythmus verwischt. Die beiden gleichzeitig erschienenen Alben \u201e#2\u201c und \u201e#3\u201c vermitteln den Soundtrack zu einer Kopfreise, die man nur zu gern antritt und die den H\u00f6renden in ungeahnte Areale seines Bewusstseins entf\u00fchrt. Da wird einem warm ums Herz. Und man erweitert seinen pers\u00f6nlichen Begriff von \u201eNoise\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit vornehmlich, aber nicht ausschlie\u00dflich tiefen T\u00f6nen erzeugt Nu\u00dfbaum am Piano eine unerwartete W\u00e4rme; unerwartet zumindest, sofern man \u201eWolfskull\u201c, das erste gemeinsame Album, noch nicht kennt, aber wei\u00df, wie schr\u00e4g die improvisierten Platten von Schneider ansonsten sind. W\u00e4hrend der Schlagzeuger sich mit ausgeschaltetem Kopf per Zufall rasend schnell an seinem Instrument austobt, zur\u00fcckhaltend gewaltfrei und jazzig klickernd, setzt die Pianistin dem im Tempo von Bohren und der Club Of Gore die komplette Entschleunigung entgegen.<br><br>Vergleichbare Effekte erzielt das Duo ebenfalls, sobald es die Instrumente wechselt: Mit einer \u00e4hnlichen Herangehensweise erzeugen Nu\u00dfbaum am Synthie und Schneider mit elektronischen Effekten eine versponnene Elektromusik, chillig und hektisch gleicherma\u00dfen, fernab von Berliner Schule oder Ambient, Techno oder Synthiepop, weil auch hier keine herk\u00f6mmlichen Strukturen erkennbar sind. Als Variante kombiniert das Duo auch mal Piano mit Synthie, ohne Schlagzeug, dann kommt es dem Begriff Ambient m\u00f6glicherweise am n\u00e4chsten. Richtig sch\u00f6n elektronisch schr\u00e4g und klimpernd wie eine au\u00dfer Kontrolle geratene Spieluhr beginnt \u201eWas lange w\u00e4hrt wird auch nicht gut\u201c auf der \u201e#3\u201c: humorvoll, aber so reduziert, dass das St\u00fcck trotzdem nicht als Witz durchgeht. Und mit dem Rauswerfer \u201eZur Wolfskaul\u201c wagen sich die beiden in spukige 50er-Jahre-SciFi-Filme vor.<br><br>Sobald sich Nu\u00dfbaum doch mal zu so etwas wie einer wiedererkennbaren und sich wiederholenden rudiment\u00e4ren Melodie hinrei\u00dfen l\u00e4sst, verspottet sie dennoch jeden Ruf nach hoher Kunst oder moderner Klassik, denn dann hat ihr Spiel etwas Etudenhaftes, mit dem sie Schneiders Rumpeln und Rascheln in eine Form zwingt. Und wenn die beiden dann ihre Fachbereiche \u00fcberkreuzen, sinkt man ehrf\u00fcrchtig auf die Knie: Sobald etwa im zw\u00f6lfmin\u00fctigen \u201eHarry Dean\u201c auf der \u201e#2\u201c nach f\u00fcnf Minuten Repetition eines kurzen Motivs der Synthie dazust\u00f6\u00dft, verl\u00e4sst man die Nacht, den leichten Traum, erwacht mit der aufgehenden Sonne, erhebt sein Haupt aus der Dunkelheit, \u00f6ffnet seine Augen f\u00fcr das Licht des Tages und l\u00e4sst es zu, dass die Dinge nicht so sind, wie man sie kennt, aber dennoch unerwartet anmutig, herzerweichend sch\u00f6n.<br><br>Die Bezeichnung Wolfskull ist \u00fcbrigens nicht als martialischer englischer Begriff aufzufassen \u2013 und auch nicht zu verwechseln mit der Heavy-Rock-Band aus Essen, was ja gerade 90 Kilometer von H\u00fcckelhoven entfernt liegt. Auf gut halber Strecke dazwischen befindet sich Wolfskull, ein Ortsteil von Viersen und der Name einer Rastst\u00e4tte an der A52, laut Schneider das plattdeutsche Wort f\u00fcr Wolfskuhle und die Herleitung f\u00fcr den Projektnamen des Duos. Das hier nicht zum ersten Mal gemeinsam musiziert: Die beiden kennen sich von Les Hommes Qui Wear Espandrillos und hatten zudem das Projekt Skim, das \u00fcber den Demostatus nie hinauskam, und die Band Fischessen. An die gemeinsame LHQWE-Zeit erinnert der Titel \u201e2021 Bowery\u201c auf der \u201e#3\u201c, angelehnt an deren Albumtitel \u201e220 Bowery\u201c \u2013 aber auch nur der Titel, die Musik mitnichten. Kein Noisecore, auch wenn Nu\u00dfbaum und Schneider ihr Projekt Wolfskull sehr wohl unter Noise einsortieren. Da muss man seinen Begriff davon doch erheblich ausdehnen.<br><br>Album Nummer \u201e#2\u201c gibt es \u00fcbrigens auch auf Vinyl, beide neben Download auch als CD. Ein herrliches Doppel, zusammen rund 80 Minuten lang und doch viel zu kurz: Man w\u00fcnscht sich sofort, dass die beiden weitermachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.05.2021) Wie man komplett frei von Songstrukturen eine solche Sch\u00f6nheit generiert: Yvonne Nu\u00dfbaum und J\u00f6rg. A. Schneider demonstrieren zum zweiten und dritten Mal unter dem Projektnamen Wolfskull, wie das geht. 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