{"id":3790,"date":"2021-05-14T16:14:19","date_gmt":"2021-05-14T14:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3790"},"modified":"2021-05-14T22:14:18","modified_gmt":"2021-05-14T20:14:18","slug":"sepzial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sepzial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-8\/","title":{"rendered":"Spezial: addicted\/noname Label aus Moskau, Teil 8"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (12.05.2021)<br><br>Drei Ver\u00f6ffentlichungen aus j\u00fcngerer Zeit stehen dieses Mal an: Neue Alben von Grey Mouse und Crust sowie eine Compilation rund um Doom und Stoner in Russland \u2013 mit satten sieben Stunden Musik, darunter nat\u00fcrlich auch vom liebenswerten Label addicted\/noname.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Doomed-Stoned-In-Russia-Vol.-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Doomed-Stoned-In-Russia-Vol.-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3791\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Doomed &amp; Stoned In Russia (Volume 1)<\/strong><br><br>Das wurde aber auch Zeit: Das Team von Doomed &amp; Stoned aus Portland widmet sich in seinem j\u00fcngsten Szene\u00fcberblick dem im Westen weitgehend unentdeckten Russland, nat\u00fcrlich und gottlob mit lokaler Hilfe. Satte 58 Bands w\u00e4hlten die Experten aus, und die Exempel decken ein Spektrum ab, das \u00fcber Doom und Stoner hinausgeht, mit Sludge, Gothic Metal, Psychedelic, schlichtem Hardrock, Post Rock, Space Rock, Bombast-Rock, NWoBHM, Prog Metal, Black Metal, Death Metal, Thrash Metal und allem, was man sich dazwischen und dar\u00fcber hinaus ausdenken mag, denn: Da in Russland die Entwicklung alternativer Musik an sich schon \u2013 zumindest in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 sehr verz\u00f6gert und also weit sp\u00e4ter als im Westen stattfinden konnte, hatten die russischen Bands einen umfangreichen Pool an Vorbildern und Wegebnern, allen voran nat\u00fcrlich Black Sabbath, denen sie nacheifern und deren Ideen sie nicht einfach kopieren, sondern sich die f\u00fcr sie besten herauspicken und daraus etwas Eigenes kreieren, eine Art Crossover gewisserma\u00dfen. Nat\u00fcrlich gilt das nicht f\u00fcr s\u00e4mtliche Acts, einige sind ganz auf Linie, aber die punkten dann eben mit Spielfreude und einer allgemeinen fr\u00f6hlich-depressiven Bekifftheit.<br><br>In dieser Zusammenstellung wirft das Team von Doomed &amp; Stoned einen Blick in Vergangenheit (bis in die sp\u00e4ten Achtziger, etwa mit \u0413\u043e\u0440\u043e\u0434 \u0414\u0438\u0442 [Gorod Dit]), Gegenwart und Zukunft (einige Tracks sind exklusiv f\u00fcr diese Sammlung erst entstanden, etwa gleich der erste von An Object) des Genres in Russland, und das nicht etwa genau danach sortiert, sondern in alphabetischer Abfolge. Eine Dramaturgie ergibt sich mithin aus der schieren Vielfalt, die auf der schleppenden Grundstimmung basiert und sich ausgesprochen abwechslungsreich pr\u00e4sentiert. Hier ert\u00f6nt ein flirrender Synthie mit Gesang wie bei Depeche Mode, dort meint man Type O Negative herauszuh\u00f6ren, hier growlt der S\u00e4nger, dort singt er klar, hier bedient man sich \u00fcber zehn Minuten schlichtweg lediglich zweier Akkorde, dort schl\u00e4gt die Band Haken um Haken, hier herrscht Eisesk\u00e4lte, dort gniedelt eine warme Gitarre, hier gibt\u2019s bitterb\u00f6ses M\u00e4nnergegrunze, dort singt eine Frau, hier groovt der Blues, dort der Dreivierteltakt. Erstaunlicherweise gibt es nahezu keine klanglichen Differenzen; die Musik ist so zeitlos, dass man den Unterschied zwischen St\u00fccken von vor \u00fcber 30 Jahren und heute nicht heraush\u00f6rt. Vielf\u00e4ltig ist die Sammlung auch in Besetzung (von Ein-Man-Projekt bis Bigband-Gr\u00f6\u00dfe) und Herkunft (Ostsee bis Sibirien). Sch\u00f6n ist, dass nicht alle auf Englisch singen, sondern sehr oft das f\u00fcr westliche Ohren in diesem Kontext vermutlich etwas exotische Russisch den Vorzug bekam. Was sie alle eint: Gute Laune h\u00f6rt man eher nicht heraus \u2013 Spa\u00df macht die Mucke deshalb aber nicht weniger.<br><br>Ausschlaggebend f\u00fcr die Entdeckung der russischen Szene war selbstredend das vertraute Label addicted\/noname aus Moskau, deren Act Pressor dort 2013 eine Split-EP mit Soom aus der Ukraine und Diazepam aus Idaho herausbrachte. Und schon waren US-amerikanische Genrefans hellh\u00f6rig geworden, so geht das. Und das nur ein halbes Jahr, nachdem Billy Goat seine Plattform Doomed &amp; Stoned \u00fcberhaupt ins Leben gerufen hatte. Hilfe aus dem Osten erhielt er f\u00fcr diese Zusammenstellung von den vier A: Anton Bryukov, Anton Kitaev, Alexey Kozlov und Alexey Sivitsky, und Kenner wissen, mindestens einer davon ist aktiver Kopf von addicted\/noname. Kein Wunder also, dass dieser \u00dcberblick so grandios geworden ist, und dass klassische Vertreter dieses grandiosen Labels hier enthalten sind, wie Crust, IL (\u0418\u041b), Megalith Levitation, Pressor, Spaceking oder The Grand Astoria, und dass sich auf der Bandcamp-Seite hinter jedem Download ein Info-Button mit Angaben zur Band und zum Song findet. Damit ist diese Episode von Doomed &amp; Stoned beinahe ein Lexikoneintrag, der das Ziel, sich auf Doom und Stoner aus Russland zu konzentrieren, mit einer bretitestm\u00f6glichen Streuwirkung \u00fcbererf\u00fcllt. Gro\u00dfartig, nicht nur f\u00fcr Einsteiger.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Crust-Stoic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Crust-Stoic.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3792\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Crust \u2013 Stoic<\/strong><br><br>Keinen Crust machen Crust, das mag verwirren, aber was man stattdessen von ihnen bekommt, ist jede Aufmerksamkeit wert. Die Grundierung besteht aus einem verschleppten Black Metal mit starkem Doom-Einschlag, den das Trio weit in den modernen Postrock dr\u00e4ngt. Hei\u00dft: Die Songs w\u00e4lzen sich episch und tiefgestimmt in die L\u00e4nge, die Riffs tragen Dunkelheit und Schwere, der geschriene Gesang tr\u00e4gt die Wucht des Hardcore in sich, und in seltenen Passagen prescht das Trio mit flirrenden Gitarren und Blastbeats nach vorn wie beim klassischen Black Metal. Das Ganze reichern die drei mit Elementen aus Wave und Gothic an, also mit d\u00fcsteren Fl\u00e4chen und atmosph\u00e4rischen Harmonien. In der Mitte des Albums nehmen sie sich die Zeit, f\u00fcr eine Dreiviertelminute akustisch gespielt unter Beweis zu stellen, dass sie weit mehr k\u00f6nnen als das wohlgeschreinerte harte, langsame Brett. Einem eindeutigen Genre zuzuweisen ist die Musik nicht, aber Crust vermengen die Elemente auf eine Art und Weise, die \u00fcberzeugend und stimmig ist, die beinahe zwingend die \u00dcberg\u00e4nge generiert. Den Schluss markiert ein atmosph\u00e4risches, zun\u00e4chst beinahe ambientartiges Instrumentalst\u00fcck, das die Stimmung nochmal so richtig nach unten zieht. Herrlich!<br><br>Bei \u201eStoic\u201c handelt es sich um ein Konzeptalbum zum Thema Stoizismus, also der Philosophie der Gelassenheit, mit der die Band dem gegenw\u00e4rtigen Weltgeschehen zu begegnen empfiehlt. Da sich die Musik selbst vorrangig dahinschleppt, k\u00f6nnte man diese Gelassenheit auch mit Entspannung kombinieren und den ganzen Schei\u00df einfach mal rechts liegen lassen. Bei \u201eStoic\u201c handelt es sich um das bereits f\u00fcnfte Album des Trios aus Weliki Nowgorod (\u0412\u0435\u043b\u0438\u043a\u0438\u0439 \u041d\u043e\u0432\u0433\u043e\u0440\u043e\u0434), wie die Stadt Nowgorod seit 1999 hei\u00dft. Und das in nur sechs Jahren und das zus\u00e4tzlich zu diversen Livealben und EPs; die Jungs sind echt mal produktiv, und das immer auf hohem Niveau.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Grey-Mouse-A-Moment-Of-Weakness.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Grey-Mouse-A-Moment-Of-Weakness.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3793\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Grey Mouse \u2013 A Moment Of Weakness<\/strong><br><br>Das Album \u201eA Moment Of Weakness\u201c des Quartett Grey Mouse aus Moskau atmet den Geist der Sechziger: \u201eA Moment Of Weakness\u201c l\u00e4sst sich rund um den Summer Of Love im S\u00fcdwesten der USA verorten, mit Anteilen aus Folklore, Psychedelic, Bluesrock und einer gothischen Dunkelheit wie bei 16 Horsepower, also mitnichten so fr\u00f6hlich wie damals. Denn die f\u00fcnf Frauen und M\u00e4nner (pro Song jeweils vier, zwei Schlagzeuger wechseln sich ab) halten ihre Songs reduziert und langsam, dabei in den musikalischen Anteilen detailverliebt. Die Grundstimmung ist definitiv depressiv, das macht das Album so ungew\u00f6hnlich, aber die Musik eben nicht so volumin\u00f6s wie bei 16HP, sondern spartanischer, trotz Einsatzes von Cello. Daf\u00fcr bekommen die wechselnden Drummer Raum, sich innerhalb der St\u00fccke zu entfalten, gern auch kombiniert mit einem knarzenden Bass. Dazu erklingt die beinahe liturgische Stimme des S\u00e4ngers.<br><br>Bei \u201eA Moment Of Weakness\u201c k\u00f6nnte es sich um das f\u00fcnfte Album der Moskauer handeln, die Grey Mouse bereits Ende der Neunziger gr\u00fcndeten und zum Teil nebenbei noch bei einer Band namens October 14 1964 t\u00e4tig sind. Die Besetzung von Grey Mouse wechselte seitdem regelm\u00e4\u00dfig, geblieben ist Gr\u00fcnder Alex Chunikhin an Gitarre und Bass, und wie viele Alben unter den zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen noch existieren, wissen vermutlich nicht mal die Musiker selbst.<br><br>Das Album schlie\u00dft stilecht mit dem \u201eSuicide Song\u201c, und so deprimierend, wie sich das liest, klingt er auch. Ein konsequenter Abschluss f\u00fcr ein Album, das die d\u00fcstere Seite des Hippietums zelebriert. Einen Moment der Schw\u00e4che g\u00f6nnen sich Grey Mouse mitnichten, es zeugt vielmehr von St\u00e4rke, sich so zerbrechlich zu zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (12.05.2021) Drei Ver\u00f6ffentlichungen aus j\u00fcngerer Zeit stehen dieses Mal an: Neue Alben von Grey Mouse und Crust sowie eine Compilation rund um Doom und Stoner in Russland \u2013 mit satten sieben Stunden Musik, darunter nat\u00fcrlich auch vom &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sepzial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-8\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15,19],"tags":[],"class_list":["post-3790","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-besonderes","category-download-stream"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3790","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3790"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3790\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3796,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3790\/revisions\/3796"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}