{"id":3692,"date":"2021-02-02T17:40:16","date_gmt":"2021-02-02T16:40:16","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3692"},"modified":"2021-02-03T21:36:52","modified_gmt":"2021-02-03T20:36:52","slug":"spezial-klangwirkstoff-records","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-klangwirkstoff-records\/","title":{"rendered":"Spezial: Klangwirkstoff-Records"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Klangwirkstoff.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3693\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (02.02.2021)<br><br>Chillige Musik f\u00fcr unchillige Zeiten: Auf dem Berliner Label Klangwirkstoff ver\u00f6ffentlichen Bert Olke und Tom W\u00f6lke Musik von K\u00fcnstlern, die wie sie selbst T\u00f6ne aus den Rotationen von Planeten und Molek\u00fclen errechnen. Dem legen sie die Kosmische Oktave von Hans Cousto zugrunde; hier begegnen Wissenschaft und Esoterik einander, was in jedem Fall in entspannte akustische Traumreisen m\u00fcndet. M\u00f6ge das Schlagwort Ambient an dieser Stelle einmal fallen. Ein \u00dcberblick vermittels vierer Alben aus dem Labelkatalog.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/The-Sound-Of-CBD.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3694\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>The Sound Of CBD \u2013 Compilation (2019)<\/strong><br><br>Das tut richtig gut, akustisches Kiffen ohne Nebenwirkungen. Vier K\u00fcnstler setzen die Frequenz von CBD in Musik um, indem sie sie als Grundlage nehmen f\u00fcr eine Kopfreise mit jeweils eigener Landschaft. Bei CBD handelt es sich um einen Molek\u00fcl aus dem Hanf, genau gesagt, um ein explizit nicht psychoaktives Cannabinoid aus den weiblichen Pflanzen, dem positive medizinische Wirkungen zugeschrieben sind. Und die Musik, die die vier K\u00fcnstler nach Hans Cousto aus den f\u00fcnf Spektralfrequenzen des Molek\u00fcls transkribieren, \u00fcbersetzt diese Wirkungen in Schall.<br><br>Den Auftakt macht das Duo Planetary Cymatic Resonance, das sind Steffen G\u00fcnther und Timo Preece aus Berlin. Ihre Reise namens \u201eCaban 324\u201c beginnt warm zirpend, beatlos und so episch, wie man sich eine bekiffte Reise vorstellt. Kein Stress, keine Barrieren, nicht mal Melodien, sondern lediglich wechselnde Tonh\u00f6hen bei entspannenden Ger\u00e4uschen. Ein perfekt herunterbringender Einstieg. Es folgt Labelchef Bert Olke alias B. Ashra mit \u201eCannabidiol\u201c, der ein einsames Windspiel vor eine latent bedrohlich wirkende Dronekulisse h\u00e4ngt. War der Auftakt noch nach au\u00dfen dr\u00e4ngend, f\u00fchlt man sich hier eher nach innen gekehrt, in einem Hallraum von enormen Ausma\u00dfen befindlich. Auch sein Track bleibt zun\u00e4chst beatlos. Sobald das Windspiel verklingt, steuert Olke einen retrofuturitischen Synthiesound dazu, der dem Auftrag gem\u00e4\u00df nicht an konkreten Melodien interessiert ist, sondern an Frequenzen, und der sich im Soundtrack vom \u201eCaptain Future\u201c recht gut gemacht h\u00e4tte. Olke variiert seine Vision von CBD behutsam, bei ihm tritt der H\u00f6rende eine entschleunigte Reise durch unterschiedliche emotionale Landschaften an \u2013 bis er sich nach mehr als der H\u00e4lfte der Spielzeit sogar in einem Club wiederfindet, in dem er zu einem zur\u00fcckgenommenen Beat gechillt nickt.<br><br>Motom ist das Alias von Tom W\u00f6lke, mit dem Olke nicht nur das Label Klangwirkstoff betriebt, sondern bisweilen auch als DJ-Team Motobash auftritt. Sein \u201ePleiotropic CBD\u201c beginnt dunkler als die bisherigen Tracks, es vertieft sogar noch die ersten Drones von B. Ashra. Der Track rauscht, ein gelegentlich angeschlagener sehr tiefer Ton durchbricht den wei\u00dfen Nebel. Aus dem sich alsbald eine Soundkulisse heraussch\u00e4lt, die an entfernte Gesch\u00e4ftigkeit erinnert, an Gro\u00dfstadt, an Industrie, ohne jedoch konkrete Objekte zu zitieren. Irgendwo in der Ferne tobt das Leben, aber das Leben anderer Leute, der Stress anderer Leute, der sich zu einem Drone verdichtet, der den H\u00f6renden eher hypnotisiert, anstatt ihn zu ebensolcher Gesch\u00e4ftigkeit anzustacheln, und dabei auch latent verunsichert, weil die Sounds unterschwellig verst\u00f6rend wirken. Erst mit der Zeit entwickelt Motom daraus wohlig umgfangende Frequenzwechselmelodien. Und auch sein Track kippt alsbald in etwas Rhythmisches mit klareren Sounds, ebenfalls fernab von BPM-getriebenen Clubs, bis er sich wieder dronend verabschiedet. Zuletzt bedient Barnim Schultze alias Akasha Project in \u201eCome Breathing Down\u201c die Klangschalen. Der Titel ist Programm, man kommt runter, atmet langsamer. Schultzes Track ist federleicht, besteht aus nur wenigen Sounds \u00fcberhaupt, eigentlich nur aus einem Hauch, in den er nur z\u00f6gerlich zus\u00e4tzliche T\u00f6ne einflie\u00dfen l\u00e4sst. Das Album ist zuende, jetzt kommt der Fressdrang.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Morphon-Om-Mars-Venus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3695\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Morphon \u2013 Om Mars Venus (2008)<\/strong><br><br>Bei Morphon mischen drei K\u00fcnstler mit: B. Ashra Tommelon und Eru, also einmal mehr Olke und W\u00f6lke sowie Ricky Deadking alias Alexander Rues. Mag man kaum glauben, aber hier hat man es mit zwei Gitarristen und einem Thereminspieler zu tun. Und drei Elektromusikern, nat\u00fcrlich. Mit diesen Mitteln generiert das Trio zun\u00e4chst eine Klangmeditation, die auf dem \u201eOm\u201c-Ton basiert, der mit einer Frequenz von exakt 136,1 Schwingungen pro Sekunde sowohl dem Herzen als auch dem tropischen Erdenjahr zugeordnet ist. Doch bis es \u00fcberhaupt zu einem Herzschlag kommt, vergehen mehr als elf Minuten, in denen das Trio sich auf Fl\u00e4chen und sich ver\u00e4ndernde Tonh\u00f6hen mit Knistern und Knurpsen verlegt. Diese Beats wiederum sind keine klassischen Dancefloorbeats, sondern ein in der Tonh\u00f6he variierendes elektronisches Pluckern, das \u00fcber einer Art mechanischem Sto\u00dfatmen liegt und mit diesem den Kopf des H\u00f6renden nur sanft und bed\u00e4chtig nicken l\u00e4sst. Der Beat in der zweiten H\u00e4lfte des Tracks wiederum wirkt zwar schneller, hat aber die Behutsamkeit von Wassertropfen. Bis beinahe industrialartige Sounds und Zirpt\u00f6ne hinzutreten und die Entspannung zugunsten erh\u00f6hter Aufmerksamkeit hintenanstellen.<br><br>So planetarisch sich die Titel auch geben, so sehr geht es doch auch um den Menschen, denn es decken sich hier nicht nur Menschenherz und Erdenjahr, sondern sind schlie\u00dflich auch Mars und Venus Geschlechtern zugeordnet. Entsprechend liegen den Tracks \u201eMars\u201c und \u201eVenus\u201c auch andere Charaktere zugrunde als \u201eOm\u201c: Der m\u00e4nnliche Track \u00fcberrascht mit vergleichsweise harten Basssounds, die die Sph\u00e4ren durchsetzen und in etwas Synthetisch-Technoides nach gebremstem kraftwerkschem Vorbild \u00fcbergehen, dem weiblichen Track ist jede H\u00e4rte wieder genommen, stattdessen kehrt analoge W\u00e4rme in den Sound ein, versetzt mit kosmischen Synthiet\u00f6nen, einem weichen Grundrauschen sowie raffinierten Effekten, darunter Klavier- und Geigent\u00f6ne, die sich im All verlieren. Auch wenn das Trio die Entspannung und die Meditation als Anlass dieses Albums sieht, sei die dringende Empfehlung ausgesprochen, sich diese drei Tracks bei Bewusstsein anzuh\u00f6ren \u2013 es gibt viel zu entdecken und zu erleben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/B.-Ashra-Om-Meditation.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3696\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>B. Ashra \u2013 Om Meditation (2009)<\/strong><br><br>Und noch eine Stunde Musik, die auf \u201eOm\u201c basiert, dieses Mal allein von B. Ashra. Dieser Track besteht wirklich nur aus Sound, aus Sph\u00e4re, aus Ambient, aus an- und abschwellenden T\u00f6nen. Hier unterbricht nichts die Meditation, hier dringt nichts Unerwartetes ins Bewusstsein, sobald man sich fallen l\u00e4sst, es gibt keine \u00dcberraschungen, keine unangenehmen, und das ist das Angenehme daran. Der H\u00f6rende ist auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen, er ist frei in seiner Assoziation und in dem, was er in seinem Geist bewegen mag. Was gern auch gar nichts sein darf.<br><br>Erst nach der H\u00e4lfte gesellt sich tempor\u00e4r eine Art auf Stimmsamples gefaketes Didgeridoo in die Atmosph\u00e4re, aber auch das dringt nicht so abrupt oder fordernd in den Track ein, dass man davon aus der Ruhe gebracht wird. Gleicherma\u00dfen integriert Olke die folgenden leichten Ver\u00e4nderungen so behutsam wie m\u00f6glich. Und doch gilt wie immer, dass man auch im halb- oder sogar komplett bewussten Zustand einen Mehrwert an diesem Album hat.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Cosmic-Octave-Orchestra-Gaiatron.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3697\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Cosmic Octave Orchestra \u2013 Gaiatron: Live At Ricochet Gathering Berlin (2011)<\/strong><br><br>Beim Cosmic Octave Orchestra handelt es sich um ein tempor\u00e4res Trio, das sich anl\u00e4sslich des \u201eRicochet Gathering\u201c-Festivals in Berlin-Sch\u00f6neberg am 10. Oktober 2010 zusammenfand, also an 10-10-10. Beteiligt waren zwei Vertraute aus dem Klagwirkstoff-Kosmos, n\u00e4mlich Olke und Schultze, dieses Mal kombiniert mit Steve Schroyder alias Wolfgang Schroeder, der einst bei Tangerine Dream seine kosmischen Reisen antrat. Jener brachte gleich noch die AlienVoices mit, die das Konzert mit Oberton- und Kehlkopfgesang bereicherten.<br><br>Live generierte Elektronik hat den Vorteil, mit direkt vor Ort generierten Loops arbeiten zu k\u00f6nnen, die der H\u00f6rende nicht zwingend als solche erkennt, die den Musikern aber eine Orientierungshilfe sind. So stapelt das Orchester aus drei Leuten eben auch seine Effekte auf eine wiederkehrende Spur aus wellenartigen Synthiesounds. Und l\u00e4sst sich dabei alle Zeit der Welt. Nach und nach starten die Musiker ihre Samples, lassen sie umeinander kreisen, miteinander fliegen, aufeinander aufbauen. So entstehen beinahe Melodien, die sich aber so sehr in die Unendlichkeit erstrecken, wie das All, das thematisch diesem Set zugrundeliegt. Harmonien lassen sich in jedem Fall ausmachen, und nicht nur darin liegt die Kunst der drei Kosmonauten. Behutsam f\u00fcllen Olke, Schultze und Schroyder den Raum, schichten Sound um Sound aufeinander, Sph\u00e4ren, Sternschnuppen und Spiralnebel, und lassen so das halbst\u00fcndige \u201eGaiatron\u201c entstehen.<br><br>\u201eCassinidrive\u201c nennen sie das zweite Set, fast 40 Minuten lang. Das setzt zun\u00e4chst am ersten an, ist aber mutiger in den Sounds, die die drei T\u00fcftler einbringen: Glockenspiel, Chorsamples, Spinett, Shaker, Didgeridoo, was die Sampledatenbanken hergeben und das Ohr herauszuh\u00f6ren geneigt ist. Dieses St\u00fcck hat mehr Wucht und einen eindeutiger definierten Rhythmus, man kann dazu sogar ausgelassen tanzen, auch wenn die harten Dancefloor-Beats ausbleiben. Hier steckt so viel mehr Energie drin, als h\u00e4tte sich das Trio im ersten Take erst aufeinander warmspielen m\u00fcssen. Das Tempo ist \u00fcberraschend hoch und die Sogkraft dieses Tracks immens.<br><br>Nach etwa der H\u00e4lfte g\u00f6nnen die Musiker sich und den H\u00f6renden eine Pause, schrauben den Effektpark herunter, begeben sich zur\u00fcck in den leeren Kosmos, lassen ihre Synthies zwitschern und Fl\u00e4chen erzeugen, ganz entspannt und reduziert. Nur, um einmal Luft zu holen, zur Ausgangslage zur\u00fcckzukehren und dann doch final in die Unendlichkeit auszuatmen. Mitrei\u00dfend!<br><br><a href=\"http:\/\/klangwirkstoff-records.bandcamp.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">klangwirkstoff-records.bandcamp.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.02.2021) Chillige Musik f\u00fcr unchillige Zeiten: Auf dem Berliner Label Klangwirkstoff ver\u00f6ffentlichen Bert Olke und Tom W\u00f6lke Musik von K\u00fcnstlern, die wie sie selbst T\u00f6ne aus den Rotationen von Planeten und Molek\u00fclen errechnen. 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