{"id":3652,"date":"2020-12-29T18:12:07","date_gmt":"2020-12-29T17:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3652"},"modified":"2020-12-29T18:15:28","modified_gmt":"2020-12-29T17:15:28","slug":"tom-liwa-der-den-mein-freund-kannte-tom-liwa-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tom-liwa-der-den-mein-freund-kannte-tom-liwa-2020\/","title":{"rendered":"Tom Liwa \u2013 Der, den mein Freund kannte \u2013 Tom Liwa 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tom-Liwa-Der-den-mein-Freund-kannte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3653\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"157\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Tom-Liwa-Das-Buch-Tom.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3655\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (29.12.2020)<br><br>Auf Deutsch singen und Klischees umschiffen, das war mal m\u00f6glich, in den Neunzigern, und von denen, die damals diese Wege einschlugen, ist Tom Liwa einer der \u00dcberlebenden, einer, der sich konstant entwickelte, vom Indierock \u00fcber die Verwandtschaft zur Hamburger Schule zu Singer-Songwriter ohne Gejammer, esoterischer Kunstmusik, Heilungsmusik und \u2013 nun: Was macht Tom Liwa eigentlich heute? Er reflektiert \u00fcber den Tod, musikalisch zur\u00fcckgenommen und experimentell wie lang nicht, textlich enigmatisch wie immer. \u201eDer, den mein Freund kannte\u201c ist eine Herbstplatte, die von Tod und Abschied handelt und also auch vom Leben, und der begleitend \u201eDas Buch Tom\u201c mit Gedichten und Kunst zur Seite steht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Er\u00f6ffnungstrack k\u00f6nnte in die Irre f\u00fchren: Man h\u00f6rt Liwa zur Akustikgitarre reflektieren, scheinbar in der Manier klassischer Singer-Songwriter, aber zu denen geh\u00f6rt er nicht, hat er nie geh\u00f6rt und wird er hoffentlich auch nie geh\u00f6ren, nicht mit diesem Song und erstrecht nicht mit diesem Album. Das schl\u00e4gt n\u00e4mlich ganz andere Wege ein: Liwa begleitet seine Texte mit einer Musik, die nicht zu kategorisieren ist. Man erkennt bisweilen nicht mal, mit welchem Instrument sie \u00fcberhaupt erzeugt ist, ob Orgel, Trompete oder doch Synthie. Teilweise besteht sie aus unmelodi\u00f6sen unaufdringlichen Drones, teilweise ergibt sie klare Songs, dem Pop m\u00f6glicherweise nahe, ohne ihn zu bedienen, frei von Kitsch, und trotz der schweren Themen undunkel. Die akustische Gitarre erkennt man klar, doch findet sie nur sp\u00e4rlich den Weg in diese Musik, die bestens ohne sie auskommt. Auch Beats oder Schlagzeug gibt es gar nicht, zweimal lediglich einen zaghaft mit der Hand angeschlagenen Takt. Das Wort Ambient f\u00e4llt.<br><br>Mit dieser zur\u00fcckhaltenden Musik fokussiert der ausgewiesene Poet Liwa die H\u00f6rerwahrnehmung eben auf die Texte. In ihnen ist Liwa wie gewohnt bildhaft, manchmal r\u00e4tselhaft, einem gef\u00fchlten Inhalt n\u00e4her als einer klaren Darstellung, und damit sind seine Texte frei von greifbaren Banalit\u00e4ten und somit auch \u2013 wie seine Musik \u2013 von Kitsch. Kein Deutschrock, kein Schlager, keine Radiotauglichkeit, das traf auf Liwas Musik schon immer so zu, selbst seine Flowerpornoes sind ja trotz ihrer gr\u00f6\u00dferen Eing\u00e4ngigkeit und Rockigkeit f\u00fcrs Radio gottlob eher nicht gemacht. In seinen Texten transportiert Liwa sehr wohl auch Lebensweisheiten und Erkenntnisse, ohne Holzhammer, aber nachf\u00fchlbar; \u201ejeder Abschied macht dich gr\u00f6\u00dfer\u201c, singt er etwa, und man sch\u00f6pft Kraft aus seinen Worten. Da nimmt man es auch in Kauf, dass Liwa bei \u201eV\u00e4in\u00e4moinen\u201c den letzten Umlaut verga\u00df.<br><br>Au\u00dferdem singt Liwa hier zur Musik passend zur\u00fcckhaltender. Zwar reitet er noch wie ehedem gern auf einzelnen Noten herum, l\u00e4sst aber dabei seine Stimme sich nicht mehr so schmerzhaft ins Geh\u00f6r bohren. Das nahm man fr\u00fcher schon einfach so hin, weil man Liwa als Gesamtheit immer gut fand. Es wirkt hier nun, als h\u00e4tte er mittlerweile viel zu viel erlebt, als h\u00e4tte er es aufgegeben, dem Drang nach \u00dcberzeugungsarbeit nachzugehen, und wirkt damit noch weit \u00fcberzeugender. Den Titeltrack beginnt Liwa ohne Musik, schlicht erz\u00e4hlend, und das im vertraut \u00fcberheblichen Tonfall, wie man ihn von seinen Weggef\u00e4hrten ebenfalls kennt, beispielsweise von Bernd Begemann und Cpt. Kirk &amp;. Das kann wom\u00f6glich nerven, l\u00f6st aber auch wohlige Erinnerungen an die Neunziger aus; hey, wir werden alle \u00e4lter, und einige von uns sterben sogar, also ist es sch\u00f6n, wenn einer wie Liwa mit einem wie dem H\u00f6renden altert und sich in einigen Aspekten eben treu bleibt.<br><br>Musik und Stimme sind auf \u201eDer, den mein Freund kannte\u201c auf eine Art ausgewogen, dass man das Album nicht nebenbei h\u00f6ren mag, aus Angst, man k\u00f6nne etwas verpassen. Und damit liegt man auch richtig. Und wenn, nicht schlimm, man kann das Album ja mehrmals h\u00f6ren, und zudem auch im \u201eDas Buch Tom\u201c weiterst\u00f6bern, damit schon beginnen, w\u00e4hrend noch der letzte Track l\u00e4uft, der ist n\u00e4mlich instrumental, und sich in Liwas Gedichten und der begleitenden Kunst seiner Frau Saskia Lippold verlieren. Das Buch gibt\u2019s allein oder im Bunde mit dem Album sowie auch als H\u00f6rbuch auf einem USB-Stick, und das alles vertreibt der Duisburger Liwa komplett allein von seiner Wahlheimat L\u00fcchow-Dannenberg aus, aus dem Wendland, genau gesagt. Handbemalte Steine im Webshop vertiefen den Eindruck von Esoterik, der Liwa j\u00fcngst noch ausgiebig fr\u00f6nte, aber eher philanthropisch-spirituell als im postmodernen Schwurbelsinne, gottlob.<br><br>Reduziert instrumentiert, raumschaffend, fesselnd, besinnlich: Liwa l\u00e4sst sich vom Tod (anderer Leute) nicht kleinkriegen und h\u00e4lt den Kopf fortw\u00e4hrend \u00fcber dem Wasser. Damit ist \u201eDer, den mein Freund kannte\u201c zudem ein vortreffliches Corona-Dokument: Bis auf die Kunst \u00fcbernahm Liwa s\u00e4mtliche Instrumente, das Mixen, das Texten und den Vertrieb, machte also das Beste, was man aus einer virusbedingten Isolation als K\u00fcnstler so machen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.12.2020) Auf Deutsch singen und Klischees umschiffen, das war mal m\u00f6glich, in den Neunzigern, und von denen, die damals diese Wege einschlugen, ist Tom Liwa einer der \u00dcberlebenden, einer, der sich konstant entwickelte, vom Indierock \u00fcber die &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tom-liwa-der-den-mein-freund-kannte-tom-liwa-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,10],"tags":[],"class_list":["post-3652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3652"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3656,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3652\/revisions\/3656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}