{"id":3634,"date":"2020-12-14T21:31:07","date_gmt":"2020-12-14T20:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3634"},"modified":"2020-12-14T21:31:07","modified_gmt":"2020-12-14T20:31:07","slug":"xchnum-miiimiiikry-modus-operandi-jems-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/xchnum-miiimiiikry-modus-operandi-jems-2020\/","title":{"rendered":"Xchnum Miiimiiikry \u2013 Modus Operandi \u2013 Jems 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Xchnum-Miiimiiikry-Modus-Operandi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3635\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.12.2020)<br><br>\u201eModus Operandi\u201c d\u00fcrfte eines der zug\u00e4nglichsten Werke des an Werken an sich nicht eben armen Jonas Kolb sein, hier t\u00e4tig unter seinem Alias Xchnum Miiimiiikry. In sechs St\u00fccken schickt er seinen Black Metal bei der Neuen Deutschen Todeskunst in die Lehre, und dabei entsteht Leere: Nihilismus als Kern, musikalisch entsprechend implosiv umgesetzt. Kalte, aber sch\u00f6ne Sounds, minimalistische Melodien, extreme Langsamkeit, tempor\u00e4re Ausbr\u00fcche, die dann ins Nichts vergehen: Gut gelaunt ist Kolb mitnichten, aber selten geht man aus einem seiner Alben so entspannt heraus wie aus diesem.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wenn Kolb musiziert, ist er eigen, ist er ganz bei sich, dann bedient er sich allerh\u00f6chstens dort, wo bereits etwas existiert, das ungef\u00e4hr ausdr\u00fcckt, was in ihm vorgeht, und adaptiert es zu etwas, das dann wieder nur von ihm sein kann. Deshalb ist auch \u201eModus Operandi\u201c keinem Genre klar zuzuordnen, nicht dem Black Metal, nicht der Neuen Deutschen Todeskunst, nicht der Gruftmucke; Avantgarde f\u00e4llt Schubladisten allenfalls ein, wenn sie eine Schublade brauchen und Kolb nirgendwo hinzustecken wissen. DIY-Punk steckt dabei ganz eindeutig in seiner Attit\u00fcde, aber die dr\u00fcckt sich musikalisch wiederum nicht aus.<br><br>Schleppend geht Kolb hier vor, reduziert seine Melodien und Atmosph\u00e4ren auf zwei, drei T\u00f6ne, schl\u00e4gt sie unentwegt an, bis sie die Ausma\u00dfe stillgelegter Industriehallen annehmen und auch so leer sind. Im Auftakt \u201eJosef, der Schl\u00e4fer [\u2026]\u201c klingt er dabei noch aufr\u00fcttelnd, erschreckt den H\u00f6rer mit lauter, aber nicht heavy Gitarre, verf\u00e4llt inmitten seines klaren rezitativen Vortrags schon mal ins Schreien und lacht abschlie\u00dfend h\u00e4misch. Die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers ist ihm sicher, und wenn er dann inmitten des zweiten Tracks \u201eRitual &amp; Salbung\u201c an eine weibliche Lautsprecherdurchsage den postmodernen Black-Metal-Motor anwirft, rotzt er dem H\u00f6rer seinen Weltekel auch musikalisch um die Ohren.<br><br>Dabei bel\u00e4sst Kolb es f\u00fcr den Rest des Albums auch mit Blastbeats und kehrt zur atmosph\u00e4rischen Leere zur\u00fcck. \u201eDer Bettler\u201c k\u00f6nnte ein Minimal-Electro-Track von Ende der Siebziger sein, als die Mutigen sich das teure Equipment von ihrer Bank ausborgten und die gewohnten Songstrukturen aus den Angeln hoben, nur dass Kolb sich nicht auf die damals \u00fcblichen zwei Minuten beschr\u00e4nkt, sondern seinen Track auf elf Minuten dehnt und mit einer melodielos greinenden Gitarre sowie seinem schreienden Vortrag unterf\u00fcttert.<br><br>Die H\u00e4lfte des Albums ist um \u2013 und fortan versinkt Xchnum Miiimiiikry in Verzweiflung. Die Sounds werden klarer, die Stimmung schluckt jedes verbliebene Licht, man f\u00fchlt sich, als kauerte man in einem feuchten Keller, und zwar in einem, in den man sich vorsichtshalber selbst setzte, um das Drau\u00dfen nicht ertragen zu m\u00fcssen. Doch schon bald beginnt man, in diesem Keller herumzutigern und seine Kr\u00e4fte zu sammeln, nicht etwa, um das Unduldbare zu besiegen, sondern allenfalls, um es \u00fcberhaupt ertragen zu k\u00f6nnen. Dieser Vorgang ist derart kr\u00e4ftezehrend, dass man f\u00fcr die letzten bald 13 Minuten darniedersinkt und sich in sich selbst verliert.<br><br>Mit \u201eIm Turm der Leere\u201c wirft Kolb den H\u00f6rer mit nur drei T\u00f6nen beinahe vers\u00f6hnlich ins Hier und jetzt zur\u00fcck. Das St\u00fcck unterstreicht, dass Kolbs Sounds nie plakativ sind, weder die sch\u00f6nen noch die harschen, und auch nie kitschig, cheesy, klischeehaft; sein akustischer Weg ist eben ein eigener, ein bewusster, ein reflektierter, ein durchdachter. Es \u00fcberrascht den H\u00f6rer selbst, wie wohlig es sich wohnen l\u00e4sst \u201eIm Turm der Leere\u201c, den mag man gar nicht mehr verlassen.<br><br>Das Album bietet Kolb als CDr, als Tape und als Download an. Weil man nun mit dem H\u00f6ren seines Outputs nicht hinterherkommt, ist \u201eModus Operandi\u201c nunmehr auch schon wieder acht Monate alt, Kolb seitdem aber nicht unt\u00e4tig gewesen: Mittlerweile gibt es diverse neue Alben sowohl von Xchnum Miiimiiikry als auch von seinem fr\u00fcheren Alias Machyyre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.12.2020) \u201eModus Operandi\u201c d\u00fcrfte eines der zug\u00e4nglichsten Werke des an Werken an sich nicht eben armen Jonas Kolb sein, hier t\u00e4tig unter seinem Alias Xchnum Miiimiiikry. 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