{"id":3621,"date":"2020-11-27T15:43:07","date_gmt":"2020-11-27T14:43:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3621"},"modified":"2020-11-27T15:43:07","modified_gmt":"2020-11-27T14:43:07","slug":"spezial-marc-gordon-sloan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-marc-gordon-sloan\/","title":{"rendered":"Spezial: Marc Gordon Sloan"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"114\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MGS.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3622\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (27.11.2020)<br><br>Das ist Bassmusik: Anl\u00e4sslich seines Corona-Projektes \u201eReel To Real Volume 1\u201c steckte der New Yorker Bassist Marc Gordon Sloan gleich noch zwei weitere seiner Alben in den Briefumschlag, und zwar die Post-Punk-No-Wave-Retrospektive \u201eDivine Bones\u201c sowie die Country-\u00dcberraschung \u201ePortrait Of The Musician As Forever Moonlight\u201c. Am Corona-Projekt beteiligten sich mit ihm zehn \u00fcber die ganze Welt verteilte K\u00fcnstler, darunter auch die Braunschweiger blackhole-factory.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Marc-Sloan-Reel-To-Real-Volume-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3623\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Marc Sloan: Reel To Real Volume 1 (2020)<br><br>Was man halt so tun kann, wenn man kreativ sein will, so ein weltumspannendes Virus einem aber Striche durch alle Rechnungen macht \u2013 und das Internet genau so weit verbreitet ist wie die Bedrohung: F\u00fcr dieses Album gab Sloan einen schleppenden Track aus vier T\u00f6nen Bass und einem Schlagzeug vor, verschickte ihn an neun Freunde in der ganzen Welt und lie\u00df jeden von ihnen etwas Eigenes daraus machen. Das Album wirkt streckenweise wie ein einzelnes St\u00fcck, aber nur streckenweise, weil einige K\u00fcnstler eben doch die Grundlage verbiegen. Von den meisten hat man \u00fcberdies zuvor vermutlich noch nie geh\u00f6rt, Sloan zog daf\u00fcr ganz offensichtlich sein pers\u00f6nliches Adressbuch heran; Details dazu erl\u00e4utert der Projektmanager im Booklet.<br><br>Zum Auftakt l\u00e4sst Alan Walker in \u201eNot Yer Mom\u201c Twin-Gitarren \u00fcber den Basistrack laufen; die Melodie schleppt sich wie die Ausgangsdatei fest ins Ohr. Mit Jim Fournaidis, einem Langzeitbegleiter und Produzenten Sloans, kehrt erstmals Gesang ein, er macht aus \u201eWalk About\u201c einen Blues. V\u00f6llig frei von der Vorgabe scheint das Ergebnis von Carle Morrow zu sein, sein \u201eThe Stretch\u201c ist eher Ambient, ein an- und abschwellendes Rauschen eines Hi-Hats, Sloans Spuren scheinen hier gar nicht mehr vorhanden zu sein. Und dann l\u00e4sst Mumbletrain mit \u201eThrough The Middle\u201c einen fr\u00f6hlichen Popsong anschlie\u00dfen, mit mehrstimmigem Gesang und einer sch\u00f6nen Melodie, die man im Basistrack gar nicht erwartet h\u00e4tte. Als n\u00e4chstes generieren die Braunschweiger Elke Uterm\u00f6hlen und Martin Slawig als blackhole-factory mit \u201eRufe Ueber Das Tal\u201c einen wundersch\u00f6nen Track, der mit Field Recordings und textlosem Frauengesang an die Kastrierten Philosophen oder an Heavenly Voices erinnert.<br><br>Black Sifichi zerhackt Sloans Vorgabe, verstolpert sie, remixt sie, murmelt dazu, erz\u00e4hlt Geschichten, macht aus \u201eThe Door Black Buzzer\u201c einen Talking Blues, der allerdings mit neun Minuten Spielzeit und dem der Ausgangslage geschuldeten langsamen Tempo etwas erm\u00fcdet. Bei Mark C von Live Skull bekommt \u201eShoot The Messenger\u201c Dub-Effekte verpasst, angereichert mit Samples sowie Sounds, die Fl\u00e4chen ergeben, aus denen sich pl\u00f6tzlich mit einsetzendem Gesang ein warmer, doch angenehm schr\u00e4ger Song heraussch\u00e4lt. Bart Plantenga nimmt den Track als Grundlage f\u00fcr \u201eA Dozen Or So Facts About Amsterdam\u201c, vorgetragen von weiblichen und m\u00e4nnlichen Sprechern, nat\u00fcrlich auch Themen wie Vincent van Gogh und Weed ber\u00fccksichtigend, ebenso Nerd Facts und wom\u00f6glich Fake News, wie die, dass ein Mensch, der sich in Amsterdam als B\u00fcrgermeister zur Wahl stellen will, nachweisen muss, dass er dazu in der Lage ist, 24 Kilometer zu schwimmen. Trotz zwischengespielter Samples ist dieser Track ebenfalls etwas erm\u00fcdend, weil ebenso lang wie der zwei davor und weil man die recht kurze Ausgangspassage nun doch schon einige Male geh\u00f6rt hat. Da kommt die Verzerrung, die R.B. Korbet, der unter anderem bei Pussy Galore spielte, der Originalspur in seinem \u201eThe Power Broker\u201c zuteilwerden l\u00e4sst, schon sehr befreiend. Dazu spielt er auf einer beschleunigten Gitarre eine sch\u00f6ne Melodie, in die er mit einer verzerrten Gitarre angenehm schmerzlich hineinbratzt und damit Geschrammel und Volumen in das Album bringt, nur um dann zu seiner eigenen ohrenschmeichelnden Ausgangssituation zur\u00fcckzukehren. Das Finale geh\u00f6rt dem Projektinitiatoren: Sloan steuert mit \u201eWhat You Take Me 4\u201c einen Alt.-Country-Song mit Akustikgitarre und Streichersamples sowie sprechgesungenen Text bei.<br><br>Grunds\u00e4tzlich ein spannendes Projekt, und der Titel deutet es an, dass es da eine Fortsetzung geben k\u00f6nnte. Wenn, dann w\u00fcrde man sich w\u00fcnschen, dass die Beteiligten noch etwas mutiger und wom\u00f6glich r\u00fccksichtsloser mit der Vorgabe verfahren und sie nicht allzu sklavisch in ihren Grundz\u00fcgen erhalten, dann wird das Ergebnis noch vielf\u00e4ltiger. Als Corona-Experiment und als \u00dcberblick \u00fcber Wirken und Schaffen weitgehend vornehmlich unbekannter K\u00fcnstler ist \u201eReel To Real\u201c ein gro\u00dfartiges Zeitdokument.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"125\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Marc-Gordon-Sloan-Divine-Bones.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3624\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Marc Gordon Sloan \u2013 Divine Bones (2019)<br><br>Seit 1984 sammelt Sloan Aufnahmen unter dem Bandnamen Divine Bones, dieses Album b\u00fcndelt 17 von ihnen, unter Mitwirkung so ziemlich s\u00e4mtlicher Musiker, mit denen der New Yorker seitdem auch in anderen Bands musizierte. Im Mittelpunkt steht ganz klar sein Bass, und den setzt er stildienlich ein, je nach Ausrichtung wuchtig dr\u00f6hnend oder z\u00e4rtlich und zur\u00fcckhaltend. Manche Tracks tragen die Seele einer intimen kontemplativen Zuhauseaufnahme in sich, andere kloppen mit einer kompletten Band in bester Indierockmanier voran. Geradlinigkeit ist Sloans Ding nicht, es findet sich also keine klassische Strophe-Refrain-Br\u00fccke-Komposition auf diesem Album, und das ist gut so. Sloan nimmt sich Zeit zu experimentieren, nicht nur an seinem Instrument, sondern auch kompositorisch und improvisativ.<br><br>Man kann nur gl\u00fccklich sein, dass Sloan nicht nur in seiner Heimat New York so viele aufgeschlossene Mitstreiter findet. Mit einigen von ihnen spielt oder spielte er auch in anderen Bands: mit Ivan und Andrew Nahem und Michael Shockley bei Ritual Tension (mit denen der letzte Track entstand, \u201eThe Burning Ladder\u201c), mit Elliott Sharp unter anderem bei Carbon sowie mit Joe Trump, Knox Chandler, Reed \u201eQ.R.\u201c Ghazala und Gregor \u201eGreg\u201c Kitzis bei Gawk. Weitere Mitstreiter sind Violinist Alain Gianatti, Schlagzeuger und Synthiespieler Alex Smith, Violinist Katsui Yuji und Schlagzeuger Kido Natsuki von Pere-Furu, Ambient-K\u00fcnstler Mark Poysden, Schlagzeuger Michael Grant sowie Schlagzeuger und Posaunist Stephen Moses von Alice Donut. Allein an der Auswahl an Instrumenten l\u00e4sst sich schon erahnen, wie bunt und vielf\u00e4ltig dieses Album geraten ist, wenn in diese Spannungsfeld aus dezentem Solobass und expressivem Banddonner auch Platz f\u00fcr Geigen und Sampler ist. Nicht nur als Einblick in internationale alternative Musikszenen und experimentellere Rockmusik ist dies ein grandioses Album.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Marc-Sloan-Portrain-Of-The-Musician-As-Forever-Moonlight.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3625\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Marc Sloan \u2013 Portrait Of The Musician As Forever Moonlight (2014)<br><br>Und dann macht der Postpunker und Nowaver pl\u00f6tzlich Country. Waschechten Nashville-Hillbilly-Stuff, den man sich freiwillig wohl niemals anh\u00f6ren w\u00fcrde. Kann man sich nicht ausdenken. Und dann klingt Sloans Gesang auch noch nach S\u00fcdstaaten! Eine Frechheit, seinem Publikum so etwas unterzujubeln \u2013 oder?<br><br>Sloan macht seine Sache gut und hat die richtigen Leute an Bord, denn die Band klingt sehr tight, sehr dicht am Mikro, am H\u00f6rer mithin, Sloan l\u00e4sst keine Distanz zu, er zwingt sich auf, knackt die Verschlossenheit und Ablehnung der amerikanischen Folklore gegen\u00fcber und l\u00e4sst seine Songs dem Publikum in Hirn und Herzen str\u00f6men. Einer davon, \u201eDeep El\u2019m\u201c, ist sp\u00e4ter auch auf \u201eDivine Bones\u201c vertreten, wie hier mit seinem Carbon-Kumpanen Elliott Sharp eingespielt, der das gesamte Album begleitet, im Verbund mit Schlagzeuger Simon Fishburn, Violinist Guy Thillet, Congaspieler Pablo Shine, Mandolinenspieler Danny Blume und Akkordeonist Marco Benevento.<br><br>Allein auf diesen drei Alben belegt Sloan eine enorme musikalische Variabilit\u00e4t, und dabei handelt es sich l\u00e4ngst noch nicht um alles, was er zus\u00e4tzlich zu Carbon, Gawk und Ritual Tension (deren neues Album \u201eIt&#8217;s Just the Apocalypse, It&#8217;s Not the End\u201c nach 30 Jahren Pause sei einmal mehr w\u00e4rmstens empfohlen) so am Start hat und hatte. Sein Solo-Deb\u00fct von 1985 hie\u00df \u201eYeow\u201c, weitere Projekte und Beteiligungen trugen Namen wie False Prophets, Purple Geezus und Rats Of Unusual Size; wer seinen Bandnamen von \u201eDie Braut des Prinzen\u201c inspirieren l\u00e4sst, belegt ohnehin guten Geschmack.<br><br><a href=\"https:\/\/www.etsy.com\/shop\/LascauxEastonMusic\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.etsy.com\/shop\/LascauxEastonMusic<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.11.2020) Das ist Bassmusik: Anl\u00e4sslich seines Corona-Projektes \u201eReel To Real Volume 1\u201c steckte der New Yorker Bassist Marc Gordon Sloan gleich noch zwei weitere seiner Alben in den Briefumschlag, und zwar die Post-Punk-No-Wave-Retrospektive \u201eDivine Bones\u201c sowie die &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-marc-gordon-sloan\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15,22],"tags":[],"class_list":["post-3621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-besonderes","category-compilation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3621"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3626,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3621\/revisions\/3626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}