{"id":3618,"date":"2020-11-26T21:02:47","date_gmt":"2020-11-26T20:02:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3618"},"modified":"2020-11-26T21:02:47","modified_gmt":"2020-11-26T20:02:47","slug":"b-ashra-the-sound-of-dmt-a-sonic-ayahuasca-journey-klangwirkstoff-records-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/b-ashra-the-sound-of-dmt-a-sonic-ayahuasca-journey-klangwirkstoff-records-2020\/","title":{"rendered":"B. Ashra \u2013 The Sound Of DMT: A Sonic Ayahuasca Journey \u2013 Klangwirkstoff Records 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/B.-Ashra-The-Sound-Of-DMT.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3619\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (26.11.2020)<br><br>Wer sich beim Entspannen etwas gruseln m\u00f6chte, liegt mit diesem Album genau richtig: Zwar orientiert sich auch Klangwirkstoff-Labelbetreiber B. Ashra bei der Erstellung seiner Musik an Hans Coustos Kosmischer Oktave, \u00e4hnlich wie auch Barnim Schultze alias Akasha Project, doch weicht das musikalische Ergebnis des Berliners erheblich von dem des Braunschweigers ab. \u201eThe Sound Of DMT\u201c feiert eine schamanische Droge, Ayahuasca n\u00e4mlich, und das frei von Melodien, vornehmlich auf Rasseln und Samples basierend, bisweilen wohlig spooky. Der Trip ist ungew\u00f6hnlich, aber auf eine \u00fcberraschende Weise einnehmend, hypnotisch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Album beginnt wie eine Exkursion durch einen Urwald, aber einen, der von Wesen bewohnt ist, die man nicht kennt und von denen man nicht wei\u00df, wie sie einem gesonnen sind, und denen man sich dennoch bereitwillig aussetzt, weil man ahnt, dass man seinen Weg unbeschadet gehen wird. Der Ort, der Raum sind fremd, aber nicht feindselig. Man betritt ihn wie eine organische Kathedrale aus Vegetation, die sich hinter einem schlie\u00dft und die dunkel und undurchsichtig gehalten ist, aber offenkundig weit genug gefasst, um darin Hall entstehen zu lassen. Einzelne Details treten nur punktuell zutage, es \u00fcberwiegt eine unbestimmbare Atmosph\u00e4re, lauernd, abwartend, bald doch vorantastend, gar treibend, dann wieder sich zur\u00fccknehmend. Am Ende warten der helle Tag, die freie Sicht, die V\u00f6gel des Morgens, f\u00fcr einen Moment, wenige Sekunden nur, entl\u00e4sst einen B. Ashra wieder in die Realit\u00e4t.<br><br>Die punktuellen Details wechseln und wiederholen sich im Verlauf der Reise. Zun\u00e4chst setzt ein indianischer Gesang ein, also ein schamanischer, um im Vokabular des Konzeptes zu bleiben. Erkennbare Rhythmen indes gibt es nicht, melodi\u00f6se Sounds ebensowenig. Es knistert und knackt, es rauscht und haucht, es dr\u00f6hnt und zwitschert, Tiere scheinen sich zu ducken, Menschen m\u00fcssen irgendwo zugegen sein, schlie\u00dflich singt dort ja einer, und dann erklingt ein Bambuswindspiel, ein vertrauter Sound, wie man ihn von der Terrasse mancher Leute kennt, beinahe zivilisatorisch mithin, und doch lediglich eine Erinnerung an etwas aus der realen Welt inmitten dieses unvorhersehbaren Abenteuers, dieser Weltreise durch ein Traumland.<br><br>Das war die erste Viertelstunde. Im zweiten Track erneuern sich Knistern und Hall, man w\u00e4hnt sich an einem Lagerfeuer in einer H\u00f6hle, dem sich im dritten Track rhythmisches Rasseln, das Windspiel und eine Klapperschlange hinzugesellen. Im vierten Track kommen Fl\u00f6ten und Zirpen hinzu, sowie erste zaghaft angedeutete Tonfolgen, Ambientatmosph\u00e4ren, die sich im Verlaufe etwas ins Unheimliche wandeln. Der f\u00fcnfte Track kehrt zu Rasseln und Schamanengesang zur\u00fcck und der sechste zum Bambusspiel und einem bedrohlich murmelnden r\u00fcckw\u00e4rts abgespielten Text \u2013 bis man aus dem Wald heraus zur\u00fcck in den Alltag tritt.<br><br>Das muss ein merkw\u00fcrdiges Zeug sein, dieses Ayahuasca. Dabei handelt es sich um einen Sud aus einer Liane und einem Kaffeegew\u00e4chs, das Alkaloide enth\u00e4lt, die den Abbau eines Halluzinogens verlangsamen und somit psychedelisch wirken. Im s\u00fcdamerikanischen Amazonasgebiet entstanden daraus bei indigenen V\u00f6lkern diverse Religionen, die l\u00e4ngst bis in zivilisierte Welten vordrangen. Zum Beispiel nach Berlin ins Tonstudio von B. Ashra, der aus dieser halluzinogenen Droge ein psychedelisches Album macht. Referenzen finden sich \u00fcberall in den Bezeichnungen: \u201eDMT\u201c ist das Halluzinogen, das bei Einnahme von Ayahuasca verlangsamt abgebaut wird, voll ausgeschrieben: \u201eN,N-Dimethyltryptamin\u201c, gleichzeitig der Titel des ersten Tracks. Tracks zwei hei\u00dft \u201eYag\u00e9\u201c, ein anderer Name f\u00fcr Ayahuasca. Bei \u201eShipibo\u201c, Titel des dritten Tracks, handelt es sich um ein indigenes Volk in Peru, das traditionell Ayahuasca konsumiert. \u201eMagic Forest\u201c, so der vierte Titel, spricht f\u00fcr sich selbst, und bei \u201eAyahuasca Icaros\u201c, Titel f\u00fcnf, handelt es sich um die Bezeichnung f\u00fcr schamanische Ges\u00e4nge. Wer oder was \u201eUn medio\u201c, also ein Medium, Titel des letzten Tracks, ist, beh\u00e4lt der K\u00fcnstler f\u00fcr sich \u2013 oder muss der H\u00f6rer nach Einnahme von Ayahuasca erfahren. Ebenso, wie nun genau sich das Molek\u00fcl \u00fcberhaupt in Physik und Musik niederschl\u00e4gt.<br><br>Das \u201eAshra\u201c im Projektnamen ist vielen Musikh\u00f6rern gel\u00e4ufig, nicht nur dank Ash Ra Tempel, und es bedeutet auf Hebr\u00e4isch Gl\u00fcck. Das \u201eB.\u201c wiederum steht f\u00fcr Bert Olke, den abgek\u00fcrzten Vornamen des K\u00fcnstlers, der dieses Projekt ausf\u00fcllt und zudem einer der Betreiber von Klangwirkstoff Records sowie Produzent und DJ ist. Gelegentlich tritt er auch als Robert Templa oder auch Hackbert in Erscheinung. F\u00fcr das vorliegende Album rechnete er das Molek\u00fcl halluzinogene DMT gem\u00e4\u00df der Kosmischen Oktave um und transferierte es in den h\u00f6rbaren Bereich. Um den besten Effekt zu erzielen, empfiehlt der K\u00fcnstler ein unterbrechungsfreies H\u00f6ren; da nicht jede Plattform dieses Anbietet, gibt es das einst\u00fcndige Album bei Bandcamp als One-Track-Bonus. Und je \u00f6fter man sich in diesem schamanischen Urwald aufh\u00e4lt, desto weniger spooky erscheint er einem. Man kann dazu entspannen, mit jedem H\u00f6ren mehr. Der spa\u00dfmachende Soundtrack zu einem spa\u00dfmachenden Kopfkino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.11.2020) Wer sich beim Entspannen etwas gruseln m\u00f6chte, liegt mit diesem Album genau richtig: Zwar orientiert sich auch Klangwirkstoff-Labelbetreiber B. Ashra bei der Erstellung seiner Musik an Hans Coustos Kosmischer Oktave, \u00e4hnlich wie auch Barnim Schultze alias &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/b-ashra-the-sound-of-dmt-a-sonic-ayahuasca-journey-klangwirkstoff-records-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3618"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3620,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3618\/revisions\/3620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}