{"id":3601,"date":"2020-11-20T21:31:33","date_gmt":"2020-11-20T20:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3601"},"modified":"2020-11-20T21:31:33","modified_gmt":"2020-11-20T20:31:33","slug":"spezial-rens-newland-jive-music","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-rens-newland-jive-music\/","title":{"rendered":"Spezial: Rens Newland &#038; Jive Music"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Jive-Music-Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3602\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (20.11.2020)<br><br>Von Prog \u00fcber Kneipenrock, Swing und Jazz bis Funk und Afrobeat: Mit einem beachtlichen Genrespektrum \u00fcberrascht der Gitarrist und Labelbetreiber Rens Nieuwland. Ausgehend von seiner vor 45 Jahren noch in den Niederlanden betriebenen Progband Scope, erweiterte der Musiker ab seinem Umzug nach Wien Ende der Siebziger sein musikalisches Bet\u00e4tigungsfeld in unerwartete Richtungen, reduzierte gleichzeitig aber seinen Nachnamen um das I und das U. Ein kleiner \u00dcberblick \u00fcber seine Alben und das Oeuvre seines Labels Jive Music:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Rens-Newland-Fonk-Is-My-Fate.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3603\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Rens Newland \u2013 Fonk Is My Fate \u2013 Jive Music 1999<br><br>Der Titel ist Programm: Gruppiert um sich abwechselnde zwei Bassisten, zwei Schlagzeuger und einen Fl\u00f6tisten generiert Newland einen frickeligen Jazzfunk, garniert mit Afrobeats, Jazzrock, Flamenco, Slapbass und gesprochenen Passagen. Hier klingt das Progressive am deutlichsten an, wenn die Tracks rhythmisch herausfordern, die Gitarren wohlige Soli vom Stapel lassen und die St\u00fccke vor lauter Gefrickel keine Ende brauchen. Die Texte lie\u00df sich Newland von dem kanadischen S\u00e4nger Lionel Lodge verfassen und einsprechen, die afrikanischen Anteile streuten Moses Afaenyi und Mani Obeya ein. In der Mitte, in \u201eL\u2018\u00c9tranger\u201c, w\u00e4hnt man sich nachts in einer Jazzbar nach der Sperrstunde, wenn nur noch die Verlorenen an der Theke lehnen. Einige Parts h\u00e4tten so auch Anfang der Achtziger bei H\u00f6rspielen des Europa-Labels Verwendung gefunden haben k\u00f6nnen. So viele Stimmungen auf so engem Raum, so viele abenteuerliche Richtungswechsel!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Lionel-Lodge-Rens-Newland-The-Rock-Quartet-Live-In-Vienna.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3604\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Lionel Lodge &amp; Rens Newland \u2013 The Rock Quartet Live In Vienna (The Covers CD) \u2013 Scoop Records 2006<br><br>Und ab in den Irish Pub: Dieses Album schmeckt nach Guinness. Mit seinem kanadischen Freund und S\u00e4nger Lionel Lodge transferiert Newland bekannte Hits aus der Rockhistorie in einen eigenen Sound, und zwar einen, den man in diesen Songs nicht erwartet h\u00e4tte. Das mag vorrangig daran liegen, dass den Part des Basses hier eine Tuba \u00fcbernimmt, gespielt von Markus Weissenbach. Der Vierte im Bunde ist Schlagzeuger Georg Beck. Zusammen lassen sie die Hits in einem eher akustischen Gewand erklingen, der zweite Punkt, der aus dem St\u00fccken das Unbekannte kitzelt. Der gro\u00dfe Unterschied zu einer bierseligen Pubcombo ist aber, dass alle vier Musiker ihre Instrumente h\u00f6rbar grandios beherrschen. Sie schrammeln die Songs nicht einfach zum Mitgr\u00f6len herunter, sondern rearrangieren sie, erweitern sie um Soli, ver\u00e4ndern Tempo oder Stimmung, intonieren die Texte anders, bringen eine komplett eigene Energie ein und behandeln selbst den ausgenudeltsten Schlager mit allergr\u00f6\u00dfter Ernsthaftigkeit. Im Reigen solcher Kneipenklassiker wie \u201eRing Of Fire\u201c von Johnny Cash, \u201eProud Mary\u201c von CCR, das hier mitrei\u00dfend vergniedelte \u201eTicket To Ride\u201c von den Beatles oder \u201eKnocking On Heaven\u2018s Door\u201c von Bob Dylan erstaunen eher ungew\u00f6hnliche Songs wie das hier epische \u201eLosing My Religion\u201c von R.E.M. (nicht \u201eLoosing\u201c, tse!) oder das in den uns\u00e4glichen Radiohit \u201eSave Tonight\u201c von Eagle Eye Cherry eingewebte \u201eThe Passenger\u201c von Iggy Pop. Ein Riesenvergn\u00fcgen f\u00fcr den H\u00f6rer (live mitgeschnitten laut Info bei einem Wiener Heurigen, \u00fcbrigens, nicht im Pub, aber das funktioniert eben \u00fcberall gut) und eine gro\u00dfe Ehre f\u00fcr alle Gecoverten. Diese Tuba aber auch!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Ostinato-Slowwalker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3605\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ostinato \u2013 Slowwalker \u2013 Jive Music 1985\/2017<br><br>Die Entstehungszeit h\u00f6rt man deutlich heraus: Dieser instrumentale Fusion-Jazzfunk tr\u00e4gt die Achtziger in sich; das Schlagzeug klingt derbe nach E-Drums und einige Bl\u00e4ser nach Synthesizer. Und das, obwohl an diesem Album haufenweise Bl\u00e4ser beteiligt waren, ein Trompeter und zwei Saxophonisten n\u00e4mlich, und dennoch wollte man auf die damaligen Neuerungen der Technik nicht verzichten und setzte eben auch Keyboards ein. So garnierten Ostinato ihren ebenfalls zeitgen\u00f6ssischen verfunkten und sehr verfrickelten Jazzrock mit Elementen aus dem Synthiepop, aber selbst in den balladesken St\u00fccken nicht im Hitparadenstil, sondern eher wie die Golden Palominos damals, als indem sie die Sounds zwar verwendeten, sie aber in ihre komplexen Arrangements einbanden. Die Ostinato hier auch mal mit karibischen Rhythmen unterf\u00fctterten oder in einen an Maceo Parker erinnernden freidrehenden Funk driften lassen. Die K\u00f6pfe dieser Band sind hier Newland und Schlagzeuger Tommy B\u00f6r\u00f6cz, auf diesem zweiten Album wechselte die Besetzung einmal durch. Diese Wiederver\u00f6ffentlichung mit einem Bonus-Track erschien anl\u00e4sslich der Produktion eines vierten Albums 2017, nach 30 Jahren Pause. Trotz der typischen Sounds \u00fcberwiegend erstaunlich zeitlose Kompositionen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Roland-Stonek-Waltz-For-Jonathan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3606\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Roland Stonek \u2013 Waltz For Jonathan \u2013 Jive Music 2020<br><br>Eines der wohl j\u00fcngsten Produkte auf Jive Music klingt, als w\u00e4re es sogar viel \u00e4lter als das Label, und stammt von Roland Stonek, der die Tradition der Jazz-Funk-Fusion Newlands im weitesten Sinne aufgreift und mitnichten Walzer daraus macht, sondern in Richtung Swing dr\u00e4ngt. Stonek begleitete diverse \u00f6sterreichische Szenegr\u00f6\u00dfen im Studio und auf B\u00fchnen und stellt sich hier mit seinem Solo-Deb\u00fct vor, f\u00fcr das er eine Trio-Formation w\u00e4hlte, die er um eine Bl\u00e4sersektion erweiterte. Dieses Trio nun besteht aus Gitarre, Schlagzeug und Orgel und setzt damit schon mal akustische Ausrufezeichen, und wenn dazu noch die vier Bl\u00e4ser tirilieren und tr\u00f6ten, wird der Sound so richtig fett. Stoneks erkl\u00e4rtes Vorbild ist Jazzgitarrist Wes Montgomery, in dessen Tradition er dieses Album sieht. Das Septett spielt behutsam, aber nachdr\u00fccklich; es passiert eine Menge in den instrumentalen Tracks, und doch wirken sie nicht \u00fcberfrachtet, vielmehr erfreut man sich an der Ideenvielfalt, die Gitarre, Schlagzeug, Orgel (Hammond B3!) und Bl\u00e4ser einander gew\u00e4hren. Die Mucke groovt, man mag den Hardbop herausahnen, sich an Fernsehunterhaltung vergangener Zeiten erinnert f\u00fchlen und grunds\u00e4tzlich gro\u00dfe Freude an diesem aus der Zeit gefallenen Album finden. Highlight ist das aus einem Siebziger-Krimisoundtrack geklaute St\u00fcck mit dem Aha-Effekt-Titel \u201eThe Big Band Theory\u201c. Und bei Jonathan handelt es sich offenbar um Stoneks Sohn.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/The-Organ-Champs-Turn-It-On.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3607\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>The Organ Champs \u2013 Turn It On \u2013 Jive Music 2020<br><br>In eine vergleichbare musikalische Kerbe schlagen The Organ Champs, vier etablierte \u00f6sterreichische Jazzmusiker, die ebenfalls die Hammond-B3-Orgel und immerhin einen Bl\u00e4ser zu Gitarre und Schlagzeug gesellen. Auch dieses Quartett bevorzugt Hardbop, Swing und Funk, klingt aber aufgrund reduzierterer Bl\u00e4serzahl weniger fett, l\u00e4sst daf\u00fcr eben der Orgel noch mehr Raum. Auch \u201eTurn It On\u201c k\u00f6nnte schon einige Jahrzehnte mehr auf dem Buckel haben, doch an dem leicht nerv\u00f6sen Groove h\u00f6rt man die Neuzeit heraus. Bemerkenswert, wenn die Instrumente mal die Melodie vorgeben oder ein Solo intonieren, und dann unerwartet einen Schritt zur\u00fccktreten, um f\u00fcr andere als reduzierte Akzentsetzer zu agieren. So wirken die St\u00fccke demokratisch, jeder Musiker bekommt die B\u00fchne, die er ausf\u00fcllen kann, und bietet sie den anderen gleicherma\u00dfen. Die Champs k\u00f6nnen Chill-Out so gut wie das Durcheinander, aber am besten den beschwingten Kopfnicker-Groove. Eher Rotwein als rauchiger Whisky, eher gute Laune als Exaltiertheit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"117\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Rens-Newland-Tribe-Trio-Tracks.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3608\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Rens Newland \u2013 Tribe Trio Tracks \u2013 Jive Music 2020<br><br>Das letzte Wort hat der Labelchef: Die \u201eTribe Trio Tracks\u201c widmet Newland seinen Kindern und Enkeln, jedes der zw\u00f6lf St\u00fccke ist einem von ihnen gewidmet. Da kommt was zusammen! Und das Trio ergibt sich daraus, dass sich der Gitarrist noch ganz klassisch einen Schlagzeuger und einen Bassisten holt, um seinen Stammbaum zu vertonen. Diese Tracks stellen eine reduzierte Neuaufnahme des vorherigen Albums \u201eFamily Trax\u201c dar, umgesetzt mit seinen Begleitern, die mit ihm schon vor \u00fcber 20 Jahren den \u201eFonk\u201c hatten, n\u00e4mlich Willi Langer und Oliver Gattringer; da schlie\u00dft sich der Kreis. Dieser Jazz tr\u00e4gt wieder die Spuren des Progressiven, wie man es von Newland kennt. In den Tracks \u00fcbertr\u00e4gt der Komponist die tragenden Charakterz\u00fcge dieser zw\u00f6lf Familienmitglieder in instrumentale Musik; da sprechen die Titel eine klare Sprache: \u201eWild Coolness\u201c ist mit verzerrter Gitarre und Scratches seinem Enkel Youri gewidmet, \u201eSweet Litle Devil\u201c seiner rockenden Enkelin Rivka, sein Sohn Ren\u00e9 ist der frickelig funkende \u201eCreative Guy\u201c. So vielf\u00e4ltig wie die Personen sind entsprechend auch die St\u00fccke, da springt Newland in den Genres und offenbart seine Souver\u00e4nit\u00e4t auf allen Feldern, nicht nur in Jazz und Funk, auch im Swing, im Rocksong, in der Popballade. F\u00fcr den Vergleich m\u00fcsste man nat\u00fcrlich das Originalalbum auch unbedingt h\u00f6ren, doch funktionieren die \u201eTribe Trio Tracks\u201c auch f\u00fcr sich ausgezeichnet.<br><br><a href=\"http:\/\/jivemusic.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">jivemusic.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.11.2020) Von Prog \u00fcber Kneipenrock, Swing und Jazz bis Funk und Afrobeat: Mit einem beachtlichen Genrespektrum \u00fcberrascht der Gitarrist und Labelbetreiber Rens Nieuwland. 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