{"id":3598,"date":"2020-11-19T21:04:39","date_gmt":"2020-11-19T20:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3598"},"modified":"2020-11-19T21:04:39","modified_gmt":"2020-11-19T20:04:39","slug":"toundra-das-cabinet-des-dr-caligari-inside-out-sony-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/toundra-das-cabinet-des-dr-caligari-inside-out-sony-2020\/","title":{"rendered":"Toundra \u2013 Das Cabinet des Dr. Caligari \u2013 Inside Out\/Sony 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Toundra-Das-Cabinet-des-Dr.-Caligari.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3599\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (19.11.2020)<br><br>Da kann man ganz tief abtauchen und entspannen, eine Wohltat in diesen Zeiten. Die spanischen Instrumental-Postrocker Toundra nehmen auf diesem angenommenen Soundtrack zu dem nun genau einhundert Jahre alten Film \u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c dem Postrock auf weiten Strecken das Schlagzeug und legen den Fokus mehr auf das genretypische wavige Gitarrendudeln. Nach den rockigen Alben \u201e(IV)\u201c und \u201eVortex\u201c sowie insbesondere dem emotional \u00fcberw\u00e4ltigenden Exquirla-Projekt war dieser R\u00fcckzug ins Leise nicht zu erwarten, gef\u00e4llt aber bestens, sobald man sich darauf einl\u00e4sst, den Weg mitzugehen. Ein gottlob kitschfreier H\u00f6hepunkt der anstehenden Jahresbestenlisten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Man erkennt Toundra am Sound und an einigen Akkordfolgen. Da kann es noch so viele Postrockbands auf der Welt geben, die alle vergleichbare Anteile in Aufbau und Sound ihrer Tracks tragen, aber Toundras Gitarren haben einen typisch warmen Sound und transportieren vertraute Melodien, die man in einigen Einzelf\u00e4llen eben doch von den vorherigen Alben schon kennt. Emotionen, latenter Pathos, eine gelegentliche N\u00e4he zu Progressivit\u00e4t und H\u00e4rte, wom\u00f6glich die iberische gebremste Hei\u00dfbl\u00fctigkeit, aber eben null Kitsch: Toundra erheben sich eigen aus der Menge der Genrekollegen.<br><br>Auf diesem Album fehlt zumeist die Wucht des Schlagzeugs und damit eine bestimmte Art, die Tracks zu strukturieren, zu verschachteln, ihnen eine Komplexit\u00e4t und eine Wandelbarkeit mitzugeben, die dieser Soundtrack wohl schlichtweg nicht erfordert. Hier geht es um Atmosph\u00e4ren, um Kontinuit\u00e4t, um allm\u00e4hlichen Aufbau, um gem\u00e4chlichen Wechsel, um Dunkelheit, um Wiederholung, um Stimmungen und Gef\u00fchle, partiell auch um gro\u00dfe Gesten, versehen mit dem f\u00fcr Postrock typischen und dem Shoegaze entlehnten Gitarrenflirren. \u00dcberraschungen bringt die Band nicht vordergr\u00fcndig unter, zumindest nimmt man sie nicht gleich wahr, weil man sich zun\u00e4chst in das Leise, Weiche fallen l\u00e4sst und erst im Verlauf entdeckt, was in den Tracks dann doch noch alles passiert. Denn so ganz frei von Schlagzeug, wie man zun\u00e4chst annimmt, ist es dann doch nicht. Es schleicht sich immer mal wieder dezent ein, und pl\u00f6tzlich und ganz kurz, zweimal im \u201eV. Akt\u201c, \u00fcbernimmt es den Track wie bei Toundra \u00fcblich, dann rei\u00dfen sogar angedeutete Gitarrengewitter den H\u00f6rer aus dem Flow, da k\u00f6nnte man dann von diesem Album tats\u00e4chlich leicht als \u201e(VI)\u201c sprechen.<br><br>Und wenn dann pl\u00f6tzlich Glockenschl\u00e4ge dr\u00f6hnen und das Klavier dem Gruselfilm angemessene tiefe T\u00f6ne anschl\u00e4gt, ahnt man, dass man sich dazu vielleicht wirklich einmal den originalen schwarzwei\u00dfen Stimmfilm angucken sollte. Der feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, aus diesem Grunde interpretieren Toundra dieses expressionistische Werk neu und orientieren sich dabei an der Struktur des 72-min\u00fctigen Films, benennen also ihre Tracks nach \u201eTitelsequenz\u201c und den sechs Akten. Was ja passt, schlie\u00dflich sind die Alben Toundras im Grunde auch r\u00f6misch durchnummeriert (\u201eVortex\u201c tr\u00e4gt die 5 am Anfang) und das vorliegende ist ihr sechstes \u2013 nur hoffentlich nicht ihr letztes. Auf ein zweites Exquirla-Album ist au\u00dferdem sehr zu hoffen.<br><br>Das Album gibt es in diversen F\u00e4rbungen auf Vinyl, als Doppel-LP mit einer beigef\u00fcgten CD. Und wer jetzt \u201eHeroes del Silencio\u201c sagt, nur weil Toundra eine wavige Gitarrenband aus Spanien sind, darf sich zwischen zwei Welten stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.11.2020) Da kann man ganz tief abtauchen und entspannen, eine Wohltat in diesen Zeiten. Die spanischen Instrumental-Postrocker Toundra nehmen auf diesem angenommenen Soundtrack zu dem nun genau einhundert Jahre alten Film \u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c dem &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/toundra-das-cabinet-des-dr-caligari-inside-out-sony-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,16],"tags":[],"class_list":["post-3598","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3598"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3600,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598\/revisions\/3600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}