{"id":3595,"date":"2020-11-18T22:11:40","date_gmt":"2020-11-18T21:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3595"},"modified":"2020-11-18T22:11:40","modified_gmt":"2020-11-18T21:11:40","slug":"dan-yell-hirnfick-scheusal-ich-dan-yell-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dan-yell-hirnfick-scheusal-ich-dan-yell-2020\/","title":{"rendered":"Dan Yell \u2013 Hirnfick, Scheusal &#038; ich \u2013 Dan Yell 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"163\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Dan-Yell-Hirnfick-Scheusal-ich.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3596\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.11.2020)<br><br>Nach der Lekt\u00fcre dieses B\u00fcchleins h\u00e4tte der Rezensent dem Autoren davon abgeraten, es zu ver\u00f6ffentlichen. In \u201eHirnfick, Scheusal &amp; ich\u201c macht Dan Yell seine Sicht auf eine toxische Beziehung zu einem anderen Punkmusiker \u00f6ffentlich und legt sein Inneres offen. F\u00fcr ihn ist es Verarbeitung, f\u00fcr den Genannten wom\u00f6glich Provokation sowie f\u00fcr den Leser eine Art Brief mit der Nacherz\u00e4hlung der Geschichte und einer von sehr vielen Varianten, mit so etwas umzugehen \u2013 jedoch nicht in aller Augen die beste. Als psychologisches Lehrst\u00fcck f\u00fcr die subjektive Auseinandersetzung mit Mobbing ist es passabel, als Hilfestellung nur bedingt. Dem B\u00fcchlein liegt wahlweise eine CD oder ein Tape mit der Punk- und Wave-Musik bei, die im Text Erw\u00e4hnung findet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage ist \u2013 leider \u2013 sicherlich vielen Menschen vertraut: Man vertraut einem Menschen, der einen abrupt und unvermittelt entt\u00e4uscht. Das kann unter Umst\u00e4nden sehr verletzen, und dann muss man mit dieser Verletzung und der Situation umgehen. M\u00e4nner, die ihre Verletzlichkeit offen zeigen, sind leider viel zu selten; viel Elend bliebe der Menschheit ansonsten erspart. Wom\u00f6glich ist das Verhalten des Widerparts in dieser Geschichte ebenfalls einer verdeckten Verletzlichkeit geschuldet; destruktiv und damit zu verurteilen bleibt sie jedoch.<br><br>Den Ich-Erz\u00e4hler im vorliegenden Text indes m\u00f6chte man davor bewahren, mit der Ver\u00f6ffentlichung seine Verletzlichkeit derart publik zu machen, und ihm zu einer anderen Art der Aufarbeitung raten. Er w\u00e4hlt hier n\u00e4mlich zun\u00e4chst den Weg der Kommunikation, der Friedensstiftung, der Schlichtung, der Rechtfertigung, was grunds\u00e4tzlich gute Ideen sind, und holt sich damit bei der von ihm als \u201eScheusal\u201c benannten Person doch immer wieder eine blutige Nase. Das \u201eScheusal\u201c diffamiert den Erz\u00e4hler in der \u00d6ffentlichkeit, und sobald er etwas dagegenhalten will, triumphiert das \u201eScheusal\u201c doch nur wieder, mit L\u00fcgen, Verdrehungen, Gro\u00dfmannssucht. Was kann man da also tun? Der Erz\u00e4hler rennt immer wieder dagegen an, will einseitige Betrachtungen des \u201eScheusals\u201c richtigstellen, will irgendwie einen Frieden finden. Doch das \u201eScheusal\u201c teilt diesen Willen offenkundig nicht. Die L\u00f6sung f\u00fcr den davon schier depressiv werdenden Erz\u00e4hler ist, in seiner Phantasie das \u201eScheusal\u201c zu erw\u00fcrgen und dann mit der Geschichte endg\u00fcltig durch zu sein. Vermeintlich, denn ansonsten g\u00e4be es dieses Buch ja nicht.<br><br>Denn die Geschichte trug sich tats\u00e4chlich genau so zu. Dieses \u201eScheusal\u201c l\u00e4sst sich auch ohne Vorwissen mit etwas Google recht schnell identifizieren, was den Text und damit den Autoren angreifbar macht. Nach Frieden sieht es jedenfalls nicht aus, wenn man den Gegenpart in Buchform der L\u00fcge, der Manipulation, der Vereinnahme bezichtigt, sich selbst aber als den Guten, das Opfer gar, darstellt und dann festlegt, der Dialog sei nach dieser Auslassung beendet. Daf\u00fcr ist der Handlungsraum (Wolfsburg) viel zu klein, als dass es da nicht zu neueren Begegnungen kommen k\u00f6nnte. Das ist weder \u201ePunk zum Lesen\u201c, wie es das Titelbild sagt, sondern vielmehr eine pers\u00f6nliche Abrechnung, noch ist es f\u00fcr jeden Betrachter psychologisch geschickt.<br><br>W\u00e4hrend der Lekt\u00fcre f\u00fchlt man sich \u2013 selbst als fiktive Prosa betrachtet \u2013 an fr\u00fche Horrorfilmzuschauer erinnert, die dem Filmopfer im Kino immerfort zurufen: Geh da nicht lang! Man m\u00f6chte ebenso ab dem zweiten, dritten im Text geschilderten Vorfall dem Autoren sagen: Lass doch! Ist doch gut jetzt. Was juckt es den Baum, wenn sich der Eber an ihm kratzt. Aufrappeln, Krone gerader\u00fccken, weitermachen. Mit diesem Schriftst\u00fcck bekommt das \u201eScheusal\u201c nur wieder eine B\u00fchne, die eigentlich der Autor haben m\u00f6chte. Sicherlich sind viele Menschen dieser Form von Cyber- und sonstigem Mobbing ausgesetzt, sicherlich wissen viele nicht damit umzugehen. Ein herbeifantasierter Mord als L\u00f6sung indes sei nicht eben empfohlen, da braucht es bessere Werkzeuge, damit leben zu lernen, dass es solche Energievampire auf der Welt einfach gibt.<br><br>Interessant an der Geschichte ist indes der \u201eHirnfick\u201c-Anteil: Dabei handelt es sich um eine fig\u00fcrlich angenommene Instanz des Autoren, die ihm Fl\u00f6he ins Ohr setzt; die klassischen Engelchen und Teufelchen in Personalunion, also sinnvolle wie unsinnige Aspekte hervorbringend, auf die der Erz\u00e4hler reagiert, indem er ihnen mal nachgibt und sich ihnen mal entgegenstellt; das er\u00f6ffnet aufschlussreiche Einblicke sein Inneres. Zudem strukturiert er den Text in unterschiedlichen Schrifttypen, je nach Quelle: den reinen Erz\u00e4hltext normal, zitierte Emails kursiv, Songtexte fett und ausgew\u00e4hlte zus\u00e4tzliche Passagen auf Karo-Papier.<br><br>Am Soundtrack ist nicht nur der Autor unter seinen weiteren Pseudonymen Dan Scary und Dan45 beteiligt, sondern auch diverse Bands, die er auf diese Weise unterst\u00fctzt. Reinen Punkrock bekommt man hier nicht, und das ist auch gut so; einige der K\u00fcnstler experimentieren ausgiebig mit Elektronik, ganz wie der Autor selbst, und reichern den Punk mit einer geh\u00f6rigen Portion Dunkelheit an. Nicht hingegen handelt es sich bei Dan Yell um den Techno-DJ oder den Dave-Gahan-Impersonatoren gleichen Namens; das sind Zuf\u00e4lle, die sich auf dem Soundtrack aber sicherlich auch gut machen w\u00fcrden. \u00dcberdies hat Dan Yell schon die n\u00e4chsten zwei B\u00fccher in Arbeit, da kommt also noch mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.11.2020) Nach der Lekt\u00fcre dieses B\u00fcchleins h\u00e4tte der Rezensent dem Autoren davon abgeraten, es zu ver\u00f6ffentlichen. In \u201eHirnfick, Scheusal &amp; ich\u201c macht Dan Yell seine Sicht auf eine toxische Beziehung zu einem anderen Punkmusiker \u00f6ffentlich und legt &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dan-yell-hirnfick-scheusal-ich-dan-yell-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,22],"tags":[],"class_list":["post-3595","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch","category-compilation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3595"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3595\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3597,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3595\/revisions\/3597"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}