{"id":3591,"date":"2020-11-13T16:03:05","date_gmt":"2020-11-13T15:03:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3591"},"modified":"2020-11-13T16:03:05","modified_gmt":"2020-11-13T15:03:05","slug":"ermesharms-fingerhut-sireena-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ermesharms-fingerhut-sireena-2020\/","title":{"rendered":"Ermes|Harms \u2013 Fingerhut \u2013 Sireena 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"123\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Ermes-Harms-Fingerhut.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3592\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (13.11.2020)<br><br>Vom Gothic Rock zum Ambient, so geht das mit den abgelegten Scheuklappen: Ein Doppel-Album ver\u00f6ffentlichen Axel Ermes und Hauke Harms, mit eher beatlosem Ambient auf der ersten und entfernt den Industrial anvisierendem Electro auf der zweiten CD. Die Einfl\u00fcsse ihrer ehedem gemeinsamen Band Girls Under Glass lassen sich hier nicht zwingend heraush\u00f6ren, nicht einmal der Umstand, dass einige der Aufnahmen bis ins Jahr 1989 zur\u00fcckreichen \u2013 f\u00fcr diese Sammlung pl\u00fcnderten Ermes|Harms ihre in 30 Jahren und \u00fcber 20 Sessions angeh\u00e4uften Archive und belegen, wie zeitlos solch eine vorwiegend analog generierte Entspannungsmusik doch sein kann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Unaufgeregt und geschlossen, das f\u00e4llt beim ersten H\u00f6ren auf, sind die in Summe zw\u00f6lf Tracks. Bei der ersten CD ist man geneigt, zu sagen, unspektakul\u00e4r; es ist halt Electro ohne Beats und mit spacigem Gedudel, wie man es seit Anbeginn der Berliner Schule und anderer Ambientpioniertaten kennt. Klassische Teppiche indes generiert das Duo selten, sondern verl\u00e4sst sich vielmehr auf sich wiederholende kurze Sequenzen, garniert mit Zisch- oder Sph\u00e4rensounds, gelegentlich angereichert mit beinahe so etwas wie einer Melodie, jedoch nicht im Popsinne, sondern in der Tradition des Ambient, von irgendwo aus dem Kosmos stammend oder wie ein monotones Streichensemble klingend. Es dauert, bis der erste rhythmische Sound einsetzt, und das lediglich beim dritten Track und auch nicht als satter Beat. Nicht vordergr\u00fcndig einlullend, weil daf\u00fcr zu unkitschig, sondern tats\u00e4chlich entspannend ist diese erste CD.<br><br>Die zweite CD r\u00fcttelt einem erstmal die Geh\u00f6rg\u00e4nge durch: Es wird anstrengend, wenn man sich noch in der Wunderwatte aufh\u00e4lt, denn das Duo zelebriert pl\u00f6tzlich einen Electro, der sich recht \u00fcberzeugend vom europ\u00e4ischen Industrial beeinflussen lie\u00df. Ermes und Harms entlocken ihrem Maschinenpark Noise, Verzerrung und Beats, die allesamt quasi \u00fcber dem liegen, was auf der ersten H\u00e4lfte noch rein sch\u00f6n klang, und das Ganze ohne das Tempo anzuziehen, sondern brutal schleppend. H\u00e4sslich ist dies nun mitnichten, im Gegenteil, es ist sogar beinahe erforderlich, dass hier etwas passiert, weil der \u201eFingerhut\u201c ansonsten zwar angenehm, aber wenig besonders daherk\u00e4me. Hier finden Dunkel-und-D\u00fcster-Fans vermutlich noch eher Ber\u00fchrungspunkte, wenngleich diese Form des Industrial auch in der Szene kaum mehrheitsf\u00e4hig ist. Im Verlauf wandeln die beiden Experimentatoren die Sounds etwas ab, werden milder, ber\u00fccksichtigen Tribal-Elemente und kehren letztlich zum zirpenden Ambient zur\u00fcck \u2013 um recht \u00fcberraschend mit einem relativ klar gespielten Prog-Keyboard-St\u00fcck zu schlie\u00dfen.<br><br>Die Aufnahmen verlegte das Hamburger Duo \u00fcber die Jahre \u00fcbrigens aus diversen Studios in Feld- und Wiesenlocations; das Label f\u00fchrt da exemplarisch den Goslarer Rammelsberg, ein Wasserwerk in Billbrook und ein leers Silo in der Nordheide auf. Bei der Titelgestaltung halten sich Ermes und Harms an die Tradition, gekreuzt mit etwas Dominik Eulberg: Die Tracks der ersten CD sind nach Farben und Zahlen (und in der Mitte gemischt: \u201eFarbe 23\u201c) benannt, die auf der zweiten driften ins Fantastische und in die Natur (\u201eM\u00e4rchen 1\u201c, \u201eMargeriten am Bach\u201c) \u2013 da ist es bis zum \u201eFingerhut\u201c nicht weit. Daf\u00fcr aber musikalisch zu den anderen Projekten, an denen Harms und Ermes neben diesem und Girls Under Glass sowie Trauma und Traum-B so beteiligt sind und waren \u2013 ein Who Is Who der Electrogruftmucke: Axel Ermes etwa hat auf seinem Zettel unter anderem The Cassandra Complex, Nefkom und Cancer Barrack, Hauke Harms noch Calling Dead Red Roses stehen, als Beteiligter listet Ermes eine Vielzahl weiterer Bands auf, darunter Wolfsheim und Project Pitchfork.<br><br>Mit \u201eFingerhut\u201c kommt nun also das n\u00e4chste gemeinsame Kapitel hinzu \u2013 und sicherlich nicht das letzte: Offenbar h\u00e4uften die beiden in 30 Jahren 75 Stunden Material an, und darunter finden sie bestimmt noch mehr, das f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung taugt. Ansonsten h\u00f6ren wir sie eben in 30 Jahren mit der Fortsetzung wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.11.2020) Vom Gothic Rock zum Ambient, so geht das mit den abgelegten Scheuklappen: Ein Doppel-Album ver\u00f6ffentlichen Axel Ermes und Hauke Harms, mit eher beatlosem Ambient auf der ersten und entfernt den Industrial anvisierendem Electro auf der zweiten &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ermesharms-fingerhut-sireena-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3591","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3591"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3591\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3593,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3591\/revisions\/3593"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}