{"id":3568,"date":"2020-10-21T22:10:08","date_gmt":"2020-10-21T20:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3568"},"modified":"2020-10-21T22:10:08","modified_gmt":"2020-10-21T20:10:08","slug":"dizzy-mizz-lizzy-alter-echo-columbia-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dizzy-mizz-lizzy-alter-echo-columbia-2020\/","title":{"rendered":"Dizzy Mizz Lizzy \u2013 Alter Echo \u2013 Columbia 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Dizzy-Mizz-Lizzy-Alter-Echo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3569\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (21.10.2020)<br><br>Was kommt nach dem jugendlichen Sturm und Drang, wenn dieser bereits 25 Jahre zur\u00fcckliegt? Schwermut, Wehklagen und ein gewisser Starrsinn? Dizzy Mizz Lizzy klingen auf ihrem vierten Album, dem zweiten nach zwei Jahrzehnten Studiopause, im Grunde wie fr\u00fcher, nur: nicht mehr so komplex, nicht mehr so latent heavy auf den Punkt gespielt, daf\u00fcr raumgreifend, man k\u00f6nnte sagen: kitschig, und schmerzvoll, man k\u00f6nnte sagen: jammernd. Ihren unterschwellig progressiven Indierocksound haben sie beibehalten, man erkennt das D\u00e4nische Trio also allein am Sound sofort wieder. Doch als so richtig erforderlich empfindet man \u201eAlter Echo\u201c leider nicht, es wirkt wie unter Zwang eingespielt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der dritte Song, \u201eBoy Doom\u201c, tr\u00e4gt erst so richtig die Insignien Dizzy Mizz Lizzys, f\u00fcr die man sie Mitte der Neunziger entdeckte und liebte: unvorhersehbar hakenschlagende Gesangsmelodien, diesen folgende komplexe Gitarren-Rhythmus-Strukturen und eine gewisse H\u00e4rte. Gleichzeitig offenbart er, wohin es das Trio heute verschlagen hat: Der Sound ist weicher, bald opulenter, und das Tempo h\u00e4lt l\u00e4ngst nicht mehr mit dem der fr\u00fchen Tage mit. Und dann erinnert man sich, dass auch Songs wie \u201eLove Is A Loser\u2019s Game\u201c vom 1994er Deb\u00fct schon solche Emo-Anfl\u00fcge hatten, aber klarer, kantiger rockten. So etwas knackig Verschachteltes wie \u201e\u2026And So I Did\u201c wie auf dem Deb\u00fct wiederum findet man gar nicht mehr auf \u201eAlter Echo\u201c.<br><br>Stattdessen folgt mit \u201eThe Middle\u201c ein melodramatischer Schlager, auf dem Tim Christensen seine Stimme in geh\u00f6rnervende H\u00f6hen presst. Auch das war eigentlich schon immer gegeben, dass des S\u00e4ngers Organ etwas zu hoch f\u00fcr die Musik klang, aber gerade das machte damals den Reiz aus, weil es als Kontrast hervorragend funktionierte. Hier indes hat man eher den Eindruck, von seinen Emotionen maltr\u00e4tiert zu werden, weil die Musik ihnen zu \u00e4hnlich ist. Je tiefer er aber singt, desto angenehmer f\u00fcgt sich die Stimme in den Sound; in \u201eCalifornia Rain\u201c etwa gibt es eine Bridge, die dies angenehm untermauert.<br><br>Aber dann ist Christensen ja auch noch Musiker, Gitarrist n\u00e4mlich, und auch Schlagzeuger S\u00f8ren Friis und Bassist Martin Nielsen sind welche, und das belegen sie, indem weite Passagen des Albums in den Progrock driften, in den f\u00fcr Erwachsene inzwischen allerdings, den bequem eingerichteten, nicht mehr den herausfordernden. Da kommen dann wieder die F\u00e4higkeiten zur komplexen Komposition zum Tragen, mit den altersbedingt zur\u00fcckgefahrenen Eigenschaften. Was darin gipfelt, dass die B-Seite respektive die zweite H\u00e4lfte des Albums ein f\u00fcnfgeteilter Track namens \u201eAmelia\u201c darstellt, mit musikalisch spannenden instrumentalen Passagen, \u00fcberraschenden Stimmungswechseln, einer zugrundeliegenden Dramaturgie, latenter Dudeligkeit und einer abschlie\u00dfenden \u00dcppigkeit, die inklusive Chor den Kitsch nicht nur schrammt.<br><br>Es bleibt ein schales Gef\u00fchl, sobald der letzte Ton verklingt, so oft er dies auch mag. \u201eDizzy Mizz Lizzy\u201c und \u201eRotator\u201c waren 1994 und 1996 knackige Spezialit\u00e4ten, deren Explosionskraft auch weit \u00fcber die Grenzen D\u00e4nemarks hinaus effektiv war. Eine Live-Reunion vor zehn Jahren war eine gefeierte Nummernrevue der gealterten Stars, der jene wohl nicht ohne den Ansporn neu erbl\u00fchter Kreativit\u00e4t begegnen wollten, und so gibt es eben nun bereits genau so viele Studioalben seitdem wie davor. Technisch scheint dies jedoch nicht einmal mehr auf der H\u00f6he dessen zu sein, was Tim Christensen seit dem Jahr 2000 solo auf die Beine gestellt hatte; da waren seine Songs zwar auch etwas gef\u00e4lliger als die mit Dizzy Mizz Lizzy, aber ebenso komplex und knackig. Und das fehlt hier. Vielleicht ruhen sich Dizzy Mizz Lizzy etwas zu sehr auf dem Status der gr\u00f6\u00dften Rockband D\u00e4nemarks aus \u2013 und sollten den einfach wieder an D-A-D zur\u00fcckgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.10.2020) Was kommt nach dem jugendlichen Sturm und Drang, wenn dieser bereits 25 Jahre zur\u00fcckliegt? Schwermut, Wehklagen und ein gewisser Starrsinn? 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