{"id":3515,"date":"2020-08-29T01:50:11","date_gmt":"2020-08-28T23:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3515"},"modified":"2020-08-29T01:51:50","modified_gmt":"2020-08-28T23:51:50","slug":"tenet-christopher-nolan-usa-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tenet-christopher-nolan-usa-2020\/","title":{"rendered":"Tenet \u2013 Christopher Nolan \u2013 USA 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (29.08.2020)<br><br>\u201e12 Monkeys\u201c 2020: In diesem Zeitparadoxonfilm hat alles f\u00fcr den sp\u00e4teren Verlauf eine Bedeutung, und allein f\u00fcr das komplexe Drehbuch muss man \u201eTenet\u201c schon feiern. Auch wenn man nicht alles sofort erfasst, hinterl\u00e4sst der Film doch den Eindruck, schl\u00fcssig zu sein, und das steigert den Genuss. Christopher Nolan mixt die Genres und wagt aberwitziges Neues in einem abgegriffenen Metier. Wer gut aufpasst, hat mehr davon, und wer dies nicht beherzigt, wird sich vermutlich langweilen. F\u00fcr den aufmerksamen Zuschauer ist dies ein beachtliches St\u00fcck Hollywood.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>An diesem Film gibt es so viel zu entdecken! Der Protagonist hei\u00dft hier einfach nur Der Protagonist, \u00e4hnlich wie bei \u201eHardcore Henry\u201c, und der gebiert sich wie eine Mischung aus James Bond und Superheld, k\u00f6rperlich nahezu unantastbar und geistig so sehr auf der H\u00f6he, dass er von Spezialisten im Vorbeigehen abgesonderte Physikexkurse stante pede beherzigt. Mit dem Auftrag, nichts weniger als den dritten Weltkrieg zu verhindern, sieht er sich mit einem absonderlichen Ph\u00e4nomen konfrontiert, n\u00e4mlich mit Gegenst\u00e4nden, die aus der Zukunft stammen und in der Zeit r\u00fcckw\u00e4rts existieren. Pistolenkugeln fliegen etwa nach dem Abfeuern aus dem Ziel in die Waffe. Der Protagonist macht sich auf die \u00e4u\u00dferst dringliche Suche nach dem Urheber dieser Merkw\u00fcrdigkeiten, da sich schnell herausstellt, dass jener die Ausrottung der Menschheit auf seiner Agenda stehen hat.<br><br>Nolan fordert von seinem Protagonisten und von seinem Publikum die volle Aufmerksamkeit. Zun\u00e4chst startet er \u201eTenet\u201c noch wie einen Film der \u201eJames Bond\u201c-Reihe: Ein smarter Agent parliert sich onelinernd durch eine verschworene internationale Gesellschaft, versucht, hinter Geheimnisse zu kommen, und dringt wie bei \u201eMission Impossible\u201c in unzug\u00e4ngliche R\u00e4ume vor. Bis dahin erscheint \u201eTenet\u201c sogar beinahe banal und profillos, trotz vereinzelter R\u00fcckw\u00e4rtssequenzen, doch sobald der grundb\u00f6se \u2013 man erkennt dies an den schwarzen Augen \u2013 Russe Andrei ins Spiel kommt, geht der Tanz los. Bilderdiebstahl in Oslo, Erpressung in Vietnam, Spurensuche in Indien, Krieg in Russland, Verfolgungsjagden in Estland \u2013 und alles durchsetzt mit Zeitr\u00fcckw\u00e4rtsmomenten, die sich teilweise direkt, teilweise erst im Verlauf sinnstiftend aufdecken. Wer sich da mit wem eine wilde Hatz auf der Autobahn liefert, wer da in einer atomar verseuchten Stadt wem hilft, wer \u00fcberhaupt hinter der ganzen Aktion steckt \u2013 der Film liefert ebenso viele beeindruckende Aha-Momente, wie er kaum weniger attraktive Offensichtlichkeiten in Kauf nimmt.<br><br>Dar\u00fcber l\u00e4sst sich vortrefflich debattieren, wie schl\u00fcssig nun welche Darstellung sein mag. Die Kampfszene in Oslo etwa wirkt unk\u00e4mpferisch, bis man jedoch begreift, warum nur einer der Beteiligten k\u00e4mpfen mag und dass der andere sich r\u00fcckw\u00e4rts bewegt. Nolan inszeniert dies nicht, wie man es aus Hollywood kennt, sondern eher realistisch, auf eine Weise, die vielen Zuschauern befremdlich vorkommt. Daf\u00fcr wagt er eben etwas Eigenes, etwas, das man noch nie zu sehen bekommen hat; ebenso explodierende H\u00e4user, die sich rekonstruieren, oder Bombeneinschl\u00e4ge, die gleichzeitig vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts laufen. Da zieht der Regisseur alle Register und l\u00e4sst alle m\u00f6glichen Genres der Filmgeschichte anklingen, vom Agentenfilm \u00fcber das Familiendrama bis zu Kriegsfilm, \u201eMatrix\u201c, Western (die \u201eCowboyschei\u00dfe\u201c im Mexican Standoff am Schluss) und \u201eDer Marsianer\u201c.<br><br>Dabei fungiert die Sequenz in der R\u00fcckw\u00e4rtsmaschine wie der Spiegel innerhalb des Films: Von da an erkl\u00e4ren sich die Geschehnisse der eher langweiligen ersten H\u00e4lfte, die diese r\u00fcckblickend unlangweilig machen. Dieser Moment macht au\u00dferdem aus dem wortgewandten Protagonisten die reine Kampfmaschine, an die Stelle des Humors tritt die Action \u2013 die jedoch, symptomatisch f\u00fcr den Film, etwas zu emotionslos dargestellt ist, so wie man auch zu den an sich ausgezeichnet erarbeiteten Figuren kaum einen Bezug findet. Einige Fragezeichen schleppt man ebenfalls bis ans Ende mit, wer wo was wann wie geschehen l\u00e4sst oder was zum Henker ein Algorithmus in physischer Form \u00fcberhaupt sein soll. Was aber alles nicht so schlimm ist, weil die Story einfach packt. Und die Hauptfigur einfach grandios gew\u00e4hlt ist. Und weil die Effekte nicht wie leider zu oft \u00fcblich wie billig zusammengerechnetes CGI wirken; r\u00fcckw\u00e4rts fliegende M\u00f6wen unter sich vorw\u00e4rts bewegenden Menschen sind da nur das kleinste Beispiel. Und weil die Musik dazu stimmt, n\u00e4mlich einmal nicht das Hans-Zimmer-Gedudel, sondern beinahe industrialartiges Electro-Gewummer. Und auch die \u00dcberl\u00e4nge merkt man nicht, eher im Gegenteil, bisweilen w\u00fcnscht man sich mehr atmosph\u00e4rische Momente, Nolan hetzt durch das Programm. Aber es ist eben auch ein gutes. Zu dem der Titel passt, nicht nur inhaltlich, sondern auch formal, als Palindrom, wie auch der Film eines ist. Man darf gespannt sein auf die nachtr\u00e4glichen Ausarbeitungen der Zeitreiseproblematiken in \u201eTenet\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.08.2020) \u201e12 Monkeys\u201c 2020: In diesem Zeitparadoxonfilm hat alles f\u00fcr den sp\u00e4teren Verlauf eine Bedeutung, und allein f\u00fcr das komplexe Drehbuch muss man \u201eTenet\u201c schon feiern. 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