{"id":3479,"date":"2020-07-20T21:07:56","date_gmt":"2020-07-20T19:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3479"},"modified":"2020-07-20T21:07:56","modified_gmt":"2020-07-20T19:07:56","slug":"bob-dylan-rough-and-rowdy-ways-columbia-records-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bob-dylan-rough-and-rowdy-ways-columbia-records-2020\/","title":{"rendered":"Bob Dylan \u2013 Rough And Rowdy Ways \u2013 Columbia Records 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bob-Dylan-Rough-And-Rowdy-Ways.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3480\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (20.07.2020)<br><br>Die lebende Legende\u2122 hat ein neues Album: Bob Dylan (79) bringt mit \u201eRough And Rowdy Ways\u201d seine 39. Studioplatte seit 1962 heraus. Die ist voll sch\u00f6n geworden, vornehmlich besinnlich und langsam, dennoch frisch, kraftstrotzend, agil, mit Oldschoolmitteln auf das Amerika (also die USA) der Gegenwart blickend. \u00dcber die Texte des Literaturnobelpreistr\u00e4gers sollen sich die Dylanologen (eine Art Donaldisten f\u00fcr Robert Zimmerman) auslassen, man kann die Doppel-CD auch ohne deren Entkryptung genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nur dreimal in zehn Songs auf 70 Minuten zieht Dylan mit seiner Band das Tempo an, dann kehrt er n\u00e4mlich zur\u00fcck zum Blues, zu sich selbst (\u201eRainy Day Woman\u201c klingt dann an) und zu dem, was man an nordamerikanischer Musik sonst noch so kennt, Country, Folk, und das wiederum gilt auch f\u00fcr die anderen Songs, die eher stillen, zur\u00fcckgenommenen, die seine Begleitmusiker auf eine Art und Weise untermalen, dass man eben mehr zu h\u00f6ren bekommt als nur eine Tapete f\u00fcr einen Wortmagier, nur eben weniger flott. Man sollte sich die Musik von Bob Dylan anh\u00f6ren, sie ist sehr gut und sie ist es wert und man bekommt es mit K\u00fcnstlern zu tun, die wissen, wie man sein Instrument zu bedienen hat und wie man Wortkaskaden begleitet, ohne sie zu \u00fcbert\u00fcnchen oder so sehr in den Mittelpunkt zu r\u00fccken, dass man Piano, Akkordeon, Geige, Gitarre, Bass, Schlagzeug gar nicht mehr heraush\u00f6rt. Es ist eine Rock\u2019n\u2019Roll-Platte, kein unterdudeltes H\u00f6rbuch.<br><br>Dylans Stimme klingt wie eh und je, rauh, gleichzeitig grantelnd und zart, bestimmt, nicht nach einem alten Mann, der er nun mal ist. Nat\u00fcrlich kann man ihm vorwerfen, dass er nicht singen kann, ebenso wenig, wie er seine Mundharmonika beherrscht, die er hier gar nicht so einsetzt, wie man es aus den Songs kennt, \u00fcber die dann gleich gel\u00e4stert wird. Klar, Dylan muss man m\u00f6gen, und wenn man ihn bereits mag, ist der Zugang zu \u201eRough And Rowdy Ways\u201c ein sehr sehr leichter. Mit dieser warmen Musik als Bett f\u00fcr seine Worte.<br><br>\u00dcber die sollen sich andere Gedanken machen. Klar, Dylan zitiert sich den Wolf, das Covermotiv stammt aus den Sechzigern oder so, der Titel von Jimmy Rodgers (\u201eMy Rough And Rowdy Ways\u201c), und doch ist Dylan kein Gestriger, er kennt sich aus mit der Gegenwart und mahnt, dass diese aus der Zukunft eine negative welche machen werde, sollte es so weitergehen; das sind aber alles Infos, die sich beim schlichten Musikgenuss nicht erschlie\u00dfen, da muss man zuh\u00f6ren, Lexika w\u00e4lzen, sich mit Shakespeare und Griechischer Mythologie auskennen, mit aktuellen US-Charts sogar, der Mann hat einen gigantisch weiten Blick, und aber wenn man den nicht auch hat, macht das Album trotzdem Spa\u00df.<br><br>Lustigerweise klingt das Album weit weniger veraltet als die drei davor, auf denen Dylan das Repertoire von Frank Sinatra und des Great American Songbook pl\u00fcnderte. Da war die Musik gef\u00e4llig und glatt, es schien, als habe Dylan den Biss verloren. Hat er aber nicht, er hat offenbar nur Schwung geholt, f\u00fcr sein \u2013 Sensation! \u2013 erstes Album mit eigenen Songs seit 2012, \u201eTempest\u201c hie\u00df das, und mit \u201eRough And Rowdy Ways\u201c setzt er die Linie fort, die er 1997 mit \u201eTime Out Of Mind\u201c startete, seinem Sp\u00e4twerk sozusagen, das \u00fcberhaupt nicht sp\u00e4t klingt, sondern \u00fcberraschend frisch, agil, lebensfroh, jetzig. Dylan wirkt, als sei er sich seiner Pr\u00e4senz bewusst, als st\u00fcnde er in einer Brandung, die er sich von seinen Musikern erschaffen l\u00e4sst, als sagte er, seht her, hier bin ich, und ich habe viel zu sagen, bin relevant, wie immer, und immer wieder und immer weiter, und das mit einer beeindruckenden Leichtf\u00fc\u00dfigkeit.<br><br>Zu diesen Mitmusikern geh\u00f6ren \u00fcbrigens S\u00e4ngerin Fiona Apple, Tom Pettys Heartbreaker Benmont Tench, Schlagzeuger Matt Chamberlain, der schon f\u00fcr Soundgarden, David Bowie, Bruce Springsteen, Tori Amos und Millionen anderer Helden und Nonhelden trommelte, sowie Dylans Langzeitbegleiter Charlie Sexton (seit 20 Jahren) und Tony Garnier (seit 30 Jahren). Und die haben alle Bock auf Muckemachen, so richtig fett, wenn sie sich auch dem Gesamtsound unterordnen und es nicht \u00fcbertreiben, also nicht ausbrechen, wenn es nicht angeraten ist, und so halten sie es eben auch durch, 17 Minuten lang einen einzigen Song zu spielen, die Moritat \u201eMurder Most Foul\u201c, ebenfalls ein Zitat, die Dylan ganz \u00fcberraschend vorab der Welt schenkte, als Single, als erste seit der Verleihung des Nobelpreises, als erste Eigenkomposition seit 2012, bla bla bla. Hey, \u201eRough And Rowdy Ways\u201c ist ein geiles Album, wenn man Bock auf solche Mucke hat und es verknusen kann, dass es mal keine Partyplatte ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.07.2020) Die lebende Legende\u2122 hat ein neues Album: Bob Dylan (79) bringt mit \u201eRough And Rowdy Ways\u201d seine 39. Studioplatte seit 1962 heraus. 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