{"id":3468,"date":"2020-07-09T20:43:38","date_gmt":"2020-07-09T18:43:38","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3468"},"modified":"2020-07-09T20:43:38","modified_gmt":"2020-07-09T18:43:38","slug":"tamikrest-tamotait-glitterbeat-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tamikrest-tamotait-glitterbeat-2020\/","title":{"rendered":"Tamikrest \u2013 Tamota\u00eft \u2013 Glitterbeat 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Tamikrest-Tamota\u00eft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3469\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (09.07.2020)<br><br>Die W\u00fcstenblueser aus Mali gehen konsequent weiter und vertiefen die \u201ewestlichen\u201c, mithin US-amerikanischen und europ\u00e4ischen, Einfl\u00fcsse in ihrer Tuaregmusik. Der Hybrid bleibt als solcher erhalten, lediglich die Schwerpunkte verlagern sich, und so lebt auch \u201eTamota\u00eft\u201c von der Mischung aus vertraut und fremd, zug\u00e4nglich und sperrig. Innerhalb der Lieder sind Experimente gar nicht erforderlich \u2013 das ganze Konzept ist bereits ein Experiment. Und \u201eTamota\u00eft\u201c klingt melancholischer als die fr\u00fcheren Alben, dem Schicksal der Band geschuldet vermutlich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eHoffnung auf eine bessere Zukunft\u201c lautet die \u00dcbersetzung des Titels \u201eTamota\u00eft\u201c, und als h\u00e4tten Tamikrest es vorausgeahnt \u2013 das Album erschien im M\u00e4rz, p\u00fcnktlich zum beginnenden Lockdown \u2013 , ist diese bitter n\u00f6tig: Als Folge der Corona-Krise fehlt es dem Musikerkollektiv an Einkommen, mit Crowdfunding und Sonderaktionen versuchte die Band, die L\u00fccken zu stopfen. Aus politischen Gr\u00fcnden musste das Quintett die Heimat Mali verlassen und versuchte in der Folge, sich von Belgien aus mit Touren \u00fcber Wasser zu halten, was derzeit eben nicht m\u00f6glich ist. Das Album zu verkaufen, k\u00f6nnte ein weiterer Bonus f\u00fcr die Band sein.<br><br>Und er ist es nat\u00fcrlich wert. Auf ihrem f\u00fcnften Werk \u201eTamota\u00eft\u201c bleiben Tamikrest wiedererkennbar, sich selbst also treu, und entwickeln sich doch weiter. Ausgehend von einem Gitarrenworkshop in der Sahara, war die Urintention Tamikrests vor 15 Jahren, den Sahara-Blues mit dem Ishumar-Rock zu verkn\u00fcpfen; dabei handelt es sich um \u201eDesert Blues\u201c, wie ihn junge Tuareg im Rahmen einer Widerstandsbewegung spielen. Also eine Vertiefung des Konzeptes, traditionelle Tuareg-Ges\u00e4nge mit E-Gitarren-Blues zu transportieren, und das gelingt Tamikrest mit Hingabe.<br><br>Auf den vorherigen Alben \u00fcberwog dabei noch die Lebensfreude, die sich auch in typischen Trillerrufen ausdr\u00fcckte, ansteckend nicht nur auf der B\u00fchne, die sie in die Songs streuten. Die Songs bestehen aus schachteligen Rhythmen, elegisch-hypnotischen Gitarrenloops und dem Europ\u00e4er fremden, beinahe leiernd wirkenden Ges\u00e4ngen; das Trillern indes und damit die Lebensfreude fehlt auf \u201eTamota\u00eft\u201c. Aufgrund der politischen Situation, der sich die Band von Seiten ihrer Heimat ausgesetzt sieht, und der daraus erzwungenen Lage, das Leben nach Europa zu verlagern, resultiert vermutlich eine Melancholie, die sich auf die Kompositionen niederschl\u00e4gt.<br><br>Diese Kompositionen sind dicht, erstaunlich dicht, mehr noch als auf den Alben davor. Was Wunder, scharte das Quintett eine gro\u00dfe Schar an Zusatzmusikern und -s\u00e4ngern um sich; darunter Hindi Zahra aus Marokko, die ein Duett anstimmt. Die Bluesanteile, die die Musiker aus ihren E-Gitarren zaubern, sind fett und in vielen Songs mitrei\u00dfend riffbetont, in anderen mantraartig eingesetzt. Zus\u00e4tzlich verarbeitet die Band Erfahrungen aus dem Leben auf Tour, etwa von der Japanreise vor ein, zwei Jahren, und auch davon schlagen sich musikalische Anteile auf dem Album nieder.<br><br>Inhaltlich l\u00e4sst sich ermitteln, dass die Unterdr\u00fcckung der Tuareg in der Sahara ein wiederkehrendes Thema ist, dessen sich der Verbund der Musiker aus Mali, Niger, Algerien und Frankreich annehmen. Vergleiche mit anderen Bev\u00f6lkerungsgruppen und die \u00d6ffnung der Thematik f\u00fcr weltweite Freiheitsideale sind Tamikrest gleichsam konkret und universell. Und mit ihrer Musik verbinden Tamikrest ohnehin die Kulturen, ausgehend von der der Kel Tamasheq, wie die Tuareg sich selbst nennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.07.2020) Die W\u00fcstenblueser aus Mali gehen konsequent weiter und vertiefen die \u201ewestlichen\u201c, mithin US-amerikanischen und europ\u00e4ischen, Einfl\u00fcsse in ihrer Tuaregmusik. 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