{"id":3465,"date":"2020-07-08T21:25:38","date_gmt":"2020-07-08T19:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3465"},"modified":"2020-07-08T21:25:38","modified_gmt":"2020-07-08T19:25:38","slug":"sibylle-schreiber-vom-lachen-ueber-den-tod-ehrlich-verlag-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sibylle-schreiber-vom-lachen-ueber-den-tod-ehrlich-verlag-2019\/","title":{"rendered":"Sibylle Schreiber \u2013 Vom Lachen \u00fcber den Tod \u2013 Ehrlich-Verlag 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"171\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Sibylle-Schreiber-Vom-Lachen-\u00fcber-den-Tod.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3466\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2020)<br><br>\u201eDer Tod ist leider niemals lustig\u201c, befand Terence Hill alias \u201eNobody\u201c, und so begegnet die Gesellschaft diesem dem Leben immanenten Ph\u00e4nomen zumeist, indem sie es bestenfalls ausblendet. Gegens\u00e4tzliche Erfahrungen wiederum machte die Wolfsburger Autorin Sibylle Schreiber, als sie als Lesende einige Zeit im Hospiz verbrachte: Ohne den Tod zu veralbern, begegnet man ihm dort zuweilen \u00fcberraschend gutgelaunt. Behutsam und warmherzig berichtet Schreiber von Erlebnissen, die Belegschaft und Bewohner mit r\u00fchrenden, fr\u00f6hlichen, unerwarteten, schlagfertigen Reaktionen auf das nahende Sterben machten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei ist das lauthalse Lachen gar nicht zwingend in jeder der Anekdoten gegeben, h\u00e4ufig sind es anr\u00fchrende Erlebnisse mit Menschen, die l\u00e4ngst den Lebensmut verloren hatten und ihn \u2013 h\u00e4ufig mit Unterst\u00fctzung des einfallsreichen Hospizpersonals \u2013 auf den letzten Metern zur\u00fcckgewannen. Der Klassikerwunsch, noch ein letztes Mal das Meer zu sehen, findet hier vergleichbare Entsprechungen, etwa in der wom\u00f6glich letzten Begegnung mit Lieblingsmusikern, Lieblingstieren oder Lieblingsessen, und obgleich die Transformation des zuvor noch abweisenden, lebensm\u00fcden Hospizgastes zum gl\u00fccklich strahlenden Energieb\u00fcndel im Grunde stets vergleichbar verl\u00e4uft, hat man doch jedes Mal feuchte Augen bei der Lekt\u00fcre. Wer da Kitsch wittert, ist ein harter Hund.<br><br>Und es sind nicht die einzigen Inhalte, die Schreiber protokolliert. Denn sie stellt nicht nur die Sterbenden in den Fokus, sondern auch das Personal, das dem Tod bis zu 150 mal im Jahr ausgesetzt ist und somit ebenso h\u00e4ufig den Menschen, die damit mehr oder weniger gut umgehen k\u00f6nnen. Manche gewinnen ihre Lebenslust nie mehr zur\u00fcck, sie lassen gar ihren Frust an ihrer Umwelt ab und treffen mit ihrer Aggressivit\u00e4t willk\u00fcrlich jeden; auch damit muss man umzugehen lernen, und auch da hilft oft Humor. Auch wenn man den Sterbenden in solchen Geschichten nicht eben liebgewinnt, ist es umso berechtigter, sie zu erz\u00e4hlen, weil man als Weiterlebender einen Weg finden muss, damit umzugehen, und es legitim ist, dar\u00fcber zu lachen. Selbstaufgabe hilft auch niemandem.<br><br>Die Geschichten lesen sich, als habe Schreiber sie selbst erlebt und die G\u00e4ste in den Tod begleitet, dabei ist sie lediglich die Berichterstatterin dessen, was ihr die Mitarbeiter zutrugen. Ihre Wortwahl, ihre Formulierungskunst ist angemessen behutsam, in den besonders intimen Episoden scheint sie sich auf Zehenspitzen durch die filigranen und fragilen Geschehnisse zu bewegen. Der Effekt ist, dass man wahlweise einen dicken Klo\u00df im Hals bekommt oder vor Salzwasser in den Augen die Schrift nicht mehr erkennen kann. Gleichsam ist Schreiber dazu in der Lage, die unsch\u00f6nen Begebenheiten mit angemessener sprachlicher Rigorosit\u00e4t abzubilden.<br><br>Sowohl die G\u00e4ste als auch die Angestellten und Ehrenamtlichen h\u00e4lt Schreiber \u00fcberdies anonym, die Namen entspringen ihrer Fantasie, die Geschichten nicht. Bis auf die letzte, die den typischen schwarzen Humor tr\u00e4gt, den sie schon in ihren B\u00fcchern \u201eIch sehe M\u00e4nnern gern beim Schwimmen zu\u201c und \u201eIch wollte immer mal einen Liebesbrief schreiben\u201c auslebte \u2013 und die die Initialz\u00fcndung f\u00fcr ihr Hospizprojekt darstellte. In diesem Buch verdeutlicht sie anschaulich, wie wichtig es ist, den Wert des Lebens zu begreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2020) \u201eDer Tod ist leider niemals lustig\u201c, befand Terence Hill alias \u201eNobody\u201c, und so begegnet die Gesellschaft diesem dem Leben immanenten Ph\u00e4nomen zumeist, indem sie es bestenfalls ausblendet. 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