{"id":3455,"date":"2020-06-25T22:22:10","date_gmt":"2020-06-25T20:22:10","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3455"},"modified":"2020-06-25T22:22:10","modified_gmt":"2020-06-25T20:22:10","slug":"spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-5\/","title":{"rendered":"Spezial: addicted\/Noname Label aus Moskau, Teil 5"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (25.06.2020)<br><br>Ein weiterer Nachschlag aus dem formidablen Programm des Moskauer Labels addicted oder auch Noname: Psychedelische Rockmusik steht im Mittelpunkt, aber alle drei Vertreter treten von dort aus eine Reise in andere Dimensionen an. Ciolkowska driften auf unverzerrten Schwingen in den Kosmos, Juice Oh Yeah verzichten daf\u00fcr sogar weitgehend auf Gitarren und Pressor geben ihnen daf\u00fcr umso mehr Gewicht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Ciolkowska-\u041f\u0441\u0438\u0445\u043e\u0434\u0435\u043b\u0438\u044f.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3456\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Ciolkowska (\u0426\u0438\u043e\u043b\u043a\u043e\u0432\u0441\u043a\u0430\u044f) \u2013 \u041f\u0441\u0438\u0445\u043e\u0434\u0435\u043b\u0438\u044f (Psychodelia)<\/strong><br><br>Hier ist der Titel des wohl nach Eigenz\u00e4hlung achten Albums der St. Petersburger Band Ciolkowska Programm: \u201ePsychodelia\u201c ist die bestimmende Musikrichtung, wie gewohnt spacig, angenehm verspielt und dabei absolut ernsthaft, sogar latent melancholisch. Die Songs folgen nicht den typischen Songstrukturen, das Experiment hat jederzeit Platz, Raum eigentlich, also eher drei- als zweidimensional. Die Band spielt sich mit Hall ins All, die Gitarre erf\u00e4hrt keine Verzerrung im rockigen Sinne, sondern vornehmlich Echoeffekte und Delays, und die Ukulele erklingt nicht im klassischen Ukulelesound; wie sie das nur hinbekommen haben. Der auf Russisch gehaltene Gesang wirkt beil\u00e4ufig, verschlafen, und passt damit gut in die entspannte Musik. Gem\u00e4chlichkeit dominiert, und was will man auch mit Eile im Kosmos, der ist ja unendlich, man hat ja Zeit.<br><br>Ihren psychedelischen progressiven Artrock reichern Ciolkowska mit unerwarteten Anteilen an, so klingt die Echogitarre bisweilen wie bei fr\u00fchen Waverockbands, die gelegentlich eingesetzte Orgel wiederum kein St\u00fcck nach Deep Purple oder The Doors, nicht mal nach The Stranglers, sondern beinahe sakral, und mancher Song wirkt in seinem Fundament wie Radiorockpop aus den Achtzigern, nur weit experimenteller dekoriert. Eine konkrete Anlehnung an vertraute Bands oder eindeutige Genres l\u00e4sst das Quartett also nicht zu, andernfalls b\u00fc\u00dfte sie deutlich an Relevanz ein. Nicht mal sich selbst kopieren sie: \u201e\u041f\u0441\u0438\u0445\u043e\u0434\u0435\u043b\u0438\u044f\u201c ist weniger wuchtig als mancher Vorg\u00e4nger und konzentriert sich mehr auf Filigranit\u00e4t.<br><br>Zwei der Songs auf diesem gut halbst\u00fcndigen Album sind \u00fcbrigens Covers, von den Bands Imandra und Silence; kurioserweise stellen Letztere das Original zum Titelst\u00fcck. In Unkenntnis der Originale lassen sie sich indes als Fremdkompositionen nicht ausmachen. Das Album ist die positive Weiterentwicklung eines positiven Beginns.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Juice-Oh-Yeah-Juice-Oh-Yeah.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3457\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Juice Oh Yeah \u2013 Juice Oh Yeah<\/strong><br><br>Ebenfalls aus St. Petersburg und ebenfalls in den Kosmos begeben sich Juice Oh Yeah auf ihrem zweiten, aber erstmals selbstbetitelten Album. Alles andere aber ist anders: Die Sounds dichter, mehr Fuzz, Trompeten, Synthies und Orgeln, Chorges\u00e4nge, Stoner, Doom, Progrock, orientalische Folklore, und auch der Bottleneck und der latent sakrale Gesang sind wieder dabei. Wenn man dann ber\u00fccksichtigt, dass die Band lediglich aus Boris Shulman und Sviatoslav Lobanov besteht, einem Bassisten und einem Schlagzeuger, kann man nur staunen, was dieses Duo alles auf die Beine stellt. Wie schon beim Deb\u00fct \u201eSila Vselennoy\u201c vor sieben Jahren lassen es die beiden an nichts vermissen, im Gegenteil, auch in stillen Passagen kommt nie der Eindruck auf, die Musik sei leer. Das mag an der Hilfe von Danila Danilov, Petr Muzliaev und Alexey Uvarov liegen, aber auch am kompositorischen Verm\u00f6gen der beiden Musiker.<br><br>Es erstaunt, wie felsenfest die Musik klingt, selbst wenn sie sich aus dunklen Ambientpassagen herausbildet. Juice Oh Yeah brauchen kein Tempo, um kraftvoll zu sein, keine Popstrukturen f\u00fcr Eing\u00e4ngigkeit, keine plakativen Gitarren f\u00fcr Heaviness und auch kein selbstverliebtes Gegniedel f\u00fcr Avantgarde, selbst wenn die beiden mal einzelne instrumentale Passagen ausdehnen. Und was sie auch nicht zulassen, ist eine eindeutige Schubladenzuordnung. Daf\u00fcr haben sie viel zu viele Ideen, einen viel zu weiten Horizont und eine zu gro\u00dfe Spielfreude. Das Album steckt voller \u00dcberraschungen und ist dabei auch noch deutlich besser produziert als das Deb\u00fct, der Sound ist glasklar. Gern darf es bis zum dritten Streich etwas weniger lang dauern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Pressor-Twist-The-Bliss.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3458\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Pressor \u2013 Twist The Bliss<\/strong><br><br>\u201eTwist\u201c und \u201eThe Bliss\u201c sind die Titel der beiden St\u00fccke der \u201eTwist The Bliss\u201c-EP von Pressor, die einmal mehr ihre Idee von Stoner und Doom auswalzen. Mit dem schleppenden Gesang \u00fcber der schleppenden Musik greifen sie ein Element der Melvins auf, ansonsten klingen die vier aus der Stadt Kostroma sogar noch bekiffter als die Helden aus Seattle. Einfache Riffs rotieren und haken sich im weit ge\u00f6ffneten Bewusstsein fest. Hohe T\u00f6ne kennt das Quartett kaum, wie es sich f\u00fcr w\u00fcste W\u00fcstenmusik geh\u00f6rt, daf\u00fcr aber Energie, Druck, Gewicht, Dringlichkeit. Und sie haben Synthies, was in der Richtung eher selten ist und hier keinesfalls st\u00f6rt. Auch hier dringen psychedelische Anteile ein, das All ist nah, aber die Musik zu schwer, um wirklich dorthin zu gelangen. Man wundert sich, dass Musiker, die derartig umnebelte Musik spielen, diese bei zwei Tracks nicht noch weit l\u00e4nger als nur knappe 12 Minuten lang ausdehnen \u2013 Pressor kommen also trotz allem auf den Punkt. Bemerkenswert.<br><br><a href=\"https:\/\/noname666.bandcamp.com\/\">Bandcamp<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/NonameRecordz\">Facebook<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (25.06.2020) Ein weiterer Nachschlag aus dem formidablen Programm des Moskauer Labels addicted oder auch Noname: Psychedelische Rockmusik steht im Mittelpunkt, aber alle drei Vertreter treten von dort aus eine Reise in andere Dimensionen an. 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