{"id":3441,"date":"2020-06-10T22:06:15","date_gmt":"2020-06-10T20:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3441"},"modified":"2020-06-10T22:06:15","modified_gmt":"2020-06-10T20:06:15","slug":"louise-patricia-crane-deep-blue-peculiar-doll-records-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/louise-patricia-crane-deep-blue-peculiar-doll-records-2020\/","title":{"rendered":"Louise Patricia Crane \u2013 Deep Blue \u2013 Peculiar Doll Records 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Louise-Patricia-Crane-Deep-Blue.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3442\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.06.2020)<br><br>Gruftmusik f\u00fcr Progrocker: Stark an die Urspr\u00fcnge des Gothic Rock lehnt sich das neue Solo-Album von The-Eden-House-S\u00e4ngerin Louise Patricia Crane an, n\u00e4mlich an die experimentelle, folkige, progressive Rockmusik der Siebziger. Kein Wunder: Auf diesem angenehm chilligen Album gehen personell unter anderem die Fields Of The Nephilim, King Crimson und Jethro Tull eine wundervolle Liaison ein. Ein sch\u00f6nes, hymnisches, entspannendes Album, das trotz seines Kontextes als Seitenarm zu The Eden House gar nicht gruftig sein will, mit einem merkw\u00fcrdig unpassenden Cover von einem renommierten Fotografen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Fett, flott und fr\u00f6hlich geht das Album los, man kann mitwippen, sich treiben lassen in Sounds und Harmonien. Die Gitarren rocken nicht heavy, sondern schaffen Atmosph\u00e4ren und gniedeln wie weiland im sch\u00f6nsten Progrock. Dazu stimmen Crane und ihre Mitmusiker einnehmende Chorges\u00e4nge an und Ian Anderson haucht in seine Fl\u00f6te. Man denkt an Shoegaze und Postrock, an Heavenly Voices und sanften Indierock. Sogar an Siebziger-Folklore erinnernde Sounds treten auf, das Tempo nimmt mehr und mehr ab, man f\u00fchlt sich warm erinnert an Genesis mit Peter Gabriel, an Marillion, an Pink Floyd, die Snare klingt im Hintergrund gelegentlich wie die aus \u201eShout\u201c von Tears For Fears, Melodien und Gesang lassen Kate Bush durchschimmern, Crane \u00fcberdreht ihre Stimme nicht wie etwa bei Nightwish, sondern bleibt bei sich, so entspannt, wie die Musik, in die sie ihren Gesang einbettet.<br><br>Alsbald geht die Sonne unter, denn nach \u201eSun\u201c und \u201eMoon\u201c sind die beiden LP-Seiten und auch die CD-H\u00e4lften unterteilt, und mit dem Mond geht das noch experimentellere Kapitel des Albums auf. Crane wird zusehends \u00e4therischer, das Schlagzeug nimmt sich zur\u00fcck oder verstummt sogar ganz, Streicher kommen zum Einsatz, und sobald auch die Band sich hin und wieder z\u00f6gerlich groovend dazugesellt, unterbricht sie sich alsbald selbst f\u00fcr ein weites Feld aus ambientartigen Sounds, die die St\u00fccke nicht einfach abw\u00fcrgen, sondern ihnen flie\u00dfend individuelle Strukturen verleihen, bis der getragene Rock\u2019n\u2019Roll wieder die Oberhand gewinnt. Ja, Progrock, ganz eindeutig, Avantgarde, Folk, und trotz der durchweg getragenen Stimmung kein Goth.<br><br>Nicht nur das verwundert, schlie\u00dflich trat Crane im Gothrock-Kontext auf, zuletzt bei The Eden House, einem Projekt aus fr\u00fcheren Mitgliedern der Fields Of The Nephilim, die mit ausschlie\u00dflich weiblichem Gesang einen selbsternannten Trip Goth machten, der sehr wohl noch auf Cranes Solo nachhallt, was nicht weiter verwundert, da doch \u201eDeep Blue\u201c aus der Session zum letzten Album von The Eden House heraus seinen Anfang nahm. N\u00e4chstens verwundert, wie nah sich Crane an den Sound begibt, der seinerzeit Inspiration f\u00fcr diejenigen war, die Gothic Ende der Siebziger erfanden \u2013 schlie\u00dflich kam Crane selbst erst 1984 zur Welt. Und doch mag man \u201eDeep Blue\u201c nicht als retro bezeichnen, denn diese Mischung aus Dunkelheit und Experimentierfreude war damals noch gar nicht so naheliegend.<br><br>Vielleicht gerade mal bei King Crimson, und was Wunder, spielt auf \u201eDeep Blue\u201c doch Jakko M. Jakszyk die Gitarre und die Sitar, und der ist Adrian Belews Nachfolger bei ebenjener Band; au\u00dferdem hinterlie\u00df er Spuren unter anderem bei Level 42 und der 21st Century Schizoid Band, die sich wiederum an King Crimson orientiert. Jakszyk und Anderson nun bringen den Progrock auf das Album, aber daran sind ja noch mehr Spezialisten beteiligt: Scott Reeder spielte seinen Bass unter anderem bei Kyuss, Unida, The Obsessed und heute bei Fireball Ministry, Kontrabassist Danny Thompson wiederum teilt sich die Credits mit Jakzsyk bei Dizrhythmia sowie bei den Folkrockern Pentagle und bei Alexis Korner und spielte auf Alben von unter anderem Kate Bush, Loreena McKennitt, Nick Drake, Marianne Faithfull, Peter Gabriel, Talk Talk, Rod Stewart, ABC, T Rex, Graham Coxon und unz\u00e4hligen weiteren Gr\u00f6\u00dfen. Als dritter Bassist ist Steve Gibbons dabei, alias Steve Mercy, der sich mit seinen Bands Abigail\u2019s Mercy und 13 Candles noch am ehesten im Gothic Rock verorten l\u00e4sst und auch bei The Eden House mitmischt.<br><br>Ebenso nat\u00fcrlich Simon Rippin, der nun wirklich tief in der d\u00fcsteren Ecke verankert ist, als Schlagzeuger von Fields Of The Nephilim, The Nefilim, NFD, Adoration, Sensorium, October Burns Black und eben The Eden House. Sein Langzeitgef\u00e4hrte Stephen Carey \u00fcbernahm zudem die Produktion von \u201eDeep Blue\u201c. Zur\u00fcck zu Dizrhythmia schwenkt wiederum John Devine, der auf \u201eDeep Blue\u201c die Uillean Pipes spielt. Die Mannheimer Violinistin Shir-Ran Yinon fiedelte bereits live mit New Model Army und ist ansonsten bei vielen deutschen Mittelaltercombos zu h\u00f6ren.<br><br>Crane selbst nun war bereits vor The Eden House aktiv, ab 2006 bei Solemn Novena und anschlie\u00dfend kurzzeitig bei Raven Adore. \u201eDeep Blue\u201c ist mithin ihr Solodeb\u00fct, und das ist derartig gro\u00dfartig, dass man sich nur verwundert fragt, warum sie daf\u00fcr ein so semifreiz\u00fcgiges Cover w\u00e4hlt. Immerhin, das Foto stammt von Jim Fitzpatrick, und der war der Covergestalter von Thin Lizzy \u2013 und verantwortet das ikonische Portr\u00e4t von Che Guevara. Doch ist Crane auch selbst k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig, und da ihr eine Chrom\u00e4sthesie diagnostiziert wurde, fertigte sie f\u00fcr die limitierte Vinylbox zu jedem Song ein Kunstwerk an, das sie anhand der T\u00f6ne vor ihren inneren Augen sah. F\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung gr\u00fcndete Crane zudem kurzerhand ihr eigenes Label Peculiar Doll Records, benannt nach einer Figur aus dem Computerspiel \u201eDark Souls\u201c.<br><br>\u201eDeep Blue\u201c stellt eines der jetzt schon in die Bestenlisten geh\u00f6renden Alben dieses Jahres dar. Es funktioniert als \u2013 recht kurzes \u2013 Ganzes und mag zwingend in Dauerschleife geh\u00f6rt werden. Ein beachtliches Deb\u00fct mit versierter Beteiligung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.06.2020) Gruftmusik f\u00fcr Progrocker: Stark an die Urspr\u00fcnge des Gothic Rock lehnt sich das neue Solo-Album von The-Eden-House-S\u00e4ngerin Louise Patricia Crane an, n\u00e4mlich an die experimentelle, folkige, progressive Rockmusik der Siebziger. 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