{"id":3430,"date":"2020-05-26T21:46:19","date_gmt":"2020-05-26T19:46:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3430"},"modified":"2020-05-26T21:46:19","modified_gmt":"2020-05-26T19:46:19","slug":"ziguri-howgh-howgh-howgh-adansonia-moloko-plus-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ziguri-howgh-howgh-howgh-adansonia-moloko-plus-2020\/","title":{"rendered":"Ziguri \u2013 Howgh Howgh Howgh \u2013 Adansonia\/Moloko Plus 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Ziguri-Howgh-Howgh-Howgh.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3431\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (26.05.2020)<br><br>Als \u201eTrance Rock\u201c bezeichnen Ziguri ihre Musik selbst, und das trifft es nahezu perfekt, heute jedenfalls besser als die bei der Gr\u00fcndung 1987 gew\u00e4hlte Kategorie \u201eZen Punk\u201c. Man k\u00f6nnte den Berlinern ohne zu l\u00fcgen noch eine N\u00e4he zum klassischen Krautrock zuschreiben, die der h\u00e4ndisch geloopt eingespielten tanzbaren psychedelischen Mantrarockmusik zugrundeliegt. \u00dcberdies ist \u201eHowgh Howgh Howgh\u201c der Tontr\u00e4ger-Einstand der Band als Quartett, schlie\u00dflich stie\u00df ein fr\u00fcheres Mitglied k\u00fcrzlich zur\u00fcck zum bisherigen Trio. Und: Man muss f\u00fcr die bewusstseinserweiternde Wirkung dieser \u00fcberlangen Rock\u2018n\u2018Roll-Meditationen kein Meskalin nehmen, wie es der Bandname vorschl\u00e4gt \u2013 man verf\u00e4llt ihnen auch einfach beim Zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So klingt es, wenn einem Marktmechanismen so egal sind wie Trends: Man h\u00f6rt der Musik von Ziguri an, dass die Band schlichtweg einen Riesenbock hat auf das, was sie da treibt, und das treibt sie auch noch einzigartig. Ihren Krautrockwurzeln verdanken die vier die Leidenschaft f\u00fcr schn\u00f6rkellose Beats, die typisch stoisch gef\u00fchlte Ewigkeiten die gleichen minimalistischen, aber wirkungsvollen und treibenden Figuren vorlegen. Auch mit den Bassl\u00e4ufen verh\u00e4lt es sich so, die Fundamente sind einfach und damit enorm eing\u00e4ngig mit der absoluten F\u00e4higkeit zum Groove.<br><br>Fantasievoll und avantgardistisch f\u00fcllt die Band die Fl\u00e4chen dar\u00fcber, mit Schmankerln, die sie aus mit Echoeffekten gespielten Bratzgitarren sowie Synthesizern und Sampledatenbanken generieren; da treten wiederum die Jazzwurzeln der Musiker zutage. Dadurch entstehen \u00fcberraschende Effekte, so erklingen in dem \u00fcppig orchestrierten Opener etwa synthetische Sounds, die man den Achtzigern zugeordnet h\u00e4tte. Die Band verliert sich in Experimenten, sie spielt die St\u00fccke nicht einfach herunter, da passiert unendlich viel, es klimpert, tr\u00f6tet, zirpt, flirrt, keucht, man begibt sich mit Ziguri auf eine Reise, vermutlich gleichzeitig einmal um die Welt, ins Weltall und in das Innerste aller Dinge.<br><br>Und wie immer bei Ziguri kann man sich einerseits zur Musik entspannt in Trance chillen und sich dazu andererseits selbstvergessen in wilde Extase tanzen \u2013 oder einfach auch ganz gebannt zuh\u00f6ren, was sich die vier Musiker da alles haben einfallen lassen. F\u00fcr seine St\u00fccke l\u00e4sst sich das Quartett bisweilen ausufernd lang Zeit: Die beiden Schlangentracks \u201e4 Goa Constrict\u00f8rs\u201c, das sich einen Track vom Deb\u00fctalbum bezieht, und \u201eLong Snake\u201c sind jeweils \u00fcber zehn Minuten lang und wickeln sich schleichend in die Geh\u00f6rg\u00e4nge. Zum Abschluss erlaubt sich die Band noch einen beinahe humorigen Ausflug in den klassischen Krautrock: An La D\u00fcsseldorf erinnert ihr \u201eKi Wi\u201c, in dem sie sprechchorartig von der kalten Wildnis skandieren.<br><br>Dieses letzte St\u00fcck stammt noch aus der Zeit des Triodaseins, aus dem Jahr 2015; Schlagzeuger sowie Jazz- und Experimentalmusiker (unter anderem bei Stan Red Fox) Zam Johnson, seit den Achtzigern in Berlin lebender K\u00fcnstler aus Los Angeles, kehrte erst 2017 wieder in den Scho\u00df der Band zur\u00fcck, der er zwanzig Jahre zuvor bereits kurzzeitig angeh\u00f6rt hatte. Damit sind Ziguri nun zu viert, mit Schlagzeuger Dieter K\u00f6lsch, Trompeter und Gitarrist G\u00fcnter Schickert und Bassist Udo Erdenreich. Die Geschichte von Ziguri begann \u00fcbrigens 1987 noch als Ziguri Ego Zoo, dauerte um die zehn Jahre, erfuhr in der Zeit diverse Gastbesetzungen sowie einen Bruch und f\u00fchrte erst nach der 2011er Reunion im Jahre 2014 zur Ver\u00f6ffentlichung des Deb\u00fctalbums. Fr\u00fchere Aufnahmen aus der Zeit der ersten Inkarnation gibt es indes, und einige davon sollen beispielsweise auf der geplanten CD-Version von \u201eHowgh Howgh Howgh\u201c enthalten sein.<br><br>Was die Musiker \u00fcberdies in der Pause unternahmen, sprengt jeden Rahmen; genannt seien hier Projekte wie das Oberkreuzberger Nasenfl\u00f6tenorchester (K\u00f6lsch), Alben mit Jaki Liebezeit oder Klaus Schulze (Schickert), Tura Ya Moya (Erdenreich) sowie Stoppok und Taboo (Johnson). \u00dcber ihre Aktivit\u00e4ten bei den Punkbands Hagel und Ponyhof fanden Erdenreich, Schickert und K\u00f6lsch wieder zusammen und nahmen den Z\u00fcndfunken von Konzerten mit Damo Suzuki f\u00fcr die Wiederbelebung von Ziguri auf. Zum Gl\u00fcck! Und \u00e0 propos Krautrock-Helden: Eroc masterte \u201eHowgh Howgh Howgh\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.05.2020) Als \u201eTrance Rock\u201c bezeichnen Ziguri ihre Musik selbst, und das trifft es nahezu perfekt, heute jedenfalls besser als die bei der Gr\u00fcndung 1987 gew\u00e4hlte Kategorie \u201eZen Punk\u201c. 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