{"id":3371,"date":"2020-03-30T21:48:13","date_gmt":"2020-03-30T19:48:13","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3371"},"modified":"2020-03-31T08:12:03","modified_gmt":"2020-03-31T06:12:03","slug":"joerg-hiecke-rene-seim-hg-ich-liebe-musik-vol-2-windlustverlag-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/joerg-hiecke-rene-seim-hg-ich-liebe-musik-vol-2-windlustverlag-2020\/","title":{"rendered":"J\u00f6rg Hiecke\/Ren\u00e9 Seim (Hg) \u2013 Ich liebe Musik Vol. 2 \u2013 Windlustverlag 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"157\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Ich-liebe-Musik-Vol.-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3372\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (30.03.2020)<br>\n<br>\nEin \u00fcberw\u00e4ltigend bewegendes Buch.\nDie Vorgabe von Ideen- und Herausgeber J\u00f6rg Hiecke war, etwas zum\nTitelthema \u201eIch liebe Musik\u201c zu verfassen und dabei ein\nspezielles Lied hervorzuheben. 69 Beitr\u00e4ge sammelte er mit Verleger\nRen\u00e9 Seim, die sie nun in diesem Kompendium b\u00fcndeln. Da die beiden\nDresdener sind und sich die Vielzahl der Beitragenden aus dem n\u00e4heren\nUmfeld fanden, bekommt man ber\u00fchrende Geschichten \u00fcber Musikfansein\nin der DDR, zur Wendezeit, nach dem Mauerfall \u2013 und sowieso von\nganz vielen Momenten erz\u00e4hlt, in denen Musik eine wegweisende\nWirkung auf die Verfasser hatte. Wehmut ist ein beherrschendes\nGef\u00fchl, und Liebe, auch ungenannt, sowieso. Eine grandiose Idee, 21\nJahre nach dem ersten Mal immer noch, mit einem grandiosen Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p> Ich liebe Musik \u2013 so viele Bedeutungen kommen einem bei dieser Feststellung in den Sinn. So viele verschiedene finden sich auch in diesem Buch, und viele davon behandeln Erlebnisse und Ereignisse, die sich rund um die Thematik DDR drehen. Doch geht es hier nicht um Ostalgie mit Werbewirksamkeit, hier geht es um das pers\u00f6nliche Empfinden, um subjektive Wahrnehmung, um das Verh\u00e4ltnis seiner selbst zur Welt, und die bedeutete f\u00fcr viele der Autoren hier eben, sich als Musikfan den Bedingungen der DDR ausgesetzt gesehen zu haben. Dem im Westen Aufgewachsenen bietet sich hier ein F\u00fcllhorn an Lehrreichem und Informativem an, dem Ex-DDR-B\u00fcrger ein B\u00fcndel an Vergleichswerten f\u00fcr die eigene Biographie. Spannend sind sie alle, und das einzige Thema in diesem Buch stellen sie mitnichten dar: Auf Platz zwei stehen gescheiterte Beziehungen, auf Platz drei das Entdecken bestimmter Musikst\u00fccke an sich; nicht zuletzt allesamt Geschichten \u00fcber sich selbst. Gerade diese Mischung macht die Lekt\u00fcre gleichsam lehrreich wie vergn\u00fcglich.<br> <br> Vielleicht liegt es am Alter der Beitragenden, aber das Erinnern spielt hier eine wesentliche Rolle bei der Identifikation mit Musik. Wie war das, unterwegs zu sein auf der Simson, nach der Trennung? Wie waren die Grenz\u00fcberg\u00e4nge nach Russland per Eisenbahn mit ver\u00e4nderter Spurweite? Wie schwierig waren Westplatten im Osten zu bekommen? Wie waren die ersten N\u00e4chte nach dem Wegfall des Eingesperrtseins auf DDR-Staatsboden? Was macht man mit 100 Mark Begr\u00fc\u00dfungsgeld? F\u00fcr manche Lesende aus dem Westen sind dies bestimmt zum Teil unerz\u00e4hlte Geschichten, weil sie von den besser vermarktbaren Allgemeinpl\u00e4tzen abweichen, und somit weit informativer als jene. Insbesondere, da diese hier mit so viel Herzblut und Leidenschaft erz\u00e4hlt sind. Kann man sich alles nicht ausmalen, wenn man nicht dabei war. Und doch dringen hier weder Vergnatzung noch Verherrlichung aus den Zeilen; eine Emotionalit\u00e4t liegt mit anderer Ausrichtung verborgen, zumeist in Richtung der Musik, selbstredend, und mit dieser Leidenschaft f\u00fcr Musik dringen die anderen Aspekte in den Hintergrund, sie treten vielmehr als Begleiterscheinung auf, die bestimmte Rahmenbedingungen erl\u00e4utern, mit denen man sich im Osten auseinanderzusetzen hatte. Wehmut liegt hier also im Erinnern an die Liebe zur Musik, nicht zum historischen Kontext.<br> <br> Interessanterweise drehen sich die zwischenmenschlichen Liebesgeschichten in diesem Buch eher um verflossene solche. Im fortgeschrittenen Alter hat man seine Jugendliebe wohl l\u00e4ngst vor dem Scheidungsrichter verloren und mit Folgebeziehungen nicht nur weniger dauerhaftes Gl\u00fcck, sondern wom\u00f6glich auch weniger nachhaltige Emotionalit\u00e4t erlebt, sodass bestimmte Lieder melancholische Gef\u00fchle wecken, die mit fr\u00fchen Liebschaften verkn\u00fcpft sind. Eine andere Erkl\u00e4rung w\u00e4re, dass sp\u00e4tere Musik es bei H\u00f6rern mit angeh\u00e4uften Lebensjahren einfach schwerer hat, nachhaltig h\u00e4ngenzubleiben. Aber Bezug zur Musik findet man ja nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch in Freundschaften \u2013 und im Reisen, auch davon erz\u00e4hlen manche Autoren.<br> <br> Das dritte gro\u00dfe Themenfeld nun deckt den pers\u00f6nlichen Bezug zu bestimmten Musikst\u00fccken ab. Die Auswahl dieser und aller anderer Songs ist mindestens so lehrreich, wie es die Geschichten sind, und es finden sich sehr wohl St\u00fccke auch aus j\u00fcngerer Zeit darunter, nicht zwingend von j\u00fcngeren Autoren ausgew\u00e4hlt. Die Tracklist reicht von David Bowie, Sting, Udo Lindenberg, Pink Floyd und John Lennon \u00fcber Alex Harvey, The B-52\u2019s, Haus Arafna, Madrugada, The Damned und Tom Waits bis hin zu Tschaikowski, The Holy Modal Runners, Fatoumata Diawara, Steve Kindwald und das Erich-Weinert-Ensemble, also von allgemein bekannte Songs \u00fcber Indiehits bis hin zu Spezialwissen. Fast gar nicht vertreten sind hier \u00fcbrigens DDR-K\u00fcnstler \u2013 bedauerlicherweise.<br> <br> Um den Horizont nun so weit wie m\u00f6glich abzustecken, finden sich auch einige auf Englisch verfasste Texte darunter, mit Erfahrungen aus anderen Teilen der Welt. Was die Beitr\u00e4ge wiederum eint, ist, dass jeder einen anderen Stil hat: So vielf\u00e4ltig wie die Liebe zur Musik ist der Ausdruck dieser Emotion. Nach befragten Amateruen, die sich eigens f\u00fcr dieses Buch einfach mal an den PC klemmen, wirkt dieses Kompendium nicht, obgleich sich neben Musikern und S\u00e4ngern (Marina Chekalina, Don Rogall, Florence Joelle), K\u00fcnstlern (Peggy Berger, Anne Z\u00fcckert), DJs (DJ Cram\u00e9r alias Verleger Ren\u00e9 Seim), Schauspielern (Friederieke Tiefenbacher, Torsten Ranft), Dresdener Szenegr\u00f6\u00dfen sowie Schriftstellern und Peoten (Matthias Hufnagl, Roman Israel) auch zahlreiche Beitragende darunter finden, die nicht regelm\u00e4\u00dfig Texte verfassen; man nimmt dies nicht wahr, denn etwas Zweites eint die Ergebnisse: Sie spr\u00fchen vor Leidenschaft. Die Textformen sind zudem so variantenreich wie die Inhalte, von Essays \u00fcber Kurzgeschichten, Gedichte und Sottisen bis Aufs\u00e4tze. Selbst wenn experimentelle Texte darunter sind, deren Sinn sich nicht sofort oder gar nicht erschlie\u00dft, ist doch der Z\u00fcndfunken daf\u00fcr derselbe wie f\u00fcr alle anderen. Zu diesen Anderen z\u00e4hlen \u00fcberdies auch Skizzen, Gem\u00e4lde und Fotos, die einige als ihren Beitrag einreichten. <br> <br> War der erste Teil noch entlang der W\u00f6rter \u201eIch\u201c, \u201eLiebe\u201c und \u201eMusik\u201c dreigeteilt, vermisste der Herausgeber beim zweiten den Schwerpunkt \u201eLiebe\u201c und strukturierte dieses Buch daher wie eine Mixkassette, nach A- und B-Seite mit einem schl\u00fcssig kuratierten Ablauf. Damit behandelt Hiecke s\u00e4mtliche Autoren gleichberechtigt, niemand wird nach vermeintlichem Ber\u00fchmtheitsfaktor vorrangig behandelt. Und \u00fcbrigens: Von Beitragenden dieses Mal waren ganze 13 auch schon beim ersten Teil von der Partie \u2013 darunter auch der gl\u00fcckliche Schreiber dieser Zeilen, erneut mit Guido D\u00f6rheide. Von wegen, J\u00f6rg: Das ganze Buch ist Liebe!<br><br>Zu bestellen ist das Buch <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.headlust.de\" target=\"_blank\">hier<\/a>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.03.2020) Ein \u00fcberw\u00e4ltigend bewegendes Buch. 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