{"id":3327,"date":"2020-02-27T21:10:36","date_gmt":"2020-02-27T20:10:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3327"},"modified":"2020-02-27T21:10:36","modified_gmt":"2020-02-27T20:10:36","slug":"hardy-crueger-schlachthaus-hardy-crueger-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/hardy-crueger-schlachthaus-hardy-crueger-2020\/","title":{"rendered":"Hardy Crueger \u2013 Schlachthaus \u2013 Hardy Crueger 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"166\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Hardy-Crueger-Schlachthaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3328\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (27.02.2020)<br>\n<br>\nWenn schon ein sympathischer Mensch\nauf solch menschenverachtende Ideen kommen kann, mag man sie sich gar\nnicht in den K\u00f6pfen solcher Leute vorstellen, wie Hardy Crueger sie\nin seinem neuen Thriller \u201eSchlachthaus\u201c beschreibt. Um die\ngr\u00f6\u00dfenwahnsinnige Motivation von Serienm\u00f6rdern geht es, und\nCrueger beweist sich als Fachmann sowohl in T\u00e4ter- als auch in\nOpferpsychologie. Das Buch ist spannend und absto\u00dfend zugleich, man\nmag es nicht lesen, aber auch nicht aus der Hand legen. Ein\nschmerzhafter Parforceritt f\u00fcr die empfindsame und empathische\nSeele.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nMan wundert sich \u00fcber die Fachkenntnis des Autoren. Crueger\nber\u00fccksichtigt Details, auf die man als Lesender niemals geachtet\nh\u00e4tte. Er dichtet seinen Protagonisten eine perfide Umsichtigkeit\nan, mit Details, von denen man entsetzt hofft, potentielle\nNachahmungst\u00e4ter bek\u00e4men diese Lekt\u00fcre nie zu Gesicht. Man\nbegleitet ein mordslustiges Duo bei der Arbeit und bekommt mit einem\ngek\u00fchlten Blick erz\u00e4hlte physische wie psychische Torturen\nvorgesetzt. Absolut keine leichte Kost und f\u00fcr Leser, die Crueger\nf\u00fcr seine zwar gern auch schonungslosen, aber doch zumeist\nhoffnungsvollen Geschichten liebt, sicherlich ein mittelschwerer\nSchock.<br>\n<br>\nDas Psychogramm steht vor dem reinen Splatter, das\nsp\u00fcrt man diesem Buch an und das ist auch genau der fesselnde Aspekt\ndaran, trotz aller schriftstellerischen Freude an der Grausamkeit.\nNat\u00fcrlich liegt dem Blutbad ein Unterhaltungswert inne, aber zum\nGl\u00fcck zumeist lediglich in kulturell aufgearbeiteter Form, weil man\nals Teil einer halbwegs funktionierenden Zivilisation in der Regel\nnicht auf die Idee kommt, seinen Mitmenschen aktiv Schaden zuzuf\u00fcgen\n(von finanzkr\u00e4ftigen sowie den hier beschriebenen psychisch\ngesch\u00e4digten Ausnahmen abgesehen).<br>\n<br>\nDamit beginnt diese\nGeschichte: Kevin ist als Finanzbeamter von seinem Leben sowie von\nden blutigen Horrorfilmen und Webseiten gelangweilt, er will echtes\nBlut sehen und kontaktiert im Darknet einen Serienm\u00f6rder, der ihn\nbei einer, wie er es nennt, Opferung mitmachen lassen will. Dieser\nPredator funktionierte sein abgelegenes Haus zu einem Folterkeller\num. Dort wollen die beiden die eigens entf\u00fchrte Melli langsam und\nnat\u00fcrlich qualvoll abschlachten.<br>\n<br>\nZun\u00e4chst ersch\u00fcttert,\nwie selbstverst\u00e4ndlich Crueger die Vorhaben und die Taten der beiden\nKiller hier darstellt: Nat\u00fcrlich verwischt man Spuren, nat\u00fcrlich\ntrifft man Sicherheitsvorkehrungen, nat\u00fcrlich tarnt man sein Auto,\nnat\u00fcrlich vergewaltigt man das Opfer, bevor man den ersten Finger\nabhackt. Solche schockierenden Elemente erz\u00e4hlt Crueger zwar, aber\nweidet sich nicht an ihnen; das erleichtert den Ritt durch den Text\netwas. Dennoch f\u00fcgt er seinem Opfer irreparable seelische Sch\u00e4den\nzu und beschreibt dabei nachvollziehbar, wie es sich f\u00fchlt und mit\nwelchen Methoden es sich von der Aussicht auf baldigen Tod\npsychologisch zu sch\u00fctzen versucht. Damit erhellt der Autor das\nInnenleben nicht nur der kaltbl\u00fctigen T\u00e4ter, sondern auch der\ngeschundenen Opfer.<br>\n<br>\nUnd begeht dabei einen \u00fcberraschenden\nSpagat, indem er moralische Bedenken auf beiden Seiten umkehren\nl\u00e4sst, und das ebenso nachvollziehbar, wie sie urspr\u00fcnglich\nauftreten. Damit dreht er die Geschichte in unvorhersehbare\nRichtungen und l\u00e4sst sie doch nicht so geradlinig erscheinen, wie er\nsie selbst im Vorfeld darstellte.<br>\n<br>\nZudem kann Crueger bei\naller vermeintlicher Einfachheit des Plots nicht aus seiner Haut als\ngrandioser Erz\u00e4hler heraus. Auch die sp\u00e4rlichen Nebenfiguren\nbekommen hier Profil, er beweist eine \u00fcberzeugende Ortskenntnis von\nK\u00f6nigslutter \u00fcber Kassel bis hin nach Rotterdam und er ist im\nInnenleben seiner Figuren zu Hause. Zudem erh\u00f6ht er mit abgehackten\nkurzen Satzfragmenten das Erz\u00e4hltempo an den entscheidenden Stellen\nund steigert damit eine Spannung, der man sich dann trotz des\nabsto\u00dfenden Blutdurstes bereitwillig hingibt.<br>\n<br>\nSo dient\nCrueger das vordergr\u00fcndige Gemetzel vielmehr als Vehikel f\u00fcr das\nPsychogramm von selbsterm\u00e4chtigten Serienm\u00f6rdern. Diese verehrt er\nnicht, er verurteilt sie, ist aber in der Lage, ihre Motivation\nnachzuvollziehen; Anschauungsmaterial gibt die Geschichte leider\nausreichend her, und die studierte Crueger intensiv. Ebenso andere\nKulturprodukte wie die zitierten Filme, der er teilweise sogar\nempfiehlt. Es gibt eben einen erheblichen Unterschied zwischen\nVorstellung und Tat, und Crueger verharrt bei ersterem und lehnt\nletzteres ausdr\u00fccklich ab. Damit ist man dann schlussendlich auch\nwieder vers\u00f6hnt, nach dieser furchtbaren Lekt\u00fcre. Die einen noch\nlang besch\u00e4ftigt, gerade weil man viel zu viel Einblick in die\nBeweggr\u00fcnde der T\u00e4ter bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.02.2020) Wenn schon ein sympathischer Mensch auf solch menschenverachtende Ideen kommen kann, mag man sie sich gar nicht in den K\u00f6pfen solcher Leute vorstellen, wie Hardy Crueger sie in seinem neuen Thriller \u201eSchlachthaus\u201c beschreibt. Um die gr\u00f6\u00dfenwahnsinnige &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/hardy-crueger-schlachthaus-hardy-crueger-2020\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-3327","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3329,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3327\/revisions\/3329"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}