{"id":3324,"date":"2020-02-25T21:13:10","date_gmt":"2020-02-25T20:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3324"},"modified":"2020-02-25T21:13:10","modified_gmt":"2020-02-25T20:13:10","slug":"machyyre-wunschbrunnen-wolfsrudel-puppengott-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/machyyre-wunschbrunnen-wolfsrudel-puppengott-2020\/","title":{"rendered":"Machyyre \u2013 Wunschbrunnen \u2013 Wolfsrudel\/Puppengott 2020"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"118\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Machyyre-Wunschbrunnen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3325\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (25.02.2020)<br>\n<br>\nWas\u2019n Paket! Jonas Kolb aus\nSch\u00f6ningen bringt sein neues Album \u201eWunschbrunnen\u201c unter dem dem\nschwer aussprechbaren Alias Machyyre nicht einfach als CD heraus,\nsondern in ein dickes Buch mit Stickern, Extra-Booklet (seinem\n\u201ePuppetier\u201c-Comic), Mini-Buch und sonstigen Goodies eingebettet.\nMusikalisch l\u00e4sst er sich noch am ehesten in der Neuen Deutschen\nTodeskunst verorten, und wenn man das wei\u00df und sich dann aber vom\nersten Track gleich in bester Black-Metal-Manier anbr\u00fcllen l\u00e4sst,\nist man umgehend gepl\u00e4ttet. Dunkle Poesie mit minimalistischer Musik\nund vielen \u00dcberraschungen, nicht nur optischen. Verst\u00f6rend gut.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nOhrenscheinlich kommen auf \u201eWunschbrunnen\u201c gar keine Gitarren\nvor, doch das kann t\u00e4uschen. Der Opener zumindest klingt recht\nglaubhaft nach One-Person-Black-Metal, auch wenn er rein elektronisch\nerzeugt sein sollte. Die folgenden Songs zumindest tragen die\nelektronische K\u00e4lte in sich, die auch die Inhalte vermitteln. Kolb\nsetzt seine Mittel punktiert ein, er geizt mit Fl\u00e4chen und Opulenz\nund l\u00e4sst jede Note damit umso eindr\u00fccklicher wirken. In diesem\nMinimalismus schwingt eine hoffnungslose Leere mit, und auch wenn die\nSounds und manche Melodien an sich sch\u00f6n sind, f\u00fchlt man sich mit\ndiesen Liedern nicht eben wohl. Gem\u00fctlich geht anders, und das soll\nauch so.<br>\n<br>\nDeutsche Texte, d\u00fcstere Musik: Man f\u00fchlt sich\nals erstes an die fr\u00fchen Oeuvres von Bands wie Goethes Erben und Das\nIch erinnert. So einfach macht es sich Kolb aber nicht, trotz aller\nSignale in die Gruftirichtung, mit Bildern, Videos und Artwork. Daf\u00fcr\nist er viel zu eigenst\u00e4ndig, um sich einem so engstirnigen Genre\nzuzuordnen, in dem Uniformen mehr gelten als Individualit\u00e4t. Kolb\nselbst l\u00e4sst sich mit F\u00fcnf-Tage-Bart und Brille ablichten, beides\nnicht eben gruftige Insignien. In seiner Musik greift er sich die\nElemente, die zu seinen Texten und Stimmungen passen, und pfeift\n(lediglich im \u00fcbertragenen Sinne) auf Genregrenzen. Dunkles Klavier,\nkarge Streicher, Industrialbeats, Black-Metal-Gebolze: Was passt,\nkommt rein, hier zudem dreimal mit der Hilfe des Dunkelmusikers Myuu.\nAggression, Schmerz, Depression, Einsamkeit finden ihre akustische\nEntsprechung. Zu Neuer Deutscher H\u00e4rte indes entwickelt Kolb seine\nLieder nie, gottlob. Offenbar will Kolb auch, dass man zu seinen\nLiedern tanzt; die F\u00fcnfmarkst\u00fccksuche ist da gerade noch m\u00f6glich,\nansonsten ist man vom Zuh\u00f6ren und Wirkenlassen zu sehr abgelenkt, um\nsich zur Musik selbst so zu bewegen wie der K\u00fcnstler. Tanzen kann\nman dazu vermutlich erst nach dem dritten, vierten H\u00f6rdurchlauf,\nwenn man sich ganz auf die Beats konzentriert.<br>\n<br>\nDas latent\nTheatralische passt ebenfalls noch gerade so in die NDT-Richtung. Hat\nman Kolb einmal auf der B\u00fchne erlebt, erfasst man seine Lieder noch\nbesser: Er wirft sich zu Boden, gestikuliert, untermalt seine\nBotschaften mit vollem K\u00f6rpereinsatz; so kennt man das auch von\nOswald Henke, und so klingen auch die St\u00fccke auf \u201eWunschbrunnen\u201c.\nMan sieht ihn f\u00f6rmlich im Studio die Songs performen. Nachdr\u00fccklich,\nbewusst. Kolbs Stimme ist klar und dunkel, seine Aussprache\nakzentuiert; wenn er nicht gerade in den Black Metal verf\u00e4llt und\nkeift oder sich selbst eine kreischende zweite Stimme ist. Seine\nTexte behandeln passend dunkle Themen, von Tod und Leid, von Gut und\nB\u00f6se, von Ende und Neuanfang, Splatter und Selbsthass, aber auch von\nWiderstand und Aufbegehren; nicht selten ist das Spiel mit der\nSprache treibende Kraft und ein, selbstredend schwarzer, Humor nicht\nzu verleugnen.<br>\n<br>\nUnd dann gibt es ja noch das Hardcover-Buch\nmit Bildern und allen Texten. Und dann gibt es noch viele \u00e4ltere\nAlben und Projekte von Kolb. Und dann kommt man vor lauter Oeuvre gar\nnicht hinterher, sich umfassend mit ihm zu befassen. Nicht einmal\nGoogle hilft durch die Flut von Projekten, Musik, Kunst, Literatur,\nLyrik, Labels und Aliassen wie The Berenice Soundproject, Puppengott,\nHeartdoom, Jakob Lenike, Berenice Leitner sowie Kooperationen mit\nLocken N, Marc Domin oder kryptischen K\u00fcnstlern wie Opa16. Schon hat\ner n\u00e4mlich das n\u00e4chste Projekt am Start, Xchnum Miiimiiikry, nicht\nminder verst\u00f6rend als der Rest seines Outputs. Wenn man sich das\nalles so anguckt und anh\u00f6rt, freut man sich, zu wissen, dass man es\nmit einem so hellen, freundlichen und positiven Menschen zu tun hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (25.02.2020) Was\u2019n Paket! 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