{"id":3236,"date":"2019-12-06T22:35:54","date_gmt":"2019-12-06T21:35:54","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3236"},"modified":"2019-12-06T22:35:54","modified_gmt":"2019-12-06T21:35:54","slug":"die-schoenste-zeit-unseres-lebens-la-belle-epoque-nicolas-bedos-f-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-schoenste-zeit-unseres-lebens-la-belle-epoque-nicolas-bedos-f-2019\/","title":{"rendered":"Die sch\u00f6nste Zeit unseres Lebens (La belle \u00c9poque) \u2013 Nicolas Bedos \u2013 F 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (06.12.2019)<br>\n<br>\nHinter diesem einf\u00e4ltigen deutschen\nTitel verbirgt sich einer der brillantesten Filme des Jahres:\nvielschichtig, komplex, schwarzhumorig, zynisch, romantisch,\nherzenswarm, b\u00f6se, einfallsreich, temporeich, lustig. Wer das\nDrehbuch schrieb, verdient allen Respekt; allein das kurze\nNacherz\u00e4hlen ist schon schwierig. Liebesdrama mit inszenierter\nZeitreise, k\u00f6nnte man sagen, und wird diesem Knaller nicht gerecht.\nWichtig: Hitler kriegt aufs Maul! Franzosen k\u00f6nnen also auch\nKom\u00f6dien abseits des Mainstreams.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nDer fr\u00fchere Karikaturist Victor altert von der modernen Technik\nabgewandt an der Seite der lebenshungrigen Marianne, die ihn\nunversehens vor die T\u00fcr setzt. Der Sohn der beiden aktiviert seinen\ncholerischen Freund Antoine, der ein Unternehmen leitet, das Kunden\nf\u00fcr viel Geld inszenierte authentische Zeitreisen in alle\nerdenklichen Epochen anbietet, damit Victor den Boden wieder unter\ndie F\u00fc\u00dfe zur\u00fcckbekommt. Der w\u00fcnscht sich zur\u00fcck ins Jahr 1974,\nin das Caf\u00e9 \u201eLa belle \u00c9poque\u201c, in dem er Marianne erstmals\ntraf, und Antoine installiert seine stinksaure Ex Margot in der Rolle\nder Marianne, w\u00e4hrend die Echte ihr Verh\u00e4ltnis mit Victors bestem\nFreund auslebt.<br>\n<br>\nHier tragen also zwei Paare ihre Fehden\naus, die aufgrund der r\u00e4umlichen Vermengung \u00fcbereinanderlappen;\nMargot richtet etwa ihre Dialoge mit Victor partiell an den\nzuh\u00f6renden Regisseur Antoine. Ungew\u00f6hnlich ist indes die Kulisse\nf\u00fcr all das, schlie\u00dflich sitzt Victor mit seiner Schein-Marianne in\neinem Rauchercaf\u00e9, das exakt so aussieht wie 1974, mit dem\nnachgestellten Personal in authentischer Kleidung, der passenden\nMusik, sogar dem wom\u00f6glich zutreffenden Wetter und den\nobligatorischen Drogen. Auf diese Weise verbindet der Film Zeitreise\nund Gegenwart im Hier und Jetzt, und man staunt, wie virtuos dies\ngelingt.<br>\n<br>\nDazu umgibt die beiden Paare ein bunter Reigen\nvon Charakteren, die ihrerseits ihre Anliegen ausleben und zu den\nbrillanten Dialogen ihre Beitr\u00e4ge leisten. Wie oft jemand von der\nSeite einen sarkastischen Kommentar abgibt, der die gew\u00f6hnlichen\nGespr\u00e4che ironisch torpediert (\u201eSchade, dass er nicht da ist, ich\nh\u00e4tte gern auf der R\u00fcckfahrt mit ihm \u00fcber euch gel\u00e4stert\u201c).\nDabei sind Tempo und Schlagzahl der Pointen sehr hoch, aber nicht\n\u00fcberfordernd. Zumindest findet man sich nach einer Weile sehr in das\nSzenario ein und f\u00fchlt alsbald mit den Figuren. Jedoch muss man sich\nan das permanente Thema Sex gew\u00f6hnen, das dem Film einen leichten\nSchmuddelfaktor verleiht. Fremdgehen ist dabei \u00fcblich, aber verp\u00f6nt;\ndiese Ambivalenz trifft den gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen\nZeitgeist indes recht gut.<br>\n<br>\nBestens gezeichnet sind die\npers\u00f6nlichen Ver\u00e4nderungen, die die Ereignisse bei den Charakteren\nausl\u00f6sen. Handlungen sind nachvollziehbar, Entwicklungen ebenfalls,\nund dank der Zeitreise auch noch historisch begr\u00fcndet. Zudem stimmen\nhier Schnitt und Kamera, Musikeinsatz sowieso, Tempo \u2013 auch das\ngelegentlich reduzierte hat seine Berechtigung \u2013, die grandiosen\nDarsteller und vor allem das Drehbuch. Das beh\u00e4lt sich \u00fcberdies\nvor, nicht jede Inszenierung auch zu entschl\u00fcsseln; die polnische\nGeigerin und die Familienmutter etwa erweitern den\nRealit\u00e4tsebenenkosmos der Handlung auf r\u00e4tselhafte, aber zwingende\nWeise.<br>\n<br>\nZudem ist es erfrischend, das abgedroschene\nLiebesthema aus der seltenen Sicht derer zu zeigen, die es seit 40\nJahren erleben, kombiniert mit dem R\u00fcckblick auf das, was andere\nFilme zum Thema haben, n\u00e4mlich das erste Treffen. In der ganzen\nAbwicklung nehmen die Autoren jeden sich anbietenden Gag am Wegesrand\nmit und geben ihm einen treffsicheren Platz im gro\u00dfen Ganzen. Dies\nd\u00fcrfte einer der intelligentesten Filme der j\u00fcngeren Zeit sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.12.2019) Hinter diesem einf\u00e4ltigen deutschen Titel verbirgt sich einer der brillantesten Filme des Jahres: vielschichtig, komplex, schwarzhumorig, zynisch, romantisch, herzenswarm, b\u00f6se, einfallsreich, temporeich, lustig. 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