{"id":3151,"date":"2019-10-15T22:09:06","date_gmt":"2019-10-15T20:09:06","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3151"},"modified":"2019-10-15T22:10:40","modified_gmt":"2019-10-15T20:10:40","slug":"ben-aaronovitch-der-oktobermann-schwarzerschimmel-dtv-panini-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ben-aaronovitch-der-oktobermann-schwarzerschimmel-dtv-panini-2019\/","title":{"rendered":"Ben Aaronovitch \u2013 Der Oktobermann\/Schwarzschimmel \u2013 dtv\/Panini 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"176\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Ben-Aaronovitch-Der-Oktobermann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3152\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"168\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Ben-Aaronovitch-Schwarzschimmel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3153\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (15.10.2019)<br> <br> Seit acht Jahren gibt es nun die \u201eRivers Of London\u201c-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. Auf Deutsch existieren davon sieben Romane und mit den neusten zwei Ver\u00f6ffentlichungen zudem zwei Kurzromane und drei Graphic Novels, auf Englisch liegen zus\u00e4tzlich noch weitere drei Comics sowie diverse schriftliche und H\u00f6rbuch-Kurzgeschichten vor, der achte Roman der Hauptreihe und der siebte Comic sind f\u00fcr November vorgesehen und in der Schublade hat Aaronovitch noch diverse weitere unver\u00f6ffentlichte Ideen. Und: Simon Pegg und Nick Frost wollen den Stoff verfilmen. Bei so viel Output bleibt Qualit\u00e4t bisweilen auf der Strecke, das gilt auch f\u00fcr die j\u00fcngsten in Deutschland erschienenen Geschichten: Liest sich \u201eDer Oktobermann\u201c noch einigerma\u00dfen flott und fl\u00fcssig weg, l\u00e4sst einen \u201eSchwarzschimmel\u201c doch eher kalt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl \u201eSchwarzschimmel (Black Mould)\u201c im Original bereits 2017 ver\u00f6ffentlicht wurde und \u201eDer Oktobermann (The October Man)\u201c erst zwei Jahre sp\u00e4ter, haben beide Geschichte eine Parallele: Schimmel spielt eine wesentliche Rolle. Eine zweite Parallele liegt in der Konstruktion der Geschichte: In beiden F\u00e4llen geht es um die Manifestation einer historischen Ungerechtigkeit, die sich lebensbedrohlich bis m\u00f6rderisch \u00e4u\u00dfert. Im Falle der Graphic Novel haben es Peter Grant und seine rangh\u00f6here Kollegin Sahra Guleed mit einem formwandlerischen Schwarzschimmel zu tun, der aus der Jazzszene kommt und somit einen Bogen in Grants Vergangenheit schl\u00e4gt.<br> <br> Nun sind Visualisierungen immer problematisch, weil sie der Fantasie des Lesers etwas Konkretes entgegensetzen, mit dem er sich arrangieren muss. Wenn dann diese Visualisierung auch noch so h\u00f6lzern geschieht wie bei der \u201eFl\u00fcsse von London\u201c-Reihe, hat man arg mit den Geschichten zu k\u00e4mpfen. Die man sich indes aber auch nicht sparen kann, will man das komplette Urban-Fantasy-Universum um Peter Grant erfassen: Es handelt sich mitnichten um Adaptionen der bisherigen F\u00e4lle, sondern um neue Geschichten, die sowohl aufeinander aufbauen als auch im gro\u00dfen Kontext verankert sind. Man kann \u201eSchwarzschimmel\u201c also nicht solit\u00e4r lesen, ohne sich \u00fcber besessene Eiswagen und Nachthexen zu wundern.<br> <br> Stattdessen aber dar\u00fcber, dass Aaronovitch dieses Medium \u00fcberhaupt w\u00e4hlt: An sich ist er dazu in der Lage, das hier Gezeichnete auch anschaulich zu formulieren. Bis auf den sich wandelnden Schwarzschimmel und die \u00fcberfl\u00fcssige Drogensequenz von Beverlys Helfer Maxim ist eine Visualisierung kaum erforderlich. Und wenn die dann noch so stocksteif geschieht wie hyperrealistische Superheldencomics, nur spie\u00dfiger, dann braucht man das noch weniger. Einen Unterschied indes gibt es: Im Comic tritt mehr Pseudo-Erotik zutage, was nicht nur \u00fcberfl\u00fcssig ist, sondern den spie\u00dfigen Zeichnungen gar nicht entsprechen mag. Und: Vor lauter gro\u00dfen Panels ist kaum Platz f\u00fcr Handlung oder Spannung, man hat das B\u00e4ndchen schnell durch und legt es eher schulterzuckend beiseite. Daf\u00fcr hat man aber 17 Euro investiert, also f\u00fcnf Euro mehr als f\u00fcr die Originalausgabe, und die ist dieser Comic leider nicht wert, da hatten die beiden Vorl\u00e4ufer sogar etwas mehr Potential. Nun ist man aber Sammler und f\u00fchlt sich allein davon zum Trotzdemkauf verpflichtet, dass man die ganze Geschichte verstehen will. Aber das ist bei all den Nebenstr\u00e4ngen, von denen viele nicht einmal in Deutschland erh\u00e4ltlich sind, ohnehin unm\u00f6glich.<br> <br> Interessanter ist \u201eDer Oktobermann\u201c, f\u00fcr den sich Aaronovitsch seinem deutschen Verlag folgend an die Mosel begibt und mit Tobias Winter eine Art Alter Ego zu Peter Grant erfindet, der beim BKA in einer magischen Sondereinheit an einem lethalen Aufkommen von Weinpilz in der N\u00e4he von Trier ermittelt. Daf\u00fcr wandelt der Autor das vertraute Setting nur marginal ab: Auch hier gibt es Flussgeister und Kollegen, die sich der Magie und dem Magier zaghaft ann\u00e4hern. Aaronovitch h\u00e4lt die Geschichte angenehm kurz und vermeidet ausufernde Abschweifungen, was den Fortgang beschleunigt, aber auch an manchen Stellen verknappt: Nicht selten galoppiert die Story \u00fcber die interessanten Aspekte hinweg und verliert dabei humorvolle Randdetails.<br> <br> Daf\u00fcr aber kniete sich Aaronovitsch mal so m\u00e4chtig in Lokalkolorit hinein, dass man sich nicht vorstellen kann, dass dieses Buch zuerst auf Englisch erschienen sein soll. Der Engl\u00e4nder kennt sich offenkundig aus in Deutschland und erw\u00e4hnt typisch deutsche Eigenheiten, die nicht im touristischen Sinne als allgemeing\u00fcltige Kenntnis vorausgesetzt werden k\u00f6nnen. Er wei\u00df, wie Inneneinrichtungen bei Beamten aussehen, wie das BKA in bestimmten Situationen vorgeht, wie der Wingert hinten links bei dem Vorort von Trier exakt aussieht. Das ist verbl\u00fcffend, zumindest, bis man erf\u00e4hrt, dass sich der Autor via Twitter unter die Arme greifen lie\u00df, und lenkt etwas davon ab, dass die Handlung selbst so d\u00fcnn ist wie das B\u00fcchlein. Die Lekt\u00fcre macht zwar Spa\u00df, aber nicht umfassend satt. Es wirkt wie ein etwas liebloser Schnellschuss f\u00fcr den deutschen Markt, der traumwandlerisch das sichere Terrain abschreitet und bis auf die historische Rolle der Nazis in Bezug auf Zauberei kaum Wagnisse eingeht. \u201eDer Oktobermann\u201c ist also ein leicht defizit\u00e4rer leckerer Snack f\u00fcr zwischendurch und mit seinen Basiserl\u00e4uterungen ein m\u00f6glicher Einstieg f\u00fcr Neuleser der Reihe; Peter Grant existiert hier zumindest parallel, tritt aber nicht in Erscheinung. <br> <br> Vielleicht sollte Aaronovitch mal k\u00fcrzer treten und sich f\u00fcr seine Geschichten mehr Zeit nehmen. Aber wer wei\u00df, welchen pekuni\u00e4ren Zw\u00e4ngen er da unterliegt \u2013 die Miete, die Pizza und das Bier wollen schlie\u00dflich bezahlt werden. Darin sollte man auch als Leser mehr Geld investieren als in Aaronovitchs s\u00e4mtliche Erg\u00fcsse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.10.2019) Seit acht Jahren gibt es nun die \u201eRivers Of London\u201c-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. 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