{"id":3113,"date":"2019-09-09T21:01:11","date_gmt":"2019-09-09T19:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3113"},"modified":"2019-09-09T21:01:11","modified_gmt":"2019-09-09T19:01:11","slug":"tool-fear-inoculum-sony-music-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tool-fear-inoculum-sony-music-2019\/","title":{"rendered":"Tool \u2013 Fear Inoculum \u2013 Sony Music 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Tool-Fear-Inoculum.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3114\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (09.09.2019)<br>\n<br>\nWegen solcher Musik hat man vor \u00fcber\n40 Jahren den Punkrock erfunden. Tool musizieren auf allerh\u00f6chstem\nNiveau, verlieren aber vor lauter K\u00f6nnen so einiges anderes\nRelevantes aus dem Auge. Und \u00e0 propos Auge: Auf ihrem ersten Album\nnach 13 Jahren verbergen die progressivmetallischen Indierocker\nGeheimnisse aller Art und bieten das wohl ungew\u00f6hnlichste St\u00fcck\nVerpackung in diesem Jahrtausend an. Dennoch ist \u201eFear Inoculum\u201c\n\u00fcberwiegend ein ersch\u00fctterndes St\u00fcck Langeweile.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nAlles, aber auch alles, was man auf diesem Album zu h\u00f6ren bekommt,\nkennt man schon von Tool, nur h\u00e4rter. Die Instrumente klingen exakt\nwie vor 13 Jahren, die Effekte wiederholen sich, die Strukturen\nm\u00e4andern wie gewohnt vor sich hin. Man vernimmt vertraute\nVersatzst\u00fccke, die sich auf den fr\u00fcheren Alben lediglich anders\nzusammen- oder fortsetzen. Bei Lichte betrachtet ist \u201eFear\nInoculum\u201c ein Aufguss von \u201e10.000 Days\u201c, und das war bereits\ndie musikalische Leistungsschau, die auf griffige Hooks und\nnachvollziehbare Strukturen verzichtete, um eine Art Best-Of dessen\nzu kredenzen, woraus auf den erfolgreichen Alben \u201eUndertow\u201c,\n\u201e\u00c6nima\u201c und \u201eLateralus\u201c die Hits und Kracher bestanden, nur\nohne neue Hits und Kracher.<br>\n<br>\nEinen Unterschied nimmt man\nindes sehr wohl wahr: \u201eFear Inoculum\u201c ist weicher, egal, wie\nheavy die Gitarren gespielt und wie schnell die Doublebass getreten\nsind. Der Metal weicht zur\u00fcck, die H\u00e4rte weicht auf, aus King\nCrimson mit Brett wird Barclay James Harvest. Na, nicht ganz. Ja, die\nvier Musiker sind hochgradig gut und die Musik findet auf einem\n\u00fcberhohen qualitativen Level statt, aber an neuen Ideen und altem\nMut mangelt es. Und an Emotionen, daf\u00fcr ist alles viel zu\nverkopft.<br>\n<br>\nDaf\u00fcr ist die Verpackung eben exorbitant\neinzigartig. Die CD steckt in einem dreifachen Digipak, in dessen\nMitte beim Aufklappen ein Display zu leuchten und ein Bonus-Track zu\nspielen beginnen. Krassomat 500! Und damit das nicht wie bei\nGeburtstagskarten oder der Maxi-CD \u201eDie Laughing\u201c von Therapy?\nmit schwindender Knopfzellenleistung an Reiz und Wert verliert, ist\nsogar ein exklusives USB-Ladekabel Teil der Ausstattung.\nChef!<br>\n<br>\nUnchef wiederum ist, dass die CD drei (okay,\nverzichtbare, aber es geht ums Prinzip) Tracks weniger hat als das\neigentliche Album, das man sich dann via beigelegtem Downloadcode\nzulegen muss. Bei einem Verkaufspreis von 80 Euro und einem\nCD-Produktionspreis von wenigen Cent w\u00e4re eine Aufteilung der zehn\nTracks auf zwei CDs wohl im Budget gewesen. Schlie\u00dflich sind diese\ndrei experimentellen Instrumentals Teil des verworfenen Konzeptes,\ndas Album \u00e4hnlich wie \u201eDel\u00ecrivm c\u00f2rdia\u201c von Fant\u00f4mas als nur\neinen Track zu ver\u00f6ffentlichen.<br>\n<br>\nZudem gehen Fans, die\ngern eine physische Variante erworben h\u00e4tten, aber keine 80 Euro\nparat haben, leer aus: Eine bodenst\u00e4ndige Ausgabe des Albums ist\nnicht vorgesehen, und auch die angek\u00fcndigte Vinyl-Version soll wohl\nans Unerschwingliche grenzen. Daf\u00fcr haben Die-Hard-Fans drei\nverschiedene Cover-Varianten zur Auswahl, m\u00f6glicherweise auch vier,\nje nachdem, wer die Varianten wie gut im Internet beschreiben\nkann.<br>\n<br>\nDas Cover wiederum hat es nat\u00fcrlich ins sich,\ngestaltet einmal mehr von Alex Grey und gespickt mit\nesoterisch-spirituell angehauchten Motiven, die der eingebaute Clip\nim Cover aufgreift. Das Auge spielt eine wichtige Rolle, deshalb kann\nder Albumtitel, der eigentlich eine Angstinjektion bedeutet, auch als\ngrammatisch absichtlich falsches Latein gelesen werden, n\u00e4mlich\n\u201eFear in oculum\u201c, also Angst ins Auge. Zur Injektion wiederum\npasst, dass man das Bandlogo zusammenklappen kann und es dann eine\naltert\u00fcmliche Spritze darstellt. Ebenfalls wichtig ist wohl die Zahl\n7, die nicht nur im Titel des Tracks \u201e7empest\u201c erscheint, sondern\nsich auch in Rhythmik und Komposition niederschl\u00e4gt, was wiederum\nein Fall f\u00fcr Musiktheoretiker ist und einmal mehr die Grandiosit\u00e4t\nder Musiker unterstreicht, sofern man diese denn wahrnimmt.<br>\n<br>\nDer\nDark-Ambient-Musiker Lustmord ist \u00fcbrigens an diversen\nelektronischen Spielereien beteiligt. Das h\u00f6rt man heraus, nicht nur\nbei dem Cliptrack \u201eRecusant Ad Infinitum\u201c, der deutlich an die\nRemixe erinnert, die Lustmord vor einem Achteljahrhundert f\u00fcr die\nSingles \u201eSchism\u201c und \u201eParabola\u201c anfertigte. Das ist\nverglichen mit allem Fr\u00fcheren der gr\u00f6\u00dfte Zugewinn auf \u201eFear\nInoculum\u201c, vermutlich.<br>\n<br>\nUnd was macht man jetzt mit\ndiesem Edelstein? Eher angucken als anh\u00f6ren, steht zu bef\u00fcrchten.\nDoch wer wei\u00df, wie sich \u201eFear Inoculum\u201c aber bei nochmehrmaligem\nH\u00f6ren entwickelt, ob man nicht doch noch einen Zugang zu dieser\nFahrstuhlmusik findet und wom\u00f6glich etwas vers\u00e4umt, wenn man jetzt\nschon aufgibt. Man kann es sich aber auch ganz einfach sch\u00f6nreden,\num die 80 Euro f\u00fcr sich zu rechtfertigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.09.2019) Wegen solcher Musik hat man vor \u00fcber 40 Jahren den Punkrock erfunden. 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