{"id":3108,"date":"2019-09-06T15:57:36","date_gmt":"2019-09-06T13:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3108"},"modified":"2019-09-06T15:58:18","modified_gmt":"2019-09-06T13:58:18","slug":"dr-melancholie-rusted-tone-recordings-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dr-melancholie-rusted-tone-recordings-2019\/","title":{"rendered":"DR \u2013 Melancholie \u2013 Rusted Tone Recordings 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DR-Melancholie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3109\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.09.2019)<br> <br> Sobald man ein neues Album von DR alias Dominic Razlaff aus Braunschweig besprochen hat, sind schon wieder drei Dutzend weitere drau\u00dfen. Sei der sich anbahnende Herbst nun also der Anlass, sich mit dem Juli-Album \u201eMelancholie\u201c auseinanderzusetzen, das der Ambient-Drone-K\u00fcnstler als Tape und Download anbietet. Seine akustische Umsetzung des Themas beginnt und endet themengem\u00e4\u00df, doch l\u00e4sst die im Verlauf folgende Vorstellung von \u201eMelancholie\u201c erahnen, dass diese bei DR einen latenten Hang in Richtung Depression hat, mit einem Anteil zwischen manisch und aggressiv, also alles andere als s\u00fc\u00df. \u00dcberraschend.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eErster April\u201c,\nder Titel des ersten, zw\u00f6lfmin\u00fctigen Tracks, klingt nun nicht\ngerade nach Herbst, das St\u00fcck selbst aber sehr wohl nach\n\u201eMelancholie\u201c. In klassischer DR-Art baut sich ein melodie- und\nrhythmusloser Drone auf, der die Seele auf das Thema bestens\neinstimmt. Doch bereits mit dem n\u00e4chsten Track, dem knapp\nsechsmin\u00fctigen \u201eMannong Pu Erh\u201c, setzt DR unerwartete Akzente:\nMan h\u00f6rt ein verfremdetes Saiteninstrument, schleppend vorgetragen\nund vermutlich r\u00fcckw\u00e4rts gespielt, eingebettet in eine\nAmbientatmosph\u00e4re, und dazu im Hintergrund gelegentliches\nKindergeschrei. Das gespielte Instrument verleiht dem Track eine\nStruktur, die die St\u00fccke von DR ansonsten eher selten haben; das ist\ndie erste \u00dcberraschung auf diesem Album. Der Track, ansonsten sanft\nwie der titelgebende Tee, endet mit einem \u00fcberdrehten Schreisample,\ndas den H\u00f6rer so richtig aus seinem Gedankenfluss herausr\u00fcttelt.\nDieser Ton bildet eher latente Aggressionen ab als die s\u00fc\u00dfliche\nStimmung einer Melancholie, er ber\u00fchrt unangenehm, l\u00f6st Beklemmung\naus; diese Schwermut bedr\u00fcckt, DR bringt zum Ausdruck, wie\ngef\u00e4hrlich es sein kann, sich in vermeintlicher Sicherheit zu\nwiegen, wenn man sich in seine Melancholie bettet und kein Interesse\ndaran hat, die Sonne wieder in die Seele zu lassen.<br>\n<br>\nDoch\ndas \u00e4ndert sich bereits mit dem n\u00e4chsten Track. Das zehnmin\u00fctige\n\u201eLuftschloss\u201c hat ebenfalls ein Saiteninstrument als Basis, aber\ndeutlich reduzierter gespielt, jazzartig mehr L\u00fccken lassend als\nMelodien erzeugend. Die Saiten schwingen nach und erzeugen damit den\nf\u00fcr DR typischen Drone, ohne dass er diesen Ton f\u00fcr Laien h\u00f6rbar\nverfremden muss. Das tats\u00e4chliche Sample bleibt vermutlich dennoch\nsein Geheimnis und w\u00e4re, sobald entschl\u00fcsselt, wohl eine\n\u00dcberraschung; zu tippen w\u00e4re hier auf Ukulele, also etwas g\u00e4nzlich\nnicht danach Klingendes. Was DR mit diesem Sound errichtet, kann man\nsich in der Tat als Luftschloss imaginieren; der Blick geht in den\nHimmel, der mit dezenten Wolken bedeckt ist, in denen man \u00e4hnliche\nDinge erkennen kann wie in dieser Musik. Der depressive dunkle Punkt\nist vorerst \u00fcberwunden.<br>\n<br>\nDie letzten zehn Minuten geh\u00f6ren\ndem Titeltrack, der wiederum auf mehreren Dronet\u00f6nen basiert. Diese\ngestalten sich zun\u00e4chst dunkler, als man sich eine Melancholie\nausmalt, und tragen also eher Z\u00fcge einer Depression, einer\nungesunden Entwicklung jener Stimmung mithin. Wie schon beim Opener\nl\u00e4sst sich die Quelle f\u00fcr die dr\u00f6hnenden T\u00f6ne nicht ausmachen.\nMit dem Wissen, dass DR gern Field Music einsetzt, aber eben auch\nechte Instrumente sampelt, l\u00e4sst sich die Fantasie bestens anregen,\nwie er diesen Track nun zuwege gebracht haben mag; man kann sich aber\nauch einfach in die Atmosph\u00e4re fallen lassen, die auf Dauer ihre\nDunkelheit verliert und sogar eine unbestimmte Melodi\u00f6sit\u00e4t\nzul\u00e4sst. Sobald die Drones verklingen, spuckt einen das Album zur\u00fcck\nin die Realit\u00e4t. Da k\u00f6nnte man glatt melancholisch werden.<br>\n<br>\nDieses\nAlbum erscheint bei dem Londoner Label Rusted Tone Recordings auf\nKassette. Der labeleigene K\u00fcnstler Matt Atkins gestaltete das\nabstrakte Cover, das ein von einem Holzuntergrund abbl\u00e4tterndes\nbuntes Graffito zeigt. Auf DRs Bandcamp-Seite gibt\u2019s \u201eMelancholie\u201c\nauch als Download, ebenso die neueren drei Dutzend Alben. So ein\nOutput auf solch hohem Niveau, das ist beachtlich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.09.2019) Sobald man ein neues Album von DR alias Dominic Razlaff aus Braunschweig besprochen hat, sind schon wieder drei Dutzend weitere drau\u00dfen. 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