{"id":3104,"date":"2019-08-30T16:05:40","date_gmt":"2019-08-30T14:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=3104"},"modified":"2019-08-30T16:06:47","modified_gmt":"2019-08-30T14:06:47","slug":"thom-yorke-anima-xl-recordings-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thom-yorke-anima-xl-recordings-2019\/","title":{"rendered":"Thom Yorke \u2013 Anima \u2013 XL Recordings 2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"127\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Thom-Yorke-Anima-Book.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3105\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Von Matthias\nBosenick (30.08.2019)<br>\n<br>\nWenn der Soundtrack deutlich l\u00e4nger\nist als der Film dazu, hat Thom Yorke etwas geschafft, was ihm mit\n\u201eSuspiria\u201c, der Ver\u00f6ffentlichung davor nicht gelang, obwohl es\nsich dabei sogar um ein Doppel-Album handelte. Das liegt aber auch\ndaran, dass \u201eAnima\u201c nur eine Viertelstunde lang ist, und es ist\nauch gut so, dass das auf das Album nicht zutrifft: Yorke extrahiert\nden Electro-Anteil aus seiner Rockband Radiohead und erzeugt daraus,\nerg\u00e4nzt durch ein Orchester, eine intelligente, warme, k\u00fcnstliche\nund k\u00fcnstlerische Musik. Der Netflix-Film dazu von Paul Thomas\nAnderson ist auch ganz reizvoll.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\nTanz als Ausdrucksform erschlie\u00dft sich nicht jedem Betrachter\nsofort, und so hat man auch seine liebe Not damit, die Geschichte in\n\u201eAnima\u201c nachzuvollziehen. Yorke guckt wie Karl Dall und befindet\nsich in einer dystopischen Welt, in der alle Menschen\ngleichgeschaltet sind. Er begegnet in der U-Bahn einer Frau und\nnimmt, offenbar gegen die von wem auch immer aufgestellten Regeln,\nBlickkontakt zu ihr auf. Weil er diesen nach Verlassen der Station\nwieder verliert, versucht er, der Frau zu folgen, und durchmisst\ndabei diverse tanzende Menschengruppen und im Wortsinne schr\u00e4ge\nKulissen, bis die beiden sich wiederfinden und ganz \u00fcberraschend\ndurch Prag t\u00e4nzeln. Das emotionale Ende erinnert etwas\nuneigenst\u00e4ndig an diverse Klassiker und \u00fcberrascht nicht so sehr,\nwie der Umstand, dass die grandiose Musik hier eine besondere\nVisualisierung erf\u00e4hrt und man sich trotzdem nicht zwingend w\u00fcnscht,\nYorke w\u00fcrde zum Schauspieler umschulen.<br>\n<br>\nDaf\u00fcr ist er als\nMusiker einfach zu besonders. Eine Kompromisslosigkeit wie die seine\nist selten im Biz, und das, was er so kompromisslos auf die\nBildungsb\u00fcrger und Indierocker losl\u00e4sst, ist nicht nur\neffektgeladene Schaumschl\u00e4gerei, sondern von tats\u00e4chlich hoher\nQualit\u00e4t. Der Rock\u2019n\u2019Roller ist bestens bewandert in den\nelektronischen Spielarten dieser Welt und wei\u00df auch die\nentsprechenden Ger\u00e4tschaften zu nutzen. Ein Tanzfilm bringt\nnat\u00fcrlich gewisse Vorgaben mit sich, und fehlende Tanzbarkeit kann\nman \u201eAnima\u201c nun wirklich nicht unterstellen. Ein Yorke nun\nvergisst aber nicht, beim Tanzen auch den Kopf zu bedienen, und\nverschachtelt seine Rhythmen, zerhackt seinen Gesang, verknotet seine\nMelodien.<br>\n<br>\nUnd als w\u00e4re das nicht schon abenteuerlich\ngenug, verleiht er seinen abstrakten Tracks auch noch musikalische\nW\u00e4rme, nicht nur vermittels seiner Falsettstimme, die mitnichten\nweinerlich ist, wie Coldplay-Fans gern behaupten. Denn weil\nElektronik allein ja nicht gl\u00fccklich macht, verpflichtet der\nKomponist ein Orchester dazu, seine Ideen umzusetzen. Hier\nverschmelzen Elektronik und Orchester auf eine Weise, die die Grenzen\nkomplett verwischt. Beides besteht gleichwertig, nicht nebeneinander.\nMassentauglichkeit ist nun nicht Yorkes Ziel, und doch erreicht er\nmit seinen Projekten \u00fcberraschend viele offene Ohren. Und bedient\nauch auf seine Weise gef\u00e4llige Strukturen; der vorletzte Track etwa\nbasiert auf einem Reggae-Rhythmus und groovt wie Sau. Nicht als\neinziger Song auf diesem Album.<br>\n<br>\nAls Kooperationspartner\nsind auf \u201eAnima\u201c einige \u00fcbliche Verd\u00e4chtige an Bord:\nSchlagzeuger Joey Waronker spielte bereits bei Atoms For Peace mit\nYorke. Phil Selway ist Yorkes Bandbuddy bei Radiohead. Und Nigel\nGodrich war nicht nur ebenfalls Mitglied von Atoms For Peace, sondern\nist Yorkes Hausproduzent. Eine erweiterte Familie, die hier\nzusammentritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer schnell war,\ndas ist bei Yorke-Produkten so \u00fcblich, hatte Gl\u00fcck, das Album \u00fcber\ndie Webseite als fettes Buch zu bekommen, mit einer Doppel-LP in\norangefarbenem Vinyl und mit Downloadcode. Der \u00fcbliche Mehrwert\nalso, den man nicht streamen oder herunterladen kann. Den Film dazu\nindes muss man streamen: Paul Thomas Andersons Arbeit ist nur auf\nNetflix zu sehen. Mit dabei ist \u00fcbrigens Yorkes Lebensgef\u00e4hrtin\nDajana Roncione.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.08.2019) Wenn der Soundtrack deutlich l\u00e4nger ist als der Film dazu, hat Thom Yorke etwas geschafft, was ihm mit \u201eSuspiria\u201c, der Ver\u00f6ffentlichung davor nicht gelang, obwohl es sich dabei sogar um ein Doppel-Album handelte. Das liegt aber &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thom-yorke-anima-xl-recordings-2019\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,20,16],"tags":[],"class_list":["post-3104","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-tv","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3104"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3107,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3104\/revisions\/3107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}